Start Magazin Im Test: IceFox Thunder – 4-Zoll-Outdoor-Handy mit Android 4.3

Im Test: IceFox Thunder – 4-Zoll-Outdoor-Handy mit Android 4.3

Immer mehr Smartphone-Hersteller bringen Geräte auf den Markt, die mit robusten Eigenschaften wie Wasserfestigkeit und einer gewissen Stoßfestigkeit daherkommen. Das macht Sinn, denn eine gar nicht so kleine Zielgruppe kann mit einem High-End-Smartphone, das beim ersten Herunterfallen in alle Einzelteile zerspringt, nichts anfangen. Ob Sportler, Handwerker oder Bauarbeiter, ein normales Smartphone ist für diese Personen schlicht unpraktisch und nicht alltagstauglich. Das chinesische Startup Icefox hat mit dem Thunder ein recht günstiges Outdoor-Smartphone im Programm, was für uns Anlass zu einem Test ist.

Als perfektes Outdoor-Smartphone preist der Hersteller das Gerät auf Amazon an und verkauft es günstig (Amazon-Preis 159 Euro) direkt aus China. Dafür bekommt man ein solides Einsteiger-Smartphone mit Dual-SIM Funktionalität. Man kann das Handy also mit zwei SIM-Karten gleichzeitig betreiben. Die Ausstattung des Icefox Thunder ist für die Preisklasse normal. WLAN, GPS und HSDPA sind an Bord, auf LTE muss man wie zu erwarten verzichten. Der Empfang ist gut und auch bei der Gesprächsqualität haben wir nichts zu meckern.

Die Einstellungen zur Dual-SIM Funktionalität dürfen selbstverständlich nicht fehlen.
Die Einstellungen zur Dual-SIM Funktionalität dürfen selbstverständlich nicht fehlen.

Design und Verarbeitung

“Wuchtig und massiv“ beschreibt das Äußere des Thunder recht gut. Mit einer Dicke von 1,8 cm und 263 Gramm an Gewicht ist das Icefox Smartphone ein echter Brocken. Dennoch liegt es vergleichsweise gut in der Hand, was unter anderem wohl daran liegt, dass das Display mit 4 Zoll recht klein bemessen ist. Farblich ist das Gerät überwiegend in Schwarz gehalten und besitzt hier und da dunkelgrüne Akzente. Die Verarbeitungsqualität ist erstaunlich gut, nichts knarzt oder wirkt instabil. So wie es bei einem Outdoor-Handy auch sein sollte. Der Druckpunkt, des an der oberen Seite platzierten Power-Buttons, ist gut, um die Lautstärkenwippe an der rechten Seite zu betätigen ist hingegen schon deutlich mehr Kraft notwendig. Verbaut ist überwiegend Kunststoff und Hartgummi. Das trägt zur Stoßfestigkeit bei und ist zudem relativ robust gegenüber Dreck.

Der 3,5mm Klinkenstecker und der Micro-USB Anschluss sind mit Gummikappen vor eindringenden Flüssigkeiten geschützt. Am Anfang sind die Verschlüsse sehr schwer zu öffnen, das legt sich glücklicherweise mit der Zeit. An der oberen Seite des Gerätes gibt es eine Aussparung um einen Anhänger oder ein Seil zu befestigen, für ein Outdoor-Handy auf jeden Fall eine nützliche Erweiterung. Der Akkudeckel ist über Schrauben zu befestigen, ein passender Schraubendreher liegt bei. Allerdings sind die Schrauben aus zu weichem Metall, man sollte daher den Deckel nicht zu oft öffnen und schließen um die Abnutzung gering zu halten.

An der Verarbeitungsqualität gibt es nichts auszusetzen, das Thunder macht einen soliden Eindruck.
An der Verarbeitungsqualität gibt es nichts auszusetzen, das Thunder macht einen soliden Eindruck.

Outdoorfestigkeit

Wir haben es schon beim Design angesprochen: Dem Thunder merkt man an, dass es ein Outdoor-Smartphone sein soll und ist vom Gehäuse her dementsprechend konzipiert. Alle Öffnungen über die Wasser oder andere Flüssigkeiten eindringen könnten sind über Gummikappen verschlossen und auch über die Tasten wird kein Wasser eindringen. Selbst die Rückseite lässt kein Wasser durch, sofern man sie richtig verschlossen hat. Der Wasserfestigkeit steht somit nichts im Wege, was unsere Tests auch bestätigen konnten. Wasser, Staub, Dreck, all dem gegenüber ist das Icefox Thunder bestens gewappnet. Sollte es mal auf einer Tour in den Schlamm fallen, kann man es dank der Wasserresistenz einfach abspülen.

