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Paranoid Android-ROM-Vorstellung

Unter den vielen Custom-ROMs, die es für Android gibt, stechen einige Kandidaten durch besondere Features und besondere Tools aus der Menge heraus. Zu diesen wenigen ROMs gehört Paranoid Android, das reines Android (AOSP) mit innovativen Zusatzfunktionen verknüpft. Was die alternative Firmware genau ausmacht, welche Fähigkeiten sie von anderen abhebt, zeigen wir in dieser Vorstellung.

Für Außenstehende, ist es gar nicht so einfach, den ersten Kontakt mit Paranoid Android zu knüpfen und die vielen Fachbegriffe zu verstehen. An die passende ROM-Datei für sein Smartphone zu kommen, ist auch nicht immer leicht. Der schnellste Weg führt über die offizielle Webseite unter paranoidandroid.co.

Unter dem Menüpunkt Download sind hier zum einen die offiziell unterstützen Geräte der Nexus-Serie, von Oppo und das OnePlus One zu finden, aber auch Builds für andere vom Legacy-Team verwaltete Modelle (Legacy bedeutet, dass diese Geräte nicht offiziell unterstützt werden). Doch der einfachste Weg ist nicht immer der beste, gerade wenn es zum Beispiel um eine brandneue Version geht. Wenn dein Gerät in die Kategorie der offiziell unterstützen Smartphones und Tablets fällt, hast du gute Chancen, auch in Zukunft regelmäßig mit Updates versorgt zu werden. Falls einmal ein gesuchtes Modell weder von offizieller Seite, noch vom Legacy-Team unterstützt wird, besteht immer noch die Möglichkeit, dass Drittentwickler aus den Quellen des Paranoid-ROMs eigene Builds erstellen und diese für das entsprechende Modell anbieten. Deshalb lohnt sich immer ein zusätzlicher Blick ins Entwicklerforum bei XDA-Developers.

Hast du dann die passende Seite für dein Modell gefunden, geht es an die Auswahl des Builds: In der Regel ist es sinnvoll, den neusten Build (die neueste Version) zu wählen, da dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit am wenigsten Fehler und Bugs hat. Es sei denn, es gibt bereits stabile Versionen (,,Stable„). Dann empfiehlt es sich, auf einen ,,Stable Build„ zurückzugreifen. Außer der eigentlichen ROM-Datei sind noch die Google-Apps von Nöten, die es in unterschiedlichen Paketen bei xda-developers.com zum Download gibt. Hier musst du die zum ROM passende Firmware-Datei wählen.

Installation

Hast du die ROM-Datei und die Google Apps (GApps) heruntergeladen, müssen beide auf das Smartphone verschoben werden. Voraussetzung zur Installation eines Custom-ROMs ist ein Custom-Recovery. In dieses bootest du zur Installation, und legst dort, vor der eigentlichen Installation, unbedingt ein Backup an! Danach werden durch einen Wipe die bisherige Daten gelöscht, um Komplikationen mit den neuen System-Dateien zu vermeiden. Deshalb unbedingt vorher alle wichtigen Dateien auf ein externes Medium kopieren, um diese nach erfolgreicher Installation wieder zurück zu kopieren. Nach dem Wipe erfolgt dann die eigentlich Installation: zuerst spielst du das ROM ein, abschließend die Google Apps. Nach einem Neustart aus dem Recovery ins normale System befindest du dich im neuen Paranoid-Android ROM.

Android 5.0 in Entwicklung: Das Paranoid-Entwickler-Team arbeitet bereits an der Entwicklung des ROMs für Android 5.0. Bis alle Features des ROMs auch auf der neusten Android-Version laufen, wird es aber noch etwas dauern. Deshalb stellen wir hier die Funktionen von Paranoid 4.6 (Android 4.4.4) vor. Für einige Geräte gibt es aber bereits Android 5.0.2 in einer ersten Alpha-Version zum Download.

Wir verzichten an dieser Stelle auf eine genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung, weil für jedes Smartphone/Tablet eine andere Datei benötigt wird. Zudem gibt es aktuell stabile Builds erst von Android 4.4 ,,KitKat„, Lollipop-Builds stecken noch in den Kinderschuhen (alpha-01). Achte einfach beim Download darauf, dass die ROM-Datei sicher zu deinem Smartphone passt.

Die Installation einer neuen Firmware erfolgt über ein Custom-Recovery, wie hier TWRP.
Die Installation einer neuen Firmware erfolgt über ein Custom-Recovery, wie hier TWRP.

