Start Magazin Kommentar: Niemand will biegsame Smartphones — außer der Techpresse und den Investoren

Kommentar: Niemand will biegsame Smartphones — außer der Techpresse und den Investoren

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Konzept von Heyon You aus dem Jahr 2011

Es gibt News, die kann man jedes Jahr 1x bringen und die meisten Tech-Seiten tun das dann auch mit Vorliebe. Neben dem typischen „Samsung arbeitet an Galaxy S8“ Bullshit gehört dazu auch bereits seit Jahren die Information, dass Samsung an einem flexiblen Smartphone arbeitet.

Wenn du ein biegsames Smartphone möchtest, dann hol dir ein Klapphandy, ehrlich. Es gibt die Dinger inzwischen wieder, denn die Menschheit hat herausgefunden, dass manche Dinge wirklich praktisch sind, zum Beispiel Klapphandys.

Total unpraktisch sind aber Smartphones mit einem biegsamen AMOLED-Display, denn Aufrollen und Zusammenklappen sind nun mal zwei verschiedene Dinge. AMOLED-Panels eignen sich prima, um ein gebogenes Display zu produzieren oder ein Display, das sich wie ein Poster aufrollen lässt, aber nicht dazu gedacht, zusammengefaltet zu werden. Dazu muss man kein Technik-Freak sein, auch kein Wissenschaftler. Es genügt, die Brotzeitbox vom Supermarkt 200x auf und zu zu klappen, spätestens dann geht die Verbindung zwischen Deckel und Unterteil kaputt, von den Kontakten und technischen Innereien eines AMOLED-Screens ganz zu schweigen.

Mit diesem Konzept von Heyon You begann 2011 der große Run...
Mit diesem Konzept von Heyon You begann 2011 der große Run…

Doch das hindert die Tech-Presse nicht daran, seit Jahren (genauer gesagt seit Juli 2011) über diesen sensationellen Fortschritt zu berichten, der endlich eine umwerfende Weltneuheit produzieren wird. Eine kurze Google-Suche zeigt:

Der letzte der zitierten Artikel brachte mich denn auch zum Schreiben dieses Artikels. Denn aus dem Bloomberg-Text wird klar, wer überhaupt noch Interesse an einem solchen Produkt hat: Es sind Investoren, die Aktien in die Höhe treiben möchten und die Tech-Presse, die auf die Neugier der Meute setzt, denn wenn BGR 2016 von einem revolutionären Smartphone schreibt, dann zeugt das lediglich von einem Wunschdenken. Kein Wunder, gibt es auch seit Jahren massenhaft News im Netz, dass Apple an einem biegsamen iPhone arbeitet

Flexible Displays sind eine tolle Sache und seit dem LG G Flex, dem Samsung Gear Fit und dem Samsung Galaxy Edge auch tatsächlich produktiv im Einsatz, aber nicht als biegsame, faltbare Geräte, sondern als Designelement.  Ein faltbares Smartphone, wie es sich die Investoren und Techpresse wünscht, wird es nie geben — oder frühestens 2020, wenn Sony uns rettet 🙂

So stellte man sich 2010 die Zukunft 2020 vor…

Deshalb: Lang lebe das Klapphandy!

  • Toller Artikel und Du hast vollkommen Recht. Außer in einem: Ich könnte mir so ein Handy schon vorstellen … Youtube an, aufklappen (falten) und genießen… Das Argument mit der Brotbox lässt mich aber aufhorchen. Sicherlich einer der Gründe, warum das seit 2011 im Internet rum geistert 😀

  • Interesse hätte ich schon aber die Machbarkeit wie es sich viele vorstellen sehe ich ebenfalls nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir irgendwann man Displays haben, die sich wie Papier knicken lassen und selbst bei papier sieht man den Knick nach dem ersten mal. Selbst Papier geht kaputt, wenn man es an einer Stelle zu oft knickt und wieder auffalltet.

    Den Einsatz in gebogenen Displays und als Armband sehe ich dann schon eher. Vllt auch in smarten Brillen, wenn wir es zusätzlich noch schaffen die Displays transparent zu machen.

    Bei Tablets könnte ich mir die flexiblen Displays schon eher vorstellen. Dann aber aufrollbar. so wären sie platzsparender transportierbar oder aufbewahrbar, wenn man sie gerade mal nicht braucht.

    Eher glaube ich an Zukunftsvisionen mit transparenten ultra flachen Geräten. Aber selbst da kann ich mir nicht vorstellen, dass alle Bereiche transparent sind. Akku, Mikrofon, Lausprecher, CPU, GPU, Speicher und co müssen eben irgendwo untergebracht werden.

  • segoiii .

    die sollten sich nicht auf den Biege-Schwachsinn konzentrieren. Viel mehr sollten sich die Techniker dem Stromverbrauch widmen. jeder Arduino-Bastler weiß, welch enorme Energieersparnis sich aus der Nutzung eines EInk Displays im Vergleich zu normalen LCDs ergibt. Es fehlen halt noch Farben und die Videotauglichkeit. aber in dem Punkt seh ich noch den größten (aber realistisch machbaren) Verbesserungsbedarf. Aktuelle LCDs verbrauchen noch immer viel zu viel Strom. Egal ob IPS oder Amoled.