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MediaTek Geek-Tutorial Teil 1: Mit MTK Droid Tools zum Custom-Recovery

Der taiwanesische Chip-Hersteller MediaTek ist für zwei Dinge berüchtigt: Es gibt keinen Quellcode zu den Chipsätzen und die Chipsätze sind im Vergleich zur Konkurrenz deutlich billiger. Deshalb findet man sie vor allem – aber nicht nur – in Low-Cost-Androiden und Noname-Smartphones/Tablets aus China. Dieser Artikel bietet einen Einstieg ins Hacken mit MediaTek-Firmware.


Es gibt sehr viele Android-Smartphones mit einem MediaTek-Prozessor. Dabei handelt es sich um einen recht günstigen Chipsatz (System on Chip, Soc) aus Taiwan mit zwei, vier oder acht Kernen. MediaTek-Prozessoren kommen hierzulande in der ROM-Szene etwas zu kurz. Das hängt daran, dass all die Galaxy-, HTC- und Sony-Smartphones üblicherweise mit einem Qualcomm-Prozessor ausgestattet sind und sich auch die meisten ROM-Köche eher auf die hochwertigen, teureren Smartphones konzentrieren, die bei Android-Fans und -Geeks auf der Priority-Liste weiter oben angesiedelt sind als billige Chinaphones.

Es gibt jedoch auch für Smartphones und Tablets mit MediaTek-Prozessor eine sehr, sehr große Custom-ROM-Community, allerdings sind praktisch alle Informationen im Netz auf Englisch, Chinesisch oder Russisch (das sind die drei am weitesten verbreiteten), nachvollziehbare, einfache Informationen auf Deutsch gibt es recht wenige. Zudem gibt es die meisten Tools nur für Windows, da sie nicht quelloffen sind. Wer sein MediaTek-Smartphone unter Linux oder Mac OS X modden möchte, geht meistens leer aus…

In diesem ersten Teil unseres Tutorials zeigen wir dir, wie du mit MTK Droid Tools ein Backup der vorinstallierten Firmware erstellst und anschließend ein Custom Recovery installierst. Im zweiten Teil des Geek-Trainings beschreiben wir dann, wie man eine neue Firmware installiert.

Windows-Treiber installieren

Um diesen Schritt kommst du nicht herum, und ich kann dir bereits jetzt verraten, dass es mit Windows 8/8.1 eine echte Geduldsübung werden kann. Wenn du Glück hast, klappt es aber schon beim ersten Mal. Um den richtigen Treiber zu erwischen, musst du wissen, welcher MediaTek-Chipsatz verbaut ist. Das klappt üblicherweise mit einem Blick in die Android-Einstellungen oder die Geräteinformationen von CPU-Z.

Mit der App CPU-Z findest du heraus, welche CPU in deinem Handy verbaut ist. Das klappt aber nur, wenn der Hersteller nicht schummelt.
Mit der App CPU-Z findest du heraus, welche CPU in deinem Handy verbaut ist. Das klappt aber nur, wenn der Hersteller nicht schummelt.

Gerade bei chinesischen Nachbauten bekannter Smartphones sind die Angaben aber so gut gefälscht, dass man vom Android-System heraus nicht an die richtigen Daten herankommmt. Unser vPhone i6 gab sich stets als iPhone6 mit Apple A8-CPU aus. Diese Daten sind natürlich gefälscht. Zuverlässig herausfinden lässt sich das unter Windows mit dem Programm MTK Droid Root & Tools (siehe unten). Bei den Treibern gilt Trial & Error. Du brauchst die sogenannten VCOM-Treiber für MediaTek. Dazu googelst du nach ,,USB VCOM Driver MediaTek„ und deinem Chipsatz, also zum Beispiel MT6582. Die Treiber werden auch MediaTek-Preloader genannt. Falls du nicht fündig wirst, kannst du es mit diesem Paket versuchen. Bis Windows 7 lassen sich diese üblicherweise als ZIP-Datei mit komfortablen Setup-Wizzard installieren, unter Windows 8 musst du aber zuerst die Installation von Treibern ohne gültige Signatur erlauben. Anleitungen dazu gibt es im Netz, hier die Kurzvariante für Windows 8.1:

  • Fahre mit der Maus in die obere rechte Ecke deines Windows-Rechners, bis das Seitenmenü erscheint,
  • Wähle den Eintrag Einstellungen aus und klicke anschließend auf den Ein/Aus-Schalter.
  • Halte die Shift-Taste gedrückt, während du auf Neu starten klickst.