Mit der versprochenen Stoßfestigkeit sieht es unserer Meinung nach etwas anders aus: Dem Gerät nimmt man eigentlich sofort ab, dass es auch einen Fall übersteht — bei genauerem Hinsehen fällt allerdings das Display als Schwachpunkt auf. Die Gorilla-Glass-Scheibe schützt das Display zwar vor Kratzern, ist aber so positioniert und eingelassen, dass der Touchscreen bei einem Sturz auf die obere Kante bzw. oberen Ecken des Gerätes nur schlecht geschützt ist. Wir stellen deshalb die Resistenz des Displays gegenüber Stürzen in Frage. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Gerät bei einem Fall auch mit diesem Bereich aufkommt. Eine spezielle Folie, die Display-Risse verhindern soll wäre hier schon mal eine Verbesserung, eine solche wird von Icefox aber nicht mitgeliefert. Die IP68-Zertifizierung (Staubschutz, Berührungsschutz und Wasserschutz) ist somit erfüllt, mit Stößen wären wir aber vorsichtig.

Wasser kann dem Icefox Thunder tatsächlich nichts anhaben.
Wasser kann dem Icefox Thunder tatsächlich nichts anhaben.

Software und Performance

Icefox setzt beim Thunder auf Android in Version 4.3. Ein Update auf 4.4 oder gar 5.0 wäre wünschenswert, halten wir aber von IceFox selbst für unrealistisch. Das System beinhaltet nur wenige Veränderungen im Vergleich zu Stock-Android, darunter die Dual-SIM Funktionalität und nette Features wie einen Zeitplan für Ein- und Abschaltungen des Smartphones. Ferner setzt Icefox auch bei den Apps auf Googles Angebot und ergänzt dieses um einen Datei-Browser und eine Radio-App. Zusammenfassend also wenig Schnickschnack und alles recht nah an dem Android, wie es auf den Nexus-Geräten läuft. Und das ist auch gut so, denn mit 1 GByte Arbeitsspeicher und dem verbauten Qualcomm Quad-Core Prozessor mit 1,2 GHz Taktfrequenz ist das Thunder kein High-End Gerät. Für alltägliche Aufgaben reicht die Hardware vollkommen aus. Laut unseren Benchmark-Ergebnissen liegt das Thunder in etwa auf dem Level des Moto G 2013, in einigen Bereichen ist die Qualcomm-CPU sogar noch etwas schneller. Hier und da gönnt sich das Thunder aber eine Gedenksekunde und Animation ruckeln auch hin und wieder. Für ein Outdoor-Gerät geht das in Ordnung, Geräte in dieser Preisklasse ohne das Outdoor-Feature haben in diesem Bereich sicherlich einiges mehr auf der Brust. Wer gerne auch ein Spiel auf seinem Smartphone spielt, ist mit dem Thunder aufgrund der Hardware auf weniger rechenintensive Games beschränkt. Spiele wie Angry Birds oder Granny Smith laufen problemlos, bei grafisch aufwendigen Anwendungen à la Dead Trigger oder Asphalt wird es aber schon schwieriger.

Der AnTuTu-Score ist nicht berauschend, in der Praxis reicht die Leistung aber aus.
Der AnTuTu-Score ist nicht berauschend, in der Praxis reicht die Leistung aber aus.

Kleine zusätzliche Apps erweitern den Stock-Android Umfang, wie beispielsweise eine Anwendung über die sich die Schnellwahl konfigurieren lässt.
Kleine zusätzliche Apps erweitern den Stock-Android Umfang, wie beispielsweise eine Anwendung über die sich die Schnellwahl konfigurieren lässt.

Eine Besonderheit des Chinaphones zeigt sich auch hier nach einem Reset auf die Werkseinstellungen. Auf einmal ist das Smartphone gerootet und es finden sich zwei chinesische Apps in der Liste der vorinstallierten Apps, die sich mit Bordmitteln nicht entfernen lassen. Bei einer App handelt es sich um iRoot (ehemals vRoot), also die zum iRoot-Tool zugehörige Superuser App (Root Master) von Shenzen Security (深圳信壹网络有限公司), die zugleich auch als Systembeschleuniger und Taskmanager arbeit. Die zweite App nennt sich Schnellzugriffe für Rufnummern und macht genau das, was der Name sagt (Abbildung 5). Wer den Apps nicht traut (wir konnten bei diesem Test im Unterschied zum IceFox X2 keine unfreiwilligen SMS nach China feststellen), kann diese lediglich via Android-Bordmitteln deaktivieren. Ein Zugriff via ADB ist nicht möglich, da sich die Entwickleroptionen zwar einschalten lassen, aber keine USB-Debugging-Verbindung zustande kommt.

Setzt man das IceFox auf die Werkseinstellungen zurück, ist es bereits gerootet und der Root Meister vorinstalliert.
Setzt man das IceFox auf die Werkseinstellungen zurück, ist es bereits gerootet und der Root Meister vorinstalliert.

