Start Magazin Erster Eindruck: LG G4 mit der besten Kamera-App für Low-Light-Fotos

Erster Eindruck: LG G4 mit der besten Kamera-App für Low-Light-Fotos

LG Deutschland hat gestern in München und Berlin zur Deutschlandpremiere des neuen G4 eingeladen. In der 13. Etage des Mercedes Benz Towers durfte ich auch gleich mein Testgerät in Empfang nehmen, und gehörte dabei zu den Glücklichen, die eine Version mit Lederrückseite bekamen. Hier meine ersten Eindrücke vom G4 nach einer Nacht und einem halben Tag Nutzung mit Schwerpunkt auf der verbauten Kamera.

Das G4 ist für mich das Android-Smartphone, auf das ich mich als Android-Fan am meisten gefreut hatte. Bereits das G2 hatte es mir angetan, aber damals kam ein Tausch gegen mein Nexus 5 nicht in Frage. Das G3 konnte mich nicht wirklich in seinen Bann ziehen, vielleicht hängt das auch daran, dass die Akkulaufzeit im Vergleich zum Vorgänger weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Mit dem G4 präsentiert nun LG erneut ein sehr schönes, wenn auch nicht besonders günstiges Komplettpaket, das vor allem durch die verbaute 16-Megapixel-Kamera mit optischem Bildstabilisator und Blende f/1.8, sowie die bei der teuersten Ausführung erhältliche Rückabdeckung aus Leder auf sich aufmerksam macht. Angetan bin ich seit dem Mobile World Congress allerdings auch vom Samsung Galaxy S6/edge, das die für mich mit Abstand beste Smartphone-Kamera verbaut hat. Zum Glück hatte ich gestern auch das SGS6 dabei (vielen Dank an 1&1 für die Leihstellung!), sodass ich euch auch gleich einen Vergleich der beiden Geräte präsentieren kann.

g4-vs-sgs6
Ungleiches Paar: Die Unterschiede zwischen dem Samsung Galaxy S6 (rechts) und dem LG G4 könnten größer nicht sein.

Alle Angaben und Infos sind ohne Gewähr, denn schließlich war der Abend von LG gesponsert und in fröhlicher Runde tranken wir auch das eine oder andere Bierchen. Ich verzichte an dieser Stelle auch auf die detaillierte Aufzählung der technischen Daten, die du auf der LG Homepage findest.

Verfügbarkeit? Laut aktuellen Infos erscheint das G4 eventuell noch Ende Mai in Deutschland, wahrscheinlicher ist aber Anfang Juni!

Unboxing und gut zu wissen

Unsere Kollegen aus den USA, UK, Frankreich und anderen Ländern durften das G4 ja bereits beim Launch-Event in London und New York in die Finger und nach Hause nehmen. Dabei handelt es sich aber bei allen Geräten um die koreanische Version des G4, die hinsichtlich der Software noch nicht final ist. LG Deutschland hat sich dafür entschieden, mit der Verteilung an Journalisten auf die deutsche Version zu warten. Wir durften also gestern ein G4 testen, das so auch in den Verkauf kommen wird.

Absoult unspektakulär: Die Verpackung des LG G4 ist eine schlichte Box aus Karton ohne Überraschung.
Absoult unspektakulär: Die Verpackung des LG G4 ist eine schlichte Box aus Karton ohne Überraschung.

Das stimmt allerdings nur hinsichtlich der Software. Denn die Hardware in der Verpackung war dann doch noch nicht ganz final. So fehlten bei praktisch allen Testgeräten die Kopfhörer, die zum Standardlieferumfang gehören und eine Rückabdeckung in Gold, die bei den Geräten mit Lederrückseite ebenfalls als zweite Abdeckung in jeder Box mit drin sind. Der komplette Lieferumfang sieht bei der Version mit Lederrückseite also wie folgt aus:

  1. LG G4 mit Rückseite aus Leder
  2. Zusätzliche Kunststoffrückseite in „Gold“
  3. In-Ear-Headset
  4. USB-Kabel
  5. Ladegerät

Beim Ladegerät handelt es sich laut LG um ein Standard-Ladegerät ohne Schnelladefunktion. Der im G4 verbaute Chipsatz ist aber mit einer entsprechenden Funktion ausgestattet, sodass sich auch hier innerhalb von 10 bis 15 Minuten das Handy wieder für ein paar Stunden Nutzung aufladen lässt.

