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Tipp: Tablets mit Ergänzungen aus dem Play Store seniorengerecht einsetzen

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Wir alle werden älter, möchten jedoch trotzdem am Zahn der Zeit bleiben. Hier bietet sich das Internet an. Es ist voll von Informationen, News, Musik, Kaufhäusern und vielem mehr. Gerade für unsere Großeltern bietet das Internet also auch einen Blick in die weite Welt, welche zu Fuß vielleicht nicht mehr so gut erreichbar ist. Und sind die Enkel und Kinder in weiter Ferne, kann über das Internet der Kontakt aufrechterhalten werden. Viele Senioren haben darum einen eigenen Computer zu Hause, mit dem sie die Datenautobahn unsicher machen. Aber auch Tablets sind hoch im Kurs. Denn einerseits gibt es schon fertige Tablets für Senioren, andererseits können vorhandene Tablets durch ein paar sinnvolle Ergänzungen aus dem Play Store ergänzt werden.

Tablet oder PC/Laptop – Wann ist was sinnvoll?

Bei einem PC oder Laptop ist das Schreiben von E-Mails oder längeren Texten dank der Tastatur natürlich einfacher. Auch der Bildschirm ist zumeist größer. Mit einem PC ist man aber eher an einen bestimmten Platz gebunden. Das Tablet bietet hierbei eine echte Alternative, kann es doch einfach mitgenommen werden und ist zudem handlicher als ein Notebook. Dies kommt auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen entgegen. Auch diverse Zusatzgeräte wie eine Maus oder die Tastatur sind hierbei nicht von Nöten, da sich ein Tablet komfortabel mittels Touch-Display und Fingern bedienen lässt. Man klickt nur auf ein Symbol und schon geht es los. Die wichtigsten Anwendungen sind außerdem schon an Bord, sodass man gleich loslegen kann. Möchte man also nur im Internet surfen, Bilder und Videos anschauen oder Musik hören ist man mit den Tablets besser bedient. Weiterhin ist es in den Einstellungen der Geräte möglich, die Sprachsteuerung zu aktivieren oder die Icons der Apps zu vergrößern. Natürlich können auch Mails geschrieben werden, da entweder eine physische Tastatur per Bluetooth gekoppelt oder die Touch-Bedienung der Tablets genutzt werden kann. Weiterhin können auf Tablets Bücher oder Zeitschriften gelesen werden, da der Kontrast der Oberfläche sehr hoch ist. Somit profitieren auch Menschen mit Sehschwäche von einem Tablet. Auch Telefonieren via Skype funktioniert problemlos. Sobald der Akku des Tablets einmal zur Neige geht ist das Gerät innerhalb kürzester Zeit wieder aufgeladen und einsatzbereit.

Ist die Entscheidung für ein Tablet gefallen geht es auf die Suche nach Modell und Hersteller. Soll es ein Android-Tablet oder ein Apple-Tablet werden? Unsere eigenen Großeltern nutzen natürlich Android-Tablets.

Was muss bei der Tabletauswahl beachtet werden?

Tablets gibt es von den unterschiedlichsten Herstellern und in den unterschiedlichsten Preiskategorien. Weiterhin muss man überlegen, ob man das Tablet nur zu Hause über WLAN oder auch unterwegs mit mobilem Internet nutzen möchte. Möchte man das Gerät auch unterwegs nutzen muss ein Vertrag mit einem Telefonanbieter abgeschlossen werden, um eine mobile Datenflatrate zu haben. Durch einen Vertrag kann das ein oder andere Gerät eventuell über den Anbieter günstiger erhältlich sein beziehungsweise der Preis wird mit dem Vertrag verrechnet.

Günstige Android-Tablets sind meist schon für unter 100 Euro erhältlich. Die Bedienung ist zwar genauso einfach, jedoch hakeln diese Geräte eher vor sich hin und man verliert schnell den Spaß (wenn ich da so an meine Vorfahren denke wäre ein “hakeliges” Tablet relativ schnell als Totalschaden an der Wand gelandet). Jedes Tablet verfügt, herstellerunabhängig, über eine Kamera, um Fotos zu erstellen oder die kostenlose Videotelefonie per Internet zu ermöglichen.

Media4Care – das spezielle Seniorentablet aus Deutschland

Die Firma Media4Care aus Berlin stellt Tablets her, welche sich komplett auf die Bedürfnisse älterer Nutzer ausrichten. Die Software ist seniorengerecht und auch das Handling ist einfach gehalten.

Hier gibt es das Senioren-Tablet sowie das Betreuer-Tablet.

