10. September 2021
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Tipp – Signal, Verschlüsselungstechnik, Funktionen und mehr

WhatsApp hat sich mit seinen neuen Nutzerbedingungen ins eigene Fleisch geschnitten beziehungsweise die Nutzer dazu gebracht, die eigenen Daten etwas mehr unter Verschluss zu halten. Viele eingefleischte Nutzer sind daher nun auf der Suche nach einem alternativen Messenger. Doch dieser soll natürlich auch alle Funktionen bieten, die man von WhatsApp gewohnt ist. In der letzten Woche haben wir bereits Telegram und seine neuen Funktionen, wie das Importieren von WhatsApp Chats, ein wenig durchleuchtet und schauen uns in dieser Woche einmal Signal an.

Signal – Verschlüsselungstechnik, Funktionen und mehr

Der Messenger Signal wurde von Brian Acton gegründet. Dieser hat für den Messenger 50 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen in die Signal-Foundation investiert und ist Vorstandsvorsitzender. Wem der Name Acton bekannt vorkommt – es handelt sich dabei um einen der Mitbegründer des derzeit in die Kritik geratenen Messengers WhatsApp. Acton hat WhatsApp zusammen mit Mitgründer Jan Koum an Facebook verkauft, dann das Unternehmen aber nach drei Jahren verlassen. Der Bruch erfolgte nach eigenen Angaben aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über Facebooks Umgang mit Daten und personalisierter Werbung.

Signal hat nun mittlerweile im Play Store über 50 Millionen Downloads und findet sich auch in den Top-Charts des Play Store ganz oben. Um Signal für die breite Masse ein wenig attraktiver zu machen, wurden bereits neue Funktionen angekündigt. So gibt es demnächst benutzerdefinierte Hintergründe und animierte Sticker, wie man sie auch von WhatsApp kennt.

Signal ist dabei quelloffen, überträgt deine Nachrichten (plus Video- und Audioanrufe und seit Ende 2020 auch Gruppenanrufe mit bis zu acht Teilnehmern) verschlüsselt und wertet keine Nutzerdaten aus. Alle Nachrichtenverläufe werden bei Signal nicht auf den Servern, sondern direkt auf deinem Smartphone gespeichert. Somit sind sie vor dem Zugriff Dritter sicher. Bei Telegram zum Beispiel landen deine Nachrichten auf den Servern/in der Cloud. Bei Signal ist nicht einmal der genaue Standort der Server bekannt.

Wenn du Signal nutzen möchtest musst du, wie bei WhatsApp auch, deine Telefonnummer angeben. Durch die Angabe der Telefonnummer geht aber immer auch ein Teil der Anonymität verloren. Dieser Nachteil wird bei Signal aufgewogen, indem die Telefonnummer niemals im Klartext an die Server zum Abgleich geschickt werden. Die Telefonnummer wird zunächst auf dem Gerät des Nutzers verschlüsselt und dann zum Abgleich in einen verschlüsselten, für Dritte nicht zugänglichen, Arbeitsspeicher der Signal-Server übermittelt. Signal selbst hat es sich als Ziel gesetzt, keine Informationen zu erhalten, wer mit wem wann worüber kommuniziert.

Ebenfalls wird bei der Anmeldung bei Signal ein Nutzername verlangt. Dieser kann jedoch durch ein Pseudonym oder auch einfach ein Emoji ersetzt werden. Sobald du nach der Anmeldung den Zugriff auf deine Kontakte erlaubst, werden alle, welche bereits Signal nutzen, angezeigt. Ohne Zugriff auf die Kontakte muss die Telefonnummer des Empfängers per Hand eingetragen werden. Alle Chats bei Signal sind Ende-zu-Ende verschlüsselt. Die Verschlüsselungstechnik erfolgt über Open Whisper Systems, welche mittlerweile auch von WhatsApp und Facebook übernommen wurde. Der Quelltext dafür ist frei zugänglich auf GitHub aufrufbar. Weitere technische Daten, die auf den Signal-Servern gespeichert werden, sind die zufällig generierten Authentifizierungstokens, Keys und Push-Tokens. Diese sind dabei für den Anrufaufbau beziehungsweise das Übertragen von Nachrichten erforderlich. Es kann jedoch kein Zusammenhang zwischen diesen Daten und dir hergestellt werden.

