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Withings Activité Pop im Praxistest und Vergleich zur G Watch R mit Android Wear

Mit der Activité-Serie hat Withings zwei recht spannende Smart Watches im Angebot. Die Uhren sehen auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche analoge Uhr aus, verbaut ist aber modernste Technik. Ich hatte die Activité Pop nun über drei Wochen am Handgelenk. Hier mein Erfahrungs- und Testbericht.

Ich benutze nun seit rund vier Monaten mit kleineren und größeren Unterbrüchen die LG G Watch R als Smart Watch. Ich mag die Uhr für bestimmte Funktionen, bin aber nicht zum Uhrenträger konventiert. Vor etwas mehr als drei Wochen bekam ich von Withings auch die Activité Pop zum Test und hatte sie seither quasi ununterbrochen am Handgelenk.

Sports Tracker

Die Activité Pop von Withings ist in erster Linie eine Uhr. Erst danach kommt die Activity-Tracker-Funktionalität, die der Hersteller sehr elegant mit einer analogen Prozentanzeige gelöst hat.  Hier siehst du jeden Tag deinen Fortschritt. Wie groß dieser ausfällt, das legst du über die App Health Mate von Withings fest. Ich habe mich schnell von den 10.000 Schritten verabschiedet, die generell so als Standard gelten und mich auf 5.000 geeinigt. Lieber ein realistisches Ziel vor Augen, als ein irreales weit entfernt :-)

Endlich geschafft: Mein Tagesziel von 5000 Schritten habe ich für diesen Screenshot übererfüllt :-)
Endlich geschafft: Mein Tagesziel von 5000 Schritten habe ich für diesen Screenshot übererfüllt :-)

Bis es aber soweit ist, musst du zunächst die App aus dem Play Store herunterladen und mit der Activité Pop bekannt machen. Das hört sich einfacher an, als es in Wirklichkeit ist, denn die Software der Uhr hat bereits mehrere Updates erfahren, sodass das erste Setup zum richtigen Firmware-Upgrade-Marathon ausartet. Kann bei Android Wear auch passieren, allerdings kannst du die Uhr dort auch dann nutzen, wenn du das Upgrade nicht installieren möchtest. Bei der Activité Pop von Withings hast du keine Wahl, ob du ein Firmware-Update installieren möchtest, die Health-Mate-App holt es sich automatisch und führt das Update automatisch aus.

Auf der Rückseite der Withings Activité Pop gibt es eine Art Reset-Knopf, den du vor der ersten Inbetriebnahme betätigen musst.
Auf der Rückseite der Withings Activité Pop gibt es eine Art Reset-Knopf, den du vor der ersten Inbetriebnahme betätigen musst.

Die Funktionalität der Health-App beschränkt sich auf drei Punkte: Schritte zählen, Schlaf analysieren und Wecker einstellen. Falls du über ein zusätzliches Gerät von Withings verfügst, kannst du auch den Blutdruck, deinen Puls und dein Gewicht in der App festhalten (zum Beispiel mit dem Smart Body Analyzer). Die entsprechenden Werte kann man auch von Hand eintragen. Die App machte im Testzeitraum auf dem Moto G 2013 mit CyanogenMod 12 keinerlei Probleme, der Akkuverbrauch hält sich in Grenzen.

Die Angaben für das Gewicht kannst du von Hand eintragen, wenn du keine smarte Waage von Withings besitzt.
Die Angaben für das Gewicht kannst du von Hand eintragen, wenn du keine smarte Waage von Withings besitzt.

Der Schrittzähler arbeitet gut und kommt auch durch einfache Dinge wie Klavierspielen oder auf der Tastatur herumtippen nicht aus dem Tritt. Die Abweichungen zwischen der LG G Watch R und der Activité Pop kannst du getrost vernachlässigen. Die App motiviert dich mit diversen Batches dazu, mehr Sport zu machen und zeigt dir auch an, wenn du nicht auf Kurs bist bzw. dich zu wenig bewegst.

