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Tipp: Android vs. iOS – Vergleich der beiden Betriebssysteme

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AndroidVsIos | Android-User.de

Der Smartphone-Markt wird dominiert von zwei Betriebssystemen. Auf der einen Seite Google mit Android und auf der anderen Seite Apple mit dem iOS-System. Es handelt sich dabei um zwei Anbieter aus den USA, welche jedoch unterschiedliche Konzepte an den Nutzer bringen wollen. So ist der Smartphone-Markt gespalten in Android- und iOS-Nutzer und jeder ist von seinem genutzten Betriebssystem überzeugt. In unserem heutigen Tipp-Artikel gehen wir einmal auf die beiden Betriebssysteme mit Vor- und Nachteilen näher ein.

Android

  • Google gründet am 5. November 2007 mit 33 Partnern die Open Handset Alliance
  • Open Source – jeder kann Android kostenlos nutzen, muss aber den Play Store und andere Apps von Google installieren. Auch die Darstellung wird von Google gesteuert.
  • Veröffentlichung der ersten Android Version war am 23.09.2008
  • Aktuelle Version seit August 2018: Android 9 Pie
  • Aktive Geräte 2.300.000.000
  • Apps im Play Store: 3.800.000
  • Marktanteil: 76 Prozent (Stand Oktober 2018)

iOS

  • Entwicklung ab 2005, Erstpräsentation bei der Mac World im Januar 2007 unter dem Namen iPhone OS
  • Erstes Smartphone, das per Touchscreen bedienbar war
  • Veröffentlichung 29.06.2007
  • Aktuelle Version – iOS 12
  • Aktive Geräte: 1.000.000.000
  • Apps im App Store: 2.300.000
  • Marktanteil – 23,3 Prozent (Stand Oktober 2018)

Betriebssystem-Versionen

Google wie auch Apple veröffentlichen jedes Jahr eine neue Version des Betriebssystems für seine unterstützten Smartphones. Zuerst werden die Versionen für Entwickler zugänglich gemacht, damit diese beginnen können, ihre Apps an das neue System anzupassen. Anschließend beginnt die Betaphase, in der sich interessierte Nutzer nach vorheriger Anmeldung die Beta-Version auf ihre Smartphones laden können. Diese kann ausprobiert und Feedback an Google oder Apple gesendet werden. Nachdem dann auch die Beta-Tests beendet und sämtliche Bugs eliminiert sind, erscheint im Spätsommer/Herbst jeden Jahres die neue Version des Betriebssystems bei allen Nutzern. Hier gibt es jedoch einen entscheidenden Unterschied.

Bringt Apple sein neues System an den Start, bekommen dies alle Nutzer gleichzeitig, da es sich ausschließlich um Apple-eigene Geräte handelt, welche mit iOS laufen.

Bei Android ist die Verteilung hingegen nicht so einfach zu bewerkstelligen. Die Google-eigenen Pixel-Geräte erhalten das Update innerhalb kürzester Zeit nach dem finalen Release. Android-Smartphones anderer Anbieter warten hingegen bis zu einem dreiviertel Jahr auf ein “neues” Betriebssystem, welches dann fast schon wieder als veraltet gilt.

Ebenfalls werden bei Android nur zumeist die neuesten Geräte mit einem Update des Betriebssystems versorgt. Ältere Geräte haben meist gar keine Chance mehr auf ein neues Betriebssystem, es sei denn der Nutzer flashed es per Custom-Rom.

Das rührt daher, dass Google mit Android den eigenen Geräten nur (mittlerweile) 3 Jahre (vorher 2 Jahre) System-Updates und 3 Jahre Sicherheits-Updates gewährt. Nutzer der Android-Phones anderer Anbieter müssen sich mit deren eigener Update-Politik auseinandersetzen.

Apple hat hier im Moment noch die Nase vorn, da es sogar das iPhone 5s aus dem Jahr 2013 mit der aktuellen Software iOS 12 versorgt hat. Allerdings gibt es mittlerweile auch Berichte, dass das im Herbst erscheinende iOS 13 nicht mehr auf dem iPhone 5s und den späteren Generationen iPhone 6 und iPhone 6+ erscheint. Aber 5 Jahre Updates sind im Gegenteil zu 3 Jahren bei Android schon ein Bonuspunkt.

Play Store vs. App Store

Beide Plattformen zusammen verfügen über knapp 6 Millionen Anwendungen. Ebenfalls ähneln sich beide Stores im Aufbau. Nach dem Start des jeweiligen Stores gibt es eine Übersicht aller aktuellen Apps, Empfehlungen oder beliebten Apps. Im Play Store gibt es am oberen Bildschirmrand eine Suchleiste und links das Menü. Im App Store befindet sich links die Kategorie-Auswahl und rechts die Wunschliste.

