Start Magazin Kamera-Vergleich: LG G4 gegen Samsung Galaxy S6 im Praxistest

Kamera-Vergleich: LG G4 gegen Samsung Galaxy S6 im Praxistest

Auf dem Papier sind die beiden Kamera-Module des Samsung Galaxy S6 und des G4 von LG fast identisch: Beide Sensoren verfügen über eine Auflösung von 16 Megapixel und auch der Unterschied bei der Blende fällt recht gering aus. Doch ein Kamera-Modul alleine macht noch keine guten Fotos. Dazu braucht es bei digitaler Fotografie auch eine perfekte Software. Android User hat beide Smartphones auf einen Fototrip nach Budapest mitgenommen und zeigt dir hier, welches der zwei Smartphones unter welchen Bedingungen die besseren Fotos macht.

Ab und zu ein Foto mit dem Handy zu schießen, möchte jeder Android-Nutzer. Von den Fotos auch Abzüge machen zu können, ist wohl höchstens bei der Hälfte noch relevant. Und den Anspruch, künstlerisch hochwertige Fotos zu machen, den hat vermutlich nur noch einer von zehn Smartphone-Nutzern. Gehörst du zu diesen zehn Prozent, die mit ihrem Handy nicht nur hin und wieder mal ein Foto schießen, sondern auch wirklich schöne Bilder machen möchten, dann solltest du das Galaxy S6 und das LG G4 unbedingt in die engere Auswahl miteinbeziehen bzw. zu den Favoriten hinzufügen. Denn beide Smartphones — so viel vorweg — machen ausgezeichnete Fotos!

So habe ich getestet

Die folgenden Fotos stammen von einem Foto-Shooting über Pfingsten in Budapest. Ich hatte beide Handys einfach so dabei, ohne besonderes Stativ oder eine Doppelbefestigung. Das bedeutet zugleich, dass bei keinem der Fotos die exakt gleichen Bedingungen galten. Insofern handelt es sich hier nicht um einen wissenschaftlichen oder Labor-Vergleich. Von jedem Motiv habe ich zwei bis vier Fotos gemacht. Aus den rund 100 Aufnahmen wählte ich dann für diesen Artikel 12 Fotos aus. Davon sind wiederum hier acht übrig geblieben, die ich für den Artikel auch wirklich benutzt habe.

Alle Bilder entstanden im Automatikmodus der vorinstallierten Kamera-App. Mit alternativen Kamera-Apps bzw. manuellen Einstellungen lässt sich noch viel aus bestimmten Motiven herausholen. Vor allem das G4 bietet im manuellen Modus noch extrem viele Möglichkeiten.

Keines der Bilder wurde in Photoshop oder auf dem Handy bearbeitet. Ich habe ledliglich in Gimp die Bilder zusammengeschnitten. Dabei ist die Aufnahme des LG G4 stets auf der linken Seite, die des Galaxy S6 auf der rechten Seite zu sehen. Sämtliche Fotos kannst du am Ende des Artikels auch in der Originalauflösung herunterladen. Denn so manches Detail zeigt sich eben nur in der 100-Prozent-Ansicht.

Mädchen auf der Schaukel

„Die aktuellen Smartphone-Kameras sind so gut, dass sie sogar eine günstige Spiegelreflex-Kamera ersetzen können.“ Dass diese Aussage nicht stimmt, kann man sehr schön an der folgenden Aufnahme erkennen, die ein Mädchen auf einer Schaukel zeigt. Ich habe mit beiden Smartphones vier mal versucht, das Mädchen in den Fokus zu bekommen und dabei ein scharfes Bild zu erhalten. Es ist mir nicht gelungen.

Der Hintergrund ist scharfgestellt, nicht das gewünschte Motiv. Bei einer solchen Szene ist der Automatikmodus schlicht überfordert.
Der Hintergrund ist scharfgestellt, nicht das gewünschte Motiv. Bei einer solchen Szene ist der Automatikmodus schlicht überfordert.

Rechts wie erwähnt die Aufnahme des Galaxy S6, links der Ausschnitt des G4. Ein geübter Fotograf würde hier die Verschlusszeit verkürzen, um ein möglichst scharfes Bild zu erhalten und auf das Motiv scharfstellen, nicht auf den Hintergrund. Gut möglich, dass es mir beim zehnten Foto gelungen wäre, dass die Automatik das gewünschte Motiv erkennt, aber nicht einmal die Gesichtserkennung hat sich zu Wort gemeldet, da die Bewegungen auf der Schaukel vermutlich einfach zu schnell waren. Zum Einstieg möchte ich deshalb etwas die Euphorie schwächen: Smartphone-Kameras können noch lange nicht mit entsprechenden DSLR-Geräten um 500 Euro mithalten.

