Start Magazin Bericht: Wie wird Google Fotos mit meiner 150 GByte großen Fotosammlung fertig?

Bericht: Wie wird Google Fotos mit meiner 150 GByte großen Fotosammlung fertig?

Google speichert alle deine Fotos bis zu einer Größe von 16 MByte. Gratis und ohne Speicherlimit. Was liegt da näher, als im Schrank die alten Festplatten oder andere Backup-Medien auszugraben und das Ganze mal zu Google hochzuladen, um zu schauen, was Google mit Fotos anstellt, die keine GPS-Informationen enthalten und quasi schon einen „digitalen Farbstich“ aufweisen. Hier mein Erfahrungsbericht nach 150 GByte Datentransfer in die Cloud.

Anfang der Achtziger gab es noch keine Digitalkameras und Fotografie war in jeder Hinsicht eine relativ kostspielige Angelegenheit. Ich war ein kleines Kind und begann mich sehr für die wertvollen Fotoalben meiner Eltern zu interessieren. Das fanden die umgekehrt natürlich nicht so unproblematisch, denn in Kinderhänden geht ja schon der eine oder andere Gegenstand kaputt. Ihr Backup bestand lediglich in den Negativen, aus denen man für viel Geld hätte wieder Fotos entwickeln lassen müssen.

Liebevoll wurde damals auf nahezu jeder Fotorückseite der Ort, das Datum und der Anlass der Aufnahme notiert. Jedes Fotoalbum war ein kleines Kunstwerk und spiegelte den Erlebnishorizont eines Stückes meiner Kindheit wieder.

Aber diese analogen Zeiten sind vorbei. Mittlerweile habe ich selbst eine Familie gegründet, und meine Fotos landen meistens als Massenware auf einer externen Festplatte zur Datensicherung. Und nun sind es die Augen meines Ältesten, die zu leuchten beginnen, wenn ich ihm mal Fotos aus der Zeit vor seiner Geburt zeige, auf dem Tablet!

Vor diesem Hintergrund scheint mir die heutige Zeit einfach genial, ich habe mit meinem Smartphone eine richtig gute Kamera immer dabei und mache direkt gleich mehrere Schüsse, falls mal eines nicht passt, kostet mich außer etwas Speicherplatz ja nichts extra.

Schießen, bis der Speicher knapp wird

Obwohl ich auch eine sehr gute Digitalkamera besitze, schieße ich den größten Teil meiner Fotos mit dem Handy. Diese lasse ich schon ewig direkt auf Google Drive hochladen, sobald ich mein WLAN betrete. Bevor Google diese Funktion via Google+ anbot, realisierte ich das ganze mit IFTTT.

Doch seit der Google I/O 2015 beginnt für alle Hobbyfotografen eine neue Zeitrechnung. Das Versprechen heißt, alle seine Fotos kostenlos in der Cloud sichern und auf allen seinen Devices zu jederzeit, in hilfreicher Art und Weise sortiert, zur Verfügung zu haben. Das klingt für mich unwiderstehlich!

Vor kurzem haben wir euch ja schon darüber informiert, dass Google nun kostenlosen Speicherplatz für Fotos bis 16 Megapixel anbietet. Alles was Ihr in Zukunft bei Google hochladet wird zeitlich und örtlich eingeordnet und euch auch nach Kategorien sortiert angezeigt. Wenn ihr Benjamin’s Trick beherzigt könnt ihr hierzulande auch schon die Gesichtserkennung nutzen, die eigentlich bisher nur für die USA vorgesehen ist.

