Start Magazin Workshop: Das Nexus 7 Tablet als Android-Bordcomputer im Auto – Teil 1

Workshop: Das Nexus 7 Tablet als Android-Bordcomputer im Auto – Teil 1

So könnte dein Cockpit schon bald auch aussehen...

Heute stellen wir euch den ultimativen Android Kfz-Boardcomputer vor. Fehler auslesen, navigieren, Motorwerte wie Ladedruck und vielem mehr hat unser Nexus 7 zu bieten. Wenn du erst mal soweit bist, dass alles funktioniert, willst du gar keinen fest verbauten Bordcomputer mehr. In unserem zweiteiligen Workshop zeigen wir dir, was das Nexus 7 im Auto so alles kann, und wie du es einrichtest.

Die Autoindustrie hat es spät erfasst: Externe Board Computer sind voll im Trend und kosten im Gegensatz zu den Preisen für fest verbaute Systeme kein Vermögen. Android im Auto ist zwar auch ein Thema, bis daraus aber in Deutschland was wird, kannst du getrost noch ein paar 10.000 km fahren…. Fest eingebaute Board Computer sind nicht nur deutlich teurer als eine Hersteller-unabhängige Lösung, sondern haben oft auch nur ein mäßiges Display oder gar einen künstlich begrenzten Funktionsumfang (Feature X gibt es nur gegen Aufpreis, obwohl die Funktion serienmäßig verbaut ist). Schluss damit! Wir zeigen euch, wie praktisch jedem PKW das ultimative Android Multimedia Board Computer System einverleibt werden kann. Euren Ideen und Möglichkeiten sind nahezu keine Grenzen gesetzt. Dieser Artikel beschreibt die Grundlagen, in Teil 2 geht es dann so richtig ans Eingemachte.

Welche Funktionen bietet ein Android-Tablet im Auto?

Das Nexus 7 kann als Bordcomputer gleichzeitig Motorwerte darstellen, Musik wieder geben und navigieren. Die App Torque stellt dabei das User Interface zwischen PKW und unserem Board Tablet dar. Die App zeigt Ladedruck, Ladeluftkühlertemperatur, reelle Geschwindigkeit anhand der ABS-Sensoren, Signale, Injektordruck, Treibstoffdurchflussraten, Motorlast, VGT Stellung, Batteriespannung, Saugrohrdruck, genaue Kühlmitteltemperatur, Motordrehzahl, Öltemperatur, FPDC, Kompass, Beschleunigungswerten und vieles mehr an. Welche Werte genau angezeigt werden können, liegt aber immer am Auto und hängt auch vom verwendeten OBD Elm-Interface ab.

Dieser kleine Adapter leitet sämtliche Motordaten per Bluetooth an den Nexus-Bordcomputer weiter.
Dieser kleine OBD-Adapter leitet sämtliche Motordaten per Bluetooth an den Nexus-Bordcomputer weiter.

Auch kann Torque Fehler auslesen und löschen, einmal führte ich mit Erfolg eine Fehlerlöschung durch. Dennoch möchte ich euch strikt davon abraten: Manche Autos müssen dabei abgeschaltet sein, manche wiederum dürfen nich ausgeschaltet werden. Lasst es lieber sein und fahrt bei einem Fehler in die Werkstatt, denn wie beim Rooten oder der Installation einer Custom-ROM besteht auch hier ein Risiko, etwas am Motormanagement zu versauen. Während ein fataler Fehler bei einem 300-Euro-Handy noch zu verschmerzen ist, kann es bei einem PKW nicht nur teuer zu stehen kommen, sondern auch fahrlässig sein. Lass also lieber die Finger davon, wenn du nicht gerade ein Spezialist auf dem Gebiet bist, und begnüge dich damit, die vorhandenen Infos auszulesen, nicht daran rumzubasteln!

Die App Torque bietet auch die Möglichkeit, als Fahrtenschreiber zu fungieren. Dabei protokolliert Google Maps alle Fahrten, und anhand eines Farbcodes sieht man die gefahrene Strecke und die Geschwindigkeit.

