Start Aktuell Im Test: IceFox X2 – günstiges Dual-SIM-Smartphone mit guter Akkulaufzeit

Im Test: IceFox X2 – günstiges Dual-SIM-Smartphone mit guter Akkulaufzeit

Zunächst verlief alles, wie bei einem normalen Testbericht. Ich schaute mir das Handy an, führte die Benchmarks durch, ließ es ein paar Tage liegen, um den Akkuverbrauch im Standby zu messen und wollte einen Runde Ingress spielen, um den generellen Akkuverbrauch zu messen. Doch dann kam auf einmal diese SMS, und alles wurde ganz anders…

Das X2 von Icefox ist auf den ersten Blick ein günstiges Dual-SIM-Smartphone mit 5-Zoll-Display und einem fetten 2500-mAh-Akku zum Amazon-Preis von 160 Euro. Beim zweiten Hinschauen ist das Gerät für den Preis absolut ok, es gibt nur einen Knackpunkt: die internen 4 GByte Speicher. Wenn ein Gerät lediglich 4 GByte internen Speicher besitzt, dann sollte man diesen auch nicht unbedingt mit Apps zumüllen, hat sich vermutlich IceFox gesagt und auf dem X2 abgesehen vom Play Store keinerlei Google-Apps installiert. Gmail, Google Maps, YouTube und weitere Google-Anwendungen muss man also nachinstallieren, falls man diese Apps benötigt.

Es gibt aber dennoch eine Handvoll vorinstallierte Apps. Dazu gehören ein Dateimanager, eine Taschenlampe, ein Taskmanager, eine Call-Log-App (dazu weiter unten mehr) und eine Superuser-App. Superuser? Genau: Das IceFox X2 ist von Haus aus gerootet, sodass man sich das Rooten sparen kann. Laut IceFox ist das nicht nur bei unserem Testgerät so, sondern bei sämtlichen Modellen. Wer den Rootzugang aus Sicherheitsgründen sperren möchte, kann dies über die vorinstallierte Superuser-App erledigen. Allerdings wirkt die Sperre nur  bis zum nächsten Reboot, also temporär.

Das IceFox X2 kommt von Haus aus mit Root-Rechten. Praktisch, wenn man sich mit Root auskennt.
Das IceFox X2 kommt von Haus aus mit Root-Rechten. Praktisch, wenn man sich mit Root auskennt.

Der erste Eindruck zählt…

Ich schaute mir das Icefox X2, das ich direkt vom Hersteller aus China zugeschickt bekommen hatte, also etwas genauer an: Es verfügt über einen recht guten Lautsprecher auf der Rückseite, der für einen angenehmen Sound sorgt. Gut gefallen hat mir auch, dass die Lautstärkesteuerunge bei den leisen Tönen mehrere Stufen kennt, dafür sind die lauten dann schnell ziemlich laut. Ebenfalls gut sind die Gesprächsqualität und die Soundausgabe über Kopfhörer (das mitgelieferte Headset ist durchschnittlich).

Für den Preis einmalig ist das verbaute Display: Es löst mit 1280 x 720 Pixeln auf und verfügt über einen sehr guten Blickwinkel, helle, kontrastreiche Farben und ausreichend Leuchstärke. 1280 x 720 Pixel mögen nach wenig klingen, wenn man ein 5-Zoll-Smartphone mit Full-HD-Display besitzt, aber das IceFox X2 braucht sich hinsichtlich des Displays nicht vor der deutlich teureren Konkurrenz zu verstecken und liegt hier auf dem gleichen Level wie das Moto G, mal abgesehen davon, dass das Moto G die höhere Pixeldichte aufweist.

Sehr zufrieden war ich dann auch mit der Akkulaufzeit und der allgemeinen Performance: Das X2 basiert eigentlich auf dem IceFox setzt beim X2 auf den etwas schwächeren MediaTek-Prozessor MT6582 mit 1,3 GHz. Kombiniert mit dem vergleichsweise starken 2500-mAh-Akku erreicht das X2 so problemlos Laufzeiten von mehreren Tagen. Unter Volllast verbraucht das Handy rund 15 Prozent Akku pro Stunde, nach 10 Stunden Nutzung mit 1:45 h Displayzeit hatte mein Testgerät gerade mal 30 Prozent Akku verbraucht. Wer sein Handy nur dazu benötigt, um angerufen werden zu können, kann es zwei Wochen im Standby herumliegen lassen.

