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Tipp: Was sind Project Treble und Fuchsia OS?

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Derzeit ist ja Googles neueste Version des Betriebssystems, Android Pie, in aller Munde, jedoch noch auf ziemlich wenigen Homescreens zu finden ;-). Das liegt daran, dass jeder Smartphone-Hersteller mit dem von Google bereitgestellten Android ein eigenes Süppchen kocht. Somit dauert es immer ziemlich lange, bis wirklich jeder die neue Android-Version nutzen kann; beziehungsweise wenn das Update dann endlich da ist, ist es nicht mehr neu sondern fast ein Jahr alt und Google stellt schon die nächste Version vor. Damit sich nun die Verteilung des Updates auf Android 9 nicht wieder so ewig in die Länge zieht hat Google Project Treble ins Leben gerufen. Doch was ist Project Treble? Und auch Fuchsia OS wird in diesem Artikel nicht unerwähnt bleiben. Ist es doch Googles Betriebssystem der Zukunft?

Was ist Project Treble

Project Treble wurde zusammen mit Android Oreo eingeführt. Mit Project Treble wurde die Struktur des Android-Betriebssystems überarbeitet. Bei Android liegen Software und Hardware nicht zentral bei Google, sondern es kommen viele Komponenten der Hersteller dazwischen. Mit Project Treble sollen diese Prozesse vereinfacht werden, um schnellere Updates für alle Nutzer zu ermöglichen. Project Treble schafft eine neue Ebene zwischen dem eigentlichen Betriebssystem und den Hardware-Komponenten. Vorher waren die Hersteller der Smartphones von Chip- und Modul-Herstellern abhängig. Denn diese mussten, nach dem Release einer neuen Android-Version, erst die eigenen Komponenten wie zum Beispiel Kamera, WLAN-Module u.a. anpassen, damit diese mit der neuen Android-Version funktionieren. Sobald das der Fall war konnten die Smartphone-Hersteller beginnen ihre eigene Software auf die neue Android-Version abzustimmen, damit diese auf den eigenen Geräten ohne Fehler läuft.

(Bildquelle: Google)
(Bildquelle: Google)

Google hat also die unterste Ebene mit Treibern vom eigentlichen Android-System abgetrennt und durch eine Zwischenschicht (Vendor Interface) verbunden. Dies soll eine problemlose Kommunikation aller Komponenten ermöglichen. So können die Gerätehersteller direkt ihre eigenen Anpassungen an der obersten Schicht des Betriebssystems vornehmen und die Hardware-Hersteller an ihren Komponenten. Keiner muss mehr darauf warten, bis der andere fertig ist. Somit sollten – in der Theorie – schnellere Updates durchaus möglich sein, da nicht der komplette Code angepasst werden muss.

(Bildquelle: Google)
(Bildquelle: Google)

Welche Android Smartphones werden von Project Treble unterstützt?

Unterstützt werden alle Geräte, welche mit Android 8.0 Oreo ausgeliefert worden sind. Ältere Geräte, die das Oreo-Update erhalten haben müssen nicht zwingend unterstützt werden. Wenn du wissen willst, ob dein Smartphone von Project Treble unterstützt wird lädst du dir über den Play Store die App “Treble Check” herunter.

Erleichtert Project Treble die Android Verteilung?

Durch Project Treble soll es den Herstellern möglich sein, alle Smartphones (egal ob Einsteiger-Gerät oder High-End-Smartphone) schneller mit einem angepassten Android-Update zu versorgen. Ob dies funktioniert wird sich jetzt mit der neuen Android-Version 9 zeigen. Aktuell nutzen viele Android-Besitzer immer noch die Android-Versionen Marshmallow und Nougat und haben noch nicht einmal das Oreo-Update vom letzten Jahr bekommen.

Was ist Fuchsia OS?

Gerade erst wurde die 9. Version des Betriebssystems Android veröffentlicht. Im vergangenen Jahr wurde 10 Jahre Android gefeiert, ein beachtlicher Erfolg mit mehr als 2 Milliarden Nutzern. Doch in ferner Zukunft soll auch das uns bekannte Android Geschichte sein und durch Googles neues Betriebssystem Fuchsia OS ersetzt werden, welches wir schon einmal kurz angerissen haben.

