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Wiko Ridge 4G mit Hybrid-Slot und Snapdragon 410 im Test

Noch vor einem Jahr kannte die französische Handymarke Wiko hierzulande kaum jemand. Seither haben die Franzosen mächtig Gas gegeben, und ein tolles Handy nach dem anderen auf den Markt gebracht. Frisch vom Mobile World Congress in Barcelona haben wir das Wiko Ridge für einen zweiwöchigen Test bekommen. Hier unsere Eindrücke von einem in allen Belangen außergewöhnlichen Wiko-Smartphone.

Wer von Wiko spricht, denkt in erster Line an günstige Smartphones mit überdurchschnittlich guten Specs und MediaTek-Prozessor. Der günstige Preis und die überdurchschnittlich guten Specs treffen auch auf das Wiko Ridge zu, allerdings hat man sich hier für eine 64-Bit-CPU von Qualcomm, den Snapdragon 410 entschieden. Zum Amazon-Preis von 219 Euro gibt es aber nicht nur die Qualcomm-CPU, auch 2 GByte RAM, 16 GByte interner Speicher und ein sehr schönes IPS-Display mit einer Diagonalen von 5 Zoll und 1280 x 720 Pixeln sind im Preis enthalten. Das ist aber noch nicht alles: Dank LTE-Modem und Hybrid-Slot lässt sich das Wiko Ridge 4G wahlweise als Dual-SIM-Smartphone einsetzen oder als Single-SIM-Gerät mit MicroSD-Karte. Zudem besitzt das Ridge 4G einen recht großen Akku von 2400 mAh, der für bis zu 17 Stunden Gesprächszeit via 2G und sehr gute Standby-Zeiten sorgt. Die kompletten Specs und unsere Benchmark-Werte für das Wiki Ridge 4G findest du in der Gerätedatenbank.

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Der erste Eindruck

Wiko spricht mit dem Ridge eher die jüngere Zielgruppe an. Zumindest fanden meine Kids das Handy sehr cool, wogegen ich mich mit der leicht flauschigen Rückseite eher weniger anfreunden konnte. Doch Design ist Geschmackssache, und zum Glück gibt es das Ridge 4G ja auch in anderen Ausführungen und Farben. Sehr kritisch sehe ich hingegen die Rückabdeckung: Wer das Ridge 4G auch dazu benutzen möchte, um ab und zu mal die SIM-Karte zu wechseln und mit einer MicroSD auszutauschen, der wird über kurz oder lang mit einer Rückabdeckung zu kämpfen haben, die nicht mehr komplett schließt. Also unbedingt beim Abnehmen und beim erneuten Anbringen Sorgfalt walten lassen. Ich hatte bisher zwei Ridge 4G in den Fingern und es bei keinem fertiggebracht, die Abdeckung wieder in tadellosem Zustand zu montieren. Wer ein zusätzliches Case benutzt, kann diesen Kritikpunkt igorieren.

Die Rückabdeckung des Wiko Ridge 4G ist Geschmackssache, der Akku ist fest verbaut.
Die Rückabdeckung des Wiko Ridge 4G ist Geschmackssache, der Akku ist fest verbaut.

Nun aber zurück zum eigentlichen Handy. Das Ridge 4G ist angenehm flach, aber nicht zu flach, liegt durch die spezielle Beschichtung gut in der Hand ohne zu rutschen und verfügt über ein sehr schönes Display mit 1280 x 720 Pixeln. Die Kopfhörerbuchse befindet sich oben links, der Micro-USB-Anschluss auf der Unterseite rechts. Laustärkewippe und den Power-Button hat Wiko auf der rechten Seite des Handys angebracht, die linke Seite ist frei von jeglichen Bedienelementen oder Anschlüssen und gibt sich als Streifen in Metalloptik. Den recht lauten Mono-Lautsprecher hat Wiko auf der Rückseite untergebracht. Liegt das Handy auf einem flachen Objekt, wird die Lautstärke minimal reduziert.

Der zweite SIM-Slot lässt sich wahlweise mit einer Nano-SIM oder einer microSD-Karte bestücken.
Der zweite SIM-Slot lässt sich wahlweise mit einer Nano-SIM oder einer microSD-Karte bestücken.

Im Lieferumfang befinden sich neben einer Bedienungsanleitung und dem Garantieschein das Ladegerät und eine USB-Kabel sowie ein In-Ear-Headset mit zusätzlichen Ear-Buds (das Ridge verfügt auch über ein FM-Radio). Ebenfalls mit in der Packung: Zwei SIM-Karten-Adapter: Nano-SIM auf Micro-SIM und Micro-SIM auf Standard SIM.