Auf diese Art startet der Windows-Rechner nicht neu, sondern es erscheint ein besonderes Menü in Blau. Hier klickst du auf Problembehandlung | Erweiterte Optionen | Starteinstellungen, um einen speziellen Startmodus einzuschalten. Im letzten Dialog dann auf Neu starten.

Unter Windows 8.1 musst du zunächst Windows mit gedrückter Shift-Taste neu starten, um die MediaTek-Treiber installieren zu können.
Unter Windows 8.1 musst du zunächst Windows mit gedrückter Shift-Taste neu starten, um die MediaTek-Treiber installieren zu können.
Hier auf Neu starten klicken, um Windows 8.1 im speziellen Startmodus zu rebooten.
Hier auf Neu starten klicken, um Windows 8.1 im speziellen Startmodus zu rebooten.

Windows fährt nun nicht in der gewohnten Art und Weise hoch, sondern bleibt beim Bootvorgang mit den Starteinstellungen stehen. Hier wählst du die Taste [7] oder [F7], um das Erzwingen der Treibersignatur zu deaktivieren. Nach diesem Bootvorgang lässt sich der unsignierte MediaTek-Treiber mit einem Rechtsklick auf die *.inf-Datei installieren.

WICHTIG: Ob die Installation des Treibers geklappt hat, erkennst du daran, dass Windows im Gerätemanager ein Smartphone vom Typ Yun OS anzeigt und beim Anschließen über das USB-Kabel der Windows-typische Sound für erkannte Hardware ertönt.

Fehlt eine setup.exe-Datei beim Treiberpaket, installierst du die passende INF-Datei per Rechtsklick.
Fehlt eine setup.exe-Datei beim Treiberpaket, installierst du die passende INF-Datei per Rechtsklick.

Falls es auf diese Art nicht klappt (die Treibersignatur musst du in jedem Fall ausschalten), dann öffne nach dem Neustart zuerst den Windows Geräte-Manager, schließe das Handy via USB-Kabel an den Rechner an und tippe dann sofort mit der rechten Maustaste auf das im Gerätemanager für rund 4-5 Sekunden sichtbare neue Device. Hier wählst du den Eintrag Treiber installieren, danach Manuelle Installation und nun suchst du via Dateimanager nach der INF-Datei. Wie gesagt, das ist hier nur eine Crash-Anleitung für Windows 8, unter Windows 7 klappt es normalerweise problemlos.

Als zweite Vorbereitung für das Backup musst du auf deinem Handy das USB-Debugging eingeschaltet haben. Dazu öffnest du die Android-Einstellungen und markierst in den Entwickleroptionen die Checkbox bei USB-Debugging. Falls es keinen Eintrag Entwickleroptionen gibt, dann musst du in den Einstellungen über das Telefon siebenmal hintereinander auf die Build-Nummer des Handys tippen. Damit schaltest du die Entwickleroptionen frei.

Falls dein Handy noch nicht gerootet ist, kannst du versuchen, die Root-Rechte über MTK Droid Tools temporär zu erlangen. Wenn du aber nicht lange fackeln willst, dann rootest du das Smartphone am besten ebenfalls als Vorbereitung. Ohne Root und USB-Debugging kannst du kein komplettes Backup deines MediaTek-Smartphones erstellen.

