Start Magazin Formatwahl bei Tablets: 16:9 oder 4:3?

Formatwahl bei Tablets: 16:9 oder 4:3?

Wer sich ein neues Tablet zulegt, steht nicht nur vor der Entscheidung Android, Windows Phone oder iOS, sondern muss sich auch auf einen Formfaktor und ein Format festlegen. Android User zeigt Ihnen, worauf Sie achten sollten.

Vor zwei Jahren war die Sache noch klar: Wenn Android, dann 16:9, wenn Apple, dann 4:3. Gemeint ist damit der Formatfaktor von Tablets. Doch inzwischen ist klar, dass Apple kein Patent auf Tablets im 4:3-Format mit abgerundeten Ecken mehr besitzt, und deshalb gibt es sehr viele Android-Tablets auf dem Markt, die auf den ersten Blick wie ein iPad oder ein iPad mini aussehen. Android User zeigt Ihnen, welches Format für welches Nutzungsszenario am besten geeignet ist.

Auflösung vs. Pixeldichte

Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, warum man auf einem Android-Tablet mit der vergleichsweise bescheidenen Auflösung von 1024 x 768 Pixeln deutlich mehr Inhalte sieht als auf einem Nexus 7 mit 1920 x 1200 Bildpunkten. Das hängt damit zusammen, dass Android die Größe von Elementen automatisch an die Auflösung eines Displays anpasst. Der dazu nötige dpi-Wert wird in der Datei build.prop unter dem Eintrag zur LCD-Density festgelegt. Je höher der Wert, desto größer zeigt Android auch die einzelnen Elemente an [1]. So sorgt das Android-System dafür, dass eine App auf einem Display von 320 x 480 Pixeln praktisch identisch aussieht wie auf einem Full-HD- oder Ultra-HD-Screen. In Wahrheit zeigt das kleine Display eine schlechtere Grafik in vielleicht 64 x 64 Bildpunkten an, während das bessere Gerät das Icon in 512 x 512 Pixeln anzeigt. Die Bilder sehen also nur gleich groß aus, es kommen aber andere Grafiken zum Einsatz.

Dieses Phänomen kann man auf einem klassischen PC-Monitor gut nachstellen: Schalten Sie zum Beispiel bei einem 19-Zoll-Monitor die Auflösung auf 1024 x 768 Pixel herunter, dann werden alle Icons ganz groß. Schrauben Sie hingegen bei einem 17-Zoll-LCD die Auflösung auf 1600 x 1200 Pixel hoch, dann werden die Schaltflächen winzig. Hier funktioniert diese automatische Korrektur (Icon im Verhältnis zur Displaygröße) nicht. Um dennoch von der hohen Auflösung zu profitieren (schärferes Bild) und große Symbole zu sehen, müssen Sie nachträglich die Pixeldichte anpassen. So erhalten Sie beides gleichzeitig: eine hohe Auflösung und brauchbare Icons. Doch das ist nur bei Desktop-Betriebssystemen üblich. Unter Android gibt es – bis auf wenige Ausnahmen – keine solche Möglichkeit, von Haus aus funktioniert das System genau andersherum. Sie müssen Ihr Tablet deshalb rooten und von Hand oder mit einer passenden App den Density-Wert anpassen, wenn Sie kleinere oder größere UI-Elemente möchten als vom System vorgesehen.

4:3 ist besser

Auch wenn man Apple und seine Produkte nicht mag, ist klar, dass das 4:3-Format bei kleinen Tablets (7 bis 8 Zoll) deutlich praktischer ist. Tablets mit diesem Formfaktor zeigen nicht nur mehr Inhalte an, sondern sie lassen sich auch besser mit einer Hand halten, egal ob im Quer- oder Hochformat. Bei den 7-Zoll-Tablets im 16:9-Format muss man hingegen im Querformat das Tablet mit beiden Händen halten. Außer dem Anschauen von Videofilmen gibt es praktisch keinen Einsatzzweck, bei dem das 16:9-Format besser abschneidet. 7-Zoll-Tablets im Breitbildformat zeigen stets weniger Inhalt an, egal ob im Hochformat oder im Querformat. Dies sieht man zum Beispiel an der Gmail-App sehr schön: Hält man das Tablet quer, dann lässt sich zwar auf einem Nexus 7 sehr gut tippen, aber man sieht von der eigentlichen E-Mail fast nichts, weil die Tastatur den halben Screen bedeckt. Auf einem 7-Zoll-Tablet im 4:3-Format bleibt deutlich mehr Platz.

Abbildung 1: Mit einem 7-Zoll-Tablet im 4:3-Format bleibt beim Schreiben von Mails deutlich mehr Platz.
Abbildung 1: Mit einem 7-Zoll-Tablet im 4:3-Format bleibt beim Schreiben von Mails deutlich mehr Platz.