Zum ersten Mal paranoid

Dadurch, dass das Paranoid-ROM auf dem Android Open Source Project basiert, ist die Benutzeroberfläche von Paranoid Android der Stock-Android-Oberfläche sehr ähnlich. Es gibt auf den ersten Blick kaum Änderungen am Design und auch keine Hersteller-UIs wie bei Samsung, HTC, LG und Co. Das bedeutet den reinen Genuss von schnellem Android. Über diese Basis hinaus sind im Paranoid-ROM noch zusätzliche Funktionen und Features integriert, die sich in keinem Hersteller-ROM finden lassen und auch nicht im Stock-ROM enthalten sind. Angefangen mit der Möglichkeit die Kacheln, in den Schnelleinstellungen, zu verwalten, ist das Paranoid-ROM sehr anpassbar und individuell konfigurierbar. Die wichtigsten Features und Funktionen des Paranoid-Android-ROMs stellen wir folgend vor.

Die Schnelleinstellungen können per Drag and Drop angeordnet werden.
Die Schnelleinstellungen können per Drag and Drop angeordnet werden.
Um getätigte Einstellungen wieder zu korrigieren, lassen sich diese zurücksetzen.
Um getätigte Einstellungen wieder zu korrigieren, lassen sich diese zurücksetzen.

Hover

Einmal über das Icon in der Benachrichtigungsleiste aktiviert, blendet die Hover-Funktion, ähnlich wie die neuen Android 5.0 Notifications, eingehende Benachrichtigungen in Form einer schmalen Box am oberen Displayrand ein. So sieht man schnell den ganzen Inhalt der Benachrichtigung und kann, auf einen Klick hin, die zugehörige App unkompliziert starten. Der Clou dabei ist, das sich diese App dann nicht, wie man erwarten würde, ganz normal öffnet, sondern als Art Pop-Up über den bisherigen Inhalt legt.

In Form einer Box erscheinen die Benachrichtigungen am oberen Displayrand.
In Form einer Box erscheinen die Benachrichtigungen am oberen Displayrand.
Die Fitbit-App legt sich über eine andere App. Das nennt sich Hover PopUp.
Die Fitbit-App legt sich über eine andere App. Das nennt sich Hover PopUp.

Die bis zum Eingang der Benachrichtigung geöffnete Anwendung wird somit nicht verlassen. Nachdem man dann auf die Benachrichtigung reagiert hat, reicht ein kurzer Tipp und schon verschwindet das Pop-Up wieder. Im Alltag ist dieser Vorteil wirklich praktisch und effizient, gerade bei Apps, die längere Zeit zum Laden brauchen, wie beispielsweise YouTube.

Peek

Als Motorola mit dem ersten Moto X das Active Display einführte, waren viele von der Funktion begeistert. Hardwarebedingt ist es jedoch schwierig, exakt diese Funktion auch auf andere Geräte zu portieren. Dennoch haben sich die Jungs vom Paranoid-ROM daran gemacht und mit Peek eine Funktion in ihr ROM integriert. Bei Peek handelt es sich um die Möglichkeit, Benachrichtigungen noch vor dem Lockscreen oder Einschalten des Gerätes zu sehen. Aktiviert wird das Feature, wenn das Smartphone innerhalb von 10 Sekunden nach dem Eingang einer Benachrichtigung aus der Tasche gezogen oder in die Hand genommen wird. Ein Algorithmus, der Lage- und Helligkeitssensoren berücksichtigt bestimmt hierbei, ob das Display eingeschaltet werden soll oder nicht. In unseren Tests klappte das immer ausgesprochen zuverlässig, sodass nicht unnötig Strom verbraucht wird.

Mit Peek hat man sofort den Überblick über eingegangene Benachrichtigungen.
Mit Peek hat man sofort den Überblick über eingegangene Benachrichtigungen.
Peek und Dynamic System Bars musst du in den Einstellungen unter „Display“ aktivieren.
Peek und Dynamic System Bars musst du in den Einstellungen unter „Display“ aktivieren.

Immersive Mode

Ein weiteres Feature ist der sogenannte Immersive Mode. Besonders auf Smartphones mit On-Screen-Tasten entfaltet er seine volle Wirkung. Über die Schnelleinstellungen aktiviert, blendet er die Statusleiste und Navigationsleiste aus und sorgt so für zusätzlichen Platz auf dem Display. Die Leisten lassen sich einfach über einen Wisch vom Rand zum Display temporär einblenden, dauerhaft weichen sie jedoch zusätzlichem Bildschirmplatz.

PIE Control

In Kombination mit dem Immersive Mode hielt auch eine neue Steuerungsmöglichkeit Einzug in das ROM, die darauf abgestimmt ist, dass sie im inaktiven Zustand keinen Platz verschwendet. Dabei ist bei PIE Control der Name Programm. Über eine Slide-Geste, von der unteren Bildschirmkante ins Display, baut sich an der Stelle ein Halbkreis um den Finger auf, der, wie Kuchenstücke, verschiedene Möglichkeiten zur Navigation anbietet. Mit dem Finger einfach weitergewischt navigiert es sich sehr flüssig und schnell, ohne permanent Navigationselemente eingeblendet haben zu müssen. Aktiviert werden kann die PIE Control Funktion ganz simpel beim ersten Wechsel in den Immersive Mode. Eine kleine Abfrage, ob man PIE Control zur Steuerung verwende möchte, muss lediglich kurz bestätigt werden.

