Start Aktuell Epson Moverio BT200: Die Augmented-Reality-Brille von Epson im ersten Test

Epson Moverio BT200: Die Augmented-Reality-Brille von Epson im ersten Test

Epson hat gestern in München im Rahmen eines kleinen Presseevents seine virtuelle und smarte Brille Moverio BT200 vorgestellt. Die Hardware stammt komplett von Epson, die Software basiert auf Android 4.0 und hat durchaus Potential. Hier unsere frischen Eindrücke von der Datenbrille.

Smarte Brillen sind neben den Smart Watches klar das aktuelle Lieblingsspielzeug von Tech-Entwicklern. Auch wenn Epson hierzulande eher mit Druckern, Scannern und vielleicht noch Projektoren in Verbindung gebracht wird, haben die Japaner eine lange Tradition an smarten Gadgets. So stammte zum Beispiel die erste echte PC-Uhr im Jahr 1985 ebenfalls von Epson/Seiko (Epson RC-20).

Die heute gezeigte Augmented-Reality-Brille Moverio BT200 reiht sich nahtlos in diese Tradition ein und ist der Nachfolger des Prototypen BT100. Gegenüber dem Vorgänger BT100 konnte man das Gewicht und die Größe deutlich reduzieren. Dennoch bleibt die Moverio BT200 mit 88 Gramm kein Leichtgewicht, und die Brille gewinnt auch in der aktuellen Form keinen Designpreis. 

Im Unterschied zu Google Glass fällt sofort auf, dass die Brille selbst kein Android-System enthält. Das Android-Herz sitzt in einem kleinen Kästchen, das via Kabel mit der BT200 verbunden ist und das zudem auch die separaten Kopfhörer und das Mikrofon für die Datenbrille bereitstellt. Dafür bietet die Epson-Brille deutlich mehr Funktionalität: Dank zwei auf die Brillengläser projezierten qHD-Screens (540 x 960) können Sie Apps und Spiele in 3D genießen. Zudem verfügt die Epson-Brille über eine Akkulaufzeit von 6 Stunden. Die Google-Brille ist hingegen nach spätestens 60 Minuten Dauernutzung leer. Last but not least hat Epson nicht nur in der Brille ein Gyroskop und einen Kompass eingebaut, sondern auch im Controller.

Epson zeigte auf dem Event ein paar Spiele und AR-Apps, die durchaus Spaß machen und sich auch für sinnvolle Aufgaben nutzen lassen (zum Beispiel auf Montage). Allerdings erfolgte die Steuerung bei den gezeigten Geräten stets über das angehängte Kästchen. Bis Ende März will Epson unter epson.de/moverio ein SDK für Entwickler bereitstellen. In den Handel soll die Brille im Mai zum UVP von 699 Euro kommen.

Der Monteur (links) sieht über die Moverio-Brille, was an der Kühlanlage (rechts) zu reparieren ist. Aktuell braucht man für diese App von Metaio noch das Steuerungsgerät, später soll die Steuerung via Sprache erfolgen.
Der Monteur (links) sieht über die Moverio-Brille, was an der Kühlanlage (rechts) zu reparieren ist. Aktuell braucht man für diese App von Metaio noch das Steuerungsgerät, später soll die Steuerung via Sprache erfolgen.

Android User meint…

Computergestützte Realitätserweiterung nennt Epson das, was man mit der Moverio BT200 erlebt. Im Unterschied zu Google Glass beamt die Epson-Brille das virtuelle Bild vor beide Augen. Dadurch sind zwar tolle 3D-Effekte möglich, aber es fällt auch deutlich schwerer, durch die Brille hindurchzuschauen und sich auf das reale Bild zu konzentrieren. Das virtuelle nimmt Überhand, wenn es zu dunkel ist. Bei zu hellem Licht (Tageslicht), ist das "Display" hingegen zu wenig hell. Schaltet man die Displayhelligkeit herunter, dann fällt es zwar leichter, richtig durch die Brille zu schauen, dann fällt jedoch auch das Erlebnis weg. Die Moverio BT200 ist also in der aktuellen Form keine Konkurrenz zu Google Glass, weil man die beiden nicht miteinander vergleichen kann. Ein perfektes Einsatzszenario wäre zum Beispiel ein virtueller Guide in einem Museum. Hier können Sie mit der Epson-Brille deutlich bessere Resultate erreichen als mit Google Glass — allein schon deshalb, weil der Akku 6 Stunden durchhält. Die Moverio ist also ein waschechtes AR-Werkzeug und am ehesten mit der Oculus Rift zu vergleichen. Im Unterschied dazu müssen Sie Ihr Umfeld aber nicht komplett ausblenden.

Blick durch die Brille. Die integrierte Kamera hat das schwarzweiße Motiv erkannt und zeigt ein farbiges 3D-Modell davon an. Das Bild wird von rechts auf das Glas projeziert.
Blick durch die Brille. Die integrierte Kamera hat das schwarzweiße Motiv erkannt und zeigt ein farbiges 3D-Modell davon an. Das Bild wird von rechts auf das Glas projeziert.

Schlecht gelöst hat Epson die Gewichtsverteilung. Die Brille ist zwar recht leicht, aber der Schwerpunkt liegt ganz vorne. Dieses Problem hat Google sehr clever gelöst, und auch hinter den Ohren schwere Teile eingebaut, sodass die Balance stimmt. Bei der Epson-Brille ist die Form den zwei Miniprojektoren geschuldet, die rechts und links eingebaut sind und direkt auf die Brillengläser beamen. Bei Google kommt ein Prisma zum Einsatz. So kann sich der Projektor weiter hinten befinden. Das Bild wird ums Eck gelenkt, nicht direkt gebeamt.

Ein mögliches Anwendungsszenario sind Spiele. Sich in einer virtuellen Welt zu bewegen, hat durchaus seinen Reiz.
Ein mögliches Anwendungsszenario sind Spiele. Sich in einer virtuellen Welt zu bewegen, hat durchaus seinen Reiz.

Der Preis von 699 Euro ist für ein 3D-Spielzeug schon recht massiv. Schafft es Epson jedoch, ein paar coole Apps für die Brille zu programmieren, dann hat das Projekt durchaus Potential. Im Sommer wollen die Japaner zudem auch zwei Smart Watches und Sports Tracker auf den Markt bringen.

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