Die Lederrückseite ist wirklich dünn und wird wie bei den Kunststoff-Covern üblich einfach auf die Rückseite aufgedrückt, sodass die kleinen Laschen rundherum einrasten. Dabei gibt es eine extra Aussparung, um das Cover zu entfernen, die mit Kunststoff davor schützt, dass du eventuell die dünne Schicht aus Rindsleder anreisst.

Wenn möglich solltest du das G4 an dieser Stelle öffnen, um die Lederrückseite nicht zu beschädigen.
Wenn möglich solltest du das G4 an dieser Stelle öffnen, um die Lederrückseite nicht zu beschädigen.

 

Einmal das Ledercover  draufgesetzt fühlt sich das G4 sehr hochwertig an. Dank der gebogenen Form liegt es sehr gut in der Hand und dank der Rückseite aus Leder musst du keine Angst haben, dass dir das Handy aus den Fingern rutscht (das gilt auch für die Version mit Plastikrückseite, aber deutlich weniger ausgeprägt). Im direkten Vergleich mit dem SGS 6 liegt das LG G4 um Welten besser in der Hand. Das Samsung Galaxy S6 kann man eigentlich nur mit einem Case wirklich benutzen, sonst muss man ständig Angst haben, dass es einem aus der Hand rutscht oder sich zum Beispiel auf einem Sofa von alleine verabschiedet und zu Boden fällt oder beim Sofa nach hinten in die Ritze zwischen den Kissen (hab schon mal einen halben Tag lang danach gesucht, weil es stumm geschaltet war…).

Was mit beim G4 sehr gut gefällt (jetzt zum ersten Mal), ist das tastenlose Design rundherum. Durch die Bedienelemene auf der Rückseite und dadurch, dass sich der microSD-Slot und der SIM-Karteneinschub hinter der Rückabdeckung befinden, wird der Rahmen nur durch den Kopfhörerausgang und die Micro-USB-Buchse (beide unten) unterbrochen. Power-Button, Lautstärkewippe und der Mono-Lautsprecher befinden sich alle auf der Rückseite des G4.

SIM- und microSD-Slot befinden sich beide klassisch unter der Rückabdeckung.
SIM- und microSD-Slot befinden sich beide klassisch unter der Rückabdeckung.

Das Display ist sehr hell, sehr gut ausgeleuchtet und es zeigt kräftige Farben an. Die automatische Helligkeitsregelung arbeitet flott und zuverlässig. Im direkten Vergleich mit dem SGS6 gibt es weiterhin den klitzekleinen Unterschied zwischen AMOLED und IPS-Display. Der Screen des LG G4 ist tendenziell etwas weißer und kälter, das AMOLED-Display des SGS6 etwas wärmer. Aber das sind wirklich kleinste Nuancen, die sich nur bei einem direkten Vergleich zeigen und zudem auch von Gerät zu Gerät abweichen können.

Die beiden Displays schnenken sich nicht wirklich etwas, aber das G4 bietet im Vergleich zur Größe klar mehr Display.
Die beiden Displays schnenken sich nicht wirklich etwas, aber das G4 bietet im Vergleich zur Größe klar mehr Display.

