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Tipp: Was kommt nach Google+? Soziale Netzwerke im Test

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Soziale Netzwerke | Android-User.de
Soziale Netzwerke - Was kommt nach Google+

Vor kurzem kam die Nachricht, dass Google sein eigenes soziales Netzwerk Google+ zum Abschuss freigibt. Bald kann keiner mehr “Plus 1” vergeben und die Communitys werden sich auflösen. Nutzer und Moderatoren müssen sich bis zum August 2019 neue soziale Netzwerke suchen. Noch ist das Netzwerk jedoch aktiv und es wird fleißig diskutiert, wohin man dann umzieht. Na klar, es gibt Facebook und Twitter. Doch das kann doch nicht alles sein? Wir haben uns für unseren heutigen Tipp-Artikel auf die Suche nach sozialen Netzwerken außerhalb von Facebook und Twitter gemacht.

Was sind soziale Netzwerke?

Was früher der Dorfplatz oder der Tante Emma Laden war, sind heute die sozialen Netzwerke. Man loggt sich ein (entweder unter Klarnamen oder mittels Nick-Name) und erstellt sich ein Profil oder eine eigene Seite. Diese füllt man mit seinen Daten (sofern man möchte) und gibt Interessen an oder postet Fotos und Links zu Seiten, die man gut findet. Andere Nutzer und Kontakte sehen die Posts, liken und kommentieren diese oder teilen sie weiter. Anhand der freigegebenen Daten (die hatten die Tratschweiber des Dorfes zwar auch – ausgeschmückt mit diversen Halbwahrheiten – später aber mit ins Grab genommen) bekommt der Nutzer dann personalisierte Werbung und Anzeigen in seinem Stream zu sehen. Die Daten werden von den sozialen Netzwerken (egal welches) aufgesaugt und weiterverarbeitet.

Wer kann Google+ weiter nutzen?

Google+ wird nur für private Nutzer geschlossen. Firmen jedoch können das Netzwerk weiter nutzen. Die Business-Version der Plattform “Google+ for G Suite” bleibt weiterhin bestehen und bekommt sogar neue Features und Updates. G Suite soll vor allem für interne Unternehmenskommunikation genutzt werden. Mit den neuen Business-Funktionen haben Admins dann die Möglichkeit, eigene spezielle Streams nur für Mitarbeiter zu erstellen. Darin sehen die Mitarbeiter dann nur die Posts, welche für die eigene Arbeit relevant sind. Auch sollen Nutzer bestimmte Gespräche und Themen über Hashtags finden können. G Suite richtet sich dabei an Unternehmen mit unterschiedlichen Standorten, um sich untereinander zu vernetzen.

Google+, Facebook und Twitter

Die drei wohl bekanntesten Netzwerke Google+, Facebook und Twitter werden wir hier jetzt nicht noch näher erklären, da sowieso 99 Prozent von uns dort aktiv sind. Google+ wird bald eingestampft, Facebook ist mittlerweile der große Bruder von WhatsApp (sodass die 1 Prozent facebooklosen Nutzer ihre Daten halt per WhatsApp weitergeben) und bei Twitter besteht jeder Post aus 280 Zeichen.

Natürlich gibt es auch noch Instagram, YouTube, und Pinterest. Doch sind dies völlig andere Plattformen, die eigentlich nur mittels Fotos agieren. Kommentarfunktionen sind hier nicht in dem Maße vorhanden, wie man es sich von einer Community wünscht.