Basilika mit Gegenlicht

Vom Spielplatz im Stadtpark ging es ab zur Basilika-Kirche mitten in Budapest. Hier mussten die beiden Smartphones zeigen, wie sie mit schwierigen Lichtverhältnissen umgehen. Dabei löste das Galaxy S6 die Aufgabe in allen drei Disziplinen besser als das G4 von LG, wobei durchaus auch etwas Interpretationsspielraum vorhanden ist.

Kerzen der Hoffnung. Das Galaxy S6 (rechts) zeigt zwar einen deutlichen Lila-Stich bei den Lichtern an, das Foto ist aber insgesamt schöner und mit mehr Kontrasten als die Aufnahme des LG G4 (links).
Kerzen der Hoffnung. Das Galaxy S6 (rechts) zeigt zwar einen deutlichen Lila-Stich bei den Lichtern an, das Foto ist aber insgesamt schöner und mit mehr Kontrasten als die Aufnahme des LG G4 (links).

Hier habe ich absichtlich zwei typische Fotos aus den vier Bildern ausgewählt. Das Galaxy S6 tendiert klar dazu, bei der Farbdarstellung etwas zu übertreiben, das LG G4 versucht ein möglichst realistisches Foto zu machen, das aber nicht genügend scharf wird. Mir gefällt die Samsung-Aufnahme trotzt Lila-Schimmer klar besser.

Ein typisches Kirchenfenster zu fotografieren, ist keine leichte Aufgabe. Sie lässt sich eigentlich nur mit einem HDR-Modus halbwegs gut lösen.
Ein typisches Kirchenfenster zu fotografieren, ist keine leichte Aufgabe. Sie lässt sich eigentlich nur mit einem HDR-Modus halbwegs gut lösen.

Das Kirchenfenster ist ein typischer Fall für eine HDR-Aufnahme. Ist das Fenster gut zu sehen, wird es drumherum zu dunkel, ist das Drumherum zu sehen, wird das Fenster überbelichtet. Für solche Fälle bieten beide Smartphones einen automatischen HDR-Modus an, der aber beim G4 seltsamerweise nicht zum Zuge kam. Das G4 fügt bei einem HDR-Foto dem Dateinamen automatisch den Zusatz _hdr.jpg hinzu, sodass sich leicht erkennen lässt, wann die Kamera ein High-Dynamic-Range-Foto erstellt hat. Hier hätten wir also manuell in den HDR-Modus wechseln müssen, um eine ähnlich gute Aufnahme wie beim Galaxy S6 (rechts) zu erhalten. Allerdings ist mir persönlich das Foto des Galaxy S6 zu dunkel. Hier lässt sich mit etwas Nachbearbeitung aber mehr herausholen, als beim Foto des G4 (links).

Die Kuppel der St.-Stefans-Basilika bietet Gelegenheit für einen weiteren HDR-Vergleich.
Die Kuppel der St.-Stefans-Basilika bietet Gelegenheit für einen weiteren HDR-Vergleich.

Auch bei der Kuppel gab es viel Licht und Gegenlicht. Auch hier fotografierte das G4 nicht im HDR-Modus, was den großen überbelichteten Flecken oben rechts bei der Statue zur Folge hat. Das Foto zeigt allerdings, dass das G4 die Farben deutlich realitätsnaher wiedergibt. Die Samsung-Aufnahme ist etwas zu dunkel und die Farben zu flau. Gold erscheint nicht wirklich golden, wie beim G4-Bild (links).

Unterwegs mit viel Grün

Budapest ist eine sehr grüne Stadt. Es fehlt zwar ein zentraler großer Park wie zum Beispiel der englische Garten oder ein Central Park, aber in den meisten Straßen gibt es viele Bäume, die im Sommer bei Temparaturen über 30° für willkommen Schatten sorgen. Neben den Bäumen findest du hier auch viele Häuse aus dem 19. Jahrhundert. Einige davon sind baufällig, andere wunderschön restauriert.

Praktisch kein Unterschied. Abgesehen vom leicht anderen Farbton sind die Aufnahmen des Galaxy S6 und des G4 identisch.
Praktisch kein Unterschied. Abgesehen vom leicht anderen Farbton sind die Aufnahmen des Galaxy S6 und des G4 identisch.