OBD-Apps existieren viele, die Meisten machen Optisch nicht viel her oder sind nicht individualisierbar. Torque kann wie keine andere App das Interface eurem Tachodesign und Wünschen anpassen. Für jeden Wert wie zum Beispiel für den Ladedruck stehen euch viele verschiedene Armaturen zur Verfügung. Analoganzeigen mit Balken oder Nadel, Digitalanzeigen, Diagramme, eckig, rund, klein, groß, es gibt keine Grenzen. Jedes Manometer könnt ihr frei konfigurieren. Du trägst den maximal und minimal anzuzeigenden Wert ein, in meinem Fall sind es -0,1bar bis 1,5bar beim Ladedruck-Manometer.

So könnte dein Bordcomputer aussehen...
So könnte dein Bordcomputer aussehen…

Auch könnt ihr einen Warnton oder ein Blinken der Anzeige bei Überschreitung eines festgesetzten Wertes einrichten. Das geht mit allen Anzeigen. Zum Beispiel blinkt mein Voltmeter, sobald die Batterie nur noch 12,5V Spannung hat. Meine Temperaturanzeige signalisiert durch ein Blinken ab 93 Grad Kühlwassertemperatur diesen für meine Maschine besonders hohen Wert. Kommt die Motordrehzahl über 4000Rpm, wird ein Warnton wiedergegeben. Die Möglichkeiten sind also sehr umfassend.

Was bringt Torque in der Praxis?

Als gelernter KFZ-Mechatroniker kann ich mit praktisch allen erhaltenen Zahlen etwas anfangen. Natürlich sind manche Werte nur dann nützlich, wenn man auch genau weiß, wofür diese gut sind. Doch wer sich für das Thema interessiert, kann sich auch in Foren weiterbilden und sich — abgesehen von der nötigen Praxis — praktisch alles aneignen. Mittlerweile habe ich mich an mein Nexus 7 im Auto dermaßen gewöhnt, dass es mir sehr fehlt, wenn ich es entbehren muss. Schon allein der Blick auf die echte Geschwindigkeit ist für mich Gold wert ;-)

Über die Jahre lernte ich mein Auto kennen und weiß, welche Werte normal sind und welche nicht. Die echte Wassertemperatur ist zum Beispiel sehr interessant: Ich weiß dadurch ganz genau, wann die optimale Betriebstemperatur erreicht ist und dass ich somit das in der Leistung gesteigerte Auto treten darf. Auch zeigt mir die Anzeige an, was in Wahrheit für das Auto eine normale Betriebstemperatur ist. Diese liegt bei 79-82 Grad. Fahre ich auf der Autobahn lange Vollgas, bleibt die Original-Temperaturanzeige der Herstellers wie immer in der Mittelstellung und ich bekomme nicht mit, ob sie leicht steigt oder wirklich stabil bleibt. Anhand von Torque siehst du viel schneller und exakter, wenn die Maschiene besonders warm wird. Darauf kann man reagieren und kurz vom Gas gehen, schnell sinkt die Temperatur und es kann mit Vollgas weiter gehen. Der Motor dankt es.

Auch nachts leistet das Nexus 7 beim Fahren wertvolle Dienste.
Auch nachts leistet das Nexus 7 beim Fahren wertvolle Dienste.

Gleiches gilt beim Warmfahren: Die original Temperaturanzeige vermittelt bei mir oft den Eindruck, dass die Betriebstemperatur erreicht ist. Torque sagt aber etwas anderes, und so warte ich als Fahrer noch ein wenig, bis ich mit Vollgas fahre.

Auch die Ladeluft-Temperaturanzeige ist wirklich interessant: Umso höher der Ladedruck, desto wärmer wird die Pressluft. Heiße Luft kann weniger Sauerstoff aufnehmen, zehn Grad mehr oder weniger sind also stolze 5 PS mehr oder weniger. Meine Ladeluft variiert in der Temperatur bis zu 20 Grad nach unten oder oben. Ich selber kann als Fahrer also dafür sorgen, bis zu 20 PS mehr oder weniger auf die Straße zu bringen (4 x 5 PS).

Ladedruck, Motorlast und vieles mehr: Torque hat wirklich für alles eine passende Anzeige zur Auswahl.
Ladedruck, Motorlast und vieles mehr: Torque hat wirklich für alles eine passende Anzeige zur Auswahl.

Last but not least stehen für Troque verschiedene Themes zur Verfügung, die das Grundlegende Design der Instrumente ändern. So ist immer etwas dabei. was in Farbe und Design zu euren fest verbauten Armaturen optisch passt. Der Hintergrund ist frei wählbar, ich erstellte dazu eigene Wallpapers von meinem Auto und färbte diese mit einem Grünstich ein, wodurch der Tablet Screen meinen original Armaturen ähnelt. Dies sieht besonders bei Dunkelheit gut aus.