Das Senioren-Tablet ist hierbei für den privaten Gebrauch konzipiert. Die Bedienoberfläche ist mit großen Kacheln und Schriften ausgestattet. Diese sind selbsterklärend, sodass es keine Computerkenntnisse des Nutzers benötigt. Das Tablet kann sofort ohne Einrichtung gestartet werden. Jede Kachel steht für eine Kategorie. Und jeder Kategorie sind Texte, Bilder, Videos oder Anwendungen zugeordnet. Somit soll der Geist wach gehalten werden und das Gehirn im Training bleiben. Weiterhin können Familienangehörige mit wenigen Klicks vom heimischen Computer oder Smartphone Bilder und Videos auf das Senioren-Tablet senden, welche dort einfach empfangen und abgespielt werden.

Das Seniorentablet. (Bildquelle: Media4care)

Das Betreuer-Tablet wurde speziell zur unterhaltsamen und abwechslungsreichen Betreuung demenzkranker Senioren entwickelt. Es enthält verschiedene Lieder, Texte und Bilder für Gedächtnisübungen und Aktivierungseinheiten.

Das Betreuertablet (Bildquelle: Media4care)

Die Media4Care-Tablets kommen im All-In-One-Paket. Das heißt, der Service von Media4Care beinhaltet WLAN und Tabletversicherung und wird monatlich abgerechnet. Als Standardversion sind 29,99 Euro und als Premium-Version 39,99 Euro monatlich fällig. Das Abo ist jederzeit kündbar. Die Premium-Version beinhaltet eine SIM-Karte mit monatlich 2 GB.

Ein Android-Tablet zum Senioren-Tablet umrüsten

Gerade die günstigen Tablet bekommt man oftmals geschenkt, wenn man die Sonntagszeitung abonniert. Oder man hat die Tablets mal für lange Autofahrten angeschafft. Somit wäre es doch schade, wenn diese Tablets ein Schattendasein in dunklen Schränken fristen. Der Play Store bietet diverse Apps für Senioren, welche eine bessere Bedienoberfläche versprechen. Wir haben uns dafür einen Launcher für Senioren, den Large Launcher, Big Icon Font aus dem Play Store, heruntergeladen. Nach der Installation erfolgt zuerst eine Übersicht der Funktionen. Danach wirst du gefragt, ob du den Launcher immer oder nur einmalig als Startlauncher nutzen möchtest. Anschließend geht es ans personalisieren.

Zuerst erfolgt eine kurze Übersicht der Funktionen.
Du stellst den Launcher als Startlauncher ein.

Auf der Startseite sind nun die wichtigsten Apps und Funktionen in Form von Kacheln angeordnet. Die Icons sind bewusst groß gehalten, sodass auch Leute mit Sehbehinderung keine Probleme haben, diese zu erkennen. Die Kamera ist mit einem großen Icon direkt am Anfang hinterlegt, daneben die Galerie und der Nummernblock, zum wählen der Telefonnummern sowie die Kontakte. Am unteren Bildschirmrand befinden sich die Icons für Telefon, Apps und Messages.

Die Startseite beinhaltet alle Apps in Form von Kacheln.

Der Bildschirm ist in drei Seiten unterteilt, welche einfach per Fingerwisch aufgerufen werden. So sind auf der zweiten Seite mittels Fingerwisch nach links die Kacheln für Taschenlampe, Einstellungen und Rückmeldungen zu finden. Ein Fingerwisch nach rechts von der Startseite aus ruft die häufigsten Kontakte auf, welche hier hinterlegt werden. Unter anderem findet sich hier auch ein SOS-Button.

Per Fingerwisch nach links rufst du die zweite Seite auf.
Ein Fingerwisch nach links ruft die wichtigsten Kontakte auf sowie den SOS-Button.

Per Klick auf den Button Apps am unteren Bildschirmrand werden alle hinterlegten “Werkzeuge” (die Kacheln der Startseiten) angezeigt. Weiterhin finden sich hier noch die Tabs Apps und Widgets, mit den heruntergeladenen Apps.

Per Klick auf den Button Apps werden alle installierten Programme angezeigt.

Diese Apps können nun mittels Markierung einfach der Startseite hinzugefügt werden. Danach wirst du nach einem Namen für die App gefragt. Das heißt, du kannst die Kachel einfach ein wenig anderst nennen, um deinen Großeltern die Bedienung zu erleichtern. Sofern du neue Apps der Startseite hinzufügst kann auch eine vierte Startseite hinzugefügt werden.

Per Finger-Markierung fügst du Apps den Startseiten hinzu.

Der Large Launcher ist kostenlos im Play Store erhältlich. Es wird keine Werbung angezeigt.

Nun ist zwar die Oberfläche bedienfreundlich, nicht jedoch die Tastatur, um zum Beispiel eine E-Mail zu schreiben oder einen Suchbegriff bei Google einzugeben. Im Play Store sind auch hier wieder einige Alternativ-Tastaturen zu finden. So zum Beispiel die App 1C Große Tastatur. Sie wurde extra für “fat fingers” entwickelt beziehungsweise für Leute mit weniger guter Sehkraft.

