Start Magazin Erster Eindruck: BQ Aquaris E5 LTE im Kurztest

Erster Eindruck: BQ Aquaris E5 LTE im Kurztest

Wenn man bereits über fünf Jahre lang Smartphones und Tablets testet, dann gelingt es kaum noch einem Hersteller, einen WOW-Effekt zu erzeugen. Nicht so beim Aquaris E5 LTE vom spanischen Hersteller bq. Das KitKat-Smartphone überzeugt auf der ganzen Linie und soll auch noch ein Update auf Android 5.0 bekommen.

Eigentlich braucht es ja nicht viel, um einen Technik-Redakteur ins Schwärmen zu bringen: Es genügt, wenn das Handy keine Schwächen aufweist und dabei auch noch halbwegs gut aussieht. Lässt sich der Hersteller sogar noch zu einem Software-Update auf die nächst größere Android-Version ein, und stimmt der Preis, dann ist das Gerät quasi schon gekauft.

Das Handy ohne Schwächen

Mal ist es die Kamera, die nichts taugt, mal sind es die Lautsprecher, mal die Software, und oft ist auch einfach nur der Preis zu hoch oder der Akku zu schwach. Nicht so beim bq Aquaris E5 LTE, das zur UVP von 229,90 Euro nicht nur 16 GByte internen Speicher, ein wirklich einmaliges HD-Display und 1 GByte RAM bietet, sondern auch mit zwei LTE-fähigen SIM-Slots und einem 2850 mAh großen Akku aufwartet.

Aus Android Power User #05: Dieser Artikel stammt aus Android Power User #05. Android Power User ist das digitale Magazin von Android User und erscheint alle zwei Monate. Die Ausgabe #06 findest du ab 8. April im Google Play Kiosk.

Das Aquaris E5 gibt es in zwei komplett unterschiedlichen Ausführungen. Einmal als FHD-Version mit MediaTek-Prozessor und Full-HD-Display (1920 x 1080), einmal als LTE-Version mit Snapdragon-410-CPU und HD-Display (1280 x 720). Die LTE-Version ist zudem mit 8 oder 16 GByte Flash-Speicher erhältlich, wobei bq die 16-GByte-Variante beim E5 LTE wahlweise mit 1 GByte oder 2 GByte RAM im Programm hat. Die Preise beginnen bei 199,90 Euro für die LTE-Version mit 8 GByte Speicher und enden bei 269,90 Euro für die Full-HD-Variante, wobei es die FHD-Version des Aquaris E5 bei Amazon bereits für 222 Euro im Angebot gibt. Für diesen Artikel testete ich die LTE-Version mit 16 GByte Speicher und 1 GByte RAM, die im bq-Shop 229,90 Euro kostet. Laut bq wird die komplette E-Serie und somit auch das E5 LTE ein Update auf Android 5.0 erhalten. Auf einen genauen Zeitpunkt wollte man sich allerdings noch nicht festlegen.

Der Höhepunkt des E5 LTE ist sein Display. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein AMOLED, wie man auf den ersten Blick meinen könnte, sondern ein gewöhnliches IPS-Display. Allerdings wurde es mit der One-Glass-Solution-Technik hergestellt (OGS-Display), sodass die Farben deutlich kräftiger wirken und die Inhalte wirklich plan zur Oberfläche erscheinen, nicht um ein paar Millimeter versenkt, wie bei einigen Billigsmartphones. Nicht ganz so perfekt wie das Display ist der verbaute Helligkeitssensor, der die Beleuchtung eher etwas zu niedrig hält. Du kannst die Automatik aber auch ausschalten.

Das bq-Smartphone setzt auf Sensortasten unterhalb des Touchscreens, sodass die 5-Zoll komplett für Inhalte frei bleiben. Zu den Hardware-Besonderheiten zählen die drei Einschübe für die zwei Micro-SIM-Karten (rechts) und eine MicroSD-Karte (oben). Auf der Geräteoberseite befindet sich auch der 3,5mm-Eingang für einen Kopfhörer oder ein Headset (nicht im Lieferumfang enthalten!).