Die Motorlastanzeige ermöglicht eine besonders schonende Fahrweise. So weiß man als Fahrer zum Beispiel, ob der dritte oder vierte Gang weniger Belastung auf Bauteilen wie Getriebe, Kurbelwelle, Pleuellager und Zweimassenschwungrad erzeugt. Spritsparpotenzial ist auch drin, wenn man sich diese Anzeige zu Nutzen macht.

Die echte Geschwindigkeit ist ein nützliches Tool. Dank ihr ist es möglich, genau an der Grenze zu fahren, bei der noch nicht geblitzt wird.

Warum das Nexus 7?

Meistens fahre ich in einer Kombination aus Torque, Mort Music Player und gleichzeitiger Navigation. Probiert habe ich schon einige Tablets und Smartphones. Nicht jedes Gerät ist für den festen Einsatz im Auto geeignet. Das Asus Transformer Tf101 mit Dualcore und 10 Zoll war zu groß, die CPU Leistung zu niedrig und der Strombedarf zu hoch. Ein ständig leer werdendes Tab und träge Anzeigen mit viel Verzögerung waren die Folgen. Bei der Verwendung von Torque, Navigation und gleichzeitiger Musikwiedergabe stieß das Tf101 an seine Grenzen. Es fließen viele Daten, die von Torque angezeigten Werte sind sehr direkt, eine echte Verzögerung ist nicht vorhanden, so arbeitet mein Drehzahlmesser der original Armaturen genauso wie eine Digitale Anzeige über Torque. Gefragt ist also mindestens eine Quad Core CPU und ein Gerät mit sparsamer Hardware. Das Nexus 7 2013 wird diesen Anforderungen gerecht, der einzige Lader der es auch schaffte das Nexus 7 voll zu behalten war einer von Nokia, dieser ist auch noch sehr Kompakt und hat ein Spiralkabel was im Auto von großem Vorteil ist. Böse Zungen behaupten oft, das immer schneller werdende Prozessoren unter Android nichts bringen. Hier muss man ganz klar sagen: Ihr benötigt genügend Hardwarepower, und ein Tablet, das auch möglichst energieeffizient arbeitet. Denn Torque treibt viele ältere Geräte an ihre Grenzen. Für den Einsatz im Auto setze ich das Nexus 7 2013 als minimale Anforderung voraus, mehr Leistung und neuere Geräte sind dabei nicht von Nachteil. Sinn machen auch Tablets mit SIM-Karte und Telefonfunktion, so hätte man auch gleich das Autotelefon per Multi SIM-Karte mit an Board. Ich nutze aber die WiFi-Version des Tablets.

Gesagt, getan…

Ganz so einfach, wie hier alles klingt, ist es dann aber doch nicht. Im Gegenteil: es ist viel Arbeit, sich das Tablet passend für den Einsatz im Auto einzurichten, und dabei gibt es viel zu beachten: Das Tablet soll euch als Fahrer nicht ablenken sondern vollkommen automatisch arbeiten, es soll sich mit der Zündung automatisch ein/abschalten. Das Display soll bei Dunkelheit nicht blenden, aber am Tage ausreichend hell sein. Und alles muss möglichst groß sein, damit ihr das Tab während der Fahrt bedienen könnt, ohne dabei aufs Display gucken zu müssen. Wie das alles klappt, wo ihr die nötige Hardware bekommt, und welche Apps sich besonders gut eignen, erfahrt ihr im zweiten Teil des Workshops.

2 Kommentare

  1. Hallo
    sehr interessanter Artikel , ich bin gespannt wie die Musik vom Tablet in die Anlage des Autos kommt und wie dann gleichzeitig geladen wird.
    MFG

  2. Die Musik geht durch den Kopfhörerausgang über Kabel mit Klinke in den fest verbauten AUX Eingang.

    Manche Autos haben den AUX Eingang integriert, bei zubehör Radios findet man diesen häufig. Oftmals kann ein AUX Anschluss auch nachträglich ans Original Radio angeschlossen werden.
    Ansonsten bleibt da noch eine Übertragung per Bluetooth oder Usb.

    Manche Autos die Ton über Usb empfangen können, laden gleichzeitig bei der Musikwiedergabe das Akku auf.

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