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Root-Zentrale: Das Unified Android-Toolkit von Mark Skippen

Die Welt des Modden ist riesig. Das wird jedem klar, der beginnt sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Zudem sind die vielen Begriffe, Möglichkeiten und Optionen am Anfang erschlagend: Bootloader entsperren, Rooten, Custom Recovery und Co. machen einen Einstieg nicht leicht. Glücklicherweise gibt es Toolkits, die diese lästigen Schritte in einem Rutsch übernehmen und dabei viele zusätzlich nützliche Funktionen an Bord haben. Wir schauen uns gemeinsam einen recht beliebten Kandidaten an: das Unified Android Toolkit von Mark Skippen.

Echte Android-Freaks erledigen die meisten Aufgabe direkt von der Kommandozeile aus. Doch es gibt Aufgaben, für die sich ein (grafisches) Toolkit deutlich besser eignet. Und spätestens dann, wenn du die exakt gleiche Aufgabe auf mehreren Androiden lösen musst, wirst du über ein entsprechendes Toolkit froh sein.

Es gibt diverse Android-Toolkits. Das von Mark Skippen entwickelte Programm hebt sich durch drei Punkte von der Konkurrenz ab: Es unterstützt eine recht große Anzahl an Geräten (aktuell 22), nicht nur ein ganz spezielles Smartphone oder einen einzigen Hersteller. Und es ist zwar ein Toolkit, aber mit einer textbasierten Oberfläche. Dadurch bleibt man als Power User immer ganz nah am Geschehen. Die dritte Besonderheit besteht im modularen Aufbau. Jedes Gerät ist als eigenes Modul realisiert, wenn sich also zum Beispiel der Root-Vorgang für das OnePlus One ändert, dann betrifft das die restlichen Teile der Software bzw. Nicht-OnePlus-Nutzer nicht.

Mit Hilfe des Toolkits lassen sich alle Nexus-Geräte (vom Galaxy Nexus bis zum aktuellen Nexus 6/9), eine große Auswahl an Samsung-Geräten (darunter fast alle neueren Geräte) sowie das One von OnePlus verwalten. Noch dazu ist die Basis-Version des Toolkits kostenlos erhältlich, eine Pro-Version schaltet zusätzliche Funktionen frei. Den Preis für die PRO-Version kann jeder Benutzer auf Basis einer Spende selbst festlegen.

Während sich die meisten alternativen Toolkits nur auf das Rooten oder vielleicht noch die Installation eines Custom-Recovery-Menüs spezialisieren, kannst du mit dem Skippen-Toolkit zum Beispiel auch Busybox installieren, komplette oder partielle Backups anlegen und wiederherstellen, einzelne Partitionen als Dump sichern, Firmware-Dateien und Treiber automatisch herunterladen und einspielen und viele weitere praktische Aufgaben erledigen. Die Liste sämtlicher Features findet sich auf der Homepage des Unified Android Toolkits.

Download und Installation

Die neuste Version des Unified Android Toolkit ist stets auf der Webseite des Entwicklers auf http://www.skipsoft.net unter dem Menüpunkt Download verfügbar. Der Windows-Installer führt ohne Probleme durch den Installationsvorgang und startet im Anschluss auf Wunsch direkt das Toolkit. Eine Version für Linux oder Mac OS X gibt es hingegen keine.

Gerätemenü

Nach dem Start des Programms befindest du dich auf oberster Ebene im Gerätemenü. Hier siehst du das erste Mal das Programminterface des Toolkits. Auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick nicht strukturiert und bieder aussieht, ist es einfach und logisch zu bedienen. Du findest im Hauptmenü die aktuell vom Toolkit unterstützen Geräte aufgelistet (die Liste gibt es auch auf der Homepage).

Um die Funktionen des Programms nutzen zu können, musst du immer am Anfang einmal eingeben, welches Gerät du benutzt. Tippe dazu die Zahl ein, die bei deinem Gerät steht, und bestätige mit Enter. Beim Wechsel von der Geräteauswahl zum eigentlichen Hauptmenü lädt die Software automatisch alle benötigten Daten für das gewählte Modell herunter. Etwaige Nachfragen zu dem auf dem Gerät vorhandenen Build beantwortest du wie die Geräteauswahl, indem du die entsprechende Ziffer eintippst und mit [Enter] bestätigst.

