Start Android 5.0 Erfahrungsbericht: Das Nexus 6 „Shamu“ nach vier Monaten im Praxistest

Erfahrungsbericht: Das Nexus 6 „Shamu“ nach vier Monaten im Praxistest

Das Nexus 6 wurde beim Launch Ende Oktober 2014 im Netz heiß diskutiert: Das Display sei viel zu groß und der Preis regelrecht überteuert. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet, wer ein neues Nexus-Smartphone möchte, muss aktuell zum Nexus 6 greifen, da das Nexus 5 von Google nicht mehr verkauft wird. Doch lohnt sich der Kauf wirklich? Mein Erfahrungsbericht hilft dir dabei, diese Frage für dich zu beantworten.

Google hat die Nexus-Geräten als Smartphones und Tablets für Entwickler ins Leben gerufen. Sie bekommen (theoretisch) immer als erstes die System-Updates auf eine neuere Android-Version und sie laufen mit einem puren, unveränderten Android-System von Google (nicht zu verwechseln mit AOSP). So haben Entwickler die Möglichkeit, ihre Apps auf dem neuesten Android-System von Google und immer mit dem aktuellsten Update auf Herz und Nieren testen zu können. Waren die Nexus-Geräte bisher regelrecht erschwinglich, hat sich Google mit dem Nexus 6 aber preislich erstmals in den absoluten High-End Bereich vorgetastet. 600 Euro für ein Smartphone mit 32 GByte Speicher sind eine Menge Geld, 650 für die 64 GByte Version auch. Ich habe das Nexus 6 nun seit rund vier Monaten und beschreibe euch hier meine Erfahrungen mit dem Smartphone und beantworte die Frage, ob ich es wieder kaufen würde.

Erster Eindruck und Mängelprüfung

Das Nexus 6 ist kein normales Smartphone, sondern zählt mit seinem 6-Zoll-Display zu den Phablets, ist also an der Grenze zwischen Smarthone und Tablet. Ich persönlich mag große Displays sehr gerne, da ich viel im Netz lese, meine Apps teste und auch mal den einen oder anderen längeren Artikel direkt auf dem Nexus 6 schreibe. Bevor du dich für das Nexus 6 entscheiden kannst, musst du es also in jedem Fall mal in der Hand gehalten haben.

Als ich das Nexus 6 ausgepackt hatte, war ich erst einmal überrascht, dass es gar keinen so großen Eindruck macht. Das hängt mit dem tollen Design von Motorola zusammen: Es liegt sehr gut in der Hand und sieht auch verdammt gut aus. Als Erstes habe ich das Gehäuse eingehend überprüft, ob es irgendwelche Mängel ausweist. In Foren wurde berichtet, dass sich bei manchen Nexus 6 aus der Dezember-Charge die Rückseite abheben würde. Aber das konnte ich bei meinem Modell (auch nach Wochen) nicht feststellen. Das ist übrigens auch einer der Gründe, weshalb ich immer empfehle, mit dem Kauf eines gerade erst auf den Markt erschienen Gerätes einige Monate zu warten, da die Hersteller ihre Kunden scheinbar gerne mal als Betatester verwenden. Natürlich darf bei einem neuen Smartphone der Pixeltest nicht vergessen werden (dazu gibt es einige Apps im Play Store, die du dafür verwenden kannst). Aber auch hier ist bei meinem Nexus 6 alles in Ordnung. Sonst hätte ich ganz einfach von meinem Rückgaberecht Gebrauch gemacht, und mir ein neues, ohne Pixelfehler bestellt.

Der Nexus-Schriftzug ist zwar eingelassen, die Farbe kommt hingegen von einem nicht perfekt angeklebten Sticker, der sich früher oder später ablöst, wie hier beim X zu sehen.
Der Nexus-Schriftzug ist zwar eingelassen, das Glitzern kommt hingegen von einem nicht perfekt aufgeklebten Sticker, der sich früher oder später ablöst, wie hier beim X oben links zu sehen.

