Start Android 5.0 Neuerungen von Android 5.0 „Lollipop“: Teil 4 – Gastmodus, Profile und Nutzer

Neuerungen von Android 5.0 „Lollipop“: Teil 4 – Gastmodus, Profile und Nutzer

So langsam aber sicher mehren sich die Smartphones mit Android 5.0. Grund genug, sich die Neuerungen im Detail anzuschauen. In diesem Beitrag gehen wir auf die Möglichkeiten der Nutzung eines Android-Geräts durch mehrere Nutzer ein.

Auch wenn Android 5.0 schon ein paar Monate auf dem Buckel hat, werden die meisten Nutzer erst in den kommenden Wochen in den Genuss von Lollipop kommen und damit auch mit den Neuerungen konfrontiert, die Android 5.0 so mit sich bringt. In Teil 1 bis 3 dieser Serie haben wir euch gezeigt, wie die neuen Benachrichtigungen von Android 5.0 funktionieren, was man mit Smart Lock so alles anstellen kann und welche neuen Netzwerkeinstellungen es bei Android 5.0 gibt.

Nutzer vs. eingeschränkte Profile

Mehrere Nutzer anzulegen, war bereits bei früheren Versionen von Android möglich. Diese Funktionalität war aber auf Tablets beschränkt. Seit Android 5.0 gibt es das Feature nun auch für Smartphones. Den Tablets ist aber weiterhin eine Eigenheit vorbehalten: nur hier gibt es eingeschränkte Profile. Dabei handelt es sich um einen speziellen Modus, bei dem sich Apps und Einstellungen gezielt freischalten lassen. Die Profile stellt man sich am besten als eine Art Zugriffssoftware vor, die bestimmte Funktionen blockieren kann. Da hier das Blockieren der eigentliche Zweck ist, muss man vor dem Anlegen eines neuen Profils auch zwingend einen Sperrbildschirm einrichten.

Bei einem neuen Nutzer-Account handelt es sich um einen im Prinzip vollwertigen zweiten Android-Account. Dieser unterscheidet sich vom primären Account lediglich in der Hinsicht, dass der nur der primäre Nutzer Accounts anlegen und einige Details daran verändern darf. Abgesehen davon lässt sich mit einem neuen Nutzeraccount jedoch genau so gut und genau so arbeiten, wie mit dem primären Nutzeraccount. Um einen neuen Nutzer anzulegen, ist keine Displaysperre notwendig. Darüber kann man geteilter Meinung sein.

Eingeschränkte Profile (nur Tablets)

Um ein neues eingeschränktes Profil anzulegen, ziehst du die Benachrichtigungsleiste von Android herunter und tippst dann ganz oben rechts auf das Profilbild (neutraler Kopf auf blauem Hintergrund). Du siehst jetzt die vorhandenen Nutzer. Tippe unten auf Weitere Einstellungen. Alternativ öffnest du die Android Systemeinstellungen und wählst hier den Eintrag Nutzer aus.

Unter Einstellungen | Nutzer findest du die neuen Möglichkeiten von Android 5.0. Der Screenshot zeigt die Möglichkeiten bei Tablets.
Unter Einstellungen | Nutzer findest du die neuen Möglichkeiten von Android 5.0. Der Screenshot zeigt die Möglichkeiten bei Tablets.

Im neuen Dialog tippst du den Eintrag Nutzer oder Profil hinzufügen an und wählst den Eintrag Eingeschränkte Profile. Falls du noch keine Displaysperre benutzt, erscheint nun eine Aufforderung eine Displaysperre einzurichten (PIN, Muster oder Passphrase). Bei einem Nexusgerät, das von Haus aus mit verschlüsseltem Speicher ausgeliefert wird, kannst du zudem festlegen, dass die eingerichtete Displaysperre auch den Bootvorgang schützen soll. Denn nur so ist sichergestellt, dass niemand an deine verschlüsselten Daten herankommt.

