Start Android 5.0 Im Test: Nexus 9 von HTC und Google mit Android 5.0

Im Test: Nexus 9 von HTC und Google mit Android 5.0

Lange haben wir gewartet, dass Google einen Nachfolger für das Nexus 10 vorstellt. Nun ist es zwar kein 10-Zoll Gerät geworden, trotzdem darf das Nexus 9 als Nachfolger des 2012 präsentierten Nexus 10 gesehen werden. Nachdem das Tablet an die ersten Blogger ausgeliefert wurde, überschlugen sich News zu Problemen und Defekten. Ob an diesen Berichten etwas dran ist, und ob das Nexus 9 dem Nexus-Namen alle Ehre macht, erfährst du in diesem Testbericht.

Als Hardware-Partner für eine neues Tablet hat Google sich dieses Mal HTC ausgesucht. Für die Taiwanesen ist das Nexus 9 nach dem Nexus One das zweite Nexus-Gerät und das erste Nexus-Tablet. Das Nexus 9 kommt in drei verschiedenen Farben: Weiß, Schwarz und Sandfarben; mit wahlweise 16 oder 32 Gigabyte an internem Speicher, der Nexus-typisch nicht erweiterbar ist (es gibt keinen MicroSD-Slot). Eine LTE-Variante stellt Google ebenso zur Verfügung, allerdings ist man hier momentan auf die Konfiguration Schwarz mit 32 GByte Speicher festgelegt.

Design und Verarbeitung

Das allgemeine Design des Nexus 9 wird gerne mit dem des Nexus 5 verglichen. In gewisser Weise auch zurecht, denn die Rückseite besitzt den gleichen matten Soft-Touch, wie beim Nexus 5. Diese zieht in der schwarzen Version wohl Fingerabdrücke an, bei unserem weißen Testmodell stellt sich das glücklicherweise als nicht zutreffend heraus. HTC als Produzent lässt sich beim Nexus 9 doch erkennen, denn im Vergleich zum Nexus 5 sind hier die Seiten mit einem Metall-Rahmen versehen. Dieser verleiht nicht nur Stabilität sondern auch einen edlen Touch. Stabilität ist auch auf jeden Fall nötig, denn robust fühlt sich die Rückseite eher weniger an. Die matte Plastik-Fläche lässt sich recht leicht eindrücken. Das ist zwar funktionell kein Problem, aber gehört sich nicht.

Auch der Druckpunkt der Buttons auf der rechten Seite könnte deutlich besser sein. Zwar bestehen die Tasten selbst aus dem gleichen gebürsteten Metall wie auch die Seitenkante, man muss sie allerdings ziemlich fest drücken, um haptisches Feedback zu erhalten. Grundsätzlich sagt uns das von den Nexus-Geräten gewohnte sehr schlichte und minimalistische Design des neuen Google Tablets zu. Der Nexus-Schriftzug ziert die Rückseite, ansonsten gibt es keine weiteren großen Design-Elemente. An der unteren Seite hat wie gewohnt der Micro-USB Port Platz gefunden, an der oberen der 3,5mm-Klinkenstecker. Wer den Look der Nexus-Reihe mag, wird auch mit dem Nexus 9 zufrieden sein. Denn viel geändert hat sich hier nicht, wenn auch die Verarbeitung beim Nexus 9 auf jeden Fall besser sein könnte.

Performance

Angetrieben wird Googles Tablet von einem der ersten 64-Bit Prozessor, dem NVIDIA Tegra K1 mit einer Taktrate von 2,3 GHz. Unterstützt wird der Prozessor von 2 GByte Arbeitsspeicher und einer 192-Core starken Kepler-GPU von Nvidia. Diese Zusammenstellung in Verbindung mit dem neusten Android 5.0 sorgt für ein absolut flüssiges Bedienerlebnis. Das Nexus 9 ist das aktuell erste Android-Gerät mit 64-Bit-System. Java-Anwendungen werden dank ART bei der Installation automatisch auf das 64-Bit-Android optimiert.

Animationen laufen ohne kleinste Ruckler und auch das Wechseln zwischen den geöffneten Anwendungen geht smooth von der Hand. Im Allgemeinen ist für die Performance und das Bedienerlebnis sicherlich Lollipop mitverantwortlich. Die gute Performance bescheinigen auch verschiedene Benchmarks noch mal in Zahlen, was bei der Benutzung schon heraussticht, denn das neue Nexus 9 hat auch mit intensiveren Aufgaben kein Problem und meistert diese. Aktuelle Spiele wie Asphalt 8 oder Dead Trigger 2 laufen flüssig und mit toller Grafik, dem Spiel- und Multimedia-Erlebnis steht auf jeden Fall nichts im Wege. Einzige im Bereich der Kamera auf der Rückseite macht sich das Gerät bei stärkerer Beanspruchung bemerkbar: In diesem Bereich wird es recht warm.