Signal, Threema, Telegram, WhatsApp im Vergleich

Signal Tabelle | Android-User.de

Signal – Benutzerfreundlich mit vielen Funktionen

Signal besitzt eine benutzerfreundliche Oberfläche, sodass du dich schnell zurechtfindest. Im Nachfolgenden findest du einige Funktionen der App:

Reaktionen auf Nachrichten hinzufügen

Sofern du in Signal eine Nachricht erhältst, aber keine Lust hast, diese mit einem Textfragment zu beantworten kannst du einfach die Nachricht gedrückt halten und sie anschließend mit einem Emoji versehen.

Kontakte personalisieren, Personalisierte Benachrichtigungen

Um Kontakte zu personalisieren und sie mit einer eigenen Farbe oder einem eigenen Hintergrund zu versehen öffnest du den Kontakt und klickst anschließend auf die drei Punkte oben rechts. Hier gelangst du zu den Unterhaltungseinstellungen.

Signal 3 | Android-User.de

Dort wiederum gelangst du zu Farbe und Hintergrund für den Kontakt. Die Farbe akzentuiert dann die diversen Icons für Chat, Video und Anruf sowie die Chat-Texte. Der Hintergrund kann nur geändert werden, sofern du nicht das dunkle Thema nutzt.

Des Weiteren gelangst du über die Unterhaltungseinstellungen zu den personalisierten Benachrichtigungen. Nach deren Aktivierung hast du die Möglichkeit, den Klingelton sowie die Vibration und den Benachrichtigungston für den Kontakt anzupassen. So weißt du immer genau, wer dich gerade über Signal kontaktiert.

Kontakte anheften

In Signal können, wie bei anderen Messengern auch, Kontakte angeheftet werden. Diese befinden sich dann immer am Anfang der Chat-Liste. Das Anheften funktioniert, indem du den Kontakt gedrückt hältst und anschließend auf die Pin-Nadel am oberen Bildschirmrand klickst. Um das Anheften wieder rückgängig zu machen, hältst du den Kontakt erneut gedrückt und entfernst dann die Pin-Nadel wieder.

Eigene Notizen erstellen

Um eigene Notizen in Signal zu erstellen beziehungsweise Dateien zu versenden, auf die nur du Zugriff hast, erstellst du in Signal eine „Notiz an mich“. Dazu gibst du das Suchwort Notiz in die Suchmaske (per Klick auf den Lupen-Button) ein und es erscheint der Kontakt „Notiz an mich“ versehen mit deiner Telefonnummer. Per Klick darauf erfährst du, dass du dieser Unterhaltung an dich selbst gerichtete Notizen hinzufügen kannst.

Inkognito-Tastatur

Signal nutzt die vorhandene Tastatur oder den Eingabe-Editor auf deinem Gerät. Sämtliche Tastaturen lernen aufgrund deiner Eingabe. Somit erhältst du auch bei der Nutzung von Signal immer genauere Vorschläge für dein nächstes Wort. Um dem zu entgehen, kannst du die Nachrichten auch per Inkognito-Tastatur schreiben. Die meisten Tastaturen bieten bereits eigene Inkognito-Modi an. Sollte dies nicht der Fall sein, kann die Tastatur auch über Signal direkt in den Inkognito-Modus gebracht werden. Dazu öffnest du die App-Einstellungen per Klick auf die drei Punkte oben rechts auf der Startseite der App. Hier findest du die Option Datenschutz. Im Datenschutz kann auch der Zugriff auf Signal mittels Fingerabdruck erfolgen. Ebenfalls ist es möglich Screenshots zu blockieren und die Inkognito-Tastatur zu aktivieren. Eine über Signal aktivierte Inkognito-Tastatur muss auch über Signal wieder deaktiviert werden.

Tipp-Indikatoren

In den App-Einstellungen -> Datenschutz gelangst du auch zu den Tipp-Indikatoren. Tipp-Indikatoren sind Punkte, welche sichtbar sind, wenn dein Kontakt eine Nachricht an dich schreibt. Diese Indikatoren sind für dein Gegenüber ebenfalls sichtbar, wenn du eine Nachricht an deinen Kontakt sendest. Die Tipp-Indikatoren können über die Datenschutzeinstellungen deaktiviert werden.

Nachrichtendetails ansehen

Wie man es auch von WhatsApp kennt, kannst du bei Signal ebenfalls Details zu den gesendeten Nachrichten abrufen. Dazu tippst du auf die Nachricht, bis am oberen Bildschirmrand verschiedene Bearbeitungsmöglichkeiten erscheinen. Unter anderem auch ein Info-Button. Per Klick darauf zeigt Signal an, wann die Nachricht versendet und wann diese Empfangen wurde. Ebenfalls siehst du, wer dir die Nachricht gesendet hat.