Das Unified Android Toolkit unterstützt eine Vielzahl an unterschiedlichen Geräten.
Das Unified Android Toolkit unterstützt eine Vielzahl an unterschiedlichen Geräten.
Deinen Build kannst du in den Einstellungen unter „Über das Telefon/Tablet“ einsehen.
Deinen Build kannst du in den Einstellungen unter „Über das Telefon/Tablet“ einsehen.

Das Hauptmenü

Im Hauptmenü angekommen siehst du eine Liste mit den zur Verfügung stehenden Funktionen. Hast du dich für eine entschieden, zum Beispiel das Installieren der Treiber, was am Anfang immer notwendig ist, gibst du die entsprechende Nummer ein und bestätigst mit [Enter]. Anschließend wechselt das Toolkit in den Teilbereich der Funktion. Im Falle der Treiber-Installation gibt es noch eine weitere Auswahl, die du zur Installation der normalen Treiber mit dem 1. Punkt beantwortest. Eine weitere Abfrage bestätigst du wieder mit der Eingabe von 1, wodurch du den Installer zur Treiberinstallation startest. Diese sollte selbsterklärend sein und sorgt dafür, dass danach die Kommunikation zwischen Toolkit und Smartphone möglich ist.

Vom Hauptmenü aus hast du Zugriff auf alle Funktionen.
Vom Hauptmenü aus hast du Zugriff auf alle Funktionen.

Verbindung zwischen dem Gerät und dem Toolkit

Um eine korrekte Verbindung zwischen Smartphone bzw. Tablet und dem Computer aufzubauen, muss am Gerät das USB-Debugging eingeschaltet werden. Danach ist es dem Computer möglich Befehle an das Android-Gerät zu senden, das dieses dann ausführt. Im Hauptmenü des Toolkits siehst du, dass nahezu alle Funktionen das Smartphone im ADB-Mode benötigen. Um ihn zu aktivieren, gehst du in die Einstellungen und suchst am Ende der Liste den Punkt Entwickleroptionen. Sollte es keinen Menüpunkt mit diesem Namen geben (auf neueren Geräten häufig der Fall), musst du ihn erst freischalten. Dazu klickst du sieben Mal auf die Build-Nummer, die du unter dem Menüpunkt Über das Telefon findest. Bist du in den Entwickleroptionen angelangt, muss du lediglich den Schalter USB-Debugging umlegen (bzw. die Checkbox setzen), sodass er eingeschaltet ist. Verbinde das Android-Geräte danach über USB mit dem Computer. Wenn das Toolkit das erste Mal auf dein Android-Gerät zugreift, musst du dies einmalig erlauben. Die auftauchende Abfrage bestätigst du, danach bist du verbunden.

Bootloader entsperren, Rooten und Custom Recovery

Um nach erfolgreicher Einrichtung das Toolkit einzusetzen und dein Android-Gerät für weiteres Modding vorzubereiten, gibt es zwei Wege. Entweder gehst du alle Schritte (Entsperren des Bootloaders, Rooten des Gerätes, Recovery Installation) einzeln durch, oder du wählst den komfortablen Weg, bei dem das Toolkit diese Abfolge in einem Rutsch vornimmt. Letzterer ist jedoch nur in der kostenpflichtigen Pro-Version verfügbar, die du über eine Spende auf der Skipsoft-Homepage kaufen kannst. Wir wählen hier deshalb den ersten, manuellen Weg. Bevor wir damit loslegen, ist es sinnvoll ein Backup der Daten anzulegen, da beim Bootloader-Entsperren die gesamten Daten verloren gehen. Ins Backup-Menü gelangst du über die 2 und kannst dort individuell festlegen, welche Daten du sichern möchtest. Für unsere Zwecke eignet sich die erste Option recht gut, sodass wir über die 1 und Enter ein Backup der installierten Anwendungen anlegen. Im selben Menü lassen sich danach die Apps wiederherstellen. Vom Hauptmenü aus wird der Bootloader über die 3 und eine 1 zum Entsperren entsperrt. Die Anweisungen im Toolkit erklären ausführlich, was zu tun ist und beschreiben die notwendige Bestätigung am Gerät. Wie üblich hier unser WARNHINWEIS: Beim Entsperren des Bootloaders gehen sämtliche Daten auf dem Gerät verloren!