Im Play Store wie auch im App Store wachsen die Ausgaben für Apps. Laut einer Studie gaben Android- und iOS-Nutzer im letzten Jahr zusammen 34,4 Milliarden US-Dollar für mobile Apps und Spiele aus. iOS-Nutzer haben dabei mit 22,6 Milliarden Dollar doppelt so viel Geld für eine App ausgegeben als Android Nutzer im Play Store. Dabei sind die Downloadzahlen der iOS-Apps um die Hälfte niedriger als bei Android-Apps. Es wird zwar erwartet, dass durch die Mehrzahl an Android-Nutzern der Umsatz im Play Store zu Apples App Store angeglichen werden kann, bisher ist das aber nicht der Fall. In der Studie wurden jedoch nicht die Umsätze durch Werbung oder dem Verkauf physischer Güter per App mit einberechnet.

Hier lässt sich noch feststellen, dass iOS ein wenig die Nase vorn hat. Beliebte Apps, wie zum Beispiel Fortnite (nicht im Play Store) oder Super Mario Run waren auf den Geräten von Android erst mit einer Verspätung von mehreren Monaten oder über Umwege erhältlich.

Mehr Umsätze könnte der Play Store wohl generieren, wenn dieser auch in China verfügbar wäre. Dort wird inzwischen ein Großteil von Apples App Store erwirtschaftet.

Ein weiterer Unterschied ist die Rückgabe einer App. Im Play Store hast du dafür 48 Stunden Zeit. Eine App gibst du zurück, indem du deinen Bestellverlauf im Play Store anklickst und dort hinter der betreffenden App, welche du zurückgeben möchtest, die drei Punkte auswählst. Hier wählst du “Erstattung beantragen” und gibst einen Grund an, weshalb du die App zurückgeben möchtest. Google erstattet dann das Geld. Sind die 48 Stunden um und du hast Probleme mit der App, kannst du noch den Entwickler kontaktieren, der dir eventuell das Geld erstattet.

Im App Store hast du für die Rückgabe der App sogar 14 Tage Zeit. Die Rückgabe erfolgt jedoch nicht über den App Store sondern über die Problem-Report-Seite von Apple. Dort meldest du dich mit deiner Apple-ID an und bekommst eine Liste aller Käufe der letzten 90 Tage angezeigt. Du wählst die App aus mit der du Probleme hast und gibst sie unter Angabe eines Grundes zurück.

Annäherung von Android und iOS

Android und iOS nähern sich einander an. Die Nutzeroberflächen sehen ziemlich ähnlich aus. Auch die Funktionen selbst ähneln sich, denn die Entwickler der Apps müssen ihre Angebote für beide Systeme anpassen. Und findet ein Entwickler erst einmal einen Weg, um eine Funktion gut einzubinden so wird er versuchen, diese auch für das andere Betriebssystem nutzbar zu machen. Man kann die Annäherung der Betriebssysteme gut an zwei Beispielen sehen:

  • Gestaffelte Benachrichtigungen, welche mit Android 8 Oreo eingeführt wurden hat Apple für iOS 12 übernommen, weil es die beste Darstellungsform für ein 5 oder 6 Zoll großes Display ist.
  • Google hat dafür die Gestensteuerung, welche Apple letztes Jahr mit iOS 11 auf dem iPhone X auf den Weg gebracht hat, für Android 9 beziehungsweise das kommende Android Q übernommen.

Beide Systeme, Android und auch iOS haben eine Option Bildschirmzeit (bei iOS) und Digital Wellbeing (bei Android), die dem Nutzer helfen soll, seine am Display verbrachte Zeit in geregelte Bahnen zu lenken.

Ebenfalls verfügen Android und iOS Geräte über künstliche Intelligenz, mit der Arbeitsabläufe immer weiter optimiert werden sollen. Bei Android Pie werden selten genutzte Hintergrundprozesse mittels KI eingeschränkt, um Energie zu sparen. Auch kann die Displayhelligkeit automatisch reguliert werden. Im App Drawer werden, zur schnelleren Erreichbarkeit, die meistgenutzten Apps angezeigt und mit den Smart Replies sendest du vorgeschlagene Antworten an deine Kontakte.

Die Künstliche Intelligenz ist jedoch auch in den smarten Assistenten Google Assistant und Siri zu finden. Siri zum Beispiel kann mit den “Kurzbefehlen” eine ganze Reihe verknüpfter Aktionen auslösen. Ebenfalls erkennt Siri Routinen oder lernt aus dem Verhalten des Nutzers.

Durch das gegenseitige Übernehmen von Funktionen profitieren beide Systeme, nähern sich dabei jedoch auch weiter an.