“2 MByte Upload sind doch voll ausreichend, der Download zählt…”

Diese Aussage, die ich vor einigen Jahren machte, stimmt vielleicht für Streaming-Fans, aber wenn du mal 150 GByte zu Google hochladen möchtest, dann ärgerst du dich über die miesen Upload-Raten, die in manchen Tarifen mit drin sind. Und wir sprechen hier nicht von mobilem Internet…

Ich habe mir also vorgenommen meine digitale Fotosammlung jetzt mal richtig zu „digitalisieren“ und lade gerade 149GB zu Google Fotos hoch. Die MB’s purzeln so im 5 Sekundentakt durch die Leitung und ich kann ihnen buchstäblich hinterhergucken… Hintergrund dieser Überlegung ist, dass meine externe Festplatte, auf die ich alles schaufle, was hier im Haushalt so an Daten anfällt, langsam aber sicher knapp wird. Außerdem muss man mit Kindern im Haushalt ja auch mal mit dem Fall der Fälle (Headcrash) rechnen. Da kommt Google’s Versprechen gerade zur rechten Zeit um die Ecke.

Meine Handyfotos lasse ich schon lange automatisch zu Google hochladen, um sie später auf dem Tablet zu betrachten, aber die mit der Digitalkamera geschossenen noch nicht. Und das sind wirklich eine Menge, auch aus  Zeiten in denen man vom Smartphone oder Tablet noch nicht mal geträumt hat. Und nun mit der neuen Fotos App möchte ich natürlich auch, wie auf der I/O vorgestellt, alle tollen neuen Funktionen wie Gesichtserkennung und automatische Sortierung nutzen, also warum nicht jetzt den Schritt wagen?

Um Datenschutzbedenken soll es an dieser Stelle mal nicht gehen. Ich möchte euch einfach mal einen kleinen Erfahrungsbericht geben, vielleicht hattet ihr ja auch schon länger die gleiche Idee…

Ich  lösche natürlich jetzt nicht alle meine Fotos hier zu Hause und setze ganz allein auf die Cloudlösung, geht ja gar nicht.. Man muss ja nun doch ab und an mal ein Foto beim Fotodienst „entwickeln“ lassen um sich ein schönen Bilderrahmen an die Wand zu hängen oder „analoge“ Verwandte mit Bildern zu versorgen. Aber ich finde es auf jeden Fall beruhigend das jetzt auch die anderen Fotos noch mal zusätzlich abgesichert sind, und schön das ich sie nun quer über alle meine Devices immer und überall ansehen kann. Für mich ist das auf jeden Fall wichtig, mag  nicht bei jedem so sein.

Am Tag danach…

Der Upload läuft nun schon seit ca. 30 Stunden ununterbrochen und die Bilanz sind bisher 72 Animationen, Collagen, Animationen, stilisierte Bilder und Geschichten. Die Vorschläge kommen also direkt während des Uploads, nicht erst nach Tagen. Um genau zu sein trudelten 45 Minuten nach Beginn des Uploads bereits die ersten Vorschläge ein. Auch scheint Google die Fotos sofort zu indizieren, denn Gesichter von Personen auf den hochgeladenen Fotos erscheinen bei mir sofort in der Gesichtserkennung… Das Ganze geht richtig flott, ich bin positiv überrascht. Der Upload bricht auch nicht ein oder ähnliches. In meinen Augen ist das  bisher eine richtig schöne, runde Sache von Google!

Die Gesichtserkennung funktioniert bis auf einige Ausnahmen erstaunlich gut. Manche Gesichter erkennt er als zwei unterschiedliche Personen, wenn diese auf den Fotos aus extremen Blickwinkeln fotografiert wurden.

Bisher dachte ich, Google extrahiert die GPS-Informationen aus den Metadaten der Fotos um anhand dessen die geographische Zuordnung vorzunehmen. Das scheint nur zum Teil richtig zu sein. Denn selbst Fotos, die keine GPS-Koordinaten enthielten, wurden von Google exakt eingeordnet. In diesem Moment wird mir bewusst, wie sehr Google die Fotos analysiert, ja regelrecht auseinandernimmt, hat man sie erstmal an die große Datenkrake übergeben. Für Menschen die noch einen Rest Datenschutzbedenken übrig haben ist das ganze auf jeden Fall nichts. Ich habe in der Hinsicht meinen Frieden gemacht…

Trotz fehlender Metadaten erkannt: Amsterdam
Trotz fehlender Metadaten erkannt: Amsterdam
Port Louis (Mauritius), erkannt am Blue Penny Museum?