Nach dem Download von 1C Große Tastatur öffnest du die Einstellungen und wählst die 1C Tastatur aus. Danach gibst du 1C als Eingabemethode an. Die App ist nun einsatzbereit. In einem Tutorial wird noch einmal kurz die Bedienung aufgezeigt. Per Swipe nach links oder rechts wechselst du zwischen den eingestellten Sprachen. Indem du die Leertaste gedrückt hältst öffnet sich das Menü mit den Tastatureinstellungen. Eine Swipe-Geste nach oben vergrößert die Tastatur noch weiter in den Vollbildmodus. Die Swipe-Geste nach unten beendet den Vollbildmodus.

Du stellst die Tastatur als Standard-Tastatur ein.

Nach dem Tutorial befindest du dich in den Einstellungen. Hier kann die Werbung entfernt und weitere Sprachen eingestellt werden. Über verschiedene Hintergründe kann außerdem noch das Design geändert werden. Wenn jemand schlechter sieht, zum Beispiel aufgrund einer Makuladegeneration, haben sich weiße Ziffern und Buchstaben auf schwarzem Hintergrund bewährt. Auch die Umrandung der Buchstaben wird hier eingestellt (Kreise, Wabestruktur, Quadrate u.a.). In der Tastaturansicht gibst du an, ob immer Großbuchstaben auf den Tasten sichtbar sein sollen sowie die Tastaturgröße. Auch Fettschrift auf den Tasten wird eingestellt und die Schriftgröße. Weiterhin stellst du verschiedene Berührungseffekte (Ton, Vibration) ein, gibst die Schreibmodi an mit automatischer Großschreibung und automatischen Leerzeichen und stellst die Wörterbucheinstellungen ein mit Text-Vorhersage.

Die Tastatur kann über den ganzen Bildschirm vergrößert werden.
Natürlich dürfen auch die Emojis nicht fehlen.

Sofern der Nutzern nun eine E-Mail schreiben möchte oder sonst irgendwo die Texteingabe benötigt, öffnet sich die große Tastatur 1C und ermöglicht ein leichtes Auffinden der Buchstaben.

Die Bedienung der Tastatur ist einfach.

1C Große Tastatur ist kostenlos im Play Store erhältlich, zeigt aber Werbung an. Diese kann mittels In-App-Kauf für 3,99 Euro entfernt werden.

1C Große Tastatur
1C Große Tastatur
Entwickler: 1C Wearable
Preis: Kostenlos+

Auch verschiedene Gedächtnistraining-Apps können aus dem Play Store heruntergeladen werden, um die grauen Zellen auf Trab zu halten. Hier können Spiele aller Art ganz nach dem Geschmack der Senioren ausgewählt werden. Weiterhin sind auch spezielle Apps zur Training für Alzheimer- und Demenz-Patienten vorhanden.

Eine davon ist Alzheimer´s Speed of Processing Game – ASPEN. Hier schaut man auf eine Landschaft und klickt auf den Play-Button.

Per Klick auf den Play-Button beginnt die Suche nach dem braunen Vogel.

20 braune Vögel sollen gefunden werden. Ein Vogelschwarm mit blauen und einem braunen Vogel erscheint und verschwindet gleich darauf wieder. Der Senior muss nun auf die richtige Stelle tippen, an der der Vogel zuvor geflogen ist. Der Schwierigkeitsgrad erhöht sich rasend schnell, die Vögel sind dann nur gut eine Sekunde sichtbar, was es auch für jüngere Leute schwierig macht, den richten Platz anzutippen.

Die Vögel werden nur kurz gezeigt.
Es muss auf die Stelle getippt werden, an der vorher der braune Vogel sichtbar war.

Alzheimer´s Speed of Processing Game – ASPEN ist kostenlos im Play Store erhältlich und zeigt keine Werbung an.

Auch das Game Sea Hero Quest unterstützt im Kampf gegen das Vergessen. Hier müssen sich ebenfalls verschiedene Wege eingeprägt werden, welche dann mit einem Boot befahren werden müssen.

Auch bei Sea Hero Quest wird das Gedächtnis herausgefordert.

Sea Hero Quest ist kostenlos im Play Store erhältlich und zeigt keine Werbung an.

Sea Hero Quest
Sea Hero Quest
Entwickler: GLITCHERS
Preis: Kostenlos

Fazit

Mit Tablets kann ein jeder ganz leicht das Internet unsicher machen. Die Bedienung ist einfach und intuitiv und es gibt die Tablets in diversen Größen, so dass wirklich jeder das passende für sich findet. Auch das Umrüsten auf ein seniorengerechtes Tablet ist einfach und ermöglicht es auch Menschen mit Sehschwäche ins Internet zu kommen.