Die Software

Wiko lieferte seine Smartphones bis jetzt mit einer Android-Oberfläche aus, die in etwa dem Vanilla Android entspricht und nur wenige Änderungen gegenüber dem puren Android enthält. Neu hat man sich für einen Launcher ohne App-Drawer entschieden. Sämtliche Apps befinden sich also auf dem/den Homescreen/s, was die Bedienung für Android-Einsteiger klar erleichtert aber zugleich auch den Umstieg von einem Gerät mit App-Drawer etwas erschwert. Power User haben aber jederzeit die Möglichkeit, einen alternativen Launcher oder den Google Now Launcher zu installieren und somit etwas Nexus-Feeling auf das Wiko Ridge 4G zu holen. Die großen, bunten Icons bleiben dann allerdings erhalten.

Der neue Launcher von Wiko kommt ohne separaten App-Drawer aus.
Der neue Launcher von Wiko kommt ohne separaten App-Drawer aus.
Du kannst aber auch den Google Now Launcher oder jeden anderen alternativen Launcher  installieren.
Du kannst aber auch den Google Now Launcher oder jeden anderen alternativen Launcher installieren.

Dank des Snapdragon 410 und vor allem dank der 2 GByte RAM arbeitet das Wiko Ridge absolut flüssig. Es reagiert prompt auf Eingaben und in den Tests traten praktisch keine Ruckler auf, egal ob mit dem Wiko Homescreen oder mit einem alternativen Launcher.

Wiko hat dem Ridge 4G auch ein paar zusätzliche Apps spendiert. Neben den obligaten Google-Anwendungen sind das Clean Master, die TouchPal X Tastatur, ein eigener Musik-Player, eine Taschenlampe, ein Rechner und ein Dateimanager. Ebenfalls von Wiko stark angepasst sind der Dialer, das Adressbuch und die Einstellungen. Als Browser ist Chrome vorinstalliert, der Android-Browser fehlt (das ist auch gut so).

Bei den vorinstallierten Apps gibt es viel Licht und Schatten. Der Dateimanager konnte in den Tests überzeugen. Er sieht nicht nur optisch top aus, sondern bietet auch zahlreiche praktische Funktionen inklusive FTP-Server. Weniger gut gelungen fand ich den Musikplayer, der vom Design her absolut nicht zu den restlichen Apps passt und sich auch nicht intuitiv bedienen lässt.

Ein schöner Musikplayer sieht anders aus...
Ein schöner Musikplayer sieht anders aus…
Der vorinstallierte Dateimanger sieht schön aus und bietet auch einen intergrierten FTP-Server für den schnellen Dateitransfer im eigenen WLAN.
Der vorinstallierte Dateimanger sieht schön aus und bietet auch einen intergrierten FTP-Server für den schnellen Dateitransfer im eigenen WLAN.

Die Apps sind alle fest ins System integriert und lassen sich nicht entfernen. Das gilt auch für Clean Master. Der Saubermacher fiel in den Tests mehrfach negativ auf und tauchte gefühlt alle paar Minuten mit irgendeiner Meldung in der Notification Bar auf. Abgesehen davon, dass die App bei einem Handy mit 2 GByte RAM absolut überflüssig ist, empfiehlt sie dauernd neue Sicherheits-Apps und Akkuschoner zur Installation. Clean Master ist also nichts weiter als eine Bloatware mit dem Ziel noch mehr Bloatware aufs Handy zu bringen. Den Vogel schoss die Sofware mit dem Malware-Scanner ab, der auch sogleich eine kritische Sicherheitslücke vermeldet und die Installation von CM Security empfohlen hat. Dabei handelt es sich um die Schwachstelle BroadAnywhere vom September 2014 die tatsächlich bis heute fast alle Androiden bis Android 4.4 betrifft. Hier frage ich mich dann natürlich als Anwender, warum mir Wiko ein Smartphone verkauft, das von Haus aus nicht nur diese Schwachstelle besitzt, sondern sogar noch eine Software vorinstalliert hat, die diese auch als Sicherheitslücke erkennt?

Clean Master findet bereits beim ersten Scan eine bedrohliche System-Lücke!
Clean Master findet bereits beim ersten Scan eine bedrohliche System-Lücke!
Die von mir installierte App 360 Security behauptet, das Problem beheben zu können. In Wirklichkeit ist das Leck aber immer noch da.
Die von mir installierte App 360 Security behauptet, das Problem beheben zu können. In Wirklichkeit ist das Leck aber immer noch da.

