Start Im Test Testbericht: Lenovo K3 Note alias K50-t5 als Direktimport aus China

Testbericht: Lenovo K3 Note alias K50-t5 als Direktimport aus China

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Die Firma Lenovo kannte hierzulande kaum jemand, bis die Chinesen quasi aus dem Nichts die Notebook-Sparte von IBM inklusive dem Brand „Thinkpad“ übernahmen. Heute ist Lenovo auch hierzulande eine bekannte Größe, die eigenen Android-Smartphones werden aber in Europa nur auf Umwegen verkauft. So auch das Lenovo K3 Note, das ich für diesen Testbericht direkt aus Shanghai geschickt bekommen habe.

Für 150 Euro bekommt man bei gearbest.com mit dem Lenovo K3 Note ein top Smartphone mit Android 5.0, brandneuem 64-Bit-Prozessor von MediaTek, mit 5,5 Zoll großem Full-HD-Display, 16 GByte Speicher und einer immerhin brauchbaren Kamera. Damit stellt das Lenovo K3 Note alle von mir getesteten 5,5-Zoll-Smartphones hinsichtlich Preisleistung in den Schatten, inklusive Honor 4X, das ja auch nicht von schlechten Eltern ist. Die Dual-SIM-Funktionalität inklusive LTE-Modem ist hier nur noch das Tüpfelchen aufs i.

Doch wie bei jedem Direktimport aus China gibt es auch hier zwei Risiken: was passiert, wenn das Gerät in den ersten 12 Monaten kaputt geht und was tun, wenn das Handy beim Start mit  chinesischen Apps vollgemüllt ist?

Klasse Hardware – Krasse Software

So unwahrscheinlich sich das Lenovo K3 Note von Außen gibt: Im Innern passt eigentlich alles. Der 8-Kern-Prozessor von MediaTek (MT6752) sorgt in Kombination mit der Mali T760-Grafikeinheit für mehr als genügend Leistung, sodass es das K3 Note auf über 45000 Punkte beim AnTuTu-Test bringt und auch bei unseren restlichen Benchmark-Resultaten sehr gut abschneidet. Unter dem 5,5-Zoll-Display mit Full-HD-Auflösung hat Lenovo die üblichen drei Sensortasten von Android angebracht, sodass der Touchscreen die komplette Fläche belegt. Lautstärkewippe und Power-Button befinden sich beide auf der rechten Seite, die Micro-USB-Buchse und den Kopfhöreranschluss hat Lenovo auf der Geräteoberseite angebracht.

Herzlich Willkommen bei deinem Lenovo-Smartphone. Deutsch findet sich weiter unten in der Liste...
Herzlich Willkommen bei deinem Lenovo-Smartphone. Deutsch findet sich weiter unten in der Liste…
Kaum mit dem WLAN verbunden, meldete sich bereits AVG AntiVirus mit einer SuperUser-Anfrage.
Kaum mit dem WLAN verbunden, meldete sich bereits AVG AntiVirus mit einer SuperUser-Anfrage.

Auf der Rückseite findet sich eine für den Preis gute 13-Megapixel-Kamera mit Dual-LED-Blitz und ebenfalls im oberen Viertel der Mono-Lautsprecher des Smartphones. Es gibt das Handy mit gelber und weißer Rückabdeckung, wobei die weiße Rückseite nicht einfach nur weiß ist, sondern je nach Licht in Perlmutt-Farben schimmert.

Zum Preis von 150 Euro bietet das Lenovo K3 Note eine top Ausstattung inklusive Android 5.0 in der 64-Bit-Version.
Zum Preis von 150 Euro bietet das Lenovo K3 Note eine top Ausstattung inklusive Android 5.0 in der 64-Bit-Version.

So klasse die Hardware, so krass die Software. Das K3 Note lässt sich zwar auf Deutsch einrichten und einstellen, viele Dialoge sind allerdings nicht übersetz und in Englisch oder sogar auf Chinesisch. Mein Testmodell war zudem von Haus aus gerootet. So erstaunte ich nicht wenig, als gleich nach Beendigung des ersten Einrichtungsdialogs von Android sich AVG AntiVirus meldete und um Root-Rechte bettelte (die ich der App natürlich zunächst mal verweigerte). Im gleichen Stil ging es die ersten paar Tage mit dem Smartphone weiter.