Die Benchmark-Ergebnisse des Nexus 9 beim AnTuTu-Test: Die Tegra-K1-CPU deklassiert die Konkurrenz klar.
Die Benchmark-Ergebnisse des Nexus 9 beim AnTuTu-Test: Die Tegra-K1-CPU ist deutlich schneller als andere Prozessoren.
Die Konkurrenz deklassiert. Beim HTML-5-Test von Vellamo erreicht das Kepler-Gespann des Nexus 9 über 5700 Zähler.
Die Konkurrenz deklassiert. Beim HTML-5-Test von Vellamo erreicht das Kepler-Gespann des Nexus 9 über 5700 Zähler.

Software

Wir haben es schon eben angesprochen: Android 5.0 Lollipop sorgt für ein dermaßen gutes Bedienerlebnis, dass wir es kaum abwarten können, bis auch andere Geräte in den Genuss der neusten Android-Version kommen. Sinnvolle Animationen sorgen ab sofort dafür, dass sich alles extrem flüssig anfühlt. Darüber hinaus bringen die neuen Google-Apps mit Material-Design eine bessere Nutzbarkeit auf Tablets. Viele (Google-)Apps sind nun besser an das große Display angepasst und nutzen den zur Verfügung stehenden Platz optimal. Im HTC Tablet stehen außerdem Funktionen wie Double Tap to Wake und Spracherkennnung mit ,,Okay Google„, auch bei ausgeschaltetem Bildschirm, zur Verfügung. Dieses Features, ursprünglich von LG und Motorola eingeführt, sehen wir jetzt auch freudig in Nexus-Geräten.

Dank der neuen Android-Version rennt das Nexus 9 nur so.
Dank der neuen Android-Version rennt das Nexus 9 nur so.

Am Formfaktor streiten sich die Gemüter: 4:3 oder 16:9? Hier gibt es keine eindeutige Antwort, das 4:3-Format hat aber sehr viele Vorteile, wie wir nach den Tests zugeben müssen. Die meisten Apps lassen sich im Hoch- und Querformat gleichermaßen genießen, bei Tablets im 16:9-Format ist das nicht immer der Fall.

Alle Apps passen sich den neuen Material-Design Richtlinien an. Der neue Google-Kalender macht sich besonders gut.
Alle Apps passen sich den neuen Material-Design Richtlinien an. Der neue Google-Kalender macht sich besonders gut.

Display

Das Nexus 9 kommt mit einem 8,9 Zoll Gorilla Glas 3 Display und nicht, wie wegen des Namen zu vermuten, mit vollen 9 Zoll in der Diagonalen. Es löst mit satten 2048 × 1536 Pixeln auf und kommt somit auf eine Punktdichte von 287 ppi. Das Display ist schön scharf und sorgt für eine äußerst klare Darstellung der Inhalte. An den Blickwinkeln und der Farbtreue des IPS-LED-Panels ist nichts auszusetzen, hier hat HTC alles richtig gemacht.

Wer von Samsung-Geräten mit knalligem Display kommt, wird sich aber an weniger kräftige Farben beim Nexus 9 gewöhnen müssen. Die Farbsättigung ist hier etwas schwächer, jedoch noch vollkommen im Rahmen. Anders, als die meisten (Android-)Tablets besitzt das Display des Nexus 9 nicht, das vom PC-Monitor bekannte, 16:9 Format, sondern ein 4:3 Seitenverhältnis. Beim Abspielen von Videos entstehen daher oben und unten schwarze Ränder. Ansonsten ist das untypische Seitenverhältnis jedoch sehr angenehm, gerade für Webseiten. In den ersten Erfahrungsberichten amerikanischer Blogs und Kunden wurden immer wieder starke Einleuchtungen der Display-Hintergrundbeleuchtung kritisiert. Dem sind wir mit unserem Testgerät nachgegangen und haben ein komplett schwarzes Bild auf dem Nexus 9 angezeigt und das Ergebnis fotografiert. Dabei ist deutlich zu erkennen, dass unser Muster an der oberen rechten Ecke und an der unteren rechten Ecke von den Kanten her Einleuchtungen der Hintergrundbeleuchtung aufweist. Bei der Benutzung des Gerätes fällt diese Verarbeitungsschwäche allerdings überhaupt nicht auf und stört dadurch auch nicht.

