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Huawei – Wie sieht es mit dem Rückgaberecht eines Huawei-Phones aus?

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Mittlerweile hat es auch der Letzte mitbekommen: Huawei steckt böse in der Klemme. Jeden Tag gibt es neue Nachrichten um den in Ungnade gefallenen chinesischen Smartphone-Hersteller. Manchmal zwar auch gute, so wie gestern die Wiederaufnahme des Huawei Mate 20 Pro in das Android Beta-Programm, aber auch neue Hiobsbotschaften. Eventuell soll bei Huawei/Honor-Geräten auch die WhatsApp-Unterstützung entfallen. Doch was kannst du als Huawei Besitzer jetzt tun? Einfach alles hinnehmen und, jetzt erst recht, mit einem nicht mehr unterstützen Smartphone durch die Gegend laufen? Oder können die Geräte eventuell wieder zurückgegeben werden?

Huawei – Wie sieht es mit dem Rückgaberecht eines Huawei-Phones aus?

In der letzten Woche hat President Trump den chinesischen Smartphonehersteller auf die Handels-Blacklist gesetzt, so dass es Huawei nicht mehr erlaubt ist mit amerikanischen Unternehmen Geschäfte zu machen. Demzufolge entzog Google Huawei die Android-Lizenz, so dass es Huawei nur mehr möglich ist auf die Open Source Variante von Android zuzugreifen. Doch woher kommen dann die Sicherheitsupdates? Versionsupdates, wie das eigentlich schon greifbare Android Q, sind damit Geschichte.

Man hörte zwar von einer 90 Tage andauernden, vorübergehenden Lizenz, die es den US-Unternehmen ermöglicht, eingeschränkt Geschäfte mit Huawei zu tätigen und somit bis zum August vorhandene Smartphones noch mit Updates zu versorgen. Allerdings hat Huawei sich auf „solch ein Szenario“ vorbereitet und möchte ein eigenes, androidkompatibles, Betriebssystem namens HongMeng OS in den Ring werfen. Der Play Store soll durch eine Zusammenarbeit mit Aptoide ersetzt werden. Doch weitere Probleme, wie die Nichtmehr Nutzung von Chips des Herstellers Arm vergrößern nur das Dilemma. Nachdem dann auch noch das Honor 20 Pro der Tochtermarke Honor als erstes Phone keine Android Freigabe mehr erhalten hat und sämtliche Huawei Phones von der Android-Seite entfernt wurden sollte man sich überlegen, was man mit seinem Huawei-Smartphone noch anstellt.

Ein gutes Zeichen erreichte uns jedoch gestern: Das Huawei Mate 20 Pro, welches in der letzten Woche von der Beta-Webseite von Android entfernt wurde, tauchte gestern dort wieder auf.

Kein WhatsApp Support mehr für Huawei-Geräte

Was bisher zwar noch nicht bestätigt, jedoch wahrscheinlich ist: Die bestehenden Huawei- und Honorgeräte könnten demnächst auch die Unterstützung des beliebten Messengers WhatsApp verlieren. Denn die US-Regierung verbietet nämlich auch „die Installation von Kommunikationstechniken und Services“. Das würde bedeuten, dass in der Huawei AppGallery verfügbare Apps mit „amerikanischem Hintergrund“ nicht mehr nutzbar wären.

Und WhatsApp wie auch Facebook oder Instagram und Snapchat gelten als Kommunikationstechnik und sind alle in Amerika ansässig. Zwar wäre es möglich, eine APK-Datei oder die App über Aptoide zu laden, ob sie dann jedoch funktioniert, ganz ohne Support, bleibt fraglich.

Lohnt sich der Kauf eines Huawei-Smartphones noch?