Weitere Möglichkeiten der Bearbeitung/Weiterbearbeitung sind das Löschen der Nachricht und die Pfeil-Buttons zum Beantworten einer Nachricht.

Gruppeneinladung per Link

Seit vergangenem Herbst gibt es die Funktion, Nutzer per Link in Signal-Gruppen einzuladen. Um eine Gruppe bei Signal zu erstellen, klickst du auf der Startseite auf die drei Punkte und wählst neue Gruppe. Hier können nun Mitglieder direkt per Auswahl hinzugefügt werden oder später noch per Link. Der Link kann direkt über Signal, als Kopie, QR-Code oder über das Share-Menü versendet werden.

Allerdings bergen diese Gruppen auch Gefahren. Zusammen mit den verschlüsselten Chats könnten extremistische oder anderweitig problematische Gruppen sich in diesen Gruppen zusammentun. Denn Signal kann nicht gegen die Inhalte vorgehen, da die Nachrichten sowohl in Einzel- als auch Gruppenchats verschlüsselt sind und somit nicht vom Messenger mitgelesen werden können.

Verschwindende Nachrichten

Bei Signal hast du auch die Möglichkeit, verschwindende Nachrichten einzustellen. Dazu rufst du einen Kontakt auf und klickst wieder auf die drei Punkte oben rechts. Hier findest du die Option „Verschwindende Nachrichten“ sowie die Auswahlmöglichkeiten von 5 Sekunden bis hin zu einer Woche. Je nach eingestelltem Wert werden die Nachrichten dann nach dem Lesen verschwinden. Die eingestellte Zeit gilt für jede Nachricht bis zur Deaktivierung der Option „verschwindende Nachricht“.

Zusätzlich zur App kann Signal auch auf dem Desktop genutzt werden. Ein Pluspunkt gegenüber WhatsApp und der Desktop-Nutzung – bei Signal können auch direkt Videoanrufe über die Desktop-Anwendung geführt werden.

Signal – Backup – Nachrichten sichern und wiederherstellen

Signal besitzt keine automatische Backup-Funktion, wie man sie von WhatsApp kennt. Wenn du deine Nachrichten sichern möchtest, musst du selbst aktiv werden. Das Wiederherstellen von Daten wird derzeit nicht unterstützt, wenn du:

  • keinen Zugriff auf dein altes Gerät hast.
  • dein Mobiltelefon bereinigt hast.
  • dein Mobiltelefon verloren hast.
  • deine Rufnummer geändert hast.

Um die Nachrichten zu sichern, öffnest du Signal und klickst auf dein Profilbild, um in die Einstellungen zu gelangen. Hier wiederum wählst du die Option Unterhaltungen aus. Ganz am Ende der Unterhaltungen befindet sich die Option Datensicherungen. Sofern aktiviert werden Datensicherungen mit einer 30stelligen Passphrase verschlüsselt und in einem ausgewählten Ordner auf dem Gerät gespeichert.

Diese 30stellige Passphrase musst du dir von links nach rechts und von oben nach unten abschreiben. Sie wird benötigt, um die Datensicherung wiederherzustellen und muss an einem sicheren Ort aufbewahrt werden. Eine Kopie der Sicherung sollte auf einem anderen Gerät aufbewahrt werden.

Solltest du nun ein neues Smartphone nutzen musst du zuerst die Sicherungsdatei, den Ordner von deinem alten Smartphone auf das neue Phone übertragen. Anschließend installierst du Signal und gibst zuerst die 30stellige Passphrase ein, bevor du dich mit deiner Telefonnummer anmeldest.

Was passiert, wenn ich meine 30-stellige Passphrase vergesse und meine Nachrichten auf einem neuen Mobiltelefon wiederherstellen muss?

Ohne die Passphrase ist es nicht möglich, ein Backup wiederherzustellen. Stell dir die 30-stellige Passphrase als einen Schlüssel vor, der nicht dupliziert werden kann. Du kannst eine neue Datensicherung erstellen, um eine neue Passphrase zu erstellen.

Fazit

Die Finanzierung von Signal erfolgt über die Signal-Foundation sowie bereits eingegangene freiwillige Spenden. Denn auch die Signal-Server sowie die extra klein gehaltene Anzahl von 50 Mitarbeitern müssen bezahlt werden. Dafür bleiben deine Daten aber ganz bei dir beziehungsweise du bist selbst für sie verantwortlich. Signal hat im Gegensatz zu WhatsApp keinen Zugriff auf Kontakte/Adressbücher sowie darin gespeicherte Informationen. Des Weiteren ist Verschlüsselung bei Signal keine optionale Möglichkeit, sondern von vornherein gegeben.

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