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Custom-FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Custom-ROM

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Muss ich mein Handy rooten, um eine neue Firmware installieren zu können? Geht beim Einspielen einer Custom-ROM die Garantie verloren? Und vor allem: Heißt es eigentlich „das Custom-ROM“ oder „die Custom-ROM“? Auf diese und weitere Fragen findest du in unserem FAQ die Antwort.

Wenn du dich immer schon mal gefragt hast, was es mit Custom-ROMs auf sich hat, dann bist du hier genau richtig. Eine Custom-ROM/ein Custom-ROM ist nichts anderes als ein alternatives System für dein Handy oder Tablet. Eine Custom-ROM zu installieren, kannst du im Prinzip damit vergleichen, auf deinem Notebook anstelle des vorinstallierten Windows Linux zu installieren oder wenn du schon Linux benutzt, anstelle von Distribution A Distribution B zu benutzen. Ganz so einfach ist der Vergleich nicht, aber das klären wir gleich im Detail. Zuerst die wichtigste Frage…

Die oder das Custom-ROM?

Read Only Memory. Für diese Abkürzung, die es in der Computerbranche schon sehr lange gibt, steht die Abkürzung ROM. Mit dem eigentlichen Bauteil alias Festwertspeicher haben moderne ROMs aber überhaupt nichts mehr zu tun. Der Begriff dreht sich lediglich um Software, die Firmware eines Smartphones oder Tablets. Deshalb sind beide Schreibweisen und Aussprachen vertreten. Wer mehr an den Baustein denkt und vielleicht schon etwas älter ist, schreibt üblicherweise „das ROM“. Wer allerdings nicht an das ROM-Bauteil denkt, sondern mehr an „die Firmware“ bzw. „die Software“, spricht von „die Custom-ROM“.

Dann kommen noch die üblichen sprachlichen Unterschiede des Nord-/Süd-Gefälls dazu, wie zum Beispiel bei „der Blog“ oder „das Blog“, „der Butter“ vs. „die Butter“, „das Release“ (das Loslassen) vs. „die Relase“ (die Version) und noch viele weitere. Beide Schreibweisen sind aus Android-User-Sicht korrekt, auch wenn der Duden offiziell nur „das ROM, neutra“ kennt und Rechtschreibfanatiker argumentieren, dass es nur eine korrekte Schreibweise geben kann. Da unsere Autoren manchmal die ROM, manchmal das ROM schreiben, findest du bei Android User beide Schreibweisen. Verlass dich einfach auf dein Sprachgefühl und denk an „das Bauteil“ oder „die Firmware“, wenn’s nicht klappt ;-)

Muss ich mein Handy rooten?

Das ist einer der am weitesten verbreiteten Irrglauben unter Android-Nutzern. Custom-ROM und Root haben nichts miteinander zu tun, folglich ist das Rooten üblicherweise überhaupt nicht nötig, um eine Custom-ROM installieren zu können. Im Gegenteil: Durch die Installation einer Custom-ROM ist es üblicherweise recht einfach, an die Root-Rechte zu gelangen. Es gibt eine Ausnahme davon: Wenn der Hersteller deines Handys den Bootloader nicht freigeben will, dann musst du eventuell das Gerät doch zuerst rooten, um die benötigten Änderungen am Recovery/Bootloader vornehmen zu können. Das ist zum Beispiel bei Geräten mit MediaTek-Prozessor und Software der Fall, aber auch bei einigen Geräten mit Provider-Branding, wenn sich der Provider sträubt, den Bootloader freizugeben.

Custom-ROMs sehen meistens genau so gut aus wie die Original-Sofware vom Hersteller.
Custom-ROMs sehen meistens genau so gut aus wie die Original-Sofware vom Hersteller.

Wie sieht es mit der Garantie aus?

Durch das Einspielen einer alternativen Firmware verlierst du nicht automatisch die Garantie und schon gar nicht deinen Anspruch auf gesetzliche Gewährleistung.Da du für die Installation einer Custom-ROM aber üblicherweise den Bootloader entsperren musst und die Hersteller bei der Herausgabe des dazu nötigen Entsperr-Codes dich normalerweise dazu zwingen, die Checkbox mit dem Kleingedruckten zu akzeptieren, gehst du doch ein relativ großes Risiko ein. Dabei musst du dir Folgendes merken: Wenn dein Handy noch keine sechs Monate alt ist, dann liegt es am Verkäufer des Geräts, dir zu beweisen, dass du es durch das Einspielen einer alternativen Firmware (oder wie auch immer) kaputt gemacht hast. Sind die sechs Monate um, dann musst du dem Hersteller beweisen, dass du nichts dafür kannst, dass das Gerät kaputt ging, um das Handy im Rahmen der freiwilligen Herstellergarantie reparieren zu lassen.

Den Bootloader ohne Unlock-Code zu entsperren, ist aktuell nur bei den Nexus-Geräten von Google möglich. Bei allen anderen Herstellern brauchst du entweder einen Freischaltcode oder musst mit der Brechstange ran.