Das einzige Manko, das ich bei meinem Nexus 6 dann doch entdecken musst — und das wahrscheinlich alle Nexus 6 betrifft: Der Nexus-Schriftzug auf der Gehäuserückseite ist nur aufgeklebt und löst sich nach einiger Zeit ab. Wieso Google bzw. Motorola diesen Schriftzug nicht einfach wie beim Motorola-Symbol lackiert hat, verstehe ich wirklich nicht. Bei einem so teuren Gerät müsste man das eigentlich erwarten können! Aber gut, das ist eine Sache, über die ich einfach mal hinweg gesehen habe, da ich mein Nexus 6 eh in einem Case benutze.

Display und Hardware

Die Farben des QHD-AMOLED-Displays sind richtig schön brillant und konstrastreich. Allerdings scheint das Nexus 6 die Farben ein wenig zu warm darzustellen. Mir fällt das aber nur dann auf, wenn ich das Nexus einem anderen Smartphone gegenüberstelle. Die Haptik ist super und mit seiner Snapdragon 805 CPU und 3 GByte RAM ist die Performance richtig flott, auch wenn es inzwischen schnellere Geräte auf dem Markt gibt.

Das Display ist ein sogenanntes Inaktivitäts-Display. Es zeigt eingehende Nachrichten, die Uhrzeit und allgemeine Benachrichtigungen an, sobald man das Gerät in die Hand nimmt. Im Unterschied zum Moto X, das mit einem Activ Display aufwartet und Benachrichtigungen auch ohne in die Hand nehmen anzeigt. Durch die AMOLED-Technologie werden dabei nur die Pixel beleuchtet, die zur Anzeige benötigt werden. Der Rest des Displays bleibt somit schwarz, was den Energieverbrauch senkt.

Die Icons auf dem Homescreen empfand ich als ein wenig zu groß dargestellt. Das Nexus 6 hat eine Auflösung von 2560 x 1440 Pixeln bei einer Pixeldichte von 493 ppi. Bei einer Bildschirmdiagonalen von 5,96 Zoll hätte man die Icons ruhig etwas kleiner darstellen können, dafür in der Horizontalen und Vertikalen jeweils eine Reihe mehr. Aber das betrifft ja alle Android-5.0-Geräte mit dem Google Now Launcher.

Grenzt an Platzverschwendung: Die Standard-Symbole wirken auf dem Nexus 6 Screen einfach riesig.
Grenzt an Platzverschwendung: Die Standard-Symbole wirken auf dem Nexus 6 Screen einfach riesig.

Es ist schade, dass Google hier keine Einstellungsmöglichkeiten von Haus aus anbietet. Abhilfe kann man sich hier aber mit einem alternativen Launcher schaffen. Hierzu gibt es unzählige im Play Store. Die bekanntesten, die auch am ehesten an das native Android herankommen, sind wohl der Apex Launcher und Nova-Launcher.

Mit dem Nova-Launcher nutze ich den Platz auf dem Display deutlich effizienter.
Mit dem Nova-Launcher nutze ich den Platz auf dem Display deutlich effizienter.

Das Nexus 6 verfügt über eine Hardware-LED, die aber von Werk aus deaktiviert ist. Genauso wie die Funktion, das Display über ein Doppeltippen aufzuwecken (Double Tap to Wake). Das ist klar eine „politische“ Entscheidung, keine technische. Möchte man nicht auf diese Funktionen verzichten, gibt es auch hier mittlerweile prima Möglichkeiten und Anleitungen. Zum Beispiel lässt sich das Nexus 6 mit dem Tool CF-AutoRoot innerhalb von 30 Sekunden rooten. Bei diesem Vorgang gehen allerdings alle Daten verloren und das nächste Android-Update kann man nicht mehr OTA (Over the air) flashen, sondern muss dies per Hand erledigen. Ich bin deshalb wieder zurück zur Stock-Firmware ohne Root gewechselt und benutze das Nexus 6 mit Android 5.1 ohne Root oder Custom Recovery.