Auf der Geräteunterseite befindet sich links das Mikrofon für Gespräche und rechts der Mono-Lautsprecher, dazwischen die Micro-USB-Buchse. Ein zweites Mikrofon hat bq auf der Rückseite neben dem Dual-Blitz angebracht. Das ist eher außergewöhnlich. Es ist wirklich ein Mikrofon, nicht etwa ein Reset-Loch. Darauf weist auch ein Aufkleber hin, der bei der Auslieferung auf der Rückseite klebt.

Das Aquaris E5 LTE verfügt neben WLAN, Bluetooth und GPS auch über ein Gyroskop und einen Kompass. Zudem ist ein FM-Radio verbaut.

Das bq Aqaris E5 LTE verfügt über drei Einschübe. Zwei für die Micro-SIM-Karten (rechts) und einen für die MicroSD-Karte.
Das bq Aqaris E5 LTE verfügt über drei Einschübe. Zwei für die Micro-SIM-Karten (rechts) und einen für die MicroSD-Karte.
Die zwei Gitter auf der Unterseite täuschen: Ein Lautsprecher befindet sich nur hinter dem rechten Gitter.
Die zwei Gitter auf der Unterseite täuschen: Ein Lautsprecher befindet sich nur hinter dem rechten Gitter.

Pures Android 4.4

Man kann zu den Herstelleraufsätzen stehen, wie man will. Fakt ist, dass es einfacher ist, nachträglich eine Software zu tunen als fest in die Firmware integrierte Elemente zu entfernen. So weiß denn auch das Aquaris E5 LTE mit einer schlichten KitKat-Oberfläche im von Google vorgesehen Look&Feel zu gefallen. Ganz ohne Änderungen kommt die ROM aber dennoch nicht aus. So gibt es im Unterschied zum Standard-Android sehr viele Quick-Toggles, um mal schnell den mobilen Hotspot einzuschalten, die Taschenlampe oder das Handy auszuschalten. Aber auch an Schnellschalter für einen Screenshot, ein Video der Android-Oberfläche (Screencast) und für den Datenverbrauch hat der spanische Hersteller gedacht. Individuell anordnen lassen sich die Toggles allerdings nicht, dafür braucht man dann doch eine Custom-ROM.

Über die zahlreichen Schnellschalter sind die wichtigsten Einstellungen nur ein Fingertip entfernt.
Über die zahlreichen Schnellschalter sind die wichtigsten Einstellungen nur ein Fingertip entfernt.
Das Aquaris E5 LTE kommt mit zwei SIM-Karten problemlos klar und ist zudem LTE-fähig.
Das Aquaris E5 LTE kommt mit zwei SIM-Karten problemlos klar und ist zudem LTE-fähig.

Das E5 LTE bietet noch weitere Einstellungsmöglichkeiten, die über die gewöhnlichen von Android 4.4 hinausgehen: So kannst du zum Beispiel die Farbe der LED und das Blinkmuster frei wählen und auf Wunsch für jede einzelne App eine andere Farbe und ein anderes Muster auswählen. Auch eigene Vibrationsmuster lassen sich festlegen. Zudem lässt sich das Handy geplant ein- und ausschalten.

Die mehrfarbige Benachrichtigungsleuchte lässt sich beliebig konfigurieren.
Die mehrfarbige Benachrichtigungsleuchte lässt sich beliebig konfigurieren.

Die vorinstallierten Apps halten sich absolut in Grenzen, sodass vom internen Speicher etwas mehr als 11 GByte für deine Daten verfügbar bleiben. Neben einer spanischen E-Book-Flatrate-App, die sich problemlos deinstallieren lässt und der Dolby-App, hat bq auch den ES Datei Explorer vorinstalliert. Dieser lässt sich nicht deinstallieren, weil er fest ins System verankert ist. Eine Lösung, die bq ziemlich sicher deshalb gewählt hat, um das Problem mit dem beliebigen Speichern unter Android 4.4 auf die MicroSD-Karte zu umgehen (siehe auch unseren Artikel zur „KitKatastrophe“).