Erstmals in Erscheinung getreten ist Fuchsia Mitte 2016. Getestet wird es bereits auf den Pixelbooks und soll irgendwann einmal Chrome OS und Android ersetzen. Laut nicht bestätigter Quellen könnten schon in drei Jahren die ersten Smart-Home-Geräte mit Fuchsia laufen. Und sollte das gut funktionieren dürften in fünf Jahren die ersten Smartphones und Notebooks mit dem neuen Betriebssystem verfügbar sein. Die Annäherung beider Plattformen (Android und Fuchsia) hat bereits begonnen.

Fuchsia basiert nicht auf Linux wie derzeit Android, sondern als Echtzeitbetriebssystem auf dem selbstentwickelten Mircokernel Zircon. Auch die General-Public-License (GPL) wurde gestrichen. Teile des neuen OS sind unter einer Mischung von BSD-Clause-3, MIT und Apache 3.0 lizensiert. Weitere Komponenten wie Grafik-Interfaces (Magma, Escher und Scenic), das UI-Toolkit Flutter und die Programmiersprache Dart gehören ebenfalls dazu.

Fuchsia hat eine kartenbasierte Oberfläche. Jede Karte ist eine Story und in jede Story können beliebig viele Apps, welche dann nicht mehr Apps sondern Module heißen, hineingezogen werden. Ein Modul kann beliebig oft in einer Story eingesetzt werden und bleibt auch dann noch geöffnet, wenn man eine Story verlässt und eine andere benutzt. Du kannst dann also eine Story für deine Social Media-Module anlegen, sämtliche Module wie Facebook, Instagram und andere einfügen und dann alle gleichzeitig nutzen. Ein Wechsel erfolgt nur zwischen den einzelnen Storys. Die Darstellung soll auf dem Smartphone sowie auf dem Desktop immer gleich aussehen. Entscheidend hierfür ist das Plattformübergreifende Framework Flutter.

So könnte eine neue Fuchsia Oberfläche aussehen (Bildquelle: ArsTechnika)

Bereits jetzt sind bei verschiedenen Komponenten von Android (Slices, App-Actions) Teile von Fuchsia integriert. Mit den App-Actions bekommt man intelligente Vorschläge für Aktionen, welche man durchführen kann. Mit den App Slices können Informationen aus Apps auch außerhalb der eigenen Oberfläche dargestellt und so in anderen Apps verwendet werden.

Weiterhin möchte sich Google von den vielen verschiedenen Geräten verabschieden und alle benötigten Daten in einer Cloud speichern. Die oben erwähnten Storys sind dabei der Teil eines Ledgers. Einen Ledger kann man sich wie ein Buch vorstellen, wobei jedes Kapitel eine Story ist. Der Ledger ist eine Verbindung zwischen dem Betriebssystem und den Storys mit den Modulen. Er regelt den kompletten Datenaustausch mit Zugriff auf die Dateien und Daten. Die Daten des Ledgers sind stets aktuell und nur privat für den aktuellen Nutzer sichtbar. Es kann kein Zugriff/Abgriff von außen erfolgen, weder durch einen anderen Prozess noch durch einen anderen Nutzer. Die Daten stammen alle aus der Cloud, könnten aber auch temporär auf dem Gerät zwischengelagert werden.

Mit dem Ledger soll der Nutzer alle seine Daten immer und überall auf jedem Gerät zur Verfügung haben, ohne sich dabei noch aktiv um die Synchronisierung zu kümmern. Allerdings muss für solch eine Nutzung zwingend schnelles Internet vorhanden sein, was ja in unseren Breitengraden eher weniger der Fall ist.

Fazit

Ob es Google gelingt, mit Project Treble eine einfachere Updateverteilung zu etablieren oder gleich mit Fuchsia ein komplett neues Betriebssystem auf mehrere Millionen Android-Geräte zu bringen bleibt abzuwarten. An solchen Plänen, “ein Betriebssystem für alles”, sind schon andere Hersteller gescheitert. Jedoch ähneln sich Treble und auch Fuchsia bereits in ihrem Aufbau (beide haben austauschbare Komponenten), Fuchsia allerdings gilt immer noch als Experiment, womit es auch relativ schnell wieder in der Versenkung verschwinden kann.