Zur Software gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ein.Vorinstalliert ist Android 5.1 in der 64-Bit-Version.  Es handelt sich um die übliche Android-Oberfläche von LG mit relativ schrillen Farben und Symbolen. Nova Launcher oder den Google Now Launcher drüber und gut ist! Natürlich verfügt auch das G4 über die Doppeltip-Funktion, um das Handy aus dem Standby zu holen und es wiede in den Ruhemodus zu versetzen sowie alle Features, die vom G3 und vom G Flex 2 her bereits bekannt sind. Dazu mehr im ausführlichen Testbericht.

Kamera-Shootout

Zuerst wollte ich natürlich die verbaute Kamera testen und mit dem SGS6 vergleichen. LG hat eine 16-Megapixel-Kamera mit Blende f/1.8 und einem 1/2.6″-Sensor (von Sony?) verbaut. Im direkten Vergleich mit dem G3 (1/3″-Sensor) besitzt das G4 nicht nur die größere Blende sondern auch den größeren Sensor, sodass das Licht auch tatsächlich beim Sensor ankommt. Neben diesen Verbesserungen hat LG dem G4 neben dem üblichen Infrarotspektrum-Sensor auch einen Sensor für den RGB-Farbraum und den mit dem G3 eingeführten Laserfokus spendiert. Laut LG lassen sich durch die Kombination all dieser Hardware-Elemente Fotos schießen, die am genauesten das abbilden, was auch das menschliche Auge sieht. Also weder zu flaue noch zu bunte Fotos. Soweit die Theorie.

In der Praxis muss sich das G4 bei Schnappschüssen dem Galaxy S6 klar geschlagen geben. Die Samsung-Kamera machte gestern in den Abendstunden bei bewölktem Himmel ohne jegliche Einstellung klar die besseren Fotos. Es sind mehr Details zu sehen, die Fotos entsprechen bei Samsung eher dem, was das Auge sieht, und tendenziell waren die Bilder der LG-Kamera eher zu dunkel. Von schlechten Eltern ist die Kamera aber deshalb noch lange nicht. Hier muss LG einfach noch kräftig an der Software für den Automatikmodus schrauben, denn rein hardwaretechnisch besitzt auch das iPhone 6S die schlechtere Kamera als das Samsung Galaxy S6, dennoch kommen die Fotos des iPhone 6S Plus der Qualität der Samsung-Kamera schon sehr nahe.

Das Samsung Galaxy S6 (rechts) macht im Automatikmodus klar die besseren Fotos.
Das Samsung Galaxy S6 (rechts) macht im Automatikmodus klar die besseren Fotos.
Ein Ausschnitt aus dem obigen Fotos zeigt, wie viel mehr Detailtreue im Foto des Galaxy S6 steckt (rechts).
Ein Ausschnitt aus dem obigen Fotos zeigt, wie viel mehr Detailtreue im Foto des Galaxy S6 steckt (rechts).

Besser als das Samsung Galaxy S6 schneidet die Kamera des LG G4 bei Fotos in der Nacht und bei Makroaufnahmen ab. Bei Makros kommst du mit dem G4 noch etwas näher ans Motiv ran als bei der Samsung-Kamera. Bei Nachtaufnahmen kommt der Vorteil der größeren Blende voll zum Zug. Aber auch hier muss ich klarstellen, dass das nur beim manuellen Modus zutrifft. Mit den Automatikeinstellungen macht das Galaxy S6 auch bei schlechten Lichtverhältnissen die besseren Fotos, manuell ist das LG G4 aber in der Nacht unschlagbar! Besondere Erwähnung verdient denn auch die Kamera-App des LG G4. Der manuelle Modus ist so gut gelungen, dass Hobby- und Profi-Fotografen voll auf ihre Kosten kommen.

Fotografieren wie ein Profi. Dank OIS entstand diese Nachtaufnahme mit zwei Sekunden Belichtungszeit, ohne dazu ein Stativ zu benutzen.
Fotografieren wie ein Profi. Dank OIS entstand diese Nachtaufnahme mit zwei Sekunden Belichtungszeit, ohne dazu ein Stativ zu benutzen.