Display

Auf dem Blatt hat das Icefox Thunder ein 4 Zoll großes WVGA-Display, welches also eine Auflösung von 480 x 800 Pixeln besitzt. Das ist nicht knackscharf und man kann eindeutig Pixel ausmachen. Für ein 4-Zoll-Smartphone ist das, unserer Ansicht nach, noch in Ordnung. Die Anzeige ist laut Hersteller mit Corning Gorilla Glass geschützt und besitzt, wie mittlerweile eigentlich Standard, Multi-Touch Funktionalität. Allerdings traten bei unseren Tests immer wieder leichte Verzögerungen bei der Eingabe, unter Verwendung von mehr als einem Finger, auf. Im Alltag mag das nicht großartig stören, bei Spielen oder schnellem Tippen auf der Tastatur kann dieser Mangel jedoch durchaus hinderlich sein. Zu Bemängeln sind die großen Schwächen bei den Blickwinkeln: Um ein korrektes Bild zu erhalten, muss man wirklich frontal auf die Anzeige schauen. Und selbst dann sind die Farben und Kontraste sehr schwach, blickt man dann aus einem seitlichen Winkel oder bei Sonneneinstrahlung auf das Display, ist diese nur noch schwer abzulesen. Für ein Gerät in der Einsteiger- bis Mittelklasse ist das definitiv nicht mehr zeitgemäß und die Outdoor-Resistenz als Entschuldigung für so viele Kritikpunkte nicht mehr glaubhaft.

Kamera

Neben dem Display ist die Kamera zählt die Kamera wohl zu den größten Kritikpunkten am Icefox Thunder. Angegeben ist die Hauptkamera mit 8 Megapixeln und die Frontkamera mit 0,3 Megapixeln. Unsere Testbilder lassen jedoch bezweifeln, dass die Kamera wirklich echte 8 Megapixel aufnimmt und nicht im Nachhinein die Bilder hochskaliert werden. Denn die Qualität der vom Thunder aufgenommenen Bilder lässt zu wünschen übrig. Die Fotos wirken sehr verwaschen, zeigen nur wenig Schärfe und rauschen selbst bei guten Lichtbedingungen schnell. Der Autofokus hingegen arbeitet meist flott, was angesichts der schlechten Bildqualität leider nur ein geringer Trost ist. Für tolle Bilder eignet sich das Icefox ohne Zweifel nicht, um vom Berggipfel aus ein Panorama als Erinnerung zu schießen taugt es aber allemal. Zudem ist die Möglichkeit unter Wasser zu filmen interessant, wenn auch hier die Qualität nicht berauschend ist.

Auch hier weist das IceFox Thunder eine Besonderheit auf: Die Kamera-App wirkt auf den ersten Blick wie auf einem Nexus-Gerät (Standard-App von Android), sie weist aber deutlich mehr Einstellungsmöglichkeiten auf. Leider nützt das nicht viel, wenn der Bildsensor wie in diesem Fall nicht viel taugt.

Das moosbewachsene Dach sieht in Echt ganz anders aus als auf dem Display des IceFox Thunder.
Das moosbewachsene Dach sieht in Echt ganz anders aus als auf dem Display des IceFox Thunder.
Ein Testfoto des IceFox Thunder: Bei der Vergrößerung sind sofort Unschärfen zu erkennen und die Farben wirken schon fast unecht.
Ein Testfoto des IceFox Thunder: Bei der Vergrößerung sind sofort Unschärfen zu erkennen und die Farben wirken schon fast unecht.

Akku

Der austauschbare Akku besitzt eine Kapazität 2930mAh. Kombiniert mit den relativ genügsamen Specs sorgt das in der Praxis für hohe Nutzungszeiten. Das kleine Display mit der leistungsschwachen Hardware verbraucht einfach nicht so viel Strom, weshalb die Akkuleistung des Icefox Thunder dementsprechend gut ist. Bei intensiver Benutzung schafft man es trotzdem über den ganzen Tag und unter normaler bis geringer Benutzung sind auch zwei volle Tage machbar. Die Stand-By Zeiten sind hervorragend, sodass man das Smartphone auch auf einen längeren Trip ohne Zwischenladung mitnehmen und immer wieder auf das Gerät zurückgreifen kann.

Fazit

Das Icefox Thunder ist ein vergleichsweise günstiges Outdoor-Smartphone mit zwei großen Schwächen — dem Display und der Kamera. Performancetechnisch darf man hardwarebedingt keine Wunder erwarten, im Alltag ist das System aber durchaus ausreichend und praktikabel, um die alltäglichen Aufgaben zu meistern. Wer nicht viel Wert auf ein scharfes, kontrastreiches, großes Display legt und sein Smartphone auch nicht als Kamera-Ersatz verwenden möchte, findet im Thunder ein solides Outdoor-Gerät, das auch mal dreckig werden darf. Ansonsten empfehlen wir im gleichen Budget-Bereich eher nach einem Moto G 2013 zu schauen, das für praktisch gleiches Geld deutlich mehr zu bieten hat.

IceFox Thunder bei Amazon…