Unterschied zwischen Google und Apple

Datenschutz

Der Unterschied zwischen beiden Unternehmen: Google macht sein Geld mit Software sowie Nutzerdaten, Apple hingegen hauptsächlich mit Hardware. Das bedeutet, dass Google sein Geld vor allem mit Werbung verdient und damit der Kunde genau die Werbung sieht, welche ihn interessiert, benötigt Google so viele Daten wie möglich. Apple hingegen verdient mit seinen Nutzern kein Geld und kann daher mit den Themen Datenschutz und Privatsphäre punkten. Man kann zum Beispiel bei iOS das Browser-Tracking, mit dem die Werbeindustrie Nutzerdaten erfasst, deaktivieren. Das ist zwar auch beim Chrome-Browser über die Einstellungen und die Option Datenschutz möglich, jedoch gibt Google hier an, dass viele Websites trotz der deaktivierten Track-Funktion weiterhin auf die Daten zugreifen. Aufgrund der vielen Datenskandale hat jedoch auch Google in letzter Zeit beim Datenschutz aufgerüstet.

Um aber in das Ökosystem iOS zu gelangen ist ein hoher Preis von Nöten. Android läuft mittlerweile (wenn auch in verschiedenen Versionen) auf einer Vielzahl an Geräten in den Preisspannen von 99-1000 Euro. Es gibt dabei vertragsfreie Angebote, bei denen du den vollen Kaufpreis direkt zahlst. Oder du erwirbst Android Handys mit Vertrag bei einem Anbieter für einen symbolischen Euro. iOS hingegen läuft nur auf Apples eigenen Geräten und da ist selbst das günstigste, fast 9 Jahre alte Gerät, neu erst ab 500 Euro erhältlich. Die iOS-Plattform ist eine geschlossene Plattform, was bedeutet, dass Apple die Hardware baut und auch die Software kontrolliert und perfekt auf die iPhones abstimmt. Der iPhone-Nutzer hat daher auch wenig Gestaltungsspielraum bei der Anpassung der Nutzeroberfläche. Er muss das nehmen, was von Apple vorgegeben wird.

Open Source

Android ist im Gegensatz zu iOs Open Source und jeder Entwickler kann hier an einer eigenen Custom Rom schrauben. Auch kann die Nutzeroberfläche von Android per Launcher angepasst werden, Icon Packs ändern die Darstellung und vieles mehr. Auch die verschiedenen Anbieter der Android-Phones, welche sich ja nur des Android-Betriebssystems bedienen, bringen noch einmal eigenen Oberflächen an den Start. So bietet Huawei mit der EMUI und Samsung mit OneUI eigene Oberflächen, in die das Android-Betriebssystem eingebunden wird.

Software-Support

Die negative Seite von Android Open Source ist jedoch die bereits erwähnte langsame Verteilung des Betriebssystems auf alle Geräte. Android steuert hier zwar mit Project Treble und Android One gegen, jedoch ist es immer noch nicht möglich, auf Knopfdruck alle Android-Phones gleichermaßen schnell mit den Updates zu versorgen.

Ebenso verhält es sich mit den Sicherheits-Updates, welche die Pixel-Phones von Google jeden Monat bekommen, die restlichen Android Phones sind im Vierteljahrestakt oder gar nicht an der Reihe. Apple hingegen versorgt alle Geräte gleichzeitig. Zwar gibt es hier keine monatlichen Sicherheitspatches, aber wenn es einen Patch gibt, erhalten diesen alle Geräte.

Vorteile Android

  • Höhere Flexibilität und größere Geräteauswahl
  • offenes Betriebssystem
  • Individuelle gestaltbare Benutzeroberfläche
  • Größere Vielfalt an Apps

Nachteile Android

  • Größere Gefahr durch Sicherheitslücken
  • Apps weniger stark kontrolliert
  • Uneinheitliche Updates
  • Oft nicht so harmonische Performance wie bei Apple

Vorteile von iOS

  • Hard- und Software aus einer Hand
  • Streng geprüfte, besonders leicht zu bedienende Apps
  • Vorbildlich in Sachen Verschlüsselung und Datenschutz
  • Auch nach Jahren noch Updates

Nachteile von iOS

  • Nur auf teuren Apple-Geräten verfügbar
  • Wenig Raum für Innovationen von außen
  • Weniger (kostenlose) Apps
  • Keine so große Gerätevielfalt wie Android

Fazit

Einen wirklichen Gewinner gibt es beim Android-iOS-Vergleich nicht. Beide Systeme haben Stärken und Schwächen. Android bietet ein hohes Maß an Anpassbarkeit zu unterschiedlichen Konditionen. Apple hingegen hat ein stimmiges Gesamtpaket zu saftigen Preisen. Geht es jedoch um Updates hat iOS die Nase vorn, denn dort werden sogar 6 Jahre alte Geräte noch unterstützt, die bei Android schon längst aussortiert wären.