16. September 2021
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CES 2013: Das Ubuntu-Phone in den Händen eines Android-Redakteurs

Canonical ist mit seinem Ubuntu-Linux eine der erfolgreichsten Linux-Distributionen für den Enduser auf dem Desktop oder Notebook. Dank seiner engen Release-Zyklen bietet das Unternehmen eine stets aktuelle Distribution und gilt als einfach zu installieren und konfigurieren. Nun möchte das Unternehmen mit "Ubuntu on Smartphones" auch auf das Handy, Android User hat sich das Ubuntu-Phone auf der CES 2013 in Las Vegas genauer angesehen.

Canonical demonstriert ?Ubuntu on Smartphones? auf handelsüblichen Samsung-Galaxy-Nexus-Handys mit einem 1 GHz Dual-Core-Prozessor. Diese Geräteklasse mit einem Cortex A9 und mehr als 512 MByte RAM nennt Canonical als untere Grenze der Hardware-Ausstattung. Smartphones mit Quad-Core-CPUs und mehr als einem GByte RAM haben genug Power, um Ubuntu auch auf einem großen Display laufen zu lassen.

In der Präsentation zeigt sich aber auch das Nexus mit dem Ubuntu-System ein wenig überfordert: Von den sonst unter Android flüssigen Animationen und Übergängen ist auf dem Ubuntu-Nexus nicht viel zu sehen. Mika Meskanen vom Design-Team Canonicals begründet diese träge Verhalten mit dem nicht mehr aktuellen Code-Stand der Software, aktuelle Builds würden deutlich flüssiger laufen, hätten es aber nicht mehr durch die Qualitätskontrolle vor der Messe geschafft.

Der Lockscreen ist kein "richtiger" Lockscreen, die Appübersicht kann man jederzeit Öffnen.
Der Lockscreen ist kein "richtiger" Lockscreen, die Appübersicht kann man jederzeit Öffnen.

Die Benutzung des Systems erinnert stark an die von Canonical in Eigenregie entwickelte Desktopumgebung Unity auf einem herkömmlichen Desktop-PC. Dies ist allerdings auch nicht weiter verwunderlich, da Ubuntu auf die selbe Code-Basis zurückgreift. Auch unter der Haube ist ?Ubuntu on Smartphones? dem Android-System näher als man denkt, da beide Systeme den selben Kernel verwenden.

Nach dem Start des Smartphones zeigt es zunächst den "Welcome Screen" genannten Bildschirm. Es kennt keinen Lockscreen wie Android oder iOS, sondern wird über Wischgesten von jeder Bildschirmkante aus entsperrt. Je nach Kante öffnet der User eine Sidebar mit den wichtigsten Apps, die Einstellungen oder wechselt zwischen laufenden Anwendungen.

Auf der linken Seite sieht platziert Ubuntu die Launcher genannte Seitenleiste. Häufig genutzte Apps legen Sie hier zum schnellen Start ab, zudem erscheinen die gerade laufenden Anwendung hier als Icon. Die Seitenleiste aktivieren Sie mit einem Wisch vom Bildschirmrand. Zwischen den laufenden Apps wechseln Sie einfach durch Wischen nach links bzw. rechts hin und her.

Ein Wisch von unterhalb des Displays nach oben blendet im ansonsten Buttone-freien Display die Menüleiste ein. Im Gegensatz zum Android-System kommt ?Ubuntu on Smartphones? daher ohne virtuelle Buttons aus, und bietet daher noch mehr Platz auf dem Display für das Inhalte.

Aus der Sidebar heraus startet man wie auf dem Ubuntu-Desktop Apps.
Aus der Sidebar heraus startet man wie auf dem Ubuntu-Desktop Apps.

Die vom Desktop bekannten so genannten  Linsen auf den Homescreens kommen auch hier zum Einsatz. Unity führt hier verschiedene Informationen zusammen, die es damit übersichtlich darstellt. Es gibt Linsen für die installierten Apps, für Bilder oder Videos und für die Kontakte des Handys.  

Das Dashboard übernimmt die Aufgabe des Android-Homescreens.
Das Dashboard übernimmt die Aufgabe des Android-Homescreens.