Die Benchmark-Ergebnisse lassen sich durchaus sehen...
Die Benchmark-Ergebnisse lassen sich durchaus sehen…

Und der zweite Eindruck auch…

Wie bei den meisten günstigen China-Smartphones schwächelt auch beim IceFox X2 die Hauptkamera mit 13 Megapixeln etwas. Das Nexus 5 macht jedenfalls deutlich bessere Fotos, das Nexus 4 ebenfalls. Im HDR-Modus bekommt man noch brauchbare Fotos zusammen, aber generell ist das Rauschen in den Bildern doch recht stark, egal ob gutes oder schlechtes Licht. Die Frontkamera mit 5 Megapixeln ist hingegen brauchbar und auch die Full-HD-Videos sind von akzeptabler Qualität.

Komplett passen musste mein Testgerät beim GPS-Test. Es fand schlicht keinen einzigen Satelliten. Das hängt damit zusammen, dass lediglich ein AGPS-Modul verbaut ist, die Ortung also nur dann funktioniert, wenn eine Mobilfunkverbindung (Internet) vorhanden ist.  Das IceFox X2 arbeitet aber auch bei der Ortung via Wifi und Mobilfunkmasten erstaunlich genau. Wie dem auch sei: ohne Internet über das Mobilfunknetz besitzt das X2 kein GPS-Signal. 

Das GPS-Modul funktioniert nur mit einer aktiven Internetverbindung über das Mobilfunknetz.
Das GPS-Modul funktioniert nur mit einer aktiven Internetverbindung über das Mobilfunknetz.

Auch spielen lässt sich mit dem X2 recht gut. In den Tests ist mir zwar Pixelgun 3D jeweils nach dem Start reproduzierbar abgeschmiert, andere Spiele funktionierten hingegen tadellos.

Die Überraschung

An dieser Stelle wollte ich den Test eigentlich erfolgreich beenden, noch ein Bisschen Drum und Dran schreiben und den Artikel Mitte Juli online stellen. Doch dann erhielt ich auf einmal eine SMS von meinem Provider, dass der Versand einer SMS nach HongKong nicht geglückt sei und dann gleich nochmal eine. Und zehn Minuten später noch einmal zwei SMS und so ging das über Stunden weiter…

Das Chinaphones von Haus aus mit Malware infiziert sind, ist keine Seltenheit und über meinen direkten Kontakt zu Icefox wusste ich bereits, dass das X2 eigentlich auf dem Voto X2 basiert, aber ein anderes Display und eine andere CPU verbaut hat. Eine kurze Suche bei Google nach "Voto X2 und Adware" brachte mich zu dieser Seite, die mir aber nicht sonderlich weiter half. Also warf ich mal einen Blick in die installierten und aktiven Apps und ins Wurzelverzeichnis des X2. Bereits früher fiel mir eine seltsame App auf und eine APK-Datei namens com.example.calllog.apk, die dazu passen könnte. Wenn der Android-Dialer die getätigten Anrufe anzeigt, wozu braucht es dann noch eine separate App, die diese Aufgabe erledigen soll?

Die vorinstallierte App Callog war mir von Anfang an etwas suspekt (zweite Reihe, erstes Icon).
Die vorinstallierte App Callog war mir von Anfang an etwas suspekt (zweite Reihe, erstes Icon).

Auch andere App-Namen kamen mir seltsam vor, zum Beispiel com.likesun.statistics.apk. Eine Google-Suche nach com.android.caivs.app.apk brachte mich dann auf die richtige Fährte. Der Hinweis eines Nutzers, dass chinesische Hersteller gerne die App caivs.apk installieren, die dann SMS nach Hause schickt. Bingo! Im Beitrag geht es zwar ums UMI X2, aber das ist wiederum praktisch baugleich mit dem Voto X2, das wiederum Grundlage für das Icefox X2 bildet. Auch beim googlen nach com.likesun.statistics.apk kamen wiederum Treffer zum UMI X2, dieses Mal aber viele aus russischen Foren.