Entscheide dich hier für ein eingeschränktes Profil, wenn du einen Zugang mit beschränktem App-Umfang möchtest.
Entscheide dich hier für ein eingeschränktes Profil, wenn du einen Zugang mit beschränktem App-Umfang möchtest.
Für ein eingeschränktes Profil muss eine Displaysperre für deinen Haupt-Account eingerichtet sein.
Für ein eingeschränktes Profil muss eine Displaysperre für deinen Haupt-Account eingerichtet sein.

Hat soweit alles geklappt, dann siehst du eine Übersicht über alle installierten Apps und die Einstellungen. In der Grundeinstellung sind alle Apps außer der Google-App (Google Now und Suche) und der Uhr deaktiviert. Das Play Store Icon ist zwar sichtbar, der Play Store lässt sich aber nicht aufrufen. Schalte nun diejenigen Apps ein/frei, die du für das eingeschränkte Profil erlauben möchtest.

Aus der Liste der vorinstallierten Apps wählst du all diejenigen aus, die du für das eingeschränkte Profil freigeben möchtest.
Aus der Liste der vorinstallierten Apps wählst du all diejenigen aus, die du für das eingeschränkte Profil freigeben möchtest.

Einige Apps lassen sich nicht im eingeschränkten Profil benutzen. Dazu zählen zum Beispiel Gmail oder andere Apps, die einen kompletten Kontozugriff benötigen. Zudem gibt es bei einigen Apps ein Zahnradsymbol für weitere Details. So kannst du bei den Einstellungen festlegen, ob der Stadortzugriff für das eingeschränkte Profil erlaubt sein soll. Das ist übrigens auch eine geeignete Methode, um bestimmten Apps den Zugriff auf den Standort zu entziehen, indem du diese in einem eingeschränkten Profil benutzt.

Hat alles geklappt, dann findest du nun nach einem Antippen deines Profilbilds in der Statuszeile oben rechts das neue eingeschränkte Profil und kannst mit einem Fingertip zu diesem wechseln. Zurück zum Hauptnutzer musst du dann die eingerichtete Displaysperre betätigen.

WICHTIG: Im eingeschränkten Profil teilst du alle Daten mit dem eingerichteten Hauptnutzer. Wenn du also zum Beispiel die Galerie-App freigibst, dann hat das Profil auch den kompletten Zugriff auf alle deine Fotos, wenn du den Play Store freigibst, dann kann es Apps installieren und löschen und vieles mehr!

Einschränkte Profile eignen sich also in erster Linie dazu, um zum Beispiel das Tablet fit für Kleinkinder zu machen. Es gibt sie — wie oben erwähnt — nur auf Tablets mit Android 5.0.

Neue Nutzer anlegen

Ein komplett anderes Szenario bieten die Nutzerprofile. Hier kannst du wie auf deinem Linux-/Windows-/Mac-OS-X-Rechner vollwertige Benutzer anlegen, die dann über ein eigenes „Home“-Verzeichnis verfügen, Ihren Homescreen persönliche gestalten, Apps installieren und vieles mehr können. Jeder neue Nutzer kann auch über ein eigenes Google-Konto verfügen (muss er aber nicht), und wenn du es als Eigentümer des Smartphones erlaubst, darf der Nutzer auch das Telefon benutzen und SMS verschicken.

Die neuen Nutzer teilen sich das Gerät mit dem Haupt-Account, sind aber sonst vollwertig.
Die neuen Nutzer teilen sich das Gerät mit dem Haupt-Account, sind aber sonst vollwertig.

Diese Nutzer-Accounts sind also eine ideale Lösung, wenn man sich zum Beispiel ein Firmenhandy teilen möchte oder sich die Familie ein Tablet teilt, auf dem Papa und Mama auch mal Firmenmails beantworten oder private Bilder speichern.

Wie auf einem Desktop-Rechner gibt es aber auch hier Einschränkungen. So kann zum Beispiel jeder Nutzer Apps aktualisieren, das gegenseitige Löschen von Apps ist hingegen nicht möglich und dem Hauptbenutzer vorenthalten. Auch sehen die neuen Nutzer nicht, welche Apps bereits vorinstalliert sind und können das höchstens daraus erraten, dass die Installation deutlich schneller von sich geht als bei einer echten Installation.

