Start Magazin Root, wozu? Fünf gute Gründe, dein Handy zu rooten!

Root, wozu? Fünf gute Gründe, dein Handy zu rooten!

Der eigentliche Root-Vorgang dauert nur ein paar Sekunden.

Das Rooten beschreibt den Vorgang, bei dem sich der Benutzer eines Smartphones die Möglichkeit verschafft, das Gerät bis ins kleinste Detail zu verändern und die Rechte des System-Administrators zu erhalten. Doch wozu der Aufwand? Unser Artikel erklärt die Vorteile und zählt die fünf wichtigsten Gründe auf.

Da Android auf Linux basiert, kommt auch der Begriff: „Root“, der mit dem Administrator bei Windows zu vergleichen ist, aus dem Linux- bzw. Unix-Jargon. Der große Vorteil des Rootens ist es, wie oben schon erwähnt, mehr Freiheiten zu haben und nahezu alles an dem gerooteten Gerät verändern und personalisieren zu können.

Allerdings bringt das Rooten auch Nachteile und vor allem Risiken mit sich. Der größte Nachteil besteht darin, dass meistens die Garantie beim Rooten verfällt. Jedoch gibt es auch Firmen wie zum Beispiel OnePlus oder FairPhone, bei denen das Rooten ohne Folgen bezüglich der Garantie bleibt, auch die Nexus-Geräte von Google gehören dazu.

Mehr zum Thema? Zu den Grundlagen von Root findest du im Android-User-Archiv mehrere Artikel!

Die Risiken sollten aber auch unbedingt mit in die Entscheidung einbezogen werden, das Gerät zu rooten oder doch lieber die Finger davon zu lassen. Wer sich aufgrund von fehlendem Wissen während des Root-Vorgangs auf mehrere Versuche einlässt, geht das Risiko ein, sein Gerät entweder soft- oder hard zu bricken.

Wenn das Handy „soft gebrickt“ ist, heißt das, dass es in einen Bootloop verfällt. Das Smartphone fährt immer wieder hoch, um sich danach selbst auszuschalten. Dieses Problem lässt sich oftmals leicht beheben, indem man das Gerät im Recovery-Modus startet, um dann eine andere, fehlerfreie Version des Betriebssystems aufzuspielen. Doch das ist bei den meisten Herstellern gar nicht mal so einfach, wenn man selbst kein Backup gemacht hat.

Die zweite Brick-Option ist deutlich ernstzunehmender. Beim sogenannten Hardbrick lässt sich das Handy gar nicht mehr booten und verwandelt sich in einen Ziegelstein (englisch: Brick). Die einzige Möglichkeit es wiederzubeleben besteht darin, zum Händler zu gehen und auf seine Kulanz zu hoffen, sodass das Handy ausgetauscht wird.
Wer also damit liebäugelt sein Gerät zu rooten, sollte sich noch einmal genau über den Vorgang, die Begriffe und die möglichen Folgen informieren. Hier ein paar Anleitungen:

Dein Handy befindet sich nicht in der Liste? Such einfach im Android-User-Archiv nach einer passenden Root-Anleitung.

Grund 5: Custom-ROM

Custom ROMs sind alternative Erweiterungen und Veränderungen von Android oder teilweise auch ganz andere Betriebssysteme, die nicht von den Herstellern der Geräte produziert, sondern von Drittanbietern meistens kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Der wohl größte Vorteil ist, dass eine größere Anpassbarkeit ermöglicht wird. Allerdings wird eine Custom ROM auch oft installiert, wenn das Handy unter Rucklern und allgemeiner Langsamkeit leidet. Da die alternativen Betriebssysteme aber auch auf allen möglichen Android- Versionen basieren, kann man ein Handy, welches vom Hersteller nicht mehr mit Softwareupdates ausgestattet wird, manuell updaten und so immer auf dem neusten Stand der Software bleiben.

Die Custom-ROM CyanogenMod verfügt sogar über einen eigenen Geräteadminstrator-Account.
Die Custom-ROM CyanogenMod verfügt sogar über einen eigenen Geräteadminstrator-Account.