Dummerweise ließen sich die Apps über den üblichen Weg nicht löschen. "Cool, dass ich bereits Root-Rechte habe", dachte ich mir und versuchte die APK-Dateien von Hand zu löschen. Aber auch damit hatte ich keinen Erfolg, da das entsprechende Dateisystem aus Sicherheitsgründen "read-only" eingehängt ist. Als mehrjähriger Linux-Anwender brachte mich aber auch dieser Umstand nicht aus dem Häuschen: Handy an den Rechner anschließen, mit adb shell eine Root-Shell öffnen und über mount -o rw,remount /dev/block/keineahnungmehr /system war die Partition lesend und schreibend eingehängt und ich konnte die diversen APK-Dateien löschen. Nach dem ersten Reboot blieben dann endlich die SMS aus. Welche App tatsächlich dafür verantwortlich war und wozu die anderen APK-Dateien gut waren, konnte ich nun zwar nicht mehr herausfinden (ein Backup wäre nicht schlecht gewesen), aber immerhin war mein IceFox X2 jetzt sauber, dachte ich…

com.android.share

Zur Sicherheit holte ich mir dann noch eine Handvoll Antimalware-Apps aus dem Play Store und ließ diese das Handy prüfen. Bis auf Lookout meinten alle, das X2 sei sauber. Lookout monierte aber eine App namens com.android.share, die bei jedem Systemstart aktiv war und sich ebenfalls nicht deinstallieren ließ, auch nicht mit den oben beschriebenen Mitteln. hmm. Zunächst dachte ich natürlich an einen Fehlalarm, aber ein kurzer Blick in die Berechtigungen der App zeigte mir, dass hier etwas nicht stimmen konnte. Also nahm ich wieder Kontakt mit meinem Icefox-Freund auf und erklärte ihm die Situation. Er bot an, sich um das Problem zu kümmern und schickte mir Anfang August eine neue Firmware und das Flash Tool von MediaTek, um das Update einzuspielen.

Die App mit dem Android-Namen com.android.share lässt sich nicht löschen oder deaktivieren.
Die App mit dem Android-Namen com.android.share lässt sich nicht löschen oder deaktivieren.

Und das sind einige der Rechte, die die App gerne haben möchte...
Und das sind einige der Rechte, die die App gerne haben möchte…

Es folgt eine lange Geschichte eines Linux-Nutzers mit Windows-Software, die ich hier "aus Gründen des Jugendschutzes" abkürze. Windows 8.1 macht es dem Nutzer sehr schwer, nicht signierte Treiber zu installieren, habe ich dabei gelernt, und dass man bei MediaTek-Geräten keinen besonderen Bootmodus benötigt, um einen neue Firmware einzuspielen, sondern einfach das Gerät ausschaltet, den Akku raus und gut ist.

Das Recovery-Menü auf Chinesisch zu bedienen, ist gar nicht mal so einfach, auch wenn man die Menüpunkte theoretisch schon alle kennt...
Das Recovery-Menü auf Chinesisch zu bedienen, ist gar nicht mal so einfach, auch wenn man die Menüpunkte theoretisch schon alle kennt…

Gestern konnte ich dann die neue Firmware mit der Buildnummer X2 20140801-181326 erfolgreich flashen,  aber com.android.share ist immer noch mit an Bord und ich habe keinen blassen Schimmer, wozu die App gut sein soll (mit dem Teilen-Menü von Android hat sie rein nichts zu tun. SMS werden seither keine verschickt und ich benutze von nun an für China-Smartphones nur noch Prepaid-SIM-Karten ohne Guthaben. Denn ohne die Rückmeldung meines Providers, dass der Versand nicht geklappt hat, hätte ich von der ganzen Aktion vermutlich nichts mitbekommen.

Fazit

Lohnt sich der Spaß für 160 Euro? Wer in erster Linie ein Handy zum basteln und Android lernen sucht, kann beim IceFox X2 ruhig zugreifen. Dass es von Haus aus gerootet ist, finde ich cool, allerdings sollte auf Amazon ein fetter Warnhinweis stehen. Auch alle, die sich um das Innenleben nicht wirklich kümmern, können ruhig zugreifen. Am besten aber gleich nach dem Kauf das Teil auf die Werkseinstellungen zurücksetzen und nach einer APK-Datei mit dem Stichwort "caivs" suchen und diese deinstallieren bzw. löschen. Wer sich bereits ein Icefox X2 geholt hat, schaut sich am besten mal eine detaillierte Telefonrechnung an. Bei der erwähnten App muss es sich nicht mal zwingendermaßen um Malware handeln. Sie kann auch einfach dazu dienen, dass der Provider checken will, wo sich das Handy gerade befindet. Die Kosten von Deutschland nach HongKong sind aber in jedem Fall etwas teurer, als einfach von China aus, und ein ungutes Gefühl bleibt in jedem Fall zurück. Denn wer weiß, welche Daten das Smartphone nach Hause schickt oder ob es dank Rootrechten auch andere Tasks durchführt?

