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Android 5.1 Lollipop: Wie Google uralte Features als neu verkauft

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Google hat gestern Abend etwas überraschend Android 5.1 offiziell angekündigt. Überraschend deshalb, weil Geräte mit Android 5.1 in Indonesien bereits über drei Wochen im Umlauf sind. Das Announcement sorgt aber auch aus einem anderen Grund für Erstaunen: Die von Google angepriesenen neuen Features sind eigentlich gar keine Neuerungen.

Dual-SIM-Support, HD-Voice und Device Protection. Diese drei neuen Features hebt Google im offiziellen Blogposting zur neuesten Lollipo-Version als Updates von Android 5.1 hervor.

Als die Meldung gestern herauskam, haben wir zunächst etwas zugewartet, ob da noch etwas kommt. Doch auch nach den ersten 24 Stunden sieht die Informationslage zu Android 5.1 dünn bis sehr dünn aus. Firmware-Abbilder mit der neuen Lollipop-Version 5.1 gibt es aktuell für das Nexus 5, das Nexus 10 und das Nexus 7 aus 2012 in der WiFi-Version (sic!). Weder das neue Nexus 6 noch das Nexus 9 erhielten bisher das Update. Das ist insofern etwas seltsam, dass Google bei der Ankündigung genau diese zwei Geräte namentlich erwähnt, und zwar für das einzige neue Feature, das diesen Namen auch verdient: Mittels „Device Protection“ lassen sich Android-Geräte so sperren, dass das Handy oder Tablet bei Verlust auch nach dem Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen nur über den Login mit dem Google-Konto wieder benutzbar sind. Doch diese Funktion ist weder beim Nexus 5 mit Android 5.1 noch bei unserem Android One Testgerät Sparkle V mit Android 5.1 vorhanden (ein Nexus 7 aus 2012 haben wir aktuell nicht zur Hand). Zumindest konnten wir nach dem Sperren des Geräts über https://www.google.com/android/devicemanager und einem Werksreset ganz normal auf das Handy zugreifen. Wie/wo die Device Protection wirklich funktioniert, darüber haben wir auch auf den Google-Entwicklerseiten noch keine Informationenn gefunden. Es scheint also ganz so, als ob die Device Protection noch nicht ganz fertig sei und es deshalb auch noch keine Firmware-Abbilder oder OTA-Updates für das Nexus 9 und das Nexus 6 mit Android 5.1 gibt.

Wir haben die Device Protection unter Android 5.1 getestet, aber es gibt noch keinen Schutz nach dem Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen.
Wir haben die Device Protection unter Android 5.1 getestet, aber es gibt noch keinen Schutz nach dem Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen.

Dual-SIM-Support ist eine tolle Sache und fehlte tatsächlich über Jahre lang im freien Quellcode von Android (AOSP). Warum uns Google dieses Feature aber als komplett neu verkaufen möchte, ist uns ebenfalls schleierhaft. Neu ist lediglich, dass man zum Beispiel in den Einstellungen die Farbe der SIM-Karten aus sechs vorgegebenen Farben auswählen kann, aber Android-Geräte mit Dual-SIM Funktionalität, die ihre Software direkt von Google erhalten haben gab es bereits mit den ersten Android-One-Smartphones mit Dual-SIM-Support und Android 4.4 „KitKat“. Hoffen wir mal, dass Google den Quellcode nun auch ins Android Open Source Projekt miteinfließen lässt. Vielleicht wollte Google uns ja das zwischen den Zeilen sagen, dass man nun nicht länger auf den Code von Drittanbietern angewiesen ist.

Schöner, bunter. Aber wirklich neu ist der Dual-SIM-Support in Android nicht.
Schöner, bunter. Aber wirklich neu ist der Dual-SIM-Support in Android nicht.

Ebenfalls nicht wirklich neu ist das HD-Voice-Feature, das für eine besonders gute Sprachqualität sorgen soll. Wideband Audio existiert bereits seit Jahren, Android-seitig wurde die Funktion aber von den Geräteherstellern implementiert, auch wenn Google via Motorola durchaus Erfahrungen mit HD Voice gesammelt hat (Moto G/E/X sind alle HD-Voice-fähig). Es braucht aber für HD Voice auch immer einen Provider, der das Feature unterstützt Wirklich neu an der Meldung dürfte hier mehr der Fakt sein, dass HD Voice in den USA nun auch bei den Providern Verizon und T-Mobile funktioniert. Hier in Europa bieten einige Provider den Dienst bereits seit 2011 an.

Natürlich bekommen auch alle Nexus-Geräte mit Android 5.1 dann die neuen Quick-Settings mit dem Schnellzugriff auf die WLAN-Netzwerke und Bluetooth-Geräte sowie den Kacheln, die sich bei Nichtgebrauch löschen lassen und die weiteren kleinen Goodies, die Android 5.1 ja durchaus auch bereithält.

Update per Zufallsgenerator?

Seit dem Launch von Android 5.0 kommen wir nicht darum herum, die Android-Updates von Google als eine Art „Trial and Error“ zu beachten. Einige Nexus-Geräte haben schnell nach dem Launch bereits 5.0.2 bekommen, andere blieben bei 5.0.1 stehen oder bekamen das Update erst Wochen nach dem Launch. Dann kam 5.1 für die Android-One-Geräte und jetzt müssen Besitzer eines Nexus 6 und Nexus 9 erst mal Schlange stehen. Gut möglich, dass Google intern ein bestimmtes System verfolgt, aber die Kommunikation gegenüber Entwicklern und Nexus-Fans ist alles andere als perfekt und hat in der Vergangenheit eher nachgelassen. Wenn man schon Android 5.1-Geräte lanciert und bei Launch kein Announcement veröffentlicht, dann kann man auf das Announcement auch ganz verzichten oder es so lange aufschieben, bis Android 5.1 für wirklich alle Nexus-Geräte verfügbar ist, die noch unterstützt werden.

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