MTK Droid Root & Tools

Bevor du damit anfängst, irgendetwas an der Firmware zu ändern (außer dem Rooten), musst du ein Backup der aktuellen Firmware erstellen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn du das Handy zum Beispiel direkt aus China gekauft hast (wie unser vPhone i6 zum Beispiel). So verhinderst du, dass die Firmware bei einem falschen Befehl oder Mausklick kaputt geht und du aus deinem Handy einen Backstein machst (brick). Dazu — und für viele weitere Aufgaben — gibt es das Tool MTK Droid Root & Tools, allgemein auch als MTK Droid Tools bezeichnet. Und hier wirst du auch schon gleich auf die nächste kleine Hürde stoßen: Das Tool besitzt keine eigentliche Homepage sondern ist im Netz nur über diverse Foren und Seiten verfügbar. Wir haben für diese Tests Version 2.5.2 benutzt, aktuell ist Version 2.5.3 vom Januar, die du bei copy.com zum Download findest. Ältere Versionen der MTK Droid Tools gibt es zum Beispiel auf chinagadgetreviews.blogspot.com. Es kann in jedem Fall nicht schaden, wenn du den Download über eine Antivirensoftware testest.

Hast du die heruntergeladene Datei entpackt, findest du im neuen Verzeichnis MtkDroidTools 2.5.2 das ausführbare Windows-Programm, das du per Doppelklick startest. Hast du die Windows-Treiber installiert und das USB-Debugging auf dem Smartphone aktiviert, dann ertönt beim Anschließend des Smartphones via USB-Kabel der typische Windows-Sound für neue Hardware. Hörst du keinen Klang, dann hat die Installation des MediaTek-Treibers nicht richtig geklappt. Dann musst du noch einmal bei der Treiberinstallation nachhelfen.

Hat alles geklappt, erscheint dein Handy mit dem richtigen Namen auf dem Reiter Phone information und hier siehst du nun auch, um welchen MediaTek-Chipsatz sich es genau handelt. Für diese Tests benutzten wir das Wiko Birdy, das vPhone i6 und das IceFox F5 alias Zopo ZP980+ als Testgeräte mit der Version 2.5.2 von MTK Droid Tools unter Windows 8.1 in der 64-Bit-Version. Beim Wiko Birdy handelt es sich um den MT6582-Chipsatz, im vPhone i6 ist ebenfalls ein MediaTek MT6582 verbaut und das IceFox F5 basiert auf einem MT6592-Chipsatz.

Hat MTK Droid Tools dein Handy erkannt, dann erscheint unten links ein Farbcode. Dieser ist für das weiter Vorgehen relevant. Erscheint ein grünes Quadrat, dann ist dein Handy schon gerootet und du kannst mit dem Backup fortfahren.

Bei diesem Smartphone hat MTK Droid Tools ein Su-Binary erkannt und kann damit temporäre Root-Rechte erlangen.
Dieses Smartphone ist gerootet und bereit für das Backup der kompletten Firmware.
Dieses Smartphone ist gerootet und bereit für das Backup der kompletten Firmware.

Erscheint ein rotes Quadrat, dann ist dein Handy noch nicht gerootet und du musst zuerst für Root-Rechte sorgen. Du kannst versuchen, über den ROOT-Button an die Root-Rechte zu gelangen, das klappt aber praktisch nie. Es ist dann möglich, mit durch Auslesen der Blockinformationen und erstellen einer entsprechenden Scatter-Datei ein rootbares Image zu erstellen, das ist aber gar nichts für Einsteiger und deshalb empfehlen wir diesen Schritt, den MTK Droid Toosl selbst empfiehl, nicht. Roote das Smartphone einfach zuerst mit Kingo Root oder vRoot, wie auf der Android-User-Homepage beschrieben.

Zeigt MTK Droid Tools unten links ein gelbes Quadrat an, dann hast du praktisch schon gewonnen. Dann genügt es, auf den Button Root zu tippen, damit sich die Anwendung via Root-Shell mit deinem Handy verbinden kann. Dazu musst du auf dem Handy selbst den Zugriff auf die Shell als Root bestätigen (siehe Screenshot). Bei allen anderen Farbcodes befindet sich das Handy eventuell im Recovery-Modus (türkis) oder es stimmt etwas nicht. Falls die temporäre Root-Shell trotz gelbem Farbcode nicht klappt, dann musst du das Handy komplett rooten, wie wenn die Checkbox rot wäre.

