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IFA 2015: Fünf coole Dinge, die die Welt (nicht) braucht

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Auch wenn die IFA offiziell erst morgen zu Ende geht, ist es für uns schon jetzt an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Auch dieses Jahr waren wieder viel interessante Sachen zu sehen, es gibt aber auch einen Trend, der zumindest mir (noch) nicht so richtig behagt.

Eins ist klar. Smartphones und Specs sind out. Die meisten Hersteller haben den Fokus bei der diesjährigen IFA nicht mehr auf Ihre Smartphones und Tablets gesetzt, sondern fahren wieder mehr die klassische Schiene mit TV-Geräten, Kühlschränken und Waschmaschinen. Klar sind die Handys und Tablets dann auch irgendwo auf dem Stand vertreten. Wirklich im Mittelpunkt stehen sie aber nur noch bei wenigen Firmen. Der neue Trend und Star heißt dafür Internet of Things, kurz IoT und/oder Smart Home. Denn wenn niemand mehr ein neues Handy kauft, weil die Technologie nicht mehr so schnelle Fortschritte macht, dann muss eben ein neuer — intelligenter — Kühlschrank her, so könnte man das zumindest überspitzt formulieren. Doch nicht alles was glänzt, ist auch wirklich Gold wert. Hier meine persönlichen Tops und Flops von der Messe:

Wirklich brauchbar 1: HTC Vive

Ich hatte das Glück, bei HTC einen der wenigen Slots für eine rund 20-minütige Demo für HTC Vive zu ergattern. Und ich muss sagen, das hat wirklich Spaß gemacht. Generell bin ich den Virtual-Reality-Brillen gegenüber eher skeptisch eingestellt. Die meisten von ihnen machen vielleicht mal 10 Minuten lang Spaß und dann ist der WOW-Effekt wieder vorbei. Mit der HTC Vive hingegen — und dem entsprechenden Setup, das man ja dafür braucht — macht Virtual Reality wirklich Spaß. So sehr, dass ich bereits nach der ersten Minute vergessen hatte, dass die Auflösung der Brille ja nur 1920 x 1080 Pixel beträgt und man eigentlich die Pixel sehr gut erkennen kann. Aber glaube mir, das stört dich im Gegensatz zu den anderen Lösungen keine Sekunde. Jede der fünf Demos war extrem realistisch und ich muss zugeben, in der letzten Demo hatte ich sogar ein ganz, ganz kleines Bisschen Angst, als der Boden unter mir plötzlich Aufklappte und ich — gefühlt — ein paar Hundert Meter weit in die Tiefe blicken konnte. So muss das sein, denn ohne Kribbeln macht es einfach keinen Spaß. Also vergesst Oculus, Cardboard, Gear VR und Co und schaut euch unbedingt mal die HTC Vive in Echt an. Muss man erlebt haben, wirklich!

Marcel in voller HTC-Vive-Ausrüstung. Sieht etwas strange aus, macht aber jede Menge Spaß!
Marcel in voller HTC-Vive-Ausrüstung. Sieht etwas strange aus, macht aber jede Menge Spaß!

Ob ich so ein Ding zu Hause haben möchte? Ja, wenn ich einen dedizierten Gamer-Raum zur Verfügung hätte, dann bestimmt. Im Wohnzimmer ist mir das Ganze aber zu gefährlich mit den Möbeln und so…

Total überflüssig 1: Smart Home

Als Tech-Blogger Smart Home überflüssig zu finden, ist schon etwas krass, zugegeben. Aber da ich seit mehreren Monaten die LG G Watch R ab und zuz am Handgelenk trage und auch diverse Gadgets wie steuerbare Lechten, Steckdosen und IP-Kameras schon mal getestet habe, bleibe ich bei meinem Statement: Was aktuell unter dem Stichwort „Smart Home“ angeboten wird, macht weder dein Zuhause noch dich smart. Du wirst dich in jedem Fall mehr um die Technik kümmern müssen, als die Technik dir wirklich hilft, denn die vielen Gadgets sind einfach noch nicht smart genug, von der Kompatibilität der Hersteller ganz zu schweigen.