Die PIE-Steuerung lässt sich definitiv als innovativ bezeichnen.
Die PIE-Steuerung lässt sich definitiv als innovativ bezeichnen.

Dynamic System Bars (DSB)

Bei dem Dynamic System Bars Feature handelt es sich um eine optische Spielerei, die mit Android 5.0 in Kombination mit dem neuen Material Design in Zukunft wohl auch in Standard-ROMs immer häufiger anzutreffen sein wird. Konkret passt sich die Statusbar, sofern gewünscht auch die Navigationsleiste, farblich der aktuell geöffneten Anwendung an. Wechselt man zwischen Anwendungen, wechselt die Farbe der Statusleiste automatisch mit und trifft dabei immer das Farbschema der geöffneten App. Zu finden ist dieses Feature in den Einstellungen unter ,,Display„. Einmal aktiviert, lässt sich fortan die farbenfrohe Statusleiste bewundern. Letztlich nur eine kleine Spielerei, wir finden sie aber dennoch nett anzusehen.

Die Benachrichtigungsleiste passt sich an die Farben der App an.
Die Benachrichtigungsleiste passt sich an die Farben der App an.
Auf Wunsch lassen sich bestimmte Apps von Funktionen auch ausnehmen.
Auf Wunsch lassen sich bestimmte Apps von Funktionen auch ausnehmen.

Theme Engine

Die im CyanogenMod-ROM sehr beliebte Theme-Funktion haben die Macher des PA-ROMs kurzerhand übernommen und so kommt es, dass auch Paranoid-User in den Genuss der anpassbaren Oberfläche kommen. Zu den normalen Systemeinstellungen gesellt sich der relevante Punkt ,,Themen„. Dahinter verbergen sich die umfangreichen Einstellungen rund ums Thema Design. Mit dem ersten Punkt, den Themen Paketen, bewirkt man wohl die zunächst größten Änderungen. Dahinter verbergen sich nämlich jeweils gleich eine Reihe von Änderungen, sozusagen die restlichen Kategorien zusammengefasst in einem Paket. Solche Pakete lassen sich über verschiedene Bezugsquellen, wie den Google Play Store, zusätzlich installieren, was das Design-Pimping extrem vereinfacht. In den anderen Menüpunkten sind die feineren Einstellungsmöglichkeiten zu entdecken, zum Beispiel Icons, Schriftarten, Hintergrundbilder, Boot-Animationen, Soundpakete und selbst der Lockscreen-Hintergrund kann selbst festgelegt werden. Kurzum ein angenehmer und unkomplizierter Weg, um sein Gerät optisch an die eigenen Wünsche anzupassen.

Eigener Style bekommt mit der Theme Engine eine völlig neue Bedeutung.
Eigener Style bekommt mit der Theme Engine eine völlig neue Bedeutung.

App-Berechtigungen

Zwischenzeitlich von Google selbst in Android als Entwicklerfunktion integriert, besteht mit dem Paranoid-ROM immer noch die Möglichkeit die Berechtigungen jeder einzelnen App individuell anzupassen. Aufzurufen ist die Liste mit allen installierten Apps über den Punkt App-Berechtigungen unter System in den Einstellungen des Smartphones. Alphabetisch geordnet sind hier alle Anwendungen aufgeführt. Ein Klick auf eine App öffnet eine detaillierte Ansicht mit Informationen mit den, der App zur Verfügung stehenden, Berechtigungen sowie der Information, wann diese zuletzt genutzt wurden. Das Tolle daran ist nun allerdings, dass man über die Checkbox den Apps die Rechte entziehen kann. Auf diese Weise kann man auch Apps nutzen, die man normalerweise aufgrund der erforderlichen Berechtigungen meiden würde. Jedoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass dadurch manche Apps in ihrer Funktion eingeschränkt werden können. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Google diese Funktion in seiner Android-Version nicht zur Verfügung stellt — für Power User ist das Feature aber allemal einen Blick wert.

In den App-Berechtigungen definierst du die Rechte aller Apps neu.
In den App-Berechtigungen definierst du die Rechte aller Apps neu.

Fazit

Das Paranoid-Android-ROM bietet einen guten Mix aus innovativen Funktionen und möglichst reinem Android. Bei genauem Hinschauen wirst du viele Funktionen in Paranoid Android entdecken, die es seit Android 5.0 auch in der offiziellen Version von Google gibt. Auf meinem OnePlus One lief das ROM stets flüssig und schnell, ohne größere Probleme zu bereiten. Wer Freude daran hat, sein Smartphone und Tablet bis in die kleinste Ecke auszureizen, der darf sich gerne mal mit dem Paranoid-ROM auseinandersetzen. Denn Spaß ist beim Experimentieren garantiert!

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