Alle, die bisher ein Huawei Smartphone ihr Eigen nennen, können erst einmal abwarten, da es sich um Geräte mit den Google-Diensten handelt. Wie es dann jedoch nach der 90 Tage Frist im August aussieht, kann heute noch keiner beantworten. Gibt es ein Einlenken der US-Regierung im Handelsstreit und für Huawei und die Nutzer läuft vielleicht alles weiter wie bisher? Wenn nicht sind in 90 Tagen auch die vorhandenen Smartphones ohne Garantie auf Updates. Sie werden dann auf dem bisherigen Stand stehen bleiben. Auch beliebte Apps könnten ohne Support sein und damit nicht mehr wie gewohnt funktionieren.

Bei neuen Geräten, welche noch nicht im Handel oder im Verkauf sind, kann Huawei zwar die AOSP-Variante von Android installieren, muss seinen Nutzern dann aber eine Alternative zu Google Play und anderen Google Diensten präsentieren. Fraglich ist dann allerdings, ob der hiesige Nutzer, der einfach nur telefonieren, whatsappen und fotografieren möchte, sich sein Smartphone/Betriebssystem selbst aus Alternativ-AppStores zusammenbauen wird. Denn ohne Aufwand und Energie für den Betrieb und die Sicherheit deines Smartphones hältst du nur ein unsicheres technisches Gerät in Händen. Auch die Sicherheitsupdates sind Open Source und können von Huawei verwendet werden, allerdings erst, nachdem sie über das Android Open Source Project verfügbar sind. Ein Zugriff auf Versions-Updates und damit die neuen Features ist jedoch nicht mehr gegeben. Neue Features könnten auch erst genutzt werden, nachdem sie Open Source sind.

Und gehen wir mal von einem neuen, eigenen Betriebssystem namens HongMeng OS oder auch ARK OS aus: Du kaufst also ein Smartphone, dass ein Betriebssystem enthält, welches in den Kinderschuhen steckt. Eventuelle Kinderkrankheiten inklusive. Das heißt, du hast dann vielleicht ein teures Smartphone mit einer Top-Kamera für tolle Bilder, aber einem Betriebssystem, dass vielleicht doch nicht mit Android kompatibel ist. Verschiedene Apps wie einen E-Mail-Client, eine Navi-App oder auch einen Messenger musst du dir entweder über alternative App-Stores nachinstallieren oder Huawei präsentiert Google-kompatible Apps. Es ist alles noch sehr unausgereift, obwohl ein drittes Betriebssystem neben den beiden Platzhirschen Google/Android und Apple/iOS den Markt beleben könnte. Aber da jetzt gerade alles übers Knie gebrochen wird und teils Meldungen von einem globalen Rollout im nächsten Monat, der dann wieder dementiert wurde, erscheinen, glaub ich nicht, dass alles so reibungslos über die Bühne geht.

Welche Rechte habe ich als Huawei-Nutzer?

Auch wir in der Redaktion haben im Januar diesen Jahres ein Huawei P Smart 2019 Phone erworben. Es wurde mit dem aktuellen Android 9.0 Pie ausgeliefert sowie einem 2 Monate alten Sicherheitspatch. Wir hatten das Gerät bei Amazon erworben und da das Internetkaufhaus als sehr kulant gilt, haben wir dort im Chat einmal freundlich nachgefragt, wie es denn aufgrund der aktuellen Lage mit einer Rückgabe unseres vor 4/5 Monaten gekauften Smartphones aussieht. Der Mitarbeiter hat sich rückversichert und das Smartphone dann gegen Erststattung des Kaufpreises zurück genommen. Das muss jedoch nicht immer so laufen.

Habe ich das Recht auf Updates?

Die Verbraucherzentrale NRW schreibt dazu:

Die richtigen Ansprechpartner dürften derzeit allein Huawei bzw. Honor als Hersteller der Geräte sein. Dagegen dürfte ein Vorgehen gegen den Verkäufer oder Händler des Handys derzeit nicht erfolgversprechend sein, da insbesondere Rechte aus Gewährleistung oder Garantie in diesem Fall in der Regel ausscheiden. Ebenso wenig dürften etwaige Ansprüche gegen Google selbst bestehen.

