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LG G3 Testbericht – Das Handy mit dem Laserfokus

"Wer braucht schon ein Full-HD-Display auf seinem Smartphone!", haben viele Nicht-Geeks 2013 gelästert, als die ersten Androiden mit 1920 x 1080 Pixeln auf den Markt kamen. LG zeigt nun mit dem G3 ein erstes Top-Smartphone mit 1440 x 2560 Bildpunkten (QHD). Ob man so viele Pixel braucht und was das G3 noch zu bieten hat, zeigt unser Testbericht.

LG hat mit dem G2 letztes Jahr ein grundsolides Flaggschiff-Smartphone auf den Markt gebracht, das mit guter Hardware punkten konnte und sich vor allem durch softwaretechnische Features von der Konkurrenz abhob. Mittlerweile ist der Doppeltip fürs Aufwachen auch bei den Flaggschiffen anderer Hersteller Standard, LG ist der Konkurrenz aber mit "Knock Code" wiederum einen Schritt voraus. Dieses Jahr bringt LG mit dem G3 den G2-Nachfolger, der auf dem Papier über einmalige Spezifikationen verfügt.

Design, Verarbeitung und Haptik

Das grundlegende Design des G3 hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell nicht stark verändert. Das Gehäuse ist aus Kunststoff gefertigt, fühlt sich aber ? auch dank des Metall-Look-Finish ? sehr hochwertig an. Die leicht gewölbte Rückseite und der sehr dünne Rahmen um das Display sorgen dafür, dass das G3 sehr gut in der Hand liegt und trotz seiner Größe sich immer noch recht kompakt anfühlt. LG hat designtechnisch vom G2 zudem die rückseitigen Buttons übernommen. Dadurch sind Power-, Lauter- und Leiser-Taste immer sehr gut zu erreichen. Der erste Eindruck ist in jedem Fall sehr positiv, das G3 ist ein edles Smartphone.

An der Unterseite des G3 sind der 3,5mm Klinkenstecker sowie der Micro-USB Port zu finden.
An der Unterseite des G3 sind der 3,5mm Klinkenstecker sowie der Micro-USB Port zu finden.

Performance

Für (mehr als) genügend Power unter der Haube sorgt ein aktueller "Snapdragon 801" Quad-Core-Prozessor von Qualcomm. Dieser Chipsatz kommt ebenso in anderen Flaggschiffen zum Einsatz wie dem OnePlus One, dem Samsung Galaxy S5 und dem HTC One M8. Unterstützt wird der Prozessor von 2 GB Arbeitsspeicher in der 16 GByte-Variante des G3 und bei der 32 GB-Variante von ganzen 3 GByte. Wir hatten das G3 mit 2 GByte RAM im Test. Diese Kombination sorgt für eine absolut flüssige Bedienung. Anfangs noch ab und zu auftretende Mikro-Ruckler hat LG mit einem Software-Update behoben, ebenso wie Probleme mit heiß werdenden Geräten. So braucht das G3 nur hin und wieder eine kurze Bedenkzeit beim Start von größeren Apps. Ansonsten reagiert das Gerät sehr geschmeidig auf Eingaben und eignet sich dank der potenten Hardware auch für intensive Anwendungszwecke hervorragend. Aktuelle Spiele wie zum Beispiel Modern Combat 5 liefen auf unserem Testgerät auch in höchsten Grafikeinstellungen flüssig und machten wirklich Spaß. Die kompletten technischen Daten sowie die Ergebnisse unserer Standard-Benchmarks für das LG G3 finden sich in unserer Gerätedatenbank.

Die Vellamo Benchmark Ergebnisse. Erstaunlich ist hier, dass der Standard-Browser von LG/Android mehr Punkte erreicht als Chrome.
Die Vellamo Benchmark Ergebnisse. Erstaunlich ist hier, dass der Standard-Browser von LG/Android mehr Punkte erreicht als Chrome.

Die AnTuTu Benchmark Ergebnisse sind typisch für ein Smartphone mit Snapdragon-801-Prozessor.
Die AnTuTu Benchmark Ergebnisse sind typisch für ein Smartphone mit Snapdragon-801-Prozessor.

Software

LG liefert sein High-End-Smartphone mit Android 4.4.2 und einer eigenen grafischen Oberfläche aus. Diese unterscheidet sich optisch nicht stark vom Vanilla-Android, bietet aber funktionell einige Zusatzfeatures zum Standard-Android. Glücklicherweise ist der Aufbau aber nicht so ressourcenfressend wie zum Beispiel Samsungs TouchWiz und beeinträchtigt die Geschwindigkeit des Systems kaum. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die grafische Oberfläche nicht stark vom Vorgängermodell, es gibt aber auch ein paar Neuerungen.