Instagram und Pinterest kurz erklärt

Instagram
Instagram ist ein soziales Netzwerk, welches 2012 von Facebook gekauft wurde. Es ist spezialisiert auf Fotos. Du erstellst dein Profil entweder mittels E-Mail-Adresse oder über ein schon vorhandenes Facebook-Profil. Danach lädst du die Inhalte hoch. Vorrangig genutzt wird Instagram von jüngeren Usern über das Smartphone. Stündlich werden tausende von Fotos von Nutzern aus aller Welt hochgeladen. Die Bilder werden vielfach noch mit einem Filter aufgehübscht sowie einem Hashtag versehen. Andere Nutzer, die deinem Profil folgen oder denen du folgst, können diese Bilder dann sehen. Sie können kommentieren, liken und die Bilder teilen. Instagram wird mittlerweile nicht nur vom normalen Selfie-Süchtigen, sondern auch von Unternehmen oder sogenannten Influencern genutzt, um Produkte an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen.

Pinterest

Pinterest ist eine riesige virtuelle Pinnwand, welche auf dem PC oder über die App genutzt werden kann. Du meldest dich entweder mittels E-Mail, Google- oder Facebook-Account an. Bei der Anmeldung über ein Social-Media-Konto werden die dortigen Kontakte, falls diese ebenfalls Pinterest nutzen, schon angezeigt. Danach gibst du noch deine Interessen an, um direkt eine Übersicht aller verfügbaren Pinnwände angezeigt zu bekommen. Weiterhin ist es möglich verschiedenen Nutzern zu folgen, eigene Pinnwände zu erstellen, Pins aus anderen Pinnwänden auf deine Pinnwand zu pinnen oder anhand der Links zu den angezeigten Seiten, welche die Bilder enthalten, zu gelangen. Mittels Suchfunktion findest du viele Vorschläge für Geburstagsdekoration, Kochen, Dekorieren, Wohnungseinrichtung, Kleidung und vieles mehr. Ein schier endloses Sammelsurium an Ideen. Pinterest sowie auch Instagram bieten mittlerweile Geschäftskonten an.

Tumblr

Tumblr wurde 2007 in den USA gegründet und ist über die Webseite und auch als App nutzbar. Bei Tumblr kannst du nach einer Anmeldung einen eigenen Blog betreiben. Du kannst selbst entscheiden, welche Inhalte du hochlädst. Das heißt, dass du bei Tumblr alles findest, von “normalen” Blogs mit Fotos und Berichten bis hin zu NSFW (Not Suitable for Working/nicht für den Arbeitsplatz geeignet)-Seiten. Diese werden aber im Normalfall nur nach intensiver Suche angezeigt. Andere Nutzer können deinem Blog folgen, sodass die neuesten Posts von dir direkt im Dashboard deiner Follower zu sehen sind. Gefällt deinen Followern was sie sehen haben sie die Möglichkeit, deinen Post zu teilen, zu kommentieren, zu rebloggen (im eigenen Blog zu zitieren) oder zu liken. Es ist aber nicht zwingend notwendig, eigene Blogs zu erstellen. Du kannst auch einfach nur ein wenig stöbern und dir die Beiträge durchlesen. Möchtest du einzelne Blogs nur Ansehen benötigst du dafür auch keinen eigenen Account. Alles was du bei Tumblr postest ist öffentlich und kann von jedem anderen User weiter genutzt werden. Allerdings geben die meisten Nutzer den Urheber des Bildes beim rebloggen an oder binden einen Link zum Original-Blog des Bildes mit ein.

Diaspora

Im Jahr 2010 ging Diaspora an den Start. Diaspora ist ein Open-Source-Projekt, bei dem sich auch jeder den Quellcode anschauen kann. Jeder Nutzer von Diaspora behält die Kontrolle über seine Daten, da er selbst auswählt, welche Infos er an welche Diaspora-Kontakte weitergibt. Über die Option “Aspekte” teilt man seine Kontakte in bestimmte Gruppen ein und kann damit bestimmen, wer welche Info erfährt.

Diaspora besteht aus vielen einzelnen Servern, den sogenannten Pods. Der bekannteste Pod ist derzeit joindiaspora.com, der älteste deutsche Server ist Geraspora. Er wird weder mit dem Projektteam verbunden, noch von ihm unterstützt. Unter Diasporafoundation.org erfährt man alles rund um die Vorgehensweise. Diaspora besteht aus drei Kernphilosophien.