Das Nexus 6 bekommt -- im Unterschied zum Nexus 9 -- tatsächlich als erstes Gerät immer die neueste Android-Version.
Das Nexus 6 bekommt — im Unterschied zum Nexus 9 — tatsächlich als erstes Gerät immer die neueste Android-Version.

Das Nexus 6 verfügt über NFC und Bluetooth 4.1. Die Koppelung bzw. die Verbindung mit meinen Bluetooth-Headset und -Tastatur funktioniert schnell und reibungslos. Auch der Energieverbrauch ist dabei kaum spürbar. Das Entsperren via NFC (ich habe mir dazu extra den NFC-Ring gekauft) habe ich mir etwas einfacher vorgestellt. Aber mit etwas Übung klappt es inzwischen ganz gut und Google hat ja inzwischen auch weitere Optionen vorgesehen, um die Displaysperre mit Smart Lock nur noch wenn nötig zu aktivieren.

Akkulaufzeit deutlich besser als beim Nexus 5

Ich bin kein Vieltelefonierer und spiele auch nicht ausgiebig auf dem Smartphone. Morgens, in der Mittagspause und Abends auf dem Heimweg surfe ich ein wenig und teste meine Apps und Spiele, an denen ich gerade entwickele. Gerne schalte ich auch mal das Tethering ein (WLAN Hotspot) und ich nehme am Tag vielleicht zwei oder drei Telefonate entgegen. Ansonsten beantworte ich über den Tag verteilt einige Chat-Nachrichten und Mails. NFC und Bluetooth sind ständig aktiviert. Bei dieser Smartphone-Nutzung komme ich mit dem verbauten 3220-mAh-Akku über 1,5 Tage ganz gut hin.

Bei moderater Nutzung kommst du problemlos auf 1,5 Tage Akkulaufzeit.
Bei moderater Nutzung kommst du auf 1,5 Tage Akkulaufzeit, ein Arbeitstag liegt üblicherweise problemlos drin.

Kamera

Die Kamera auf der Rückseite besticht durch 13 Megapixel und mit einem optischen Bildstabilisator wie beim Nexus 5. Für den Normalgebrauch macht die Kamera scharfe Bilder mit einer ausgeglichenen Belichtung. Bei schlechten Lichtverhältnissen lässt die Qualität allerdings ein wenig nach. Videos kann man mit der Rückkamera in 4k mit 30 fps erstellen. Die Video-Qualität ist scharf und kann sich meiner Meinung nach sehen lassen. Das Nexus 6 gehört zu den wenigen Smartphones, die auch Bilder im RAW-Format speichern können. Da ich diese Funktion aber nicht brauche, habe ich damit noch keine Tests gemacht.

Die Frontkamera ist gut für Videokonferenzen geeignet. Selfies gehen damit zwar auch, aber generell würde ich für ordentliche Fotos zumindest die normale Rückkamera verwenden.

Blick aus dem Wohnzimmer: Ein Testfoto des Nexus 6 bei schlechtem Wetter.
Blick aus dem Wohnzimmer: Ein Testfoto des Nexus 6 bei schlechtem Wetter.

Security & Performance

Die Verschlüsselung des Nexus 6 ist von Werk aus aktiv und lässt sich ohne Root-Rechte auch nicht deaktivieren. Es ist schade, dass Google seinen Nutzern nicht die Freiheiten bietet selbst zu entscheiden, ob sie ihr Gerät verschlüsseln wollen oder nicht. Aber dennoch ist mir jetzt nicht negativ aufgefallen, dass die Verschlüsselung zu Lasten der Performance geht. Da ich auf meinem Nexus 6 sensible Firmendaten gespeichert habe bin ich auch froh, dass es eine solche Verschlüsselung überhaupt gibt. Berichte von wegen ,,spürbar langsamer wegen Verschlüsselung„ kannst du getrost ignorieren.