Die Malware-Warnung von Lookout erscheint auch nach dem jüngsten Firmware-Update noch.
Die Malware-Warnung von Lookout erscheint auch nach dem jüngsten Firmware-Update noch.

Das X2 arbeitet vergleichsweise flott, verfügt über ein tolles Display und macht auch als Musik- oder Videoplayer Spaß. Auch die Akkuleistung kann sich sehen lassen. Im direkten Vergleich zum Moto G für 169 Euro bekommt man zwar eine ältere Android-Version und deutlich weniger internen Speicher, die restlichen Parameter sind aber beim IceFox-Smartphone durchs Band besser, vom Dual-SIM-Support ganz zu schweigen. Wem also das Moto G ein Tick zu klein ist, der kann auch zum IceFox X2 greifen (wie immer unter der Annahme, dass das Handy Malware-frei ist…). Da Icefox die Smartphones via Amazon verkauft, ist das Risiko bei einer Bestellung sehr gering: Bei Nichtgefallen, oder wenn man die Adware nicht vom Handy bekommt, schickt man es einfach wieder zurück. Für mich ist aber klar: bei Chinaphones lieber zweimal hinschauen, was alles vorinstalliert ist und am besten gleich mit einem Reset auf die Werkseinstellungen anfangen oder zu einem Smartphone eines bekannten Herstellers greifen und dafür ein paar Euro mehr investieren.

Fortsetzung folgt… 

Wir haben IceFox um eine Erklärung gebeten, was die von Lookout beanspruchte App tatsächlich macht und warum man diese nicht löschen kann. Wir frischen diesen Artikel auf, sobald uns konkrete Informationen vorliegen. Aktuell raten wir vom Kauf des IceFox X2 ab, bis die Sachlage geklärt ist.

11 Kommentare

  1. Kannst Du uns das Firmwareupdate mit Buildnummer X2 20140801-181326 auch zur Verfügung stellen?
    Welche Googleversion ist installiert? Danke im vorraus..

  2. Btw..
    Die 3 oben genannten apks ließen sich mit dem „es Datei Explorer“ und root Rechten löschen.. Seit dem ist Ruhe mit zusätzlichen Kosten..

  3. Ich hab auch ein X2 im Besitz. Alle drei genannten Apps konnte ich ohne Probleme mit dem Root Explorer deinstallieren.
    Kannst du IceFox mal nach einem KitKat Update fragen?

  4. Moin ,
    ich habe das handy gerade erhalten und die genannten apps mit dem Root App Delete ohne Probleme deinstalliert.

    Mit dem Root App Delete kommt sogar ein Anfänger klar da es hier Anfänger und Profimodus gibt.

    Grüße Alex

    PS: GPS Fix innerhalb von 30 Sekunden

  5. Hi Alex vielen Dank für die Infos. GPS lag bei mir daran, dass beim Test keine SIM mit Datenverbindung drin war. Welche Firmware Version ist bei dir jetzt drauf?

  6. HI
    Ich habe auch keine Simkarte drin,
    Hab GPS mit der Navi App Copilot gesucht.
    Und schnell gefunden.

    Also die Apps sagen 4.2.2
    aber es steht 4.2.1

    Build Nummer ist: X2 20140628-142231

    Baseband ist vom: 22.04.2014

    Grüße Alex

  7. @ Marcel

    Kannst Du uns mehr über das von Dir installierte Firmwareupdate sagen?
    Version, Verbesserungen usw. ?

    Danke nochmal für den klasse Testbericht.. Dieser war für mich kaufentscheident..

  8. Finger weg von IceFox! Bereits nach einem knappen Jahr ging die
    Ladebuchse nicht mehr und dann fiel der der Touch komplett aus.Auf
    Nachfrage beim Hersteller erklärte der sich bereitwillig zur Reparatur
    bereit. Das Handy ging mit der Post nach China, der Hersteller
    bestätigte den Erhalt und auch die erfolgreiche Reparatur. Wir einigten
    uns am 23.6.15 auf einen Transfer der Rücksendekosten per Paypal die ich
    sofort bezahlte.Das ist viele Wochen her, seither antwortet die Firma
    IceFox nicht mehr auf meine Anfragen und Handy kam auch keins zurück!

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