Meldungen wie diese erschienen praktisch bei jedem Entsperrvorgang.
Meldungen wie diese erschienen praktisch bei jedem Entsperrvorgang.

 

Bei jedem Einschalten des Displays wollte entweder Clean Master Dateien löschen oder das Handy schneller machen (wozu auch, es ist ja bereits genügend schnell), oder der DU Battery Server entdeckte neue Apps, die unnötig Strom fressen. Also zunächst mal alle Hinweise weggeklickt, um überhaupt an das Handy heranzukommen. Doch nicht genug damit. Bei jedem entsperren bekam ich auch zwei neue Apps auf dem Homescreen des Lenovo eigenen Launchers präsentiert. Ein Wechsel zum Lenovo Launcher brachte keine Abhilfe. Sobald ich die zwei Apps vom Desktop entfernte, stellten sich zwei neue ein. Ich fühlte mich echt wie ein Opa, der zum ersten Mal Windows XP benutzt und keine Ahnung hat, was auf seinem Rechner im Hintergrund tatsächlich vorgeht.

Tool Window versuchte immer wieder, sich beliebt zu machen. Vergebens...
Tool Window versuchte immer wieder, sich beliebt zu machen. Vergebens…

Einmal richtig aufgeräumt, dann ist Ruhe!

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich denn auch noch keine SIM-Karte im Gerät. Denn es wäre nicht das erste Mal, dass irgendeine App nach Hause telefoniert und teure SMS-Nachrichten nach China verschickt. Also nahm ich mir ein Herz und machte mich ans Aufräumen. Die neuen Apps stammen von MopoPlay, einer App die ständig neue Apps vorschlägt und auch eine Art Alternative zu Google Play sein möchte. Die stets neu installierten Apps (16 insgesamt) steckten alle als APK-Datei bereits auf dem Smartphone. Löschte ich die APK-Dateien, dann lud sich MopoPlay die Nachfrage automatisch aus dem Netz herunter. Also musste ich zunächst den MopoPlay-Store loswerden. Dazu installierte ich einfach Titanium Backup mit Root-Rechten und setzte die Funktion System-Apps entfernen ein.

Ein Auszug aus der Liste an Apps, die sich immer wieder aufs Neue installierten und auf dem Homescreen ablegten.
Ein Auszug aus der Liste an Apps, die sich immer wieder aufs Neue installierten und auf dem Homescreen ablegten.
Dank Titanium Backup und Root-Rechten sind die unerwünschten Apps endlich Vergangenheit.
Dank Titanium Backup und Root-Rechten sind die unerwünschten Apps endlich Vergangenheit.

Nach MopoPlay musste ich noch den DU Battery Saver und die zweite Kopie von Clean Master loswerden (inzwischen hatte ich die deutsche und die chinesische Version an Bord). Auch das klappte ohne Probleme. Last but not least meldete sich noch AVG, dass es sich bei Theme Center und Tool Window um potentielle Malware handelt. Auch die vorinstallierte Twitter-App gefiel AVG nicht. Ein schneller Check mit Lookout zeigte, dass Theme Center und Twitter wohl harmlos sind, Tool Window alias Smart Touch monnierte aber auch diese App. Schließlich meldete sich sogar das Android-System selbst, dass es sich bei Tool Window um Malware handelt. Grund genug, auch diese App vom System zu entfernen.

Wenn Google selbst sagt, dass Tool Window gefährlich ist, dann muss wohl etwas an der Sache dran sein. Und weg ist die App!
Wenn Google selbst sagt, dass Tool Window gefährlich ist, dann muss wohl etwas an der Sache dran sein. Und weg ist die App!

Und endlich hatte ich ein brauchbares Smartphone, ohne Bloatware und ohne störende Popups und Warnmeldungen.

In China üblich oder Geschäftsmodell?