Dieses Bild habe ich mit rein genommen, weil es typisch für viele Fotos ist. Es sind praktisch keine Unterschiede auf den Fotos zu erkennen. Beide Aufnahmen sind gleich gut, lediglich die Farben etwas unterschiedlich. Damit das klar zum Ausdruck kommt, hier auch noch ein Detail der Aufnahme als Vergrößerung.

g4-sgs6-haus-hinter-baum-detail

Warum ist das interessant? Beim Betrachten der Fotos auf dem jeweiligen Gerät, war ich mir ziemlich sicher, dass das Bild mit dem Galaxy S6 besser geworden ist, als mit dem LG G4. Das genaue Betrachten auf einem dritten Monitor widerlegt aber diese Annahme. Schaue dir Testfotos deshalb immer auch auf einem externen Monitor an, nicht nur auf dem Display des Smartphones. Die Unterschiede sind teilweise immens.

Auch bei dieser Aufnahme lässt sich nicht wirklich bestimmen, welches Foto besser ist.
Auch bei dieser Aufnahme lässt sich nicht wirklich bestimmen, welches Foto besser ist.

Samsung nur mit Hülle: Das Galaxy S6 ist ein tolles Smartphone, es lässt sich aber nur mit einer Schutzhülle wirklich als Kamera benutzen. Grund dafür ist die sehr flache und durch das Gorilla Glas auch sehr rutschige Bauweise. Ich hatte beim Fotografieren mehrfach Angst, dass mir das Handy aus den Fingern rutscht!

Wenn es dunkler wird…

Eines der Highlights von Budapest ist ohne Zweifel die Sicht auf das Parlament von der gegenüberliegenden Seite der Donau. Hier die zwei besten Aufnahmen vom LG G4 und vom Galaxy S6 ohne Änderung.

Beim Sonnenuntergang zeigt sich das Parlament in Budapest in seinem schönsten Gewand. Dieses Foto entstand mit dem LG G4.
Beim Sonnenuntergang zeigt sich das Parlament in Budapest in seinem schönsten Gewand. Dieses Foto entstand mit dem LG G4 um 19:52 Uhr
Sonnenuntergang zeigt sich das Parlament in Budapest in seinem schönsten Gewand. Dieses Foto entstand mit dem Samsung Galaxy S6.
Gleicher Standort, aber zwei Minuten später. Dieses Foto entstand mit dem Samsung Galaxy S6 um 19:54 Uhr.

Am Abend ging es dann noch ab in eine Bar, um etwas feines zu essen und zu trinken. Natürlich zuckte ich auch hier meine beiden Kameras. Das folgende Foto zeigt sehr schön, dass das LG G4 bei Nachtaufnahmen durch die größere Blende einen Vorteil mitbringt.

Die Aufnahme des LG G4 (links) zeigt mehr Kontrast und ist insgesamt schärfer.
Die Aufnahme des LG G4 (links) zeigt mehr Kontrast und ist insgesamt schärfer.
Weniger Rauschen, ein insgesamt schärferes Foto. Das LG G4 (links) hat hier klar das bessere Foto zustande gebracht.
Weniger Rauschen, ein insgesamt schärferes Foto. Das LG G4 (links) hat hier klar das bessere Foto zustande gebracht.

Und Videos? Beide Kameras nehmen Videos im UHD-Format, also mit maximal 3840 x 2160 Pixeln und mit 30 Frames pro Sekunde auf. Die Samsung-Videos verfügen allerdings über eine höhere Bitrate (bis zu 50 MBit/s), während bei der LG-Software die Bitrate auf 30 MBit/s zu beschränkt sein scheint. Hinsichtlich der Qualität ist mir mit bloßem Auge auf dem Smartphone-Display kein Unterschied aufgefallen.

The winner is…

Aus dem Artikel nicht ersichtlich wird die Ausschusssrate. Die ist zwar bei beiden Smartphones relativ gering, aber beim Samsung Galaxy S6 noch kleiner als beim G4. Wenn du also das „Android-Handy mit der besten Kamera für Dummies“ suchst, dann ist das Galaxy S6 die aktuell beste Wahl: Abdrücken, genießen. Beim G4 gelingt manchmal nur jede zweite Aufnahme und selbst dann kommt diese wie bei den Fotos mit Gegenlicht einfach nicht an das Foto des Galaxy S6 heran. Mir persönlich gefällt dennoch das LG G4 als Kamera-Handy besser, da es deutlich besser in der Hand liegt. Zudem nutze ich gerne die manuelle Kamera-App, die in puncto Features gleich gut ist, wie die Kamera FV-5 und zudem auch das Speichern im RAW-Format erlaubt. Und wenn es dunkel wird, dann sind die Fotos im Automatikmodus mindestens so gut, wie die des Samsung Galaxy S6, oft auch um eine Nuance besser, wie im letzten Bild zu sehen.

Vielen Dank an 1&1 für die Leihstellung des Samsung Galaxy S6 und an LG Deutschland für die Leihstellung des LG G4. 

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