Start Aktuell Schluss mit +1 – Google Plus wird dichtgemacht

Schluss mit +1 – Google Plus wird dichtgemacht

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Gestern Abend machte es die Runde: Google Plus bekommt den Stecker gezogen. Der Mutterkonzern von Google – Alphabet – gab bekannt, dass es ein Datenleck gegeben habe und App-Entwickler zeitweise auf persönliche Daten von Nutzern zugreifen konnten. Der Fehler wurde zwar von Google behoben, jedoch der breiten Masse verschwiegen.

Gerüchte über eine Einstellung von Google+ gab es immer mal wieder. Doch trotz allem hat das Netzwerk weiter überlebt, wurde jedoch von Google schon länger sträflich vernachlässigt. Zu den besseren Zeiten von Google+ haben mehr als 1000 Mitarbeiter an dem Projekt gearbeitet. In letzter Zeit jedoch gab es nur noch vereinzelte Personen, die sich wirklich um das Netzwerk gekümmert haben.

Nun ist es jedoch Gewissheit und wurde im Blog angekündigt, dass Google+ im August 2019 für Privatnutzer Geschichte ist. Auch wenn es bis dahin noch 10 Monate sind dürften nun wohl nach und nach die ersten Funktionen eingestellt werden. Die Nutzer sollen weiterhin noch die Möglichkeit haben, ihre persönlichen Daten herunterzuladen und zu sichern.

As part of its response to the incident, the Alphabet Inc. unit plans to announce a sweeping set of data privacy measures that include permanently shutting down all consumer functionality of Google+, the people said. The move effectively puts the final nail in the coffin of a product that was launched in 2011 to challenge Facebook Inc. and is widely seen as one of Google’s biggest failures.

Als Teil seiner Reaktion auf den Vorfall plant die Alphabete Inc., eine umfassende Reihe von Datenschutzmaßnahmen anzukündigen, die eine dauerhafte Sperrung aller Verbraucherfunktionen von Google+ beinhalten. Der Umzug bringt den letzten Nagel in den Sarg eines Produkts, das im Jahr 2011 ins Leben gerufen wurde, um Facebook Inc. herauszufordern und gilt als einer der größten Fehler von Google.

Google erklärt, dass das Netzwerk zu wenig genutzt wird und es damit nicht mehr akzeptabel ist. Die Einstellung selbst wurde nur nebenbei angekündigt.

Weiter heißt es im Blog, dass die Nutzer besser verstehen möchten, wie sie die Daten, welche sie auf Google+ teilen, kontrollieren können. Im Rahmen von Project Strobe wurden alle mit Google+ verknüpften APIs genau überprüft, dabei kam heraus, dass keine breite Akzeptanz bei Entwicklern und Nutzern vorhanden war.

The consumer version of Google+ currently has low usage and engagement: 90 percent of Google+ user sessions are less than five seconds.

Die Consumer-Version von Google+ hat derzeit eine geringe Nutzung und Beteiligung: 90 Prozent der Google+ Benutzersitzungen sind weniger als fünf Sekunden.

Die Überprüfung hat ebenfalls gezeigt, dass die Google+ APIs sowie die zugehörigen Steuerelemente für Verbraucher schwierig zu entwickeln und zu warten sind. Weiterhin wurde ein Fehler in einer der Google+ People APIs festgestellt:

  • Nutzer können über die API Zugriff auf ihre Profildaten und die öffentlichen Profilinformationen ihrer Freunde für Google+ Apps gewähren
  • Der Fehler bedeutet, dass Apps auch Zugriff auf Profilfelder hatten, welche zwar für die Nutzer freigegeben, jedoch nicht als öffentlich markiert waren
  • Die Daten beschränken sich auf statische, optionale Google+ Profilfelder, einschließlich Name, E-Mail, Beruf, Geschlecht und Alter (vollständige Liste auf der Entwickler Website). Es wurden keine Kontodaten oder Telefonnummern entwendet

Google gibt an, dass es “nur” einen Zugriff auf die Profile, jedoch keinen Einbruch in die Profile gab. Das Datenleck wurde im März 2018 von Google entdeckt und sofort korrigiert, bestand jedoch schon seit dem Jahr 2015. Google hat sich dagegen entschieden, dass Datenleck öffentlich zu machen. Man war in Sorge, dass es in einen Skandal ausarten könnte wie bei Facebook und Cambridge Analytika.

Google+ wurde mit Rücksicht auf die Privatsphäre erstellt. Daher werden Protokolldaten und API nur für zwei Wochen behalten. Somit kann nicht bestätigt werden, welcher Nutzer von diesem Fehler betroffen war. In den zwei Wochen vor dem Patch des Fehlers wurden jedoch detaillierte Analysen durchgeführt. Diese zeigten betroffene Profile von 500.000 Google+-Konten. Die betroffene API wurde von bis zu 483 Anwendungen verwendet. Es wurde jedoch kein Hinweis gefunden, dass ein Entwickler diesen Fehler bemerkt oder ausgenutzt hat.

Eine Zeit lang war ein Google+ Voraussetzung für einen Google-Account. Somit gibt es unzählige private Profile, deren Daten gefährdet waren, die aber Google+ nie genutzt haben.

Die Business-Version, welche Teil des G-Suite-Pakets ist, bleibt allerdings weiter bestehen. Fraglich ist jedoch auch hier, wie lange noch.

Gleichzeitig hat Google viele Unternehmenskunden, welche großen Wert auf die Nutzung von Google+ in ihren Unternehmen legen. Die Überprüfung hat ergeben, dass Google+ sicher besser als Unternehmensprodukt eignet.

Weiterhin wurde im Blog angekündigt das, neben der Einstellung von Google+, auch der Zugriff von externen Apps auf die Google Profile verändert wird. Durch eine neue Oberfläche können Nutzer einzelne Berechtigungen ablehnen und insgesamt werden den externen Apps die Daumenschrauben angezogen. Mehr Infos werden in der nächsten Zeit veröffentlicht.

(Bildquelle: Google)

Nun hat Google also endlich einen Grund gefunden das so stiefmütterlich behandelte soziale Netzwerk, welches 2011 als Konkurrent zu Facebook ins Leben gerufen wurde, einzustellen. Ein Datenleck, welches eigentlich einfach zu stopfen war, wird nun als Grund vorgeschoben, eine angeblich nur geringe Nutzung des Netzwerks ebenso (hier würde die Community vehement widersprechen). Auch eine übermäßige Nutzung des Netzwerks von Unternehmen darf bezweifelt werden – Unternehmen setzen vielfach auf die Konkurrenz mit dem angebissenen Apfel zwecks Datensicherheit etc.

Im Netz wurde auf Change.org eine Petition gegen die Einstellung von Google+ gestartet, welche derzeit von 8700 Personen unterzeichnet wurde.

Aber ob Geschichte oder nicht – was bleibt uns noch außer Facebook oder Twitter? Welche anderen sozialen Netzwerke nutzt ihr noch so?