Ich war noch nie so schrittfaul wie an diesem Mittwoch...
Ich war noch nie so schrittfaul wie an diesem Mittwoch…

Im direkten Vergleich mit der LG G Watch R fällt sofort der deutlich bessere Tragekomfort der Withings-Uhr auf. Sie ist viel leichter und fällt bereits nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr auf. Auch zum Duschen, Schwimmen oder Schlafen musst du die Uhr nicht ablegen. Die Funktionalität ist aber doch sehr stark beschränkt. Aktuell gibt es noch keine Möglichkeit, andere Sportarten zu tracken. Die LG G Watch R kann immerhin zwischen laufen und gehen unterscheiden, wenn ein Smartphone mit dabei ist, wird auch Radfahren erkannt, das war’s aber schon. Ich verbringe zum Beispiel täglich rund 20 Minuten auf dem Trampolin. Das merkt aber keine der Smart Watches und rechnet mir deshalb nur ein paar Schritte an. Ein Update im April soll Schwimmen unterstützen, Withings verspricht auch noch weitere Sportarten.

Kleiner, schmaler, dünner und leichter. Die Withings-Uhr trägt sich deutlich angenehmer.
Kleiner, schmaler, dünner und leichter. Die Withings-Uhr trägt sich deutlich angenehmer.

Anstelle der Withings-App kannst du die Uhr auch mit Google Fit zusammen benutzen. Da Google Fit jedoch ab und zu einen unnötig hohen Akkuverbrauch verursacht, würde ich die Healt Mate App empfehlen.

Die Zeiger drehen sich so komisch: Keine Ahnung, wie das bei der Withings Activité mit SWISS-MADE-Zertifikat und Lederarmband gelöst ist, aber mich hat es etwas irritiert, dass sich die zwei Zeiger nicht wie gewohnt drehen, wenn die Zeit verstellt wird oder die Uhr zwischen Weckzeit und echter Zeit hin und her wechselt. Es ist halt eben doch keine analoge Uhr sondern eine digitale mit analoger Anzeige…

 

Schlaftracker und Weckerfunktion

Ich hatte die LG G Watch R noch nie über Nacht an und würde sie auch nie zum Schlafen anlassen, weil mir die Uhr dafür einfach zu klobig ist. Insofern kann ich weder die Schlaftracking-Funktion der Android-Uhr noch die Wecker-Funktion beurteilen. Android Wear bringt diese Funktionen auch von Haus aus nicht mit, aber über Drittanbieter-Apps wie zum Beispiel Sleep as Android lassen sich diese Funktionen nachrüsten. Die Ergebnisse dürften sich aber nicht groß von denen der Withings-Uhr unterscheiden, da im Innern die gleichen Typen von Sensoren zum Einsatz kommen. Beide Uhren verlassen sich allein auf den Bewegungssensor, ein Audio-tracking (Schnarcheln) oder ein Pulsmonitoring kann bei der Withings-Uhr schon allein aus dem Grund nicht stattfinden, weil die Activité Pop über keine entsprechende Hardware verfügt.

Glaubt man den Werten der Whithings-App, dann schlafe ich jeden Tag innerhalb von 2 Minuten ein. Ich bin schnell im Einschlafen, aber 2 Minuten sind es üblicherweise nicht, sondern eher fünf bis zehn Minuten. Wenn ich nachts mal nach den Kindern sehen muss, dann vermerkt das die Uhr korrekt mit Wachphasen von wenigen Minuten und auch die Werte für den leichten Schlaf und den Tiefschlaf stimmen in etwa. Im Unterschied zu meinem Langzeittest mit dem Misfit Shine hat mir aber die Withings-Uhr die Schlafzeiten nie so genau angezeigt. Das hängt schlicht damit zusammen, dass man der Uhr nicht mitteilen kann/muss, zu welcher Zeit man schlafen geht. Ein Tracker, der sich hier nur auf den Bewegungssensor verlässt, liegt meistens etwas daneben, was die Einschlafphase betrifft.

Egal wie und wann ich mich ins Bett legte: Laut App benötigte ich stets 2 Minuten, um einzuschlafen.
Egal wie und wann ich mich ins Bett legte: Laut App benötigte ich stets 2 Minuten, um einzuschlafen.

