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Erfahrungsbericht: Sind 8 GByte Speicher genug für ein Smartphone?

(c) Motorola Mobility

Das moto g von Motorola bietet zum Preis von 169 Euro inklusive 8 GByte Speicher ein sehr gutes Preisleistungsverhältnis. Die 16-GByte-Version wird 30 Euro mehr kosten und demnächst erhältlich sein. Lohnt es sich, darauf zu warten oder reichen die 8 GByte auch? Hier unser Erfahrungsbericht.

Dieser Bericht beruht auf dem Nexus 4, das vor etwas über einem Jahr auf den Markt kam. Das Nexus 4 kostete damals in der 8-GByte-Version 299 Euro, in der Variante mit 16 GByte Speicher 349 Euro. Beim Kauf der 8-GByte-Variante war zunächst nicht der Preis ausschlaggebend, sondern die 16-GByte-Version war schlicht zu schnell vergriffen. Also entschied ich mich für das kleinere Modell. Natürlich stellte auch ich mir damals die Frage: komme ich damit über die Runden (mein Galaxy Nexus hatte 16 GByte internen Speicher) und was mache ich bloß, wenn der interne Speicher voll ist? Hier mein Erfahrungsbericht nach über einem Jahr, der in erster Linie Käufern eines Moto g bei der Entscheidung helfen soll aber auch weitere praktische Informationen enthält.

Bedenkt man, dass vor wenigen Jahren Handys noch über maximal ein paar Hundert Megabyte Speicher verfügten, dann klingt die Frage, ob 8 GByte genug sind, eigentlich lächerlich. Aber Fotos, Videos, Musik, Offline-Karten, Spiele und zahlreiche Apps bringen zum Teil sehr hohe Anforderungen an den freien Speicher mit, sodass Sie das Thema nicht einfach so ignorieren sollten. Acht Gigabyte ohne Erweiterungsmöglichkeit stellen in jedem Nutzungsfall eine Einschränkung dar, denn früher oder später ist der Speicher voll.

Schnelle Checkliste 

8 GByte Speicher sind genug, wenn Sie

  • praktisch alle Daten in der Cloud speichern
  • kaum Videofilme drehen
  • Google Play Movies nicht offline nutzen
  • selten spielen
  • Google zur Navigation nutzen

8 GByte Speicher sind nicht genug, wenn Sie 

  • oft Videofilme drehen
  • ein Offline-Navi benutzen
  • gerne und oft spielen
  • viele Apps ausprobieren
  • Filme von Google zwischenspeichern möchten
  • Ihre Musiksammlung immer dabei haben

Alle Daten in der Cloud

Beim Kauf des Nexus 4 musste ich mich innerhalb von Sekunden entscheiden, denn der Run auf das Gerät war riesig und wer nicht rechtzeitig auf den Kaufen-Button geklickt hatte, ging erst mal leer aus. Ich habe mir also schnell überlegt: welche Apps nutze ich, welche brauche ich unbedingt und wie viel Speicher belegen diese Apps? Zeit zum Nachschauen blieb mir dabei keine, Sie können jetzt aber ruhig prüfen, wie viele Daten sich auf Ihrem Handy bereits angesammelt haben. Öffnen Sie dazu die Einstellungen und scrollen Sie bis zum Eintrag Speicher. Hier sehen Sie, wie groß der gesamte Speicher Ihres Handy ist, und wie viel davon verfügbar ist. Je nach Hersteller ist der interne Speicher auch getrennt in einen internen Speicher und den Gesamtspeicher. Prüfen Sie auch wie viele Daten sich auf der MicroSD-Karte befinden. Kommen Sie locker auf mehr als 10 GByte, dann ist die 8-GByte-Variante vermutlich nicht die beste Lösung für Sie.





Aktuell sind auf dem Nexus 4 etwas mehr als 3,6 GByte frei, üblicherweise sind es nur 1 GByte.

Ich habe es in den vergangenen 12 Monaten mehrmals geschafft, den Speicher meines Nexus 4 praktisch komplett zu füllen, aber in keinem Fall kam es dabei zu Problemen, da ich auf dem Handy außer Fotos und kurzen Urlaubsvideos keine Daten speichere, die ich unbedingt brauche. So füllte sich zum Beispiel beim Musikhören mit Google Play Music der Cache kurzteitig auf über 2 GByte und da ich parallel dazu auch noch FLAC-Streaming mit WIMP ausprobierte, fielen hier noch einmal fast 2 GByte an Daten in kürzester Zeit an. Ein Blick in die Speicherstatistik zeigte gleich, wo das Problem lag und so löschte ich einfach den Cache von Google Play Music. 

Das Nexus 4 zeigt ab einem bestimmten Füllstand des Speichers bei der Installation von neuen Apps einen Warnhinweis an. Auf meinem Gerät erschien dieser Hinweis wenn weniger als 1 GByte Speicher frei war. Ich wusste dann jeweils, jetzt ist  Zeit zum Aufräumen. Da ich praktisch alle Daten in der Cloud speichere und auch meine Fotos über Google+ automatisch sichere, gehe ich da jeweils radikal vor und setze das Handy einfach auf die Werkseinstellungen zurück. Es geht jedoch auch freundlicher, indem Sie einfach eine lokale Kopie des internen Speichers erstellen und anschließend über einen Dateimanager oder von Windows/Mac OS/Linux aus alle Ordner im internen Speicher löschen. Das Zurücksetzen hat den Vorteil, dass Sie dabei auch gleich alle Apps loswerden, die Sie vor Unzeiten schon einmal installiert hatten, aber nie wirklich brauchen. 