Bei den betreffenden Fotos handelt es sich um sechs Jahre alte Fotos, die mit einer noch älteren Canon Digitalkamera gemacht wurden. Es ist ein absolutes Einsteigermodell und hat uns damals im Elektronikfachmarkt als Angebot 99€ gekostet. Sie wurde extra für eine Mauritiusreise angeschafft. Im Fokus stand damals der Betrieb mit aufladbaren Batterien, um eine maximale Reichweite zu gewährleisten, da ich wirklich sehr viele Fotos schieße!

Diese Kamera hat kein GPS, aber warum sortiert Google die Fotos bei Orten glasklar unter Mauritius ein? Das gleiche passierte mit den Bildern eines Ausflugs nach Amsterdam.

Die markante
Die markante „rote Kirche“ am Cap Malheureux ist Google scheinbar bekannt
Die siebenfarbige Erde in Chamarel, ohne GPS fotografiert, trotzdem erkannt
Die siebenfarbige Erde in Chamarel, ohne GPS fotografiert, trotzdem erkannt
Das weltberühmte Blue Penny Museum
Das weltberühmte Blue Penny Museum. Du kanntest es noch nicht? Dann weiß Google mehr als du :-)

Eine Rolle spielt auf jeden Fall der Dateiname. Hier funktionierte beides. Bei den Fotos aus Mauritius hieß der Überordner entsprechend, bei denen aus Amsterdam gleich die Dateien. Bei letzteren hat er auch Fotos aus Deutschland mit einbezogen die im gleichen Ordner gespeichert waren, halt die Hinfahrt… Ein Foto mit GPS Informationen welches ich testweise mal china.jpg genannt hatte, wurde allerdings daraufhin nicht fortan unter dieser Flagge geführt. Die genaue geografische Position scheint schwerer zu wiegen, klar.

Google erkennt diese Sehenswürdigkeiten anscheinend aufgrund des Motivs.
Google erkennt diese Sehenswürdigkeiten anscheinend aufgrund des Motivs.

Und damit nicht genug, sogar der Ort stimmt exakt. Hier orientiert sich Google vermutlich an berühmten und allseits bekannten Sehenswürdigkeiten die auf den Fotos gut zu erkennen sind.

Das ganze überrascht mich erstmal schon, denn das ist eine enorme Leistung, die Google da mit dem neuen Fotos-Dienst leistet. Auf der anderen Seite traue ich ihnen auch eine Menge zu. Ich bin auf jeden Fall restlos begeistert von Google Fotos und, davon das es alles kostenlos ist. Von nun an habe ich alle meine Fotos immer auf meinem mobilen Device dabei, kann spezialisiert nach etwas suchen und — das ist das Wichtigste — bekomme dabei auch noch sehr brauchbare Ergebnisse.

Die Erkennung von Dingen ist nahezu perfekt und absolut brauchbar
Die Erkennung von Dingen ist nahezu perfekt und absolut brauchbar

Sehr angetan bin ich auch von der Qualität der vorgeschlagenen Geschichten und Collagen, einige katapultieren einen regelrecht in der Zeit zurück. Liegt natürlich auch daran, dass viele meiner Fotos, die ich gerade hochlade, halt schon sehr lange zurück liegen. Wie aus dem Nichts zeigt dein Gerät dir auf einmal Szenen aus deinem Leben, auf die du ohne die App eigentlich gar nicht gestoßen wärst.

Das war nicht so lange her...
Das war nicht so lange her…
Collage, von Google automatisch erstellt
Collage, von Google automatisch erstellt
Von Google stilisiertes Bild

So muss das sein!

Ich habe noch eine Menge Upload vor mir, aber ich bin jetzt schon überzeugt, dass Google Fotos die beste Lösung ist, wenn du deine Bilder in der Cloud speichern möchtest! Ich bin schon gespannt, welche Stories und Überraschungen Google noch auf Lager hat.

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