Abbildung 2: Gmail-Editor auf dem Nexus 7 im 16:9-Format. Die Tastatur lässt kaum Platz für den Text.
Abbildung 2: Gmail-Editor auf dem Nexus 7 im 16:9-Format. Die Tastatur lässt kaum Platz für den Text.

Auch im Hochformat eignet sich das 4:3-Tablet besser, da die Tastatur mehr Platz bietet und sich mit beiden Händen tippen lässt.

Ähnlich sieht die Situation bei vielen anderen Apps aus. Der Play Store zeigt auf dem Nexus 7 im Hochformat trotz hoher Auflösung nur drei Reihen von Apps an, auf Tablets im 4:3-Format mit 1024 x 768 Bildpunkten ist im Hochformat eine vierte Iconreihe zu sehen. Auch im Querformat zeigt das um über 600 Pixel schmalere Tablet mehr Content an als das hochauflösende Nexus 7.

Abbildung 3: Im iPad-Format zeigt der Play Store fünf Icons ganz und fünf zur Hälfte an.
Abbildung 3: Im iPad-Format zeigt der Play Store fünf Icons ganz und fünf zur Hälfte an.

Abbildung 4: Das Nexus 7 zeigt trotz Breitformat auch nur fünf Icons in der Breite an, die zweite Reihe ist nicht mehr zu sehen.
Abbildung 4: Das Nexus 7 zeigt trotz Breitformat auch nur fünf Icons in der Breite an, die zweite Reihe ist nicht mehr zu sehen.

Für das 16:9-Format sollten Sie sich deshalb nur dann entscheiden, wenn Sie das Tablet vorrangig als Flimmerkiste benutzen oder gerne im Hochformat E-Books lesen. Beim Surfen, E-Mail schreiben, für Social Networking, Bilder und viele andere Aufgaben ist das 4:3-Format die bessere Wahl.

Und bei 10-Zoll-Tablets?

Der Unterschied fällt bei den kleinen Tablets besonders krass aus. Bei den 10-Zöllern kommt wiederum ein anderer DPI-Wert zum Einsatz, sodass die Symbole im Verhältnis zur verfügbaren Displayfläche etwas kleiner sind. Sie erhalten also beim Schreiben einer E-Mail im Querformat deutlich mehr Platz für den Mailinhalt als auf einem 7-Zoll-Tablet. Zudem bieten sich hier für das Querformat auch alternative Tastaturen an, um noch weniger Platz zu belegen, die aber auf einem 7-Zoll-Tablet zu klein wären.

Auf 10-Zoll-Tablets fällt zudem auch der Unterschied beim Browsen im Querformat weg. Hier zeigen 7-Zoll-Geräte oft die mobile Version einer Webseite an, obwohl man eigentlich von den Pixeln her problemlos die Desktop-Variante genießen könnte. Auf 10-Zoll-Tablets erscheint im Querformat üblicherweise automatisch die Desktop-Version einer Webseite, sodass der Browser kaum Unterschiede zum Desktop-PC anzeigt. Das hängt wie eingangs erwähnt in keiner Weise mit der Auflösung des Screens, sondern mit der eingestellten Density zusammen. Sie sehen also unter Android ohne manuelle Änderung auf einem 10-Zoll-Tablet mit 1280 x 800 Pixeln bei einigen Webseiten eine andere Ansicht als auf einem 7-Zoll-Tablet mit der exakt gleichen Auflösung. Die Abbildungen von der Android-User-Webseite sind zugegeben ein extremes Beispiel, aber durchaus kein Einzelfall.

Abbildung 5: Das alte Transformer-Tablet mit 1280 x 800 Pixeln zeigt Android User so an.
Abbildung 5: Das alte Transformer-Tablet mit 1280 x 800 Pixeln zeigt Android User so an.

Abbildung 6: So sieht die Android-User-Webseite auf dem Nexus 7 mit 1920 x 1200 Pixeln aus.
Abbildung 6: So sieht die Android-User-Webseite auf dem Nexus 7 mit 1920 x 1200 Pixeln aus.

Fazit

Bei den 10-Zoll-Tablets ist es mehr oder weniger egal, ob Sie das 4:3-Format oder das 16:9-Format wählen. Die Tablets über längere Zeit mit einer Hand zu halten, ist hier nicht wirklich möglich, und selbst im Querformat sehen Sie einen genügend großen Bereich des Bildschirms. Hier gilt deshalb nur: Wer viele Filme schaut, sollte das Breitbildformat wählen. Bei den 7-Zoll-Tablets besitzt das 4:3-Format jedoch klare Vorteile gegenüber dem Breitbild. Praktisch alle Apps kommen besser zur Geltung und Sie sehen generell mehr Inhalte auf dem Display, selbst wenn die Auflösung "nur" 1024 x 768 Bildpunkte beträgt. Hier sollten Sie nur dann zu einem Tablet im 16:9-Format greifen, wenn Sie hauptsächlich Filme damit schauen oder wenn das Tablet unbedingt in die Hosentasche/Innentasche eines Sakkos passen muss.


Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here