Dezentralisierung
Die Daten der Nutzer werden nicht auf riesigen Servern gesammelt, sondern lokal (Pods) überall auf der Welt. Der Nutzer entscheidet, auf welchem Pod er sich anmeldet.

Freiheit
Bei Diaspora muss keine echte Identität verwendet werden. Du suchst dir aus, auf welche Weise du mit wem interagierst.

Privatsphäre

Deine Daten sind dein Eigentum. Es werden keine Rechte an irgendein Unternehmen oder Dritte übertragen, welche sie dann benutzen können.

So funktioniert es
Zuerst wählst du einen Pod aus. Ebenfalls ist es möglich, einen eigenen Pod zu betreiben, sofern du ein wenig Ahnung als System-Admin hast. Hier findest du weitere Informationen. Derzeit ist es nur Möglich über einen einzigen “offenen” Pod beizutreten. Nach dem Beitritt ist kein Wechsel zwischen den Pods möglich. Jedoch sind alle Pods mit dem gleichen Server verbunden, sodass keine Information verloren geht. Hast du aufgrund der Liste sowie der Informationen auf Pod Uptime einen Pod gefunden (in unserem Fall https://pod.geraspora.de/), registrierst du dich dort und erstellst ein Profil mit Informationen, welche du preisgeben möchtest. Anschließend trittst du einer Unterhaltung bei. Du folgst Tags (#), die deinen Interessen entsprechen. Um dich vorzustellen postest du eine Nachricht unter dem Hashtag #neuhier.

Aspekte
Mit den Aspekten organisierst du deine Kontakte in Familie, Freunde oder Kollegen. So kann jeder nur genau den Beitrag sehen, welchen du ihm zuweist.

Funktionen
Mit Hashtags (#) beschreibst du deine Interessen oder folgst ihnen. Fügst du vor die Kontaktnamen im Post ein @ hinzu werden diese direkt darauf aufmerksam gemacht. Beiträge die dir besonders gefallen teilst du weiter oder klickst auf gefällt mir bei Beiträgen die du gut findest.

Integration sozialer Netzwerke
Selbst wenn Kontakte noch nicht auf Diaspora vertreten sind kannst du mit ihnen in Kontakt bleiben, indem du dein Diaspora-Konto mit anderen Diensten wie Facebook, Twitter und Tumblr verbindest. Diaspora wird dabei zur Zentrale und kann nach einer Verbindung alle auf Diaspora veröffentlichten Posts auch auf den Kanälen der anderen sozialen Medien gleichzeitig veröffentlichen. Auch für Nutzer von unter WordPress betriebenen Blogs findet sich ein Diaspora-Plugin

MeWe

MeWe ist über das Web oder als App nutzbar. Im Verwaltungsrat von MeWe sitzt Sir Tim Berners Lee, Erfinder von HTML und Mitgründer des World Wide Web. MeWe handelt mit keinen Nutzerdaten und setzt sie auch nicht für Werbung ein; es werden auch keine Tracking Cookies benutzt. Ebenfalls ist MeWe zum Start kostenlos. Jeder Nutzer bekommt nach einer Anmeldung 8 GB Speicher gratis. Alle hochgeladenen Videos und Fotos liegen dann in deiner kostenlosen “Cloud”. Diese kannst du jederzeit bearbeiten, Daten hinzufügen, herunterladen oder löschen. Weitere Social-Media Features wie privater und Gruppen-Chat, private und offene Gruppen, Inhalt, benutzerdefinierte Kamera mit GIF-Erstellung, Live Stimme und Live Video, Sprachnachrichten, benutzerdefinierte Gruppenprofile sind ebenfalls kostenlos. Benötigst du jedoch mehr Cloud-Speicher ist dieser kostenpflichtig: Für 50 GB zahlst du 4,99 Dollar pro Monat. Weiterhin gibt es die Möglichkeit einen Secret Chat (lt. Erklärung wie WhatsApp nur ohne Spionage) für 0,99 Dollar hinzuzubuchen, Custom Emojis für 0,99 Dollar pro Paket sowie MeWe Plus Seiten für 1,99 Dollar. Mit MeWePro gibt es einen Ableger für Unternehmen. Android User ist nun ebenfalls auf MeWe vertreten. Unsere Seite findest Du hier.