Regelmäßiges Backup erspart Ärger

Sichern Sie Ihre Fotos, bevor Sie in den Urlaub fahren, und nutzen Sie einen Cloud-Dienst wie Google+, Flickr oder Dropbox. Das erspart Ihnen nicht nur dann Ärger, wenn der interne Speicher volläuft sondern auch dann, wenn Sie das Handy verlieren oder wenn es gestohlen wird. So haben Sie wenigstens noch alle Bilder und Videos. Sie benötigen für das Backup keine spezielle Software, es genügt, die entsprechenden Dateien mit einem Dateimanager auf den PC zu kopieren. Fotografieren Sie gerne und oft, dann fallen bei einem größeren Urlaub schon mal 1-2 GByte an Daten an (inklusive ein paar kleine Videos). Möchten Sie hingegen längere Videofilme drehen, dann ist der Speicher zu schnell voll.

Die 8 GByte passen auch gut mit dem von Google bereitgestellten Cloud-Speicher zusammen: meine Mailbox beträgt um die 5 GByte, so bleiben 10 GByte für Daten frei. Ich komme also gar nicht erst in die Versuchung, so viele Fotos bei Google zu speichern, sondern ziehe mir regelmäßig die alten Fotos über Google Takeout wieder auf meinen Rechner und lösche dann die Online-Sammlung (wozu auch so viele Bilder immer in der Cloud haben, die Fotos des aktuellen Jahres reichen doch auch).

Ohne Navi, aber mit Karten

Ich benutze üblicherweise keine Navigationsapps, also muss ich auch keine riesigen Karten auf meinem Handy speichern. Um mich im Urlaub trotzdem nicht zu verlaufen, lade ich die Gratiskarten von Maps with Me herunter. Je nach Land fallen hier zwischen 100 und 400 MByte an Daten pro Land an.

Etwas organisieren müssen Sie sich auch, wenn Sie gerne Musik hören. Vor einer längeren Reise habe ich dann jeweils ein paar Alben für den Offline-Genuss heruntergeladen. Bei rund 50 MByte pro Album können Sie also 20 Alben pro Gigabyte speichern.

Platzfresser vermeiden

Natürlich gibt es auch Platzfresser, die einem das Leben schwer machen. Dazu gehören vor allem große (und in vielen Fällen tatsächlich auch großartige) Spiele. Für grafisch anspruchsvolle Spiele ist auf einem 8-GByte-Handy kein Platz, da diese oft mehr als 1 GByte belegen und somit die üblichen freien 1-2 GByte sofort aufbrauchen. Einen wirklichen Verzicht habe ich dabei allerdings nie verspürt, denn es gibt so viele gute Spiele bei Google Play die mit ein paar MByte Speicher auskommen, wozu also sich auf die großen Brocken konzentrieren.

Als Einbahnstraße haben sich auch Filme bei Google Play Movies entpuppt. Diese benötigen zwar in schlechter Qualität nicht mal ein Gigabyte, sind dann aber auch wirklich fast nicht genießbar. Das halbwegs brauchbare HD-Format benötigt je nach Film zwischen 1-2 GByte, wenn Sie den Blockbuster online anschauen möchten.

Vermeiden Sie es in jedem Fall, das Handy bis zum Gehtnichtmehr zu füllen, egal ob mit Filmen, Spielen, Musik oder Offline-Karten. Wenn der Speicher zu mehr als 90 Prozent voll ist, wird das Dateisystem und somit auch Android spürbar langsamer.

 

Fazit

Ob 8 GByte Speicher reichen, hängt im wesentlichen von zwei Faktoren ab: wie viele Cloud-Dienste Sie bereit sind zu nutzen und ob Sie bereit sind, Ihr Handy immer wieder mal von den unnötigen Dateien zu befreien. Ich bin froh, die 8-GByte-Version gekauft zu haben, denn so trage ich eigentlich nie unnötigen Ballast auf meinem Handy mit mir herum. Würde mein Nexus 4 morgen kaputtgehen, könnte ich problemlos auf ein anderes Handy umsteigen, ohne irgendwelche Daten verloren zu haben. Ob Sie Ihre Daten lieber online oder offline speichern, ist dabei eine reine Frage der Bequemheit: bei Cloud-Diensten müssen Sie sich nicht wirklich um Backups kümmern, ohne Cloud-Dienste hingegen schon. 

30 Euro Preisunterschied für die 16-GByte-Version sind nicht die Welt, aber für die Differenz können Sie sich zum Beispiel ein Case oder eine bunte Rückabdeckung kaufen. Die Entscheidung für die 8-GByte-Version fällt beim Moto g (Amazon-Link) noch einfacher als beim Nexus 4, denn Sie erhalten nicht nur die üblichen 15 GByte Online-Speicher von Google sondern für die ersten zwei Jahre sogar 50 GByte. 

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