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Tipp: Was wissen Google und Facebook über dich?

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Der Datenskandal von Facebook erschüttert ja gerade die Netz-Welt. Jedoch ist doch fast jedem von uns klar: Mit einer Anmeldung bei Facebook oder auch Google werden wir zu einem gläsernen Menschen. Die beiden Internet-Riesen schnorcheln unsere Daten gnadenlos ab. Doch was wissen Google und Facebook alles über dich? In unserem Tipp-Artikel findest du es heraus.

Welche Daten sammelt Facebook über mich?

In der letzten Woche hatten wir kurz über den Datenskandal bei Facebook berichtet. Über die Einstellungen und dort die allgemeinen Kontoeinstellungen hast du die Möglichkeit, eine Kopie deiner Daten als Zip-Datei herunterzuladen. Hier findest du im Index dein Profil mit deinen hinterlegten Daten, Kontakte, Chronikinformationen, deine Fotos, Videos, Freunde, Nachrichten, Veranstaltungen, angeklickte Werbeanzeigen sowie installierte Apps.

Weiterhin ist es möglich per Link zu testen, ob deine Informationen bei Cambridge Analytica gelandet sind. Dieser Link führt in den Hilfebereich von Facebook. Sobald du eingeloggt bist siehst du sofort das Ergebnis. Ebenfalls sollen die Nutzer im News-Feed angezeigt bekommen, ob sie vom Datenklau betroffen sind.

Cambridge Analytica ist eine Datenanalysefirma, welche Informationen von weltweit 87 Millionen Facebook-Nutzern gesammelt hat. Darunter befanden sich auch 310.000 Profile deutscher Nutzer. Die Daten wurden über eine Psychotest-App namens “This is your digital Life” abgegriffen. Und dabei musst nicht einmal du selbst bei der App angemeldet sein. Es reicht hierbei schon das eine Person aus deiner Freundesliste die App genutzt hat; schon können die eigenen Daten ebenfalls bei Cambridge Analytica gelandet sein.

Ebenfalls kann Facebook Daten sammeln, sofern du dich auf einer Webseite mit dem Facebook-Like-Button befindest. Dabei musst du nicht einmal mit deinem Facebook-Konto auf dieser Seite beziehungsweise bei Facebook generell angemeldet sein, es reicht hier einfach schon, dass die besuchte Seite einen Like-Button vorweist.

Welche Daten sammelt Google über mich?

In dem Moment, in dem du dir ein Android-Phone holst benötigst du ein Google Konto. Ohne Google Konto gibt es nämlich keinen Play Store und keine Apps (jedoch können Apps beim alternativen App Store F-Droid ohne vorherige Anmeldung und ohne Google Konto heruntergeladen werden). Auch viele andere Sachen funktionieren ohne Google Konto nicht. Durch das Erstellen eines Kontos hat Google schon einmal die ersten Informationen über dich. Google erfährt also, mit welchem Gerät du dich angemeldet hast. Und über das Gerät kann Google nun speichern, welche Orte du besuchst, welche Begriffe du googelst, was du in der Nähe deines Smartphones sprichst sowie welche Apps auf dein Google Konto zugreifen können.

Um zu sehen, welche Informationen Google über dich gesammelt hat gibt es das Google Dashboard.

Google Dashboard

Das Google Dashboard rufst du unter https://myaccount.google.com/dashboard auf.
In deinem Google Dashboard kannst du alle deine mit dem Google Konto verknüpften Google Dienste sowie die benötigten Daten aufrufen und verwalten. Ebenfalls findest du hier die mit deinem Konto verknüpften Geräte. Du kannst sie hier bearbeiten und löschen.