Direkte Nachteile gibt es nicht, doch die Custom ROM Datei könnte fehlerhaft sein und so einen Bootloop hervorrufen. Da ein Bootloop jedoch nur sehr selten auftritt und nicht allzu schwer zu fixen ist, gibt es nur die Nachteile des Rootens. Zu den bekanntesten Custom-ROMs gehören

  • Cyanogen Mod: Bietet unzählige Einstellungsmöglichkeiten und läuft sehr flüssig. Außerdem ist ein App Themer integriert, mit dem sich Themes und Icon Packs frei kombinieren lassen. Details…
  • Paranoid Android: Besitzt viele nützliche Features für Profis und Nerds, unterstützt aber nur die Nexus- Geräte und die Handys von Oppo und OnePlus. Außerdem bekommt es wöchentliche Over- The- Air- Updates. Details…
  • AOKP: Bietet maximale Personalisierungsmöglichkeiten. Einsteiger können so jedoch schnell den Überblick verlieren. Details…

Bevor du dich jetzt aber ans Rooten machst, um eine Custom-ROM zu installieren: Für die meisten Smartphones ist das nicht nötig, sondern du musst nur den Bootloader entsperren und ein Custom Recovery installieren. Root gibt es bei den meisten Custom-ROMs quasi gratis dazu. Das Handy rooten zu müssen, um eine Custom-ROM installieren zu können, ist nur bei Smartphones notwendig, die das Entsperren des Bootloaders nicht zulassen.

Grund 4: Eigene Bootanimationen

Wer den Look seines Handy weiterhin verändern will, kann die Bootanimation des Gerätes verändern. Das Erstellen einer Bootanimation geht relativ einfach mit einem PC und einem Programm zum Erstellen von Animationen, z.B. Blender 3D oder Adobe After Effects. Wer die Animation fertiggestellt hat, sollte sie in der Auflösung, die das zu modifizierende Gerät besitzt, als einzelne PNG- Dateien speichern. Wer ein performanceschwaches Gerät personalisieren will oder einfach sicher gehen will, dass die Animation flüssig läuft, sollte die Animation bei niedrigerer Auflösung, jedoch den gleichen Seitenverhältnissen speichern.

Eine eigene Bootanimation lässt sich mit etwas Geduld problemlos erstellen.
Eine eigene Bootanimation lässt sich mit etwas Geduld problemlos erstellen.

Nun sollte man, um die Übersicht zu wahren, einen Ordner Anlegen. In diesen Ordner erstellt man weitere zwei Ordner mit den Namen: „Boot“ und „Parts“ oder ähnlichen. Der Boot- Ordner ist dafür da, die fertige Datei zu speichern, der Parts- Ordner beinhaltet weitere Ordner in welche man die Frames der Animation speichert. Eine Sequenz, die am Ende wiederholt werden soll, bekommt einen eigenen Ordner.

Jetzt kommt ein kostenloses Programm ins Spiel, das für die Erstellung einer Bootanimation, die vom Handy verarbeitet werden kann, benötigt wird. Du findest den Bootanimation Creator auf xda-developers.com. Wer das Programm heruntergeladen hat, sollte die vom Programmierer verfasste Anleitung befolgen. Es gibt inzwischen auch eine neuere Version. Für diesen Artikel habe ich aber das oben verlinkte Windows-Programm benutzt.

Über den Boot Animation Creator geht das Erstellen recht flink.

Die vom Programm exportierte zip- Datei, die „bootanimation.zip“ heißen sollte, wird nun per USB- Kabel in einen freien Ordner des Gerätes gezogen (zum Beispiel Audio oder Movies). Anschließend musst du die Datei mit einem Dateiexplorers mit Rootberechtigungen (zum Beispiel dem ES Datei Explorer) nach  system/media verschieben. Wer eine Sicherungskopie von der orginalen Bootanimationsdatei machen will (empfohlen!), ändert vor dem Einfügen ihren Namen zu „bootanimation_ba.zip“. So kann die eigene Bootanimation immernoch gelöscht werden und die alte Bootanimation kann wieder zu „bootanimation.zip“ umbenannt werden. Wenn das Gerät nun neugestartet wird, sollte die neue Bootanimation anstelle der Alten erscheinen.

Grund 3: Übertakten und Untertakten

Beim Übertakten (engl. Overclocking) geht es vor allem darum, die Systemleistung zu verbessern. Um zu verstehen, wie das Übertakten funktioniert, muss man allerdings erst einmal verstehen wie ein Prozessor, also das „Gehirn“ des Smartphones funktioniert. Er arbeitet in einem gewissen Takt der sich gut mit dem Trommler auf einem Ruderschiff vergleichen lässt: Die CPU führt pro Schlag einen Prozess aus. Je schneller der Prozessor also den Befehl zum Arbeiten gibt, desto schneller und flüssiger funktioniert das Smartphone.

Während sich beim Übertakten die Geräte leistungsmäßig erneut aufpolieren lassen, sinkt, um bei dem Vergleich des Ruderschiffes zu bleiben, natürlich auch die Energie der Ruderer. Konkret heißt das, dass sich die Akkulaufzeit verkürzt.