Sobald der Bootloader offen ist, kann auf dem Gerät auch ein Custom Recovery-System installiert werden. Dazu gibst du im Hauptmenü die Ziffer 6 ein und wählst in der Auswahl das TWRP-Recovery mit der Ziffer 3. Natürlich kannst du auch eines der anderen zwei Recovery-Systeme wählen. Android User empfiehlt für Einsteiger in jedem Falls das TWRP-Recovery. Philz Touch wird nicht mehr aktiv entwickelt. Zunächst musst du aber wieder das USB-Debugging aktivieren, da die Einstellung beim Öffnen des Bootloaders (bzw. beim Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen) verloren gegangen ist. Das Toolkit überschreibt die Stock-Recovery-Firmware mit einer neuen Software. Darüber kannst du beispielsweise eine Custom-Firmware installieren, Backups vornehmen und viele weitere Dinge anstellen.

Um die Prozedur abzuschließend, rootest du dein Smartphone. Diese Möglichkeit findest du im Hauptmenü unter dem vierten Punkt. Im Root-Menü wählst du den ersten Punkt bzw. den zweiten, wenn du auch Busybox mit an Bord haben möchtest. Vor dem eigentlichen Rootvorgang musst du dich für die zu verwendende Methode entscheiden. Da wir bereits das TWRP Recovery installiert haben, können wir die bequemere zweite Methode verwenden. Das Toolkit erkennt dein Gerät und bootet in das Recovery-System. Hier wird dein Gerät automatisch mit Chainfires SuperSU-Skript gerootet. Sobald du wieder im normalen Android bist, kannst du dann die gesicherten Apps wieder einspielen und dich an deinem neuen, komplett offenen System freuen!

Das Toolkit bietet verschiedene Recovery-Systeme zur Auswahl an.
Das Toolkit bietet verschiedene Recovery-Systeme zur Auswahl an.
Das Toolkit bietet vielfältige Backup-Optionen und Möglichkeiten, die Backups wieder einzuspielen.
Das Toolkit bietet vielfältige Backup-Optionen und Möglichkeiten, die Backups wieder einzuspielen.

Weitere Funktionen

Über die gezeigten Möglichkeiten hinaus bietet das Unified Android Toolkit viele zusätzlichen Funktionen, die den Alltag eines Power-Users vereinfachen. Es besteht die Option APK-Dateien zu installieren, Dateien auf das / vom Gerät zu kopieren oder .img-Dateien zu flashen. All das sind Operationen, die auch ohne Toolkit mit den ADB Tools möglich wären. Allerdings müsstest du dir dann jedes Mal die passenden Befehle raussuchen — das Interface des Toolkits vereinfacht die Vorgänge daher immens. Ebenso besorgt sich die Software automatisch die aktuellen notwendigen Dateien wie Firmware-Abbilder oder Treiber und erspart dadurch einiges an Sucharbeit.

Alternative: Nexus Root Toolkit: Das Unified Android Toolkit ist nicht das einzige verfügbare Toolkit. Der Entwickler WugFresh programmiert sein eigenes, das jedoch ausschließlich die Nexus-Geräte unterstützt. Hierbei setzt er — anders als das Unified Android Toolkit — auf eine grafische Oberfläche, was für Einsteiger eventuell noch einfacher sein mag. Vom Funktionsumfang bietet dieses Nexus Root Toolkit alle Basisfeatures, das Unified Android Toolkit hat hier und da einige Optionen mehr.

Die Alternative "Nexus Root Toolkit" von WugFresh kommt mit einem grafischen Interface daher.
Die Alternative „Nexus Root Toolkit“ von WugFresh kommt mit einem grafischen Interface daher.

Fazit

Auch wenn manche Power User behaupten, dass durch Toolkits die Anwender gar nicht mehr wissen, was mit ihren Geräten passiert, sind die kleinen Programme wirklich nützlich. Auch eingefleischten Power Usern können sie viel Arbeit und Zeit abnehmen. Dadurch, dass die notwendigen Module automatisch geupdatet werden und alle Funktionen zentral an einem Ort zu finden sind, ist der Einsatz des Unified Android Toolkit auf jeden Fall sinnvoll und vor allem bequem und zeitsparend. Wenn das Toolkit dein Smartphone/Tablet unterstützt und du mit Windows arbeitest, dann lohnt sich die Installation in jedem Fall.

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