Je nach ROM gibt es deutlich mehr Einstellungsmöglichkeiten als bei der Original-Firmware.
Je nach ROM gibt es deutlich mehr Einstellungsmöglichkeiten als bei der Original-Firmware.

Wie komme ich an den Unlock-Code?

Das ist von Fall zu Fall verschieden. HTC, Motrola und Sony bieten entsprechende Tools online an. Du brauchst aber in jedem Fall etwas Erfahrung in Sachen Kommandozeile, da du anschließend über den passenden oem-unlock-Befehl den Bootloader noch entsperren musst. Einige Hersteller geben Unlock-Codes nur auf Anfrage heraus (Huawei) oder verbieten das Entsperren des Bootloaders schlicht. Samsung benutzt ein komplett anderes System.

Nicht vergessen: Beim Entsperren des Bootloaders wird das Handy/Tablet in jedem Fall auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt.

Was hat das alles mit dem Bootloader zu tun?

Hast du schon einmal ein Betriebssystem installiert? Der Bootloader ist quasi das BIOS eines Android-Geräts. Ohne ins BIOS zu kommen, kannst du nicht auswählen, dass der Rechner von CD, übers Netzwerk oder über einen USB-Stick starten soll, also gibt es auch keine Möglichkeit, das Betriebssystem zu verändern. Mit dem Entsperren des Bootloaders bekommst du vom Hersteller quasi das Passwort zum BIOS, damit du mit deinem Android-Gerät machen kannst, was du möchtest.

Die Custom-ROM CyanogenMod verfügt sogar über einen eigenen Geräteadminstrator-Account.
Die Custom-ROM CyanogenMod verfügt sogar über einen eigenen Geräteadminstrator-Account.

Warum brauche ich ein Custom-Recovery?

Auf jedem Android-Gerät ist bereits ein Recovery bzw. ein Bootloader-Menü installiert. Auch darüber kann man Firmware-Dateien als ZIP-Datei installieren. Allerdings sind diese Recoverys so ausgelegt, dass sie nur vom Hersteller signierte und zur aktuellen Firmware passende Dateien einspielen. Um eine Hersteller-fremde Datei installieren zu können, ist deshalb ein Custom-Recovery zwingen notwendig.

Die meisten Custom-ROMs verfügen über ein eigenes Setup-Menü in den Einstellungen.
Die meisten Custom-ROMs verfügen über ein eigenes Setup-Menü in den Einstellungen.

Wie hoch ist das Risiko, etwas kaputt zu machen?

Wenn du dich Schritt für Schritt an die Anleitungen im Internet hältst, dann ist es recht schwierig, das vorinstallierte System wirklich kaputt zu machen: Bei Android User hatten wir schon viele Smartphones im Test und oft Custom-ROMs installiert. Nie haben wir dabei ein Gerät derart beschädigt, dass es anschließend nicht mehr funktioniert hätte (gebricked). Gehst du allerdings fahrlässig vor und verstehst überhaupt nicht, was du da machst, dann solltest du die Installation einer Custom-ROM lieber lassen.

Dieses Sicherheitsfeature verhindert zum Beispiel, dass ungewollt Massen-SMS verschickt werden.
Dieses Sicherheitsfeature verhindert zum Beispiel, dass ungewollt Massen-SMS verschickt werden.

Warum überhaupt ausprobieren?

Die Vorteile von Custom-ROMs hängen natürlich von der ROM selbst ab. Einige bringen sehr praktische Zusätze, die beim Android-System des Herstellers fehlen. Das müssen keine großen Dinge sein, aber ich mag es zum Beispiel, dass bei Liquid-Smooth die LED am Galaxy Nexus grün leuchtet, wenn der Akku zu 100 Prozent aufgeladen ist oder wenn ich das Handy per Doppeltippen auf die Statusleiste in den Schlafzustand schicken kann.

Andere Custom-ROMs glänzen mit einem sehr schnellen System und weniger Akkuverbrauch, wobei hier natürlich auch der Placebo-Effekt und das Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen mitspielen. Manche ROMs wiederum sind einfach nur verspielt, bringen Hunderte von Optionen mit, die kein normaler Mensch benötigt.

Die zwei Hauptgründe eine Custom-ROM zu installieren bestehen denn auch üblicherweise darin, dass der Hersteller selbst keine Android-Updates mehr anbietet und du so zu einer neueren Android-Version kommst, und dass man einfach etwas Neues ausprobieren möchte.

Das Such-Widget von Google auf dem Homescreen einfach so auszublenden, ist bei Custom-ROMs kein Problem.
Das Such-Widget von Google auf dem Homescreen einfach so auszublenden, ist bei Custom-ROMs kein Problem.

Muss ich auch eine Custom-ROM rooten?

Viele Custom-ROMs bringen in den Einstellungen zur Sicherheit eine Checkbox oder einen Slider für die Root-Rechte mit. Damit lassen sich die Root-Rechte einfach aktivieren. Bei anderen Custom-ROMs muss man die Root-Rechte beim Einspielen der Firmware aktivieren, sonst bleiben sie verwehrt.

Ist so etwas sicher, was ist mit meinen Apps?