Um die Akkulaufzeit zu optimieren gibt es das Gegenteil vom Übertakten – das Untertakten (engl. Underclocking). Beim Untertakten verlängert sich zwar die Akkulaufzeit, die Leistung wird aber gesenkt. So gilt es beim Über- und Untertakten den perfekten Takt herauszufinden um das Verhältnis zwischen Akkulaufzeit und Leistung an die persönlichen Vorlieben anzupassen.

Ein Nachteil: Wer sein Smartphone permanent auf einer Höheren Taktfrequenz als vom Hersteller vorgesehen betreibt, kann damit der CPU zu einem schnelleren (Hitze-)Tod verhelfen. Üblicherweise halten die Dinger aber recht viel aus.

Mit der App No-frills CPU Control und Root-Rechten lässt sich die CPU übertakten und untertakten.
Mit der App No-frills CPU Control und Root-Rechten lässt sich die CPU übertakten und untertakten.

Wer nun sein Smartphone übertakten will, sollte sich eine von den vielen Overclocking Apps aus dem Google PlayStore herunterladen. Eine der meiner Meinung nach übersichtlichsten und einfachsten Apps heißt No-frills CPU Controll (gratis im Play Store). Die App ist zwar schon etwas älter, arbeitet aber immer noch problemlos. Mit dieser App lassen sich vorgefertigte Profile,wie zum Beispiel: powersave oder performance, einstellen, aber auch fortgeschrittene Nutzer können die Taktfrequenz manuell einstellen um so ihr Smartphone zu optimieren. Wenn alle Einstellungen vorgenommen wurden, muss nur noch auch Übernehmen getippt werden, sodass das Handy übertaktet/ untertaktet wird.

Neuere Apps sind zum Beispiel KControl oder das Kernel Toolkit. Fairerweise soll hier auch erwähnt werden, dass für das Übertakten in den meisten Fällen auch ein alternativer Kernel benötigt wird. Untertakten sollte aber auch mit dem Standard-Kernel klappen.

Grund 2: Bloatware entfernen

Die meisten Menschen, die nicht ein Nexus- Handy mit „reinem“ Android besitzen, kennen das Problem, dass das Gerät sobald man es angeschaltet und frisch aufgesetzt hat nur so vor vorinstallierten und unnötigen Apps strotzt. Diese Apps nennt man Bloatware. Das Problem von Bloatware ist nicht nur, dass sie die unnötigsten Funktionen,wie zum Beispiel Radios oder schlecht designte und noch schlechter organisierte Musik Apps, besitzt, sondern auch, dass sie sich nicht entfernen lässt. Jedoch eröffnet das Rooten die Möglichkeit unnötige und speicherfressende Apps zu deinstallieren.
Risiken gibt es keine, jedoch sollte man sehr gut darauf aufpassen, dass man keine Programme wie zum Beispiel die Einstellungen löscht, da diese Programme nur mit einem kompletten Löschen und Neuaufsetzen des Betriebssystems wiederherstellbar sind.

Mit Titanium Backup und Root-Rechten wirst du jede vorinstallierte App wieder los!
Mit Titanium Backup und Root-Rechten wirst du jede vorinstallierte App wieder los!

Eine kostenlose App, die zum löschen von Bloatware benutzt werden kann, heißt „Titanium Backup“. Um eine vorinstallierte App zu löschen muss jetzt nur noch auf den „Sichern/ Wiederherstellen“ Reiter der oberen Menüleiste getippt werden. Anschließend tippt man auf die zu löschende App und wählt im sich öffnenden Fenster die Option „Deinstallieren“ aus. Nachdem man sich durch ein paar Warnmeldungen geklickt hat, ist die App für immer komplett gelöscht.

Dieser Vorgang empfiehlt sich zum Beispiel nach dem Kauf eines Chinaphones (Direktimport aus China), um eventuelle Malware loszuwerden. Titanium Backup hat sich im Test des Lenovo K3 Note toll bewährt.

Grund 1: Backup machen

Falls man einmal die Betriebsystemversion von einem gerooteten Handy ändern will, tritt häufig das Problem auf, dass man dafür alle Daten vom Gerät löschen muss. Glücklicherweise kam irgendwann einmal ein schlauer Mensch auf die Idee, ein Backup zu erfinden. Ein Backup ist eine Sicherungskopie, die je nach Typ, Systemeinstellungen, Spielstände oder ganze Handys inklusive Bildern und Musik speichert. Jeder, der die Möglichkeit hat, ein Backup zu erstellen, sollte dieser Möglichkeit dringend nachkommen, da beim Experimentieren und Flashen gerne mal Daten verloren gehen, und durch ein Backup viel Zeit und Nerven gespart werden. Zwar gibt es auch Apps, die ohne Root ein Backup ermöglichen, jedoch bietet nur ein Backup mit Root eine komplette Sicherung inklusive aller Apps und App-Daten.