Mastodon

Mastodon ist ein Open-Source-Netzwerk und wurde von Eugen Rochko aus Jena 2016 gegründet. Mitglieder erstellen sich Profile und posten Links, Texte, Bilder und Videos. Für Texte gibt es bei dem Mikroblogging-Dienst ein Limit von 500 Zeichen. Texte werden chronologisch angezeigt. Weiterhin besteht die Möglichkeit anderen zu folgen. Nutzer können kurze Nachrichten und Media-Dateien an Freunde und Follower verbreiten. Mastodon hat keine offizielle App im Play Store. Es gibt jedoch mehrere inoffizielle über den Play Store (11t for Mastodon, Mastobone https://play.google.com/store/apps/details?id=com.mastobone oder Tootdon for Mastodon) und F-Droid (AndStatus oder Mastalab)
Wie bei MeWe auch steht bei Mastodon der Nutzer im Vordergrund. Das heißt, dass Netzwerk ist nicht kommerzialisiert, daher wird keine Werbung angezeigt. Auch gibt es keinen “Chef” (wie bei Facebook Zuckerberg), der die Richtung angibt. Mastodon hat verschiedene Standard-Funktionen mit bestimmten Bezeichnungen. Was bei Google+ die Plus 1 Vergabe war ist bei Mastodon ein Sternchen. Will man eine Post teilen heißt es bei Mastodon “boosten”. Auch der Post heißt nicht Post sondern Toots (zu deutsch etwa Tröts/tröten)

Bei Mastodon gibt es, wie bei Diaspora auch, keine zentralen Server. Mastodon wird durch Freiwillige und Spenden finanziert. Einige der Freiwilligen betreiben die privaten Server (Knotenpunkte). Diese Knotenpunkte werden wiederum zu dem großen Netzwerk Mastodon zusammengeführt. Sofern du dich anmeldest wählst du dir einen Knotenpunkt aus. Über diesen kommunizierst du dann mit Nutzern aller anderen Knotenpunkte. Die Kommunikation erfolgt über die Eingabe des Benutzernamens und dem zugehörigen Knotenpunkt (@Benutzername@Knotenpunkt). Da sich die Knotenpunkte in aller Welt befinden wird auch in vielen Sprachen kommuniziert.

Fazit

Es gibt einige Alternativen zu Google+, welche man sich vielleicht einmal anschauen sollte. Allerdings ist es mit einem digitalen Umzug wie mit einem realen Umzug: Man verspricht sich in Kontakt zu bleiben und so richtig klappt es dann doch nicht. Ähnlich wird es wahrscheinlich auch mit den Communities werden. Der harte Kern zieht mit, der Großteil jedoch hat keine Lust mehr sich einen neuen Account bei einem fast unbekannten Netzwerk anzulegen und somit ist die Community zerschlagen.

Android-User.de wird noch bis zum letzten Tag auf Google+ posten. Weiterhin sind wir auf Facebook und Twitter zu finden. Auch Tumblr sowie die weiteren beschriebenen Netzwerke werden wir in nächster Zeit einmal ausprobieren beziehungsweise sie uns näher ansehen. Ebenfalls können Kommentare direkt auf unserer Seite gepostet werden.

Kennst du noch ein soziales Netzwerk, was hier fehlt und das wir uns einmal anschauen sollen? Dann ab damit in die Kommentare ;-)