Custom-ROMs sind von Haus aus eigentlich genau so sicher, wie die Firmware des Herstellers. Durch das entsperren des Bootloaders reißt du aber ein großes Leck in dein Android-Schiff, das einem (lokalen) Angreifer Tür und Tor öffnet. Im Recovery-Modus ist es problemlos möglich, sich über eine Root-Shell Zugriff auf das komplette System und alle Daten zu verschaffen, oder zum Beispiel eine Spionage-Software zu installieren. Aus genau dem Grund sollte man eigentlich nach der Installation den Bootloader wieder sperren.

Besser sieht es mit der Sicherheit des laufenden Systems aus. Da Custom-ROMs üblicherweise auf einem möglichst aktuellen Android-Quellcode basieren, kannst du bei den meisten Custom-ROMs davon ausgehen, dass sie sicherer als die vom Hersteller seit Monaten nicht mehr gepflegten Firmware-Versionen sind. Eine Custom-ROM mit Android 5.0.2 ist hier in jedem Fall die bessere und sicherere Lösung als Jelly Bean noch vom Hersteller.

Apps interessieren sich übrigens überhaupt nicht dafür, ob du eine Custom-Firmware oder eine Original-Firmware eines Herstellers benutzt: Hier zählt einzig die Android-Version. Die Google-Apps und der Play Store funktionieren also — einmal installiert — genau so wie mit der Original-Firmware.

Den Play Store und somit sämtliche Google-Apps gibt es auch bei Custom-ROMs.
Den Play Store und somit sämtliche Google-Apps gibt es auch bei Custom-ROMs.

Was sind die üblichen Schritte?

Eine Custom-ROM zu installieren, kostet einem Experten maximal 30 Minuten, wer’s zum ersten Mal macht, sollte mindestens einen Abend einplanen. Zunächst müssen die nötigen USB-Treiber installiert sein (das gilt nur für Windows), dann brauchst du noch die Kommandozeilentools Fastboot und ADB. Dafür gibt es unter Linux fertige Pakete, für Windows-Anwender empfehlen wir Minimal ADB und Fastboot (http://goo.gl/Kri0Pv).

Sind die Treiber und ADB vorhanden, dann geht es ans Entsperren des Bootloaders oder ans Rooten/Hacken mit diversen Tools, wenn der Hersteller ein Entsperren nicht vorgesehen hat.

Im dritten Schritt musst du ein Custom Recovery installieren. Das wird quasi „das neue BIOS“ deines Handys, auch wenn dieser Vergleich streng genommen schon recht schräg ist.

Nach der Installation des Custom-Recoverys musst du die neue Firmware, die Custom-ROM-Datei, auf das Handy überspielen und über das Menü des Custom-Recoverys installieren. Diesen Vorgang nennt man auch „Flashen“. Wenn du den Bootloader schon länger entsperrt hast, dann musst du vorher unbedingt noch alle Daten löschen (das nennt man „Wipen“), damit es keine Probleme gibt. Hast du den Bootloader eben erst entsperrt, dann ist das Handy quasi schon clean. Anschließend startet nach einem Neustart das neue System, die Custom-ROM.

Falls gewünscht kannst du anschließend noch die Google-Apps installieren. Auch das geschieht aus dem Recovery-Menü aus. Details findest du in den folgenden Artikeln.

Auf AMOLED-Screens wirkt sich das komplett schwarze Lollipop-Theme stromsparend aus.
Auf AMOLED-Screens wirkt sich das komplett schwarze Lollipop-Theme stromsparend aus.

Gibt es einen Weg zurück?

Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen den Geräten und Herstellern. Bei einem Nexus-Gerät kannst du jederzeit wieder zurück zur Original-Firmware und den Bootloader wieder sperren, sodass dein Gerät quasi im Verkaufszustand ist. Bei Sony, HTC oder Motorola ist es zwar möglich, den entsperrten Bootloader wieder zu sperren, aber an die Original-Firmware wieder heranzukommen, ist oft nur über eine langwierige Suche im Internet möglich.

TIPP: In den ersten 12 Monaten ist es üblicherweise kein Problem, das Handy zum Service einzuschicken, mit der Bitte, die Original-Firmware oder die neueste Verfügbare Firmware (wieder) einzuspielen.

Der einzige Hersteller, bei dem ein Weg zurück aktuell quasi von Haus aus ausgeschlossen ist, ist Samsung. Mit dem Knock Counter hat Samsung eine Lösung geschaffen, die die Hacker vor eine bisher ungelöste Aufgabe gestellt haben. Einmal ausgelöst (durch Odin oder Rooten), lässt sich der Knock Counter auf Samsungs Flaggschiffen praktisch nicht mehr zurücksetzen.

Lust auf mehr…?

Wenn du jetzt Lust auf eine Custom-ROM bekommen hast, dann findest du in Ausgabe #05 von Android Power User (erscheint in den nächsten Tagen) weitere spannende Artikel zum Thema. Zudem gibt es zahlreiche Artikel zum Thema Custom-ROM im Android-User-Archiv.