LG installiert auf dem G3 eine eigene Fitness-Anwendung mit dem Namen "Health". Wenn man diese App aktiviert, zeichnet das G3 via GPS die Bewegung des Nutzers auf und wertet sie aus. Mit LG Health lassen sich ? wie von anderen Fitness-Apps bekannt ? Trainingseinheiten aufzeichnen. Auch das G3 besitzt einen Infrarot-Sender. Über die Quick Remote App kann man so seinen Fernseher und andere Elektronikgeräte steuern (nicht nur von LG). Die App kennt einige Fernbedienungen automatisch aus einer Datenbank, ansonsten besteht die Möglichkeit eigene manuell anzulernen.

Die Quick-Toggles in der Benachrichtigungsleiste lassen sich an die eigenen Vorstellungen anpassen.
Die Quick-Toggles in der Benachrichtigungsleiste lassen sich an die eigenen Vorstellungen anpassen.

Um die Rechenpower des G3 richtig zu nutzen, bietet LG die Möglichkeit, zwei Apps parallel laufen zu lassen. Dieses "Dual Window" genannte Feature funktioniert zwar nur mit ausgewählten Anwendungen, ist aber auf jeden sehr praktisch, um das große Display sinnvoll auszunutzen. In unseren Tests funktionierte Dual Window zuverlässig, so lässt sich zum Beispiel ein YouTube-Video weiterschauen, während man eine E-Mail beantwortet. Innovativ ist auch das Knock Code Feature. Man legt einen sogenannten Knock Code fest, indem man verschiedene Felder eines Quadrates in eine Reihenfolge zusammenstellt. Beim Entsperren muss dann genau wieder diese Reihenfolge gedrückt werden, sonst bleibt das G3 gesperrt. Diese Entsperr-Methode verhindert, dass andere Personen, die um das Gerät stehen, leicht den Code mitlesen können wie bspw. bei einer PIN. Die Software-Oberfläche des G3 ist LG wirklich gut gelungen. Optisch ansprechend mit flachem Design und klaren Strukturen trumpft das Interface mit vielen Funktionen und einer großen Anpassbarkeit, wie zum Beispiel Tastenkombinationen, Gesten und der Konfiguration der Navigationsleiste, auf.

 

In der SmartTips-App zeigt LG nützliche Funktionen des Gerätes.
In der SmartTips-App zeigt LG nützliche Funktionen des Gerätes.

Mit der SplitScreen-Funktion macht Multitasking so richtig Spaß.
Mit der SplitScreen-Funktion macht Multitasking so richtig Spaß.

Display

Das Highlight des G3 ist sein 5,5-Zoll-Display. Mit einer sagenhaften Auflösung von 2560 x 1440 Pixeln bei 5,5 Zoll in der Diagonalen kommt das Display auf eine Pixeldichte von 534 ppi. So scharf war bisher kein anderer Touchscreen in Europa. Das mag einem zunächst nicht sonderlich stark auffallen, sobald man das G3 jedoch längere Zeit nutzt und dann ein niedriger auflösendes Gerät in die Hand nimmt, bemerkt man den Unterschied durchaus. Die von LG mitgelieferten Demo-Videos zeigen die ganze Pracht des sehr scharfen Displays, welches zudem gute Kontraste und Blickwinkel mitbringt. Inzwischen ist es außerdem möglich, auch YouTube Videos in dieser enorm hohen Auflösung abzuspielen. Der größte Wehrmutstropfen beim Display ist somit lediglich die Tatsache, dass momentan einfach noch nicht genügend gute Inhalte in dieser Auflösung bereitstehen. Das trifft auch auf Apps zu: Die wenigsten Anwendungen sind auf diese hohe Auflösung auf einem Handy vorbereitet.

Das Quad-HD-Display macht das LG G3 zu einem exklusiven Highend-Smartphone.
Das Quad-HD-Display macht das LG G3 zu einem exklusiven Highend-Smartphone.

QHD vs. UHD 

Die von LG für das G3 benutzte Auflösung von 2560 x 1440 Pixeln bezeichnet man als Quad-HD (QHD) und ist nicht zu verwechseln mit qHD (960 x 540). UHD steht für Ultra-HD und beträgt 3840 x 2160 Pixel (4K) bzw. 7680 x 4320 Pixel (8K).

 

Kamera & Sound

Im G3 arbeitet eine 13-Megapixel-Kamera, die mit einem optischen Bildstabilisator (Von LG "OIS" genannt) ausgestattet ist. Dieser Stabilisator hilft Bewegungsunschärfen zu vermeiden und ist ein Hauptgrund dafür, dass die Hauptkamera des G3 auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch erstaunlich gute Bilder macht. Durch den Bildstabilisator wird es nämlich möglich mit längeren Verschlusszeiten zu arbeiten. Sollte dennoch einmal zu wenig Licht da sein, steht ein Dual LED-Blitz zur Verfügung.