Smarte Sirene von Samsung. Dafür haben Profi-Einbrecher nur ein Lächeln übrig… Bild: Samsung

Klar kannst du deine Wohnung jetzt mit einem Bewegungsmelder von Samsung ausrüsten. Kostet 40 Dollar pro Kästchen, der Hub noch einmal 100 Dollar und eine Sirene auch noch einmal 50 Dollar. Pro Wohnung entstehen also Kosten von mindestens 250 bis 300 Dollar, bei einem Haus dürften es schon gegen die 500 Dollar sein, je nach Räumlichkeiten. Aber was machst du nun, wenn deine Smart-Home-Meldung dir einen Einbrecher aufs Handy schickt? Nach Hause gehen, um nachzuschauen, oder gleich die Polizei anrufen? Oder zuerst noch einen Blick auf die Smart-Home-Webkamera werfen, ob wirklich jemand im Haus ist? Meine Meinung: Alarmanlagen sollte man von Profis bauen lassen und gleich mit der Polizei oder einem Security Service verbinden. Do it yourself spart kaum Kosten und sorgt für mehr Ärger als Freude. Das gilt zum Beispiel auch für den tollen Wassersensor von Samsung. Schlägt dieser Alarm, wenn du gerade im Urlaub bist, dann ist erstens dein Urlaub versaut und zweitens kannst du eh nicht genügend schnell reagieren. Ein Wasserschaden ist ärgerlich, aber der Sensor kann ihn nicht verhindern, du erfährst es nur schneller. Eine Versicherung ist hier in jedem Fall die bessere Lösung. Auch all die smarten Tools wie jetzt geht gleich das Licht an wenn ich nach Hause komme, brauchen eigentlich keine Internetverbindung.

Es gibt spezielle Fälle, wo eine remote Kontrolle praktisch ist: zum Beispiel für Ferienhäuser. Aber dort hat man dann meistens auch keinen permanenten Internetanschluss, was die komplette Smart-Home-Geschichte wiederum überflüssig macht.

Last but not least: wenn du eine SleepSense-Matte brauchst, um besser schlafen zu können, dann bist du krank. Geh zum Arzt oder Psychiater, treibe mehr Sport oder trink ein (1) Gläschen Rotwein vor dem ins Bett gehen. Ich stelle mir gerade vor, wie „cool“ das ist, wenn die Schlafmatte feststellt, dass dir gerade etwas zu heiß ist und deshalb die Klimaanlage hochfährt. Aber woher weiß die Matte, dass ich nicht extra am Schwitzen bin oder vielleicht gerade mächtig Spaß habe unter der Decke und gar nicht gekühlt werden möchte? Smart ist nicht smart genug.

Also lass dich von den diversen Produkten, die ja bereits seit Monaten auf dem Markt sind und den auf emotional gemachten Videos nicht irritieren: Die meisten Smart-Home-Produkte, die aktuell angeboten werden, sind absolut überflüssig und bieten keinen Mehrwert gegenüber bewährten Lösungen, die ohne Internet auskommen.

Wirklich toll 2: Smartes Hörgerät von Resound

Dass smarte Technik wirklich praktisch sein kann, hat auf der IFA der Hörgerätehersteller Resound gezeigt. Die winzigen Apparätchen der Firma lassen sich via Smartphone steuern, sodass der Träger gleich am Handy einstellen kann, welche Geräusche er wie hören möchte. Aktuell müssen Schwerhörige das Hörgerät zum justieren herausnehmen, an kleinsten Bedienelementen herumhantieren und dann wieder einsetzen oder zum Arzt gehen, um die Änderung vorzunehmen. Das Feature Nummer 1 ist aber das direkte Streaming des Tons vom TV oder der HiFi-Anlage aufs Hörgerät. Somit kann der Fernseher für die restlichen Mitglieder der Familie normal laut bleiben, und muss nicht extra für Oma besonders laut sein.