Nach dieser Erfahrung stellt sich natürlich die Frage, ob die vorinstallierten Apps einfach so auf dem K3 Note drauf sind, oder sich dahinter ein Geschäftsmodell verbirgt. Bei der Familie von DU-Apps handelt es sich ja um Apps, die immer mehr Apps empfehlen. Vermutlich gibt es da via Anzeigen etwas Geld zu verdienen. So kann man die Hardware billig verkaufen und verdient danach an den Anzeigen mit, die das Handy dank der vielen vorinstallierten Apps über Monate hinweg einspielt. Und einmal pro Monat oder alle zwei Monate eine SMS für 3 Dollar verschicken. Gut möglich, dass gearbest.com so mehr verdient, als über die übliche Marge als Smartphone-Verkäufer. Als PowerUser bin ich da relativ hart im Nehmen, aber Otto Normalo oder meiner Mutter würde ich ein solches Smartphone in keinem Fall empfehlen.

Die Lenovo-Software hat durchaus sehr praktische Funktionen mit an Bord!
Die Lenovo-Software hat durchaus sehr praktische Funktionen mit an Bord!

 

Nach dem Purgatorium

Einmal so richtig entschlackt, ist das Lenovo K3 Note ein tolles Smartphone, das mit dem verbauten 3000-mAh-Akku zwar nicht auf die Laufzeiten des Honor 4X herankommt (das Full-HD-Display und die bessere CPU ziehen mehr am Akku), aber problemlos für 24 Stunden Laufzeit bei Power-Nutzern kommt. Die Gesprächsqualität und der Empfang sind recht gut, der Mono-Lautsprecher könnte etwas schöner klingen.  Positiv fällt das Fazit der verbauten 13-MP-Kamera aus. Sie hebt sich dank HDR-Modus vom üblichen Billigbrei in diesem Segment ab und liefert durchaus brauchbare Fotos.

Ebenfalls gut gefallen hat mir das von Lenovo integrierte Sicherheitssystem. Es zeigt — wie für Android M geplant — kritische Berechtigungen beim Start von Apps an und bietet dabei gleich die Möglichkeit, diese Rechte zu untersagen. Zum Beispiel die Standortfreigabe für Gmail oder das Auslesen des Adressbuchs durch die Google-(Suche) App.

Auch beim Versand einer SMS erschien ein Warnhinweis, dass das potentiell Kosten verursachen kann.
Auch beim Versand einer SMS erschien ein Warnhinweis, dass das potentiell Kosten verursachen kann.
Der Lenovo eigene Launcher ohne App-Drawer ist typisch für den asiatischen Raum.
Der Lenovo eigene Launcher ohne App-Drawer ist typisch für den asiatischen Raum.

Auch der Lenovo-eigene Launcher im china-typischen Stil ohne separaten App-Drawer (aka „wie beim iPhone“) ist gar nicht mal so schlecht und ein gerootetes Smartphone mit SuperSU an Bord ist ja auch keine schlechte Sache. Zudem bietet das System recht viele nützliche Schnelleinstellungen.

An Quick Settings mangelt es dem Lenovo K3 Note K50-t5 wahrlich nicht.
An Quick Settings mangelt es dem Lenovo K3 Note K50-t5 wahrlich nicht.

Die Bloatware tauchte übrigens auch nach einem Werksreset nicht mehr auf, die Root-Rechte blieben hingegen erhalten. Also am besten gleich mit einem Werksreset anfangen oder nach dem Löschen einen solchen durchführen, um wirklich auf der sicheren Seite zu sein. Zu den noch vorinstallierten Apps gehören neben den obligaten Google-Apps AVG Antivirus, das Lenovo SafeCenter, SuperSU, Lenovo SYNCit, Theme Center, Twitter und WhatsApp. Die wirkliche Bloatware hält sich somit im Rahmen.

Bei einem Direktimport aus China darfst du mit solchen und ähnlichen Dialogen keine Probleme haben.
Bei einem Direktimport aus China darfst du mit solchen und ähnlichen Dialogen keine Probleme haben.