Der Eigentümer kann die neuen Nutzer bearbeiten und die Accounts aber auch komplett löschen.
Der Eigentümer kann die neuen Nutzer bearbeiten und die Accounts aber auch komplett löschen.

Neue Benutzer bekommen also einen komplett eigenen Workspace und können hier nach Belieben schalten und walten. Ist der Google-Account installiert lassen sich beliebig viele Apps installieren und auch die Einstellungen sind weitgehend frei zugänglich. Dabei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass der Haupt-Account weiterhin Zugriff auf alle Apps hat (diese erscheinen zwar nicht in seinem App-Drawer aber in der Liste der heruntergeladenen Apps) und auch die Konten der neuen Nutzer löschen darf.

Apps, die nicht vom Eigentümer installiert wurden, erscheinen in der Liste der Apps als "Nicht installiert".
Apps, die nicht vom Eigentümer installiert wurden, erscheinen in der Liste der Apps als „Nicht installiert“.
Jeder Benutzer besitzt seinen eigenen Speicherbereich. Ein leeres Konto benötigt gerade mal 12 MByte.
Jeder Benutzer besitzt seinen eigenen Speicherbereich. Ein leeres Konto benötigt gerade mal 12 MByte.

Einen neuen Nutzer anzulegen, ist übrigens auch eine gute Idee, um mal zu schauen, welche Apps beim Gerät vorinstalliert mit dabei waren. Der neue Nutzer startet ja quasi von Null.

Die Gast-Sitzung

Einen neuen Nutzer anzulegen, ist aufwändig. Man muss sich durch den Setup-Dialog klicken, eventuell auch ein Google-Konto anlegen und jeder Benutzer beansprucht anschließend einen kleinen freien Bereich für sich auf dem internen Speicher. Das lohnt sich nicht wirklich, um nur schnell mal jemandem das Handy auszuleihen, damit dieser seine E-Mails checken kann.

Hier bietet sich eine Gast-Sitzung als Lösung an. Dieser Nutzer ist quasi schon angelegt und wartet nur darauf, per Fingertip auf Gast hinzufügen aktiv zu werden. Ist der Gast mit seiner Sitzung zu Ende, genügt ein weiterer Fingertip auf Gast entfernen, um die Session inklusive sämtlicher Daten zu löschen und Platz für einen neuen Gast zu machen. Daraus wird auch klar, dass es immer nur eine Gast-Sitzung auf einmal geben kann. Die Gast-Sitzung lässt sich jedoch suspendieren und bei Bedarf später wieder fortsetzen.

Gastsitzungen sind für den temporären Gebrauch gedacht, lassen sich aber suspendieren und später wieder fortführen.
Gastsitzungen sind für den temporären Gebrauch gedacht, lassen sich aber suspendieren und später wieder fortführen.

Der Gast bekommt stets das weiße Profilbild zugeteilt und er lässt sich auch nicht wie die echten Nutzer bearbeiten (Profilbild, Name). Zudem sind für den Gastnutzer in der Grundeinstellung die Telefonanrufe tabu.

Fazit

Mit diesen drei Möglichkeiten erfüllt Android 5.0 schon recht viele Anforderungen, um so ein persönliches Gerät wie ein Smartphone oder ein Tablet auch mal als Familiengerät einzusetzen oder in der Firma mit einem Kollegen zu teilen. Bevor du jetzt auf deinem Handy Nutzerkonten für alle deine Freunde oder die ganze Familie einrichtest, solltest du beachten, dass das Mehrbenutzerfeature je nach Häufigkeit der Wechsel recht viel Performance benötigt und somit auch etwas am Akku zieht. Auf älteren Geräten kommt es deshalb ab und zu zu Aussetzern, wie das folgende Video zeigt.

1 Kommentar

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here