Enttäuscht war ich auch etwas von der Weckfunktion. Ich hatte eigentlich mit einer sanften Weckfunktion gerechnet, die flexibel ist und sich nach meinem Schlafrhythmus richtet. Aber nichts dergleichen: Pünktlich um 6:40 vibrierte das Teil dermaßen intensiv, dass auch meine Frau gleich wach wurde. Der Wecker lässt sich an der Uhr selbst nicht ausschalten und auch nicht wiederholen. Stehst du also nicht sogleich auf (was eigentlich das beste ist, aber halt nicht immer gewünscht), dann wirst du verschlafen.

Klar gibt es Leute, die selbst mit dieser Vibration am Handgelenk nicht wach zu bekommen sind, aber ich hätte mir dann doch einen etwas sanfteren Alarm gewünscht, wenn die Webseite von „sanft geweckt werden“ schreibt. Vor allem hätte ich erwartet, in Kombination mit den Schlafphasen wachvibriert zu werden, damit ich nicht aus dem schönsten Tiefschlaf gerissen werde. Es lässt sich zudem nur eine Weckzeit einstellen (die Wochentage sind frei wählbar). Zwei Alarme unterstützt die App nicht.

Wenn du also Single bist und jeden Tag exakt um die gleiche Zeit aufstehen musst und dabei ein Weiterschlummern eh nicht in Frage kommt, dann kannst du die Activité Pop als Wecker benutzen. Sonst bleibst du besser beim Handy, das einen Sleep-Modus oder mehrere Wecker mit verschiedener Intensität unterstützt. Hier muss der Hersteller ganz klar bei der App noch nachrüsten!

Akkulaufzeit

Hier hat die Withings-Uhr ganz klar die Nase vorne. Während ich die LG G Watch R alle zwei bis vier Tage ans Ladekabel hängen muss, bleibt die Activité Pop einfach ein paar Monate lang am Handgelenk. Ist die Batterie allerdings mal leer, dann muss eine neue Knopfzelle her und das Spezialwerkzeug, um die hintere Abdeckung zu entfernen. Dazu muss wiederum das Armband auf einer Seite entfernt werden. Das ist also eine rechte Frickelei. Optimal wäre hier in meinen Augen eine aufladbare Knopfzelle mit drahtlos-Ladefunktion. Damit würde der Wechsel der Batterie wegfallen, der je nach Intensität der Nutzung so alle sechs Monate anstehen dürfte (vor allem wenn die Weckfunktion genutzt wird).

Fazit & Kaufempfehlung

Ich dachte eigentlich vor dem Test, mit der Withings-Uhr die perfekte smarte Uhr gefunden zu haben, vermisse aber nun doch ein paar Funktionen, die mir die LG G Watch R bietet, allen voran die Benachrichtigung bei Anrufen über den Vibrationsmotor. Das Design ist bei der Withings-Uhr aber viel besser, der Tragekomfort um Welten höher als bei irgendeiner Android-Wear-Watch. Die Kritik an der Withigs Mate-Health-App kann ich nicht nachvollziehen. Die App ist zwar nicht die schnellste, verrichtete jedoch in den Tests mit dem Moto G 2013 ihren Dienst perfekt. Ein Update gab es in den vergangenen drei Wochen ebenfalls.

Hol dir die Activité Pop für rund 150 Euro (bei Saturn und Co.) oder die teurere Withings Activité für 390 Euro, wenn du in erster Linie eine neue Uhr kaufen möchtest, die ein Bisschen smart ist und die du 24 Stunden am Tag problemlos tragen kannst. Die Activité Pop ist zu 80 Prozent Uhr und nur zu 20 Prozent smart. Dann ist die Activité Pop genau richtig. Magst du es hingegen smarter oder günstiger, dann gibt es auch zahlreiche Alternativen für Android (Testbericht). Und noch etwas: wenn du gerne bestaunt wirst, dann ist die Activité Pop von Withings  die falsche Uhr. Sie wird schlicht nicht als Spezialität wahrgenommen.

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