  • Beliebte Dienste
  • Meine Google Dienste
  • Meine Aktivitätsdaten

Hinter jedem Dienst befindet sich ein Pfeil-Button, mit dem du die derzeitigen Aktivitäten siehst sowie den Dienst aufrufen kannst. Du siehst bei GMail zum Beispiel die derzeitigen Konversationen sowie die Hangout Chats, diese können direkt aufgerufen werden. Per Klick auf die drei Punkte hinter dem jeweiligen Google Dienst kann dieser weiter bearbeitet werden. Zum Beispiel änderst du die Einstellungen, lädst Daten herunter, oder löscht den Google Dienst. Ebenfalls können über das Dashboard sämtliche Daten heruntergeladen und archiviert werden. Die heruntergeladenen Daten können noch konfiguriert werden, das heißt, du wählst aus, welche Daten in dein Archiv sollen und welche nicht.

Im Google Dashboard findest du Informationen über deine Google Aktivitäten.

Interessant sind hier vor allem die Aktivitätsdaten. Hier findest du nämlich die Optionen rund um Sprach- und Aktivitätsverlauf, deinen YouTube-Suchverlauf, Suchanfragen und Standortverlauf. Gerade der Sprach- und Aktivitätsverlauf beherbergt eine ganzes Sammelsurium an Tonmitschnitten. Dies ist allerdings nur dann möglich, wenn du die Google-Sprachsuche aktiviert hast.

Unter dem Link “myactivity” wird dein kompletter öffentlicher Suchverlauf auf Google angezeigt. Die Einträge können kategorisiert aufgerufen werden nach: Chrome, Android, Suche, Hilfe und Anzeigen. Ausgenommen von dieser Such-Anzeige sind die Suchen über den Inkognito Tab. Die Suchverläufe sind bis zu mehreren Jahren rückläufig verfügbar. Interessant wird es, wenn du die Option Android anklickst und dir Google genau sagt, wie oft du welche App geöffnet beziehungsweise wie oft du dein Smartphone aktiviert hast. Per Klick auf den Detail-Button wird noch einmal die genaue Uhrzeit angezeigt, welche App genutzt wurde, auf welchem Gerät und andere.

Unter Google Permissions findest du alle Apps, Erweiterungen und Geräte mit Zugriff auf dein Google-Konto. Du kannst sie hier direkt entfernen.

Auch in der Timeline von Google Maps werden alle von dir besuchten Orte angezeigt, auf die Google dank aktiviertem Standortverlauf zugegriffen hat. Somit kannst du lückenlos nachvollziehen, wann du dich wo aufgehalten hast (falls du mal ein Alibi benötigst – hier ist es). Aber selbst wenn du den Standort auf deinem Smartphone deaktiviert hast, schnorchelt Google dennoch deinen Standort ab. Dies geschieht dann, indem Google die WLAN-Netzwerke in deiner Gegend mit einbezieht; selbst dann, wenn du dich in keinem der WLAN-Netzwerke angemeldet hast.

In der Timeline findest du Aufzeichnungen über deine besuchten Orte.

Über die Aktivitätseinstellungen hast du allerdings die Möglichkeit, sämtliche Tracking-Funktionen auszuschalten. Jedoch ist es dann möglich, dass einige Apps nicht mehr funktionieren und du das Tracking für die Nutzung der App wieder aktivieren musst. So kann hier den Web- und App-Aktivitäten das Zugriffsrecht entzogen werden, dem Standortverlauf, Geräteinformationen, Sprach&Audioaktivitäten, YouTube Suchverlauf sowie der You-Tube Wiedergabeverlauf.

Um die Aufzeichnungen zu löschen klickst du https://myactivity.google.com auf der linken Seite auf die Option “Aktivitäten löschen nach”. Hier können alle Produkte oder nur einzelne gelöscht werden. Per Klick auf die Option „Heute“ kannst du auswählen ob die Aufzeichnungen von Heute, Gestern, den letzten 7 Tagen, den letzten 30 Tagen oder alle Gesamtaufnahmen bisher gelöscht werden sollen.