Kein High-End mehr aber noch lange nicht von schlechten Eltern: Die Benchmark-Resultate des Nexus 6 sind absolut ok.
Kein High-End mehr aber noch lange nicht von schlechten Eltern: Die Benchmark-Resultate des Nexus 6 sind absolut ok.

Das Nexus 6 läuft flüssig, die Apps starten schnell und auch bei aufwändigere Spielen konnte ich keine Leistungseinbußen feststellen. Auch die Benchmark-Werte von AnTuTu zeigen die für den verbauten Snapdragon-805-Prozessor erwartete Performance: Knapp 45000 Zähler bei AnTuTu und etwas mehr als 3000 Punkte beim HTML5-Test von Vellamo sind zwar schon lange nicht mehr top aber absolut gute Benchmark-Werte. Auch die Metal- und Multicore-Werte von Vellamo sind sehr gut.

Wie schütze ich mein Nexus?

Natürlich braucht man für sein neues Gerät auch eine Hülle. Zuerst hatte ich die Premium-Hülle direkt von Google bestellt, da ich mit der Hülle für mein Nexus 7 bereits gute Erfahrungen gemacht hatte. Das Nexus 6 passt auch perfekt in die Hülle. Allerdings gab es damit ein großes Problem: Die Power- bzw. Lautstärketasten der Hülle drückten auf die Tasten des Nexus 6, wodurch unbeabsichtigte Hardresets verursacht wurden. Die Hülle ging am nächsten Tag auch wieder zurück und mittlerweile hat Google sie sogar aus dem Sortiment genommen. Hier kann ich nun aber die handgefertigte Fülle von TetDed empfehlen, die perfekt zum Nexus 6 passt. Sie macht das Nexus 6 nicht unnötig klobig und ist sehr gut verarbeitet. Natürlich gibt es noch viele weitere Hüllen auf Amazon, und Google hat auch eine neue durchsichtige Hülle (die garantiert nach wenigen Wochen Gelbstiche zeigen wird…) im Angebot.

Fazit

Das Nexus 6 ist ein wirklich tolles Gerät und ich würde mir es wieder kaufen, weil ich ein Entwickler bin! Echt genervt hat mich aber beim hohen Preis, dass sich der Schriftzug hinten ablöst (sieht aber auch ohne Metallic-Sticker edel aus!). Wenn man die Preise mit denen der Konkurrenz vergleicht, dann ist das Nexus 6 klar 100 Euro zu teuer: 500 Euro für die 32-GByte-Version und 550 Euro für die 64-GByte-Variante halte ich für angemessen. Wer wie ich als Entwickler auf die neuesten Updates angewiesen ist und seine Apps auf einem purem Android testen möchte, der kommt wie erwähnt an einem Nexus nicht vorbei. Das Nexus 5 ist aber auch nicht von schlechten Eltern. Es gibt es direkt von LG über Amazon für 350 Euro in der 16-GByte-Variante immer noch zu kaufen, und der dort verbaute Snapdragon 800 ist ja auch nicht gerade langsam. Das Nexus 6 verfügt aber klar über die bessere Akkulaufzeit und wie deine Apps auf einem QHD-Display aussehen, kannst du damit auch nur beschränkt testen :-).

Wenn du kein Entwickler bist und dir ein Smartphone mit QHD-Display und Snapdragon holen möchtest, dann lohnt sich aber in jedem Fall ein Blick auf das Note 4 von Samsung oder das G3 von LG. Denn die verbaute Hardware des Nexus 6 bekommst du in vielen Smartphones um bis zu 150 Euro günstiger! Für 650 Euro gibt es zudem auch das brandneue Samsung Galaxy S6 in der günstigsten Ausführung. Das lässt das Nexus 6 in puncto Performance so richtig alt aussehen.

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