Mit der tollen Kamera-App des LG G4 entscheidest du als Fotograf, ob ein Foto gut wird oder nur durchschnittlich!

Auch diese Aufnahme entstand freihand mit einer Belichtungszeit von einer Sekunde. Der optische Bildstabilisator und die große Blende machen solche Fotos erst möglich.
Auch diese Aufnahme entstand freihand mit einer Belichtungszeit von einer Sekunde. Der optische Bildstabilisator und die große Blende machen solche Fotos erst möglich.

Jede Einstellung ist auf dem Display sichtbar, sodass du sofort bemerkst, was eine Einstellung bewirkt und nicht erst beim Betrachten einer Aufnahme. In Kombination mit dem Makromodus oder dem Fokusmodus lassen sich Fotos im Stil von Profi-DSLR-Aufnahmen erstellen. Die Bildqualität ist natürlich bei einer Spiegelreflexkamera deutlich besser, aber das geplante, bewusste Fotografieren macht mit dem LG G4 wirklich Spaß.

Mit den manuellen Einstellungen der LG G4 Kamera-App macht das Fotografieren richtig Spaß!
Mit den manuellen Einstellungen der LG G4 Kamera-App macht das Fotografieren richtig Spaß!

Zudem lassen sich die Fotos auch direkt im RAW-Format speichern, sodass du sie später mit Lightroom oder RAW-Therapee am heimischen Rechner noch nachbearbeiten und verbessern kannst.

Und sonst so?

Erste Benchmarks zeigen, dass sich der im G4 verbaute Snapdragon 808 nicht vor der Konkurrenz zu verstecken braucht. Mit knapp 50.000 Zählern bei AnTuTu und etwas mehr als 4000 Punkten beim HTML-5-Test von Vellamo spielt das G4 in jedem Fall in der Oberliga mit. Auch die Soundqualität über Kopfhörer (mangels Original-Headset benutzte ich für die Tests wie bei allen anderen Testgeräten das mc2 von Etymotic) lässt sich hören. Der verbaute Lautsprecher klingt gut, bleibt aber ein typischer Handy-Lautsprecher. Immerhin: durch die gebogene Bauweise des G4 tönt dieser auch dann, wenn das G4 mit dem Rücken auf dem Tisch liegt, nicht wie bei anderen Handys mit Lautsprecher auf der Rückseite.

Apropos Rückseite. Das LG G4 ist für Drahtlosladen via Qi vorbereitet, beherrscht es aber nicht von Haus aus. Wie bei den früheren Modellen musst du dazu ein spezielles Case kaufen. Hier hätte LG den nötigen Empfänger zum Preis von 699 Euro wirklich noch dazulegen können…

Vorläufiges Fazit

Ja, das LG G4 ist ein tolles Smartphone. Rein von der Haptik her ist es für mich neben dem Moto X 2014 das beste Android-Smartphone. Es liegt super gut in der Hand und fühlt sich sehr hochwertig an. Hinsichtlich der Kamera reicht es aber nicht für die Smartphone-Krone. Hier hat das SGS6 bei der allgemeinen Nutzung (Knipsen, was das Zeug hält) die Nase vorne. Lediglich beim manuellen Modus und Aufnahmen, die einen gewissen künstlerischen Anspruch stellen, zeigt das LG G4 seine stärken. Mit einem Software-Update lässt sich hier aber bestimmt noch etwas mehr aus der verbauten Hardware herausholen. Wie sich das LG G4 in der Praxis bei der täglichen Nutzung schlägt und wie die Akkulaufzeit im Vergleich mit dem SGS 6 ausfällt, darüber werde ich später in einem ausführlichen Artikel nach ein paar Tagen Nutzung berichten.

Falls du jetzt Lust bekommen hast, das G4 vorzubestellen. Bei Amazon gibt es gratis eine 32-GByte-Speicherkarte dazu, bei o2 bekommst du sogar eine 64-GByte-Karte gratis zum Gerät.

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