Die Linsen zeigen die Kontakte  des Handys oder auchdie lokal vorhandenen Mediendateien an, führen aber auch über eine Suche zu Musik, Büchern oder Videos, die  verschiedene Online-Anbieter zum Kauf bereitstellen. In der App-Übersicht findet man alle installierten Apps, aber auch welche die sich aus dem Ubuntu-Software-Center heraus installiert lassen. Das Center arbeitet ähnlich wie der Google Play Store, Apps werden kurz vorgestellt und können von der User-Community benotet werden, ein paar Klicks später landet eine zur Installation vorgemerkte App dann auf dem Gerät.

Auf einem Desktop-Ubuntu kennt man die Ansicht als Dash und Linsen.
Auf einem Desktop-Ubuntu kennt man die Ansicht als Dash und Linsen.

Die App-Welt auf dem Ubuntu-Handy-System ist entsprechend des noch sehr jungen Alters des Systems entsprechend klein. Aktuell ist die einzige native App (also extra für das System entwickelt)  die von Canonical vorinstallierte Galerie, sie soll als Demo zeigen was Ubuntu-Handy-Apps alles leisten können.

Ergänzt wird die Anwendungs-Auswahl durch HTML5-Web-Apps, die wie eine normale App auf dem Handy laufen. Twitter, Facebook oder Gmail stehen damit auch jetzt schon zum Einsatz bereit. Die Web-Apps integriert Ubuntu wie eine native Anwendung im System, sie bekommen ein Icon im Anwendungsmenü und haben Zugriff auf System-Routinen wie die Benachrichtigungen bei Events.

Damit externe Entwickler sich beteiligen können, bietet der Hersteller ein Ubuntu QML Toolkit an, mit dem diese native Apps erstellen können Interessierte Entwickler mit Kenntnissen in QML und Qt haben einen Startvorteil.

Die Galerie-App ist aktuell die einzig richtige native App auf dem Ubuntu-Phone.
Die Galerie-App ist aktuell die einzig richtige native App auf dem Ubuntu-Phone.

Mit seinen neusten Entwicklungen möchte Canonical nicht nur das Smartphone erobern, sondern auf sämtlichen digitalen Geräten präsent sein. ?Ubuntu on Smartphones? wird sich auch auf Tablets nutzen lassen. Unity läuft als Ubuntu-TV auch auf Fernsehern, die Sie nur mit der Fernbedienung steuern. Und Laptops bzw. Desktop-PC sind sowieso die Domäne von Ubuntu. Es ist allerdings das Handy, das Canonical in den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellt.

Moderne Smartphones wir das Samsung Galaxy S III haben mit ihren Vier-Kern-CPUs ausreichend Rechenpower, um auch ein großes Display ansteuern zu können. Das Ubuntu-Phone lässt sich daher via HDMI mit einem Bildschirm verbinden, auf diesem dann die vom PC bekannte Uninty-Oberfläche erscheint. Auf dem Handy selbst muss dabei nicht zwingend die Ubuntu-Instanz laufen, wie auf dem Bild zu sehen kann dies auch unter Android geschehen.

Das Android-Ubuntu-Handy ist per HDMI mit dem Monitor verbunden.
Das Android-Ubuntu-Handy ist per HDMI mit dem Monitor verbunden.

Bis Canonical Ubuntu on Smartphones endgültig starten kann, gilt es noch einige Hürden, beispielsweise  die fehlende App-Auswahl zu nehmen. Nach eigenen Angaben arbeitet Canonical jedoch mit Partnern — auch aus der Spielebranche — zusammen, um in Zukunft mehr native Anwendung anbieten zu können, das frei verfügbare SDK wird zudem Entwickler aus der Open-Source-Szene interessieren.

Fraglich ist auch, ob Canonical gut daran tut, extrem auf Gesten zu setzen. Sie schaffen zwar Platz auf dem Touchscreen, da Bedienelemente überflüssig werden, allerdings lassen sich Gesten nicht so einfach entdecken. Zuvor gilt es, diese zu lernen um das Gerät flüssig zu bedienen, was der erfolgreichen Bedienphilosophie der Android- und iOS-Systeme widerspricht.

Bildquelle: Christoph Langner

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