Weil auf nahezu jedem gerooteten Gerät TWRP installiert ist, und da dieses Programm eine sehr umfassende Variante des Backups ermöglicht, beschreibe ich im folgenden kurz diese Version. Du kannst aber auch Titanium Backup benutzen (siehe Grund 2).

Um in den Recovery Modus und damit in TWRP zu starten, muss das Smartphone zuerst ausgeschaltet sein. Anschließend wird der Power- Button und die Leiser- Taste der Lautstärkewippe gedrückt gehalten bis das Handy vibriert. Nach ein bisschen Wartezeit solltest du acht Buttons auf dem Display sehen.
Hier tippst du nun den Backup-Button an.

Ein Custom-Recovery wie TWRP lässt sich nicht nur zur Installation einer Custom-ROM benutzen, sondern auch für Backups und Updates.
Ein Custom-Recovery wie TWRP lässt sich nicht nur zur Installation einer Custom-ROM benutzen, sondern auch für Backups und Updates.

Bei den verschiedenen Möglichkeiten zum Ankreuzen sollten „System“, „Data“ und, wenn man die Bootanimation verändert hat auch „Boot“ angekreuzt sein. „Cache“ ist nicht wichtig und kann unangehakt bleiben. Unter den Auswahlmöglichkeiten gibt es ein Feld „Storage“, bei dem du den Speicherort für das Backup bestimmen kannst. Hier empfiehlt Android User dringend, das Backup auf einer microSD-Karte oder einem USB-Stick zu sichern (falls ein USB-OTG-Adapter vorhanden ist). Um den Vorgang etwas zu beschleunigen, wählst du die Option: „Skip MD5 generation during backup“ aus. Das Tool erstellt dann keine Prüfsumme des Backups. Dafür kann es vorkommen, dass die Dateien korrupt sind. Deine Entscheidung…

Danach muss man nur noch den Schieber am unteren Bildschirmrand nach rechts ziehen und das Erstellen des Backups beginnt. Ist TWRP damit fertig, musst du das Smartphone neu starten. Falls du beim Experimentieren alle Daten gelöscht hast, wechselst du einfach wieder in den Recovery- Modus von TWRP und wählst hier die Option „Restore“ aus. Letztendlich wird das gewünschte Backup nun ausgewählt und der Schieberegler nach rechts gezogen. Nach der Wartezeit ist das System genau wie vor dem Backup.

Neben dem kompletten Backup mit dem Team Win Recovery bietet sich auch TItanium als tolle Lösung an.
Neben dem kompletten Backup mit dem Team Win Recovery bietet sich auch TItanium als tolle Lösung an.

Während und vor dem Backup erstellen und wiederherstellen solltest du darauf achten, dass das Gerät ausreichend mit Strom versorgt ist. Am besten hängt es dabei am Ladekabel (man weiß ja nie…). Sollte das Handy während des Vorgangs wegen zu wenig Strom automatisch ausgeschaltet werden, kann es zu fehlerhaften Backups kommen. Ein Zurückspielen wäre verheerend!

Grund 0: Spaß haben!

Last but not least soll auch der eigentliche Hauptgrund nicht unerwähnt bleiben: Die meisten Nutzer rooten ihr Gerät schlicht aus dem einzigen Grund, die komplette Kontrolle über das Handy und Spaß zu haben. Denn erst mit Root-Rechten sind wirklich alle Apps nutzbar!

3 Kommentare

  1. Mir fallen noch mehr Gründe ein:
    – Firewall installieren (damit nur ins Netz geht, was ins Netz soll)
    – Adaway installieren (wobei ich fairerweise IMMER, wenn mit die App gefällt, die werbefreie „pro“-Version kaufe, nur bei wenigen Apps gibt es leider keine)
    – Xposed-Framework installieren (und damit einen Haufen praktischer Dinge machen können, z.B.
    — Greenify richtig effizient nutzen
    — Xprivacy verwenden)

  2. In der Root-Anleitung für das Moto X sollte als erstes erwähnt werden, wie man die „Entwickler Optionen“ freischaltet. Ohne die richtigen Einstellungen dort, wird man den Bootloader aus diversen Gründen nicht entsperren können!!

  3. Android rooten & Co um Bloatware zu löschen? Seltsam beim Upgrade, Aktualisieren stellte ich fest, das Bloatware gelöscht und ersetzt wurde. Wie kann das sein, es ist passiert, das man offensichtlich ohne die fragwürdige Root Eingriffe, Bloatware trotzdem löschen kann? Wer hält wem nun zum Besten? Wozu also Rooten, wenn es offenbar viel einfacher geht?

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