Die einschlägigen Vertragsbedingungen von Huawei regeln keine Pflicht zur Bereitstellung von Softwareupdates. Generell haben Kunden also keinen Anspruch darauf, immer die neueste Version eines Betriebssystems zu erhalten. Unserer Auffassung nach hat Huawei jedoch dafür Sorge zu tragen, dass Kunden durch etwaige Softwarefehler keine Schäden entstehen oder zumindest für einen angemessenen Nutzungszeitraum weiterhin die sichere Nutzung der Geräte möglich ist.

Mit welchen Maßnahmen der Hersteller dieses Ziel erreicht, liegt in seinem Entscheidungsspielraum. So kann er auf die weiterhin unter Open-Source-Lizenzen bereitgestellten Android-Patches zurückgreifen oder zum Beispiel auf ein eigenes Betriebssystem wechseln. Kunden dürften aus unserer Sicht keinen Rechtsanspruch darauf haben, in Zukunft mit der gewohnten Google-Software versorgt zu werden.

So wie es die Verbraucherzentrale auslegt, hast du kein Recht auf die Bereitstellung von Versions-Updates, jedoch muss Huawei Sorge tragen, dass Nutzern durch eventuelle Sicherheitslücken keine Schäden entstehen. Oder es muss eine sichere Nutzung der Geräte für einen angemessenen Zeitraum garantieren. Fehlende Versions-Updates sind also kein Grund für die Rückgabe eines Huawei Gerätes, wohl aber fehlende Sicherheitsupdates, da ohne sie keine sichere Nutzung der Geräte mehr möglich ist.

Allerdings haben die Huawei-Nutzer die teilweise sehr teuren Top-Geräte in der Annahme erworben, dass mindestens 2 Versions-Updates erfolgen sollten. Beziehungsweise wurde in der Werbung durch Huawei garantiert, dass immer das aktuelle Android-Betriebssystem läuft (ab August Android Q). Diese kann/darf Huawei aber derzeit nicht mehr liefern. Somit könnte das Rückgaberecht greifen und du hättest eine Chance dein Huawei-Phone wieder zurück zugeben.

Das Rückgaberecht oder auch der Vertragsrücktritt bei Online-Käufen gilt laut §355 BGB 14 Tage, beginnend mit Vertragsabschluss, soweit nichts anderes bestimmt ist. Bei einigen Online-Händlern gilt eine 30tägige Rücktrittsfrist.

Auch wenn ein Handyvertrag geschlossen und über diesen Vertrag ein Smartphone gekauft wurde, kannst du theoretisch nach dem „Widerrufsrecht bei Verbraucherverträgen“ innerhalb von 14 Tagen davon zurücktreten. Das gilt auch, wenn die SIM-Karte schon genutzt wurde. Bis dahin entstandene Kosten müssten jedoch gezahlt werden. Handyverträge bei einem Anbieter vor Ort fallen nicht unter das Widerrufsrecht. Der Widerruf sollte immer schriftlich per Einschreiben erfolgen. Ist die 14tägige Frist jedoch verstrichen sieht es eher schlecht mit einer Rückgabe aus. Denn Huawei kann sich darauf berufen, nichts für die Google-Sperre zu können und kann daher nicht als Verursacher der Probleme haftbar gemacht werden.  

Fazit

Momentan bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten: Gibt es eine Einigung oder nicht. Huawei beteuert aufgrund der Spionage-Vorwürfe der US-Regierung seine Unabhängigkeit von der chinesischen Regierung. Angeblich werden keine Hintertüren in Huawei-Geräte eingebaut mit denen man Daten der Nutzer oder des Telefonanbieters ausspionieren könne. Theoretisch könnte es uns ja fast egal sein, wer uns ausspioniert. Ob Huawei und die Chinesen oder Google und die USA. Unsere Daten sind so oder so in der Hand von anderen. Um jedoch weiterhin die europäische/amerikanische Android-Variante zu nutzen solltest du dir überlegen, ob es eine Möglichkeit gibt, dass du dein Huawei-Smartphone wieder zurückgibst.

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