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Oracle vs. Google: Sun hatte kein Problem mit der Nutzung von Java in Android

(c) olegdudko, 123rf.com

Seit gestern läuft in den USA der zweite Prozess zwischen Oracle und Google, in dem Oracle auf einen Schadenersatz von bis zu 9 Milliarden US Dollar für die Nutzung von Java in Android pocht. Wie so oft geht es auch bei diesem Prozess darum, welcher Anwalt die bessere Show abzieht.

Gestern stand der Google CEO Eric Schmidt vor dem Richterstuhl, heute musste sich Jonathan Schwartz, ehemals Geschäftsführer von Sun den Fragen der beiden Anwälten stellen.

Zum Hintergrund des Prozesses, bei dem es um ein paar Zeilen Code aus Java von Sun und rund 9 Milliarden als Streitsumme geht, liest du am besten diesen Artikel durch. Generell geht es darum, dass in den USA Programmierschnittstellen als Copiright-geschütztes Material gelten. Gegen dieses Copyright soll Google mit der Nutzung von Java verstoßen haben. Im aktuellen Prozess geht es deshalb nur noch um die Frage, ob dieser Verstoß vorsätzlich geschah, oder Google der Meinung war, die Nutzung erfolge unter der in der Open-Source-Szene üblichen Prämisse des „Fair Use“. Auf dem Spiel steht also nicht nur viel für Google, sondern auch sehr viel für alle Entwickler, die irgendwelche Programmierschnittstellen benutzen. Denn wer tut das schon nicht…

Während der Oracle-Anwalt Peter Bicks gestern von Eric Schmidt wissen wollte, was APIs sind und warum man diese einfach so benutzen darf, ging es heute darum, ob Google von Sun eine gültige Lizenz für Java hatte, ob man eine beantragt hatte und aus welchem Grund vielleicht gar keine nötig war. Der Oracle-Anwalt konnte dabei nur schwer verstehen, dass die Nutzung von Java in den meisten Fällen gratis war und nur unter speziellen Bedingungen eine Lizenz von Sun notwendig war. „Java war absichtlich gratis. Es war unsere Strategie: Je mehr Menschen Java benutzten, umso besser für die Produkte von Sun!“ erklärte der ehemalige CEO von Sun vor dem Gericht.

Als Sun noch eine eigenständige Firma war, gab es verschiedene komplett freie Versionen von Java, zum Beispiel GNU Classpath oder Apache Harmony, das unter anderem auch von Oracle unterstützt wurde. Als einziges Projekt besaß Apache Harmony allerdings eine Lizenz von Sun. Entsprechende Projekte gibt es bis heute, darunter auch OpenJDK, das Google seit Android N als Grundlage für Android benutzt.

Im späteren Verlauf des Verhörs leistete sich der Oracle-Anwalt zudem noch einen riesigen Patzer, indem er eine automatische E-Mail-Benachrichtung von Google (Google Alerts) als „Google-Blog“ von Schwartz interpretierte und diesem daraus einen Strick drehen wollte.

Der Schuss ging allerdings merklich nach hinten los und sorgte zumindest auf den Zuschauerrängen für etwas Gelächter, als Schwartz mit folgendem Satz quittierte:

„You know, there’s a lot of stuff on Google I don’t control. It’s a pretty big Internet.“

Falls du dich für den Prozess interessierst, dann findest du bei Arstechnica die wohl beste und direkteste Berichterstattung dazu.

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