Ebenfalls nicht entfernen, nur deaktivieren lassen sich die beiden bq-Symbole. Das eckige führt dich zur Bq-Webseite, das runde bietet eine 12-monatige Rundumsorglos-Versicherung für 29,90 Euro an. Wer sein Handy notorisch fallen lässt, ist damit gut beraten, eventuell gibt es aber auch günstigere Versicherungen. Falls du die Bq-Symbole nicht mehr benötigst, kannst du die Apps einfach deaktivieren. Der Speicherplatz fällt mit weniger als 10 MByte nicht ins Gewicht.

Das kommt uns spanisch vor. Macht aber nichts, weil sich die App problemlos löschen lässt.
Das kommt uns spanisch vor. Macht aber nichts, weil sich die App problemlos löschen lässt.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass es auf der Bq-Webseite die komplette Firmware des Smartphones frei zum Download gibt. Solltest du also irgendetwas daran herumgebastelt haben, dann kannst du quasi jederzeit wieder zur Original-Firmware zurück, wie bei den Nexus-Geräten. Zudem ist laut Hersteller ein Update auf Android 5.0 geplant, sodass die Software auch in einem halben Jahr noch nicht veraltet ist.

Die Benchmark-Ergebnisse des Aquaris E5 LTE fallen eher durchschnittlich aus. Vellamo kam beim HTML-5-Test auf etwas mehr als 1800 Punkte, AnTuTu schaffte 18000 Zähler. Sehr stark zeigt sich das Aquaris E5 LTE hingegen beim Multicore-Benchmark. Hier bringt es die Qualcomm-CPU auf sehr gute 1281 Punkte! Die vorinstallierte Software läuft flüssig und ohne Ruckler. Dank des verbauten 2850 mAh-Akkus kommst du auch bei intensiver Nutzung problemlos über den Tag, bei Wenignutzung liegen zwei bis drei Tage drin.

Die 64-Bit-CPU von Qualcomm sorgt für sehr gute Resultate beim Multicore-Benchmark von Vellamo.
Die 64-Bit-CPU von Qualcomm sorgt für sehr gute Resultate beim Multicore-Benchmark von Vellamo.

Schattenseiten

Für manche Nutzer mag der nicht wechselbare Akku ein Nogo-Kriterium sein. Persönlich habe ich keine Problem damit, da ich selbst bei meinen über drei Jahre alten Smartphones teilweise noch den Original-Akku benutze. Die Kamera des Aquaris E5 LTE lässt sich manchmal etwas viel Zeit, um den Fokus richtig zu erfassen. Meistens klappt es beim ersten Mal, manchmal aber auch nicht. Da das E5 aber bereits einmal ein Software-Update mit Verbesserungen der Kamera-App bekommen hat, liegt hier eventuell das Problem doch beim verbauten Sensor. Die Bildqualität an sich ist gut.

Die Kamera-App hat bereits ein größeres Update hinter sich, es ist aber noch Luft nach oben vorhanden.
Die Kamera-App hat bereits ein größeres Update hinter sich, es ist aber noch Luft nach oben vorhanden.

Samsung-Umsteiger werden mit dem bq-Smartphone sofort zurecht kommen, alle anderen müssen sich erst einmal daran gewöhnen, dass sich die Zurück-Taste rechts befindet und der Menü-Button somit auf der linken Seite zu suchen ist.

Vorsicht ist auch bei den System-Updates angebracht. Diese werden nach dem Download automatisch installiert. Tippe also nicht auf Herunterladen, wenn sich dein Handy nicht gerade neu starten sollte bzw. markiere die Checkbox für den automatischen Download auf keinen Fall, wenn du nicht möchtest, dass dein Handy einfach so neu startet. Hier sollte es unbedingt einen entsprechenden Hinweis geben und dafür haben wir bei der Bewertung auch 0,2 Punkte abgezogen. Bei unserem Testgerät dauerte zudem das Einspielen des ersten Firmware-Updates über fünf Minuten (sic!). Also hier einfach nicht die Geduld verlieren und das Handy sicherheitshalber ans Ladegerät anschließen.

Fazit

Das Aquaris E5 ist zum Preis von 230 Euro der Hammer! Es besitzt ein sehr schönes Display, eine tolle Akkulaufzeit, genügend Speicher, zwei SIM-Slots, eine recht gute Kamera und ein absolut flottes Android-System mit Zukunft. Wir können das Handy — trotz der beschriebenen Kritikpunkte — uneingeschränkt empfehlen!

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