Fazit

Je nach Versand kann es sein, dass gearbest.com dir das Lenovo K3 Note K50-t5 für umgerechnet weniger als 150 Euro an die Haustüre liefert. Hast du Pech kommen noch etwa 20 Euro Zollkosten dazu. Aber selbst für 170 Euro ist das Smartphone sein Geld wirklich wert. Aber das nur dann, wenn du etwas von Android verstehst und weisst, wie man die vorinstallierten, nicht benötigten Apps löscht und potentielle Malware entfernt. AVG AntiVirus hat die Root-Rechte von mir auch später nicht bekommen, denn die App bietet damit meines Wissens keine zusätzlichen Schutzfunktionen, zumindest keine, die über die Möglichkeiten des Android-System hinausgehen. Sie gehört aber definitiv zu den von Lenovo vorinstallierten Apps. Ist dir der Direktimport zu riskant, dann gibt es das Lenovo K3 Note für rund 230 Euro auch von Amazon mit dem üblichen Rückgaberecht. Auch zu diesem Preis kann ich das Lenovo-Smartphone absolut empfehlen. Der Testbericht hat in jeder Hinsicht Spaß gemacht!

8 Kommentare

  1. Ich habe das Telefon auch über gearbest bezogen und bin auf ganz ähnliche Probleme gestoßen. Habe dann International Stock Rom installiert und bin nun mehr als zufrieden. Deutsch wird hier als Sprache zwar nicht unterstütz, aber mit Englisch geht es ja auch. Zu dem Preis def. eine Kaufempfehlung, wenn man sich vom original installierten ROM trennt.

  2. So weit ich weiß ist das Handy, was von gearbest und auch anderen Verkäufern kommt nicht die Original ROM, sondern eine halbwegs von den Verkäufern auf die deutsche Sprache angepasste ROM. Ich rate jedem die Original Software aufzuspielen, da es dort auch keine Malware gibt, außerdem erhält man Updates und die Software läuft viel runder.

  3. Hallo, ich hab mir auch das Teil gekauft und wollte es mit Kingroot und anschliessendem SuperSU flashen. Leider startet das Handy gar nicht mehr und bleibt am Startbildschimr hängen. Habt ihr eine Idee, wie ich das Teil wieder nzum Laufen bring?

  4. easy. Hatte ich auch. geh auf needrom, sauge eine Rom runter, lade SP Flash Tool runter. suche im netz noch nach Lenovo Treiber fürs k3 note.
    Starte Programm, lade Rom. Batterie raus, beide Volumetasten gedrückt, und so an USB anschliessen. nach flashen dauert der Vorgang ca. 5-10 minuten und voila, alles geht wieder

  5. Hallo zusammen,
    ich habe mir auch das Lenovo geholt.
    Habt Ihr einen Link welches ROM ihr auf das Gerät gespielt habt? Ich habe eine Treiber installiert habe jetzt aber viele nervige Apps daruf die ich nicht runter bekomme.
    Mit dem Rooten hat es nicht geklappt. Ich habe es mit (Kingo Root) verucht, dann titanium back up installiert. Hier kommt aber die fehler Meldung das keine Root rechter vergeben wurden.

    Kann mir einer einen Tipp geben wie ich der App die Root Rechte geben kann.

    Besten Dank.

  6. Hallo,

    ich habe das Smartphone auch gerade hier rumliegen. Mit der originalen Rom kann man es der Bloatware wegen wirklich nicht nutzen.

    Was habe ich gemacht?

    1. Den Bootloader TWRP über SP Flash Tool geflashed. Eine Anleitung dazu gibt es hier: http://forum.xda-developers.com/k3-note/general/sp-flash-tool-tutorial-to-install-twrp-t3346041

    2. Anschließend die Rom „K3_NOTE_MM_6.0_1610_3.40.1_v16_ROW_D_CUOCO92“ über TWRP geflashed. Dazu kopiert man die Zip-File einfach auf die SD-Karte, startet das Smartphone neu, indem man Laut + Leise + Power drückt und über TWRP installiert man dann ganz easy die Rom.

    Die Rom findet ihr bei xda ganz unten:

    http://forum.xda-developers.com/k3-note/general/organized-thread-lenovo-k3-note-k50-t3158522

    Viele Grüße

    Andre

  7. Habe das Geräte über Amazon bezogen. Da war keine App drauf, die andere Apps installiert. Auch kein AntiVir oder CleanMaster.
    Von Lenovo kommt das also scheinbar nicht.

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