Die mit Blitz aufgenommenen Bildern verfügen über einen sehr natürlichen Farbton, was vor allem an den unterschiedlichen Farbtemperaturen der zwei LEDs liegt. Das Highlight der Hauptkamera des G3 ist definitiv der verbaute Laser-Autofokus. Neben der Kamera hat LG einen kleinen Laser verbaut, der für eine enorm schnelle Fokussierung sorgt. Zielgenau und sehr schnell fokussiert die Kamera per Fingertip auf Objekte. Dadurch eignet sich das G3 hervorragend für Schnappschüsse. Die von einigen Testern im Internet bemängelte Auslösegeschwindigkeit können wir nicht nachvollziehen.

Die Qualität der aufgenommen Bilder ist gut, besonders die Schärfe und die Kontraste der Farben. Im Video Modus nimmt die Kamera entweder in maximal 4K-Auflösung (UHD) auf oder in Zeitlupe mit 120 FPS mit maximal 1280 x 720 Bildpunkten. Ähnlich wie beim HTC One M8 bietet das LG G3 bei Fotos, die im Modus "Magischer Fokus" aufgenommen wurden, die Möglichkeit, den Fokus im Nachhinein zu verändern. Die Frontkamera löst anders als die Hauptkamera nur mit 2 Megapixel auf, weiß dennoch mit einigen Features zu punkten. Zum Beispiel lässt sich die Kamera durch eine Geste auslösen. Dazu hebt man die Hand, wartet bis sie vom G3 erkannt wurde und formt sie dann zu einem Ballen. Anschließend startet ein Countdown, der die Kamera auslöst. Generell lassen sich Front- wie auch Hauptkamera über Wörter wie "Cheese", "Smile" oder einfach nur "LG" auslösen. Kameratechnisch überzeugt das G3 mit einer sehr schnell fokussierenden Rückkamera und guten Bildern.

Soundtechnisch liefert das G3 nur Durchschnitt. Die Lautstärke ist in Ordnung, Tiefen werden aber nicht so satt wiedergegeben wie von LG beworben. Schön ist, dass sich mit dem G3 auch UKW-Radio hören lässt, nicht wie mit so manch anderem Flaggschiff-Smartphones. LG legt dem G3 zudem hochwertige In-Ear Kopfhörer bei. Auch das gehört heutzutage längst nicht mehr bei allen Herstellern zur Standardausstattung.

Mit dem UKW-Radio lässt sich auch ohne Internetempfang Musik hören.
Mit dem UKW-Radio lässt sich auch ohne Internetempfang Musik hören.

 

G3, S5, M8 oder…? 

Die aktuellen Flaggschiffe von Samsung, HTC und LG schenken sich kaum etwas hinsichtlich Hardware, Software und Preis. Wer sich nicht schlüssig ist, welches der drei Smartphones zu kaufen (oder ob sich ein Update lohnt), kann sich an die folgende einfache Faustregel halten: soll das Handy wasserdicht sein, dann bietet sich das S5 an. Für Musikfans führt aktuell kein Weg an den Frontlautsprechern des HTC One M8 vorbei. Für alle, die an einen schönen Display Freude haben, lohnt sich der Griff zum LG G3. Wer nicht bereit ist, über 400 Euro für ein Highend-Gerät auszugeben, findet inzwischen diverse Alternativen zu einem günstigeren Preis. Hier lohnt sich ? gerade für LG-Fans ? auch ein Blick auf das inzwischen bei rund 350 Euro angelangte LG G2 mit Android 4.4.2 und 32 GByte Speicher (aber ohne MicroSD-Slot).

Akku & Fazit

Trotz der akkuhungrigen Hardware und des Displays, das eine menge an Strom benötigt, schafft das G3 mit seinem 3.000 mAh Akku ordentliche Laufzeiten. Zwar waren die Laufzeiten bei unserem Testgerät nicht wie von LG versprochen ähnlich wie gut beim LG G2, die Leistung reicht aber vollkommen, um über den Tag zu kommen. Andere Nutzer berichten im Netz von Laufzeiten bis zu 4-5 Tagen bei geringer Nutzung. Ein Vorteil der abnehmbaren Rückseite spielt LG auch beim Akku aus, denn dieser ist einfach wechselbar.

Dem südkoreanischen Hersteller gelingt mit dem G3 ein solides Gerät, dass sich vor allem aufgrund seines Displays von der Konkurrenz abhebt. Die 13-Megapixel-Kamera mit schnellem Autofokus arbeitet sehr gut und dank 4K-Videos kann man das Display auch mit passenden hochauflösenden Inhalten befüllen. Die LG-Software ergänzt Android 4.4 um sinnvolle und nützliche Features, die ersten Kinderkrankheiten sind inzwischen behoben. Wer mit kleinen Abstrichen bei der Akkulaufzeit gegenüber dem G2 leben kann, bekommt mit dem G3 definitiv ein ausgereiftes High-End Smartphone.

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