Das ist Technik im Dienst des Menschen, nicht umgekehrt.

Wirklich überflüssig 2: 3D-Fernsehen

Gleich vorweg: wenn ich im Kino die Wahl zwischen der 3D-Version und der 2D-Variante eines Filmes habe, dann wähle ich die gewöhnliche 2D-Version. Warum? Weil mir das Anschauen durch die Brille zu anstrengend ist und selbst bei Klassikern wie Avatar oder dem Lego-Movie keinen wirklichen Mehrwert bietet (beide Filme sind in 2D genau gleich spannend und unterhaltend). Und das gilt umso mehr für den Fernseher zu Hause. Aus 2D-Filmen 3D-Entertainment zu machen, ist noch keinem Hersteller wirklich gelungen, denn zaubern kann nun mal niemand und der Mehrwert ist schlicht nicht da. Also lieber gleich 4K ohne 3D, als jetzt einen 3D-Fernseher zu kaufen.

Die 3D-Experience von LG mit 4K-Bildschirmen war nicht schlecht. Aber nur weil so groß und hochauflösend.
Die 3D-Experience von LG mit 4K-Bildschirmen war nicht schlecht. Aber nur weil so groß und hochauflösend.

ABER: Dass es auch anders geht, hat LG in der Halle 18 gezeigt. Dort gab es eine echt coole 3D-Demo mit hochauflösenden OLED-Bildschirmen. Aber für zu Hause ist das overkill.

Wirklich praktisch 3: Reifendruck-Messset von Steel Mate

Wer mit seinem Auto schon mal einen Plattfuß hatte, will das nicht wieder erleben. Je nach Geschwindigkeit ist das extrem unangenehm und gefährlich. Luxus-Autos haben Sensoren für den Reifendruck verbaut, für alle anderen gibt es das Set von Steel Mate, das wir uns auf der IFA anschauen konnten. Es besteht aus einer Kontrolleinheit, die in den Zigarren-Anzünder gesteckt wird (keine Angst, USB-Ausgang ist vorhanden) und vier Aufsätzen für jedes Ventil. Die Aufsätze kommunizieren dann mit der Zentrale, diese wiederum mit dem Smartphone. Fällt der Druck ab, leuchtet die Zentrale rot statt grün und je nach Einstellung fängt das Handy an zu vibrieren, klingeln oder beides. Wenn du dann auch noch ein Nexus 7 als Bordcomputer benutzt, wie in unserem Artikel beschrieben, dann ist die Zentrale im Auto perfekt!

Smarter Helfer. Das Reifendruck-Messset von Steel Mate misst permanent den Druck in den vier Rädern deines Autos.
Smarter Helfer. Das Reifendruck-Messset von Steel Mate misst permanent den Druck in den vier Rädern deines Autos.

Kann man natürlich nicht überall benutzen, den in gewissen Gegenden sind die Dinger wohl schneller abgeschraubt als du sie aufschrauben kannst, aber für jemanden, der sein Auto immer sicher parken kann und viele Kilometer zurücklegt, bestimmt keine schlechte Idee.

Braucht die Welt, oder auch nicht: 3 bis 300

Darüber hinaus wurden auf der IFA natürlich sehr, sehr viele Gadgets gezeigt, die die Welt wirklich nicht braucht, die es aber auch nie in Produktion schaffen werden. Doch genau das macht den Reiz der Messe weiterhin aus: Gadgets zu finden, die einmalig sind, die man so noch nie gesehen hat. Wie zum Beispiel den 3D-Plätzchendrucker. Braucht man aktuell sicher nicht, weil zu langsam und zu teuer, aber wenn sich diese Technologie in ein bis zwei Jahren weiterentwickelt hat, dann wird es beim Bäcker bestimmt ganz coole neue Süßigkeiten im Sortiment geben, die man von Hand so nie herstellen könnte.

Was hältst du vom ganzen „Smart Equipment“? Lass es mich in den Kommentaren wissen!