Backup erstellen

Ist das Handy gerootet und unten links erschein ein grünes Quadrat, dann ist es Zeit, um ein Backup deines Phones zu erstellen. Dazu wechselst du auf den Reiter root, backup, recovery und drückst den Backup-Button. Falls eine Fehlermeldung bezüglich fehlender SD-Karte erscheint, und du üblicherweise keine MicroSD-Karte benutzt, kannst du diese Meldung ignorieren. Willst du auch die Daten auf der MicroSD-Karte speichern, dann sollte die SD-Karte drin sein/bleiben. Das Windows-Programm erstellt nun im Verzeichnis MtkDroidTools 2.5.2/backups/ einen neuen Ordner mit dem Namen deines Android-Geräts und dem aktuellen Datum. Dort legt das Tool die komplett Firmware ab. Als Resultat bekommst du ein Backup, das sich mit dem SP Flash Tool (dazu später mehr) jederzeit wieder auf das Handy einspielen lässt. Dieser Vorgang dauert je nach Größe des vorinstallierten ROMs bis zu 30 Minuten. Am Schluss erscheint eine Abfrage, ob du das Backup in eine ZIP-Datei packen möchtest, um Platz auf deinem Windows-Rechner zu sparen. Auch dafür musst du je nach CPU-Geschwindigkeit deines Windows-Rechners noch einmal mit bis zu fünf Minuten rechnen. Für diese Anleitung brauchst du keine ZIP-Datei.

So sieht ein komplettes Backup im Windows Explorer aus. Die Scatter-Textdatei ist lebenswichtig.
So sieht ein komplettes Backup im Windows Explorer aus. Die Scatter-Textdatei ist lebenswichtig.

Custom Recovery

Im nächsten Schritt geht es darum, das gesicherte Boot-Abbild zu duplizieren und eine Version mit Custom-Recovery (ClockworkMod) zu erstellen. Dazu markierst du auf dem Reiter root, backup, recovery die Checkbox To choose the boot.img file und wählst anschließend aus der kompletten Sicherung die passende boot.img-Datei aus. Fehlt diese, dann hat beim Backup etwas nicht richtig geklappt. Versuche dann, das Handy neu zu starten oder die SuperSU-App auf den neuesten Stand zu bringen. Ist die Boot-Datei vorhanden, dann klickst du nach der Auswahl der passenden boot.img-Datei in MTK Droid Tools auf den Button Recovery and Boot. Es erscheint eine kurze Abfrage, ob das CWM-Recovery automatisch erstellt werden soll, den du mit Yes bestätigst. Anschließend erscheinen zwei Rückfragen, ob du den veränderten Bootloader und das veränderte Recovery auf das Handy schreiben willst. Diese beantwortest du beide mit Ja. Anschließend startet dein Smartphone nach einer weiteren Rückfrage automatisch im neuen Recovery. Herzlichen Glückwunsch!

Über Install ZIP from sdcard kanst du hier zum Beispiel eine neue Firmware installieren oder die passenden Google Apps, falls nicht vorhanden. Wie man eine Custom-Firmware oder die Daten aus dem Backup wieder installiert, zeigen wir dir im nächsten Teil unserer Serie, der in Android Power User #05 erscheint.

Bei der Installation des Custom Recovery musst du ein paar Sicherheitsfragen bejahen.
Bei der Installation des Custom Recovery musst du ein paar Sicherheitsfragen bejahen.

Weitere Möglichkeiten

Mit Delete China putzt die Windows-Software sämtliche China-Software vom Handy, die man üblicherweise nicht auf dem Handy haben möchte. Dazu bringt das Tool eine Liste bekannter Bloatware-/ China-Apps mit und gleicht diese mit dem Handy ab. Über den Button SuperUser kannst du dir theoretisch die SuperUser-App (SuperSu oder SuperUser), BusyBox und ein paar praktische MTK-Werkzeuge aufs Handy laden, in unseren Tests hat das allerdings nicht funktioniert, im Gegenteil: das gerootete Handy war anschließend nicht mehr gerootet.

Fortsetzung folgt…

Wenn du die Anleitung in diesem Artikel mitverfolgt hast, dann hast du jetzt ein komplettes Backup deines Smartphones und ein Custom Recovery auf dem Handy. Im zweiten Teil dieses Workshops zeigen wir dir, wie du eine andere Firmware installierst, die Google Apps auf das China-Phone bringst oder das Backup wieder einspielst.

-> Mediatek Geek: Teil 2

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