Die Ausleuchtung ist nicht perfekt, die Mängel sind aber nur dann zu sehen, wenn es wirklich ganz dunkel ist.
Die Ausleuchtung ist nicht perfekt, die Mängel sind aber nur dann zu sehen, wenn es wirklich ganz dunkel ist.

Dennoch finden wir, dass für ein Tablet in diesem Preisbereich solch eine Schwäche nicht angebracht ist. Inwieweit die Problematik alle Geräte betrifft, oder nur die ersten Chargen, können wir leider nicht sagen. Bis auf die Einleuchtungen kommt im Nexus 9 also ein gutes Display zum Einsatz.

Kamera

Im Nexus 9 verrichtet die 8-Megapixel Hauptkamera ihren Dienst und wird dabei von einem LED-Blitz unterstützt. Die Front-Kamera löst mit 1,6 Megapixeln auf. Auf dem Tablet kommt die altbekannte Google-Kamera App zum Einsatz, die zwar einfach zu bedienen ist, aber auch dementsprechend nicht die Fülle an Optionen hat, wie manch andere Anwendung. Die Bildqualität ist okay, nicht überragend, für ein Tablet aber definitiv in Ordnung. Lediglich die recht lange Auslöseverzögerung empfanden wir als nervig, da gerade durch diese Zeit Verwacklung und Bewegungsunschärfen in den Bildern auftreten.

Von den Möglichkeiten der Tegra-GPU macht das Nexus 9 für Fotos oder Video keinen speziellen Gebrauch.

Die Foto-Qualität ist nicht umwerfend, für ein Tablet aber in Ordnung.
Die Foto-Qualität ist nicht umwerfend, für ein Tablet aber in Ordnung.

Akku

Auf dem Blatt ist im Nexus 9 ein 6700 mAh Akku verbaut, der dank Android 5.0 erstaunlich lange durchhält. Im Stand-By-Modus stellt sich das Gerät als Stromsparer heraus und auch wenn es doch mal eng werden sollte, kann man mit Googles neuem Stromspar-Modus noch viel machen. Bei geringer Nutzung muss man das Nexus 9 nur alle 3 Tage laden, unter normaler Verwendung reicht eine Akkuladung ca. 1-2 Tage. Mit künftigen Updates wird Google hier aber noch mal nachlegen, denn der Fokus bei Android 5.0 liegt ja unter anderem auf einer allgemein verbesserten Akkulaufzeit.

Die Auswertung der Akkulaufzeit ist in Android 5.0 optimiert worden.
Die Auswertung der Akkulaufzeit ist in Android 5.0 optimiert worden.

Sound

HTC ist bei seiner One-Reihe für die überaus guten Boom-Sound-Lautsprecher bekannt, die auf der Vorderseite der Smartphones für einen unverkennbar guten Sound sorgen. Diese Boom Sound Speaker kommen auch beim Nexus 9 zum Einsatz und sorgen für außergewöhnlich guten Sound in einem Tablet. Selbst wenn man die Lautsprecher aus Versehen mit den Händen verdeckt ist der Klang noch ziemlich gut. Das Nexus 9 ist somit die ideale Wahl für Audio-Fans.

Das Nexus 9 verfügt über einen booombastischen Sound.
Das Nexus 9 verfügt über einen booombastischen Sound.

Fazit

Das Nexus 9 ist ein typisches Nexus-Gerät. Hardwaretechnisch top, neuestes Android, die Verarbeitung zeigt aber im Detail kleine Schwächen. Als Nexus-Gerät wird das HTC Nexus 9 ja auch zukünftig von Google bevorzugt behandelt und Updates vor allen anderen Geräten erhalten (soweit aktuell abzusehen). Wir hätten uns in manchen Bereichen allerdings etwas mehr erhofft, zumal das Nexus 9 preislich mit 389 Euro bis 559 Euro nicht gerade zu den günstigsten Tablets gehört. Unterm Strich empfinden wir das Nexus 9 aber als würdiges Nexus-Tablet, das nicht durch die kleinen Mängel sondern als erstes Android-Gerät mit Android 5.0 „Lollipop“ und 64-Bit-Android definitiv Geschichte schreiben wird.

1 Kommentar

  1. Geniales Teil von den angeblichen Schwächen habe ich bis ihr es mir hier mitteiltet nichts wahrgenommen . Da muss man schon ganz schön pingelig sein. Aber ganz ehrlich … In meinen Augen das bis jetzt beste Tablet auf dem Markt. Was mich nur ärgert ist, dass HTC die dazugehörige Tastatur nicht gleich mitliefert !!

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