Google Suche ohne Google Konto

Auch bei der Google Suche werden Daten über den Nutzer gesammelt. Das heißt, auch dann, wenn du nur an einem fremden PC sitzt und schnell etwas googelst (wobei du dich hier ja gar nicht mit deinem Konto anmeldest) fallen Daten an, welche von Google abgegriffen werden. Dies wird möglich mit so genannten Cookies, welche im Browser gesetzt werden. Nutzt du allerdings den Inkognito-Modus können keine Daten gesammelt werden. Allerdings können die besuchten Webseiten deine Daten speichern und auf diese Webseiten hat Google eventuell wieder Zugriff (da Google ja mit mehr als 2 Millionen Webseiten zusammenarbeitet).

Du hast auch die Möglichkeit den Browser so einzustellen, dass er die Cookies nach jedem Schließen löscht. Dazu klickst du in Chrome auf die Einstellungen und scrollst herunter bis auf die erweiterten Einstellungen. Dort wählst du die Inhaltseinstellungen aus und kannst nun die Cookies komplette blockieren oder gibst an, dass lokale Daten nach dem Schließen des Browsers gelöscht werden sowie Drittanbieter-Cookies blockiert werden.

Weiterhin ist es möglich, die Werbeeinstellungen zu ändern. Google blendet immer Werbung ein und da die Datenkrake ja schon mal auf dein Konto zugreift, kannst du die Werbeeinblendungen auch personalisieren und nur Werbung angezeigt bekommen, die dich auch interessiert.

Sich selbst googeln

Wir googlen ja heutzutage alles mögliche. Selbst solch schnöde Sachen wie zum Beispiel “Wie mache ich ein Spiegelei?”. Google hat auf alles eine Antwort. Weiterhin gibt es Leute unter uns, für die ist es ein regelrechtes Lebenselixier, den eigenen Namen in Anführungszeichen (“Vorname Nachname”) zu googeln. Somit sieht man sämtliche Beiträge, welche einmal mit dem eigenen Namen kommentiert und veröffentlicht wurden.

Ebenfalls kann in der Google Suche auf dem eigenen PC zum Beispiel eingegeben werden: “Meine Fotos von den (z.B.) Meerschweinchen”. Google greift sofort auf das von dir hinterlegte Konto zu und zeigt dir unter anderem an erster Stelle eine Auswahl deiner Fotos. Auch deine Kalendereinträge oder andere Einträge aus den Google Diensten werden so angezeigt. Allerdings muss die Ansicht erst über den OK-Button bestätigt werden.

Auch in der Google Suche greift Google auf deine hinterlegten Daten zu.

Fazit

Jeder Klick im Internet hinterlässt Spuren und verrät einiges über uns. Facebook und auch Google erstellen daraus ein Nutzerprofil, welches anhand deines Alters, Geschlecht sowie deiner Interessen oder auch Standorte ständig aktualisiert wird. Dadurch können die beiden Internetriesen personalisierte Werbung anzeigen mit der sich beide Unternehmen hauptsächlich finanzieren. Google betont jedoch in der Datenschutzerklärung, dass der Nutzer trotz aller Datensammelwut anonym bleibt, da keine persönlichen Informationen weitergegeben werden. Auch Facebook musste in der letzten Woche auf einer Pressekonferenz Federn lassen, blieb jedoch bei konkreten Fragen eine Antwort schuldig.

Wer ganz sicher gehen will keine Spuren zu hinterlassen muss über einen Proxy-Server bzw. VPN ins Internet gehen oder zumindest den Tor Browser nutzen. Damit hat auch Google keine Chance auf deine Daten. Eine weitere Option wäre die Nutzung eines anderen Browsers wie DuckDuckGo oder die Löschung des Facebook-Kontos. Jedoch sind auch nach dem Löschen deines Kontos deine Daten 90 Tage lang weiterhin auf den Servern gespeichert. Ebenfalls beginnt der Löschvorgang nicht sofort. Facebook wartet nach dem Antrag des Nutzers “Mein Konto löschen” noch einige Tage, um dem Nutzer noch einmal die Gelegenheit zum Umdenken zu geben. Meldet sich der Nutzer innerhalb der Bedenkfrist noch einmal mit seinem Konto an wird der Löschantrag automatisch storniert.