Die Lücke lässt sich übrigens unter Android 4.4 nicht stopfen (das Risiko auf Malware, die diese Lücke benutzt, ist sehr gering, via Play Store praktisch Null), und wurde erst mit Android 5.0 behoben. Dennoch behaupten die Sicherheitlösungen CM Security und 360 Security, einen Fix für das Problem zu haben. In Wahrheit klinkt sich die Antimalware-Software aber einfach ins System ein, um nach Software Ausschau zu halten, die die potentielle Schwachstelle ausnutzen könnte. So vermeldete denn auch Clean Master weiterhin, dass das Wiko Ridge 4G eine Systemlücke aufweise, obwohl die extra heruntergeladene App 360 Security angeblich versprochen hat, das Loch zu Stopfen. Hier wird also klar Profit aus der Angst des Benutzers gezogen, für mich als Power User bleibt dabei ein Gschmäckle zurück, naivere Anwender geben für das Entdecken der Schwachstelle 5 Sterne bei Google Play…

Kamera und Sound

Das Wiko Ridge 4G verfügt über eine 5-Megapixel Frontkamera und eine Hauptkamera mit 13-Megapixeln und Sony-Sensor. Die Kamera-Software verfügt über eine Beauty-Funktion, HDR-Modus, Serienaufnahme und Antiflimmer-Modus. Leider lässt sich die 13-MP-Kamera recht viel Zeit, um ein Foto zu schießen, was sich über die Option ZSL (Zero Shutter Lag) in den Einstellungen ändern lässt. Warum ZSL nicht von Haus aus aktiv ist, ist mir ein Rätsel, ich habe keine Nachteile mit der Option entdeckt.

Die Option ZSL (Zero Shutter Lag) sorgt für eine deutlich schnellere Kamera.
Die Option ZSL (Zero Shutter Lag) sorgt für eine deutlich schnellere Kamera.

 

Nicht wirklich  zu gebrauchen ist die Kamera für Makros: bereits ab ca. 5cm Abstand ist ein Fokussieren praktisch nicht mehr möglich. Abgesehen davon verfügen die Fotos der Hauptkamera über satte Farben und bei guten Lichtverhältnissen stimmt auch die Bildqualität. Bei weniger Licht ist allerdings schnell ein starkes Rauschen auf den Bildern zu sehen.

Gute Fotos schießt auch die Frontkamera, und das selbst bei nicht optimalen Lichtverhältnissen. Aus 5 Megapixeln lässt sich einfach mehr herausholen als aus einer 2-Megapixel-Frontcam.

Der auf der Rückseite integrierte Lautsprecher sorgt zwar für einen lauten Klingelton, aber nicht unbedingt für Musik in meinen Ohren. Die Soundausgabe über die mitgelieferten Kopfhörer ist gut, aber auch hier bleibt noch Luft nach oben. Für den Preis stimmt die Qualität aber in jedem Fall.

Akkulaufzeit

Der verbaute 2400 mAh-Akku sorgt für sehr gute Standby-Laufzeiten im Ruhemodus. Sobald die Snapdragon-CPU allerdings unter Last arbeitet bzw. beide SIM-Slots in Betrieb sind, kann man dem Akku aber fast zuschauen, wie er sich entleert. Dennoch kommt das Wiko Ridge 4G bei gemischter Nutzung auf bis zu 2 Tage Laufzeit und auch Heavy-Nutzer kommen problemlos über den Tag. Die Display-Zeit beim Dauerzocken dürfte hingegen nicht viel mehr als 4-5 Stunden betragen. Im reinen Standby-Modus hält das Wiko Ridge mit einer SIM-Karte bestimmt eine Woche durch, mit zwei Karten liegen bis zu 5 Tage drin. Auch hier gilt: Für die Preisklasse um 200 Euro fällt die Akkulaufzeit in jedem Fall überdurchschnittlich gut aus.

 

Fazit

Zur UVP von 219 bietet Wiko recht viel Smartphone für wenig Geld. Einmalig ist es aber mit dem gebotenen nicht, schließlich kostet das neue Moto G 2014 gerade mal 179 Euro und verfügt zudem bereits über Android 5.0 (das Wiko Ridge soll das Update ebenfalls erhalten, um dann auch die vollen Möglichkeiten der 64-Bit-CPU nutzen zu können). Mit 2 GByte RAM, 16 GByte Speicher, Dual-SIM und microSD-Möglichkeit sieht das Feld bei den 200-Euro-Smartphones aber schon eher dünn aus.  Zudem kann das Moto G vom Design her nicht mit dem Wiko Ridge 4G mithalten und verfügt weder über eine 64-Bit-CPU noch ein LTE-Modem. Gefällt dir das Design und findest du den Preis in Ordnung, dann kannst du beim Wiko Ridge 4G eigentlich nicht viel falsch machen, da es — abgesehen von den nicht löschbaren Apps und der Rückabdeckung — keine Schwächen zeigt.

 

4 Kommentare

  1. Ja, klar. Man sollte nie gleichzeitig 3 Smartphones mit ähnlichen Specs testen….

    Danke für den Hinweis!

  2. „Gute Fotos schießt auch die Frontkamera, und das selbst bei nicht
    optimalen Lichtverhältnissen. Aus 5 Megapixeln lässt sich einfach mehr
    herausholen als aus einer 2-Megapixel-Frontcam.“

    Die FrontCam hat 13 Megapixel ^^ und die HEckCam 5 Megapixel ^^

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