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Xperia-Play-Hacking Teil 2: Custom-ROMs mit Android 4.0 und 4.1

© Sony Ericsson

Das Xperia Play gehört zu den Handys, die Android einen schlechten Ruf bezüglich Updates beschert haben. Erst sollte ein Android 4.0 kommen, dann hörte man lange nichts, letztendlich wurde das Update abgekündigt. Egal: Wir rooten das Xperia Play und schauen uns nach Custom-ROMs um.

Im ersten Teil dieser Artikelreihe aus Android User 12/2013 haben Sie bereits den Bootloader Ihres Xperia Play entsperrt und die Version 4.0.2.A.0.79 der Original-Firmware als Ausgangsbasis für weitere ROMs installiert. Abschließend haben Sie einen Custom-Kernel eingespielt, der beim Xperia Play gleich ein Recovery mitbringt, über das sich nun Custom-ROMs installieren lassen.

Sind Sie dem ersten Teil bisher nicht gefolgt, sollten Sie dies nachholen [1], bevor Sie mit diesem Beitrag weitermachen. Ohne das passende Original-ROM und ohne einen freigeschalteten Bootloader stehen Sie sonst vor verschlossenen Türen. Der Beitrag steht in vollem Umfang auf der Homepage von Android User zum Lesen bereit.

Für das Xperia Play finden Sie im XDA-Developers-Forum [2] eine große Anzahl an ROMs unterschiedlicher Herkunft. Manche basieren auf der Original-Firmware und damit auf Android "Gingerbread" 2.3.x, andere auf der geleakten Firmware auf Basis von Android "Ice Cream Sandwich" 4.0, und wieder andere setzen auf den ROMs ähnlicher Sony-Handys wie dem Xperia Arc oder dem Neo auf.

In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf zwei ROMs, die sich im Laufe des Tests bewährt haben: Mit ICS Neo2Play installieren Sie ein Android 4.0 auf Ihrem Xperia Play. Dieses setzt auf die Firmware eines baugleichen Geräts auf und ist daher sehr stabil und zuverlässig. Ein wenig experimenteller ist Xperia Z Jelly Bean. Das ROM basiert auf der Firmware des Xperia Arc. Dank Jelly Bean und Project Butter ist es sehr schnell, es hat aber noch seine Ecken und Kanten.

Android 4.0 mit ICS Neo2Play

Sollten Ihnen ein Custom-Kernel, Root-Rechte und Hardware-Tweaks nicht genügen, so führt – wie so oft – kein Weg an einem Custom-ROM vorbei. Beim Xperia Play müssen Sie jedoch generell auf die "großen" ROMs wie CyanogenMod oder AOKP verzichten, das Gerät wird nur von kleinen ROM-Köchen mit alternativer Firmware versorgt.

Passend zu der von uns empfohlenen Ausgangs-Firmware und dem LuPuS-Kernel in der Version V7 möchten wir Ihnen an dieser Stelle zu ICS Neo2Play V2.6 [3] raten. Das auf Android 4.0.4 aufbauende ROM basiert auf der offiziellen Firmware des Sony Ericsson Xperia Neo, das bis auf das Gamepad mit dem Xperia Play praktisch baugleich ist.

Xperia-Play-Recovery

Das Xperia Play in den Recovery-Modus zu booten, ist ein wenig ungewöhnlich. Schalten Sie das Handy im ersten Schritt komplett ab. Drücken Sie nun gleichzeitig auf die An-/Aus-Taste und auf Lautstärke leiser (die Lautstärketaste nach unten drücken). Warten Sie nun einen Moment, bis das Handy kurz vibriert, und lassen Sie dann die An-/Aus-Taste los, die Leisertaste halten Sie jedoch gedrückt. Auf dem Display sollten Sie das Logo des LuPuS-Kernel sehen.

Nun warten Sie eine Weile, bis das Handy zwei Mal kurz vibriert. Nehmen Sie dann den Finger von der Lautstärketaste, und drücken Sie kurz auf die Zurücktaste (ganz links auf dem Handy). Das Xperia Play vibriert noch einmal für einen kurzen Moment und bootet dann in den Recovery-Modus. Alternativ können Sie anstatt auf leiser auch auf lauter drücken. In diesem Fall lädt das System nicht das ClockworkMod-Recovery, sondern das touch-fähige TWRP.

Im ClockworkMod-Recovery navigieren Sie über die Lautstärkewippe in den Dialogen hoch und runter. Per Hometaste aktivieren Sie eine Funktion, über die Zurücktaste gelangen Sie wie gewohnt immer zum letzten Menüpunkt zurück. Um das Handy neu zu starten, wählen Sie aus dem Basismenü den Punkt Reboot System Now aus.

Wie zuvor beim Superuser-Patch, installieren Sie die Firmware wieder am einfachsten direkt von der SD-Speicherkarte. Laden Sie die Firmware-Datei ICS Neo2PlayV2.6.zip herunter, und kopieren Sie sie auf die Speicherkarte. Im Recovery-Modus (siehe Kasten "Xperia-Play-Recovery") wählen Sie Install zip und Choose zip from SD card aus. Diesmal flashen Sie jedoch die Datei "ICS Neo2PlayV2.6.zip".

Abbildung 1: Der LuPuS-Kernel stattet das Xperia Play gleich mit einem Custom-Recovery aus.
Abbildung 1: Der LuPuS-Kernel stattet das Xperia Play gleich mit einem Custom-Recovery aus.

Abbildung 2: Mit Aroma Installer lassen sich Features von ICS Neo2Play an- und abwählen.
Abbildung 2: Mit Aroma Installer lassen sich Features von ICS Neo2Play an- und abwählen.

Neo2Play setzt bei der Installation auf Aroma Installer. Über diesen haben Sie die Möglichkeit, zahlreiche Features des ROMs an- und abzuschalten. Wir empfehlen Ihnen für eine optimale Spiele-Performance, möglichst viel freien Speicher abzuwählen, beziehungsweise bei den "Stock"-Optionen zu bleiben. Auf unserem Testgerät entschieden wir uns für die folgenden Einstellungen:

  • Xperia Z-Launcher
  • Kein Quick-Panel (None)
  • Sonysketch-Fonts
  • Xperia Z-Keyboard
  • Xperia Z-Messages
  • Xperia Z-Bootanimation
  • ROM special (Alles deaktivieren)
  • SEMC addons (Alles deaktivieren)
  • Widgets (Nach Wunsch)
  • Extra data apps (Alles deaktivieren)

Im letzten Dialog des Assistenten haben Sie die Möglichkeit, "ROM specials", "SEMC addons", "Widgets" und "Extra data apps" zu installieren. Geben Sie hier besonders darauf Acht, was Sie alles auswählen. Apps wie Gmail oder YouTube sollten Sie generell nicht über das ROM installieren; die Google-Apps spielen Sie später wie jede andere App über den Play Store ein. Nach einem Neustart erhalten Sie ein Android 4.0 mit zahlreichen Features und dem Look eines Xperia Z.

Abbildung 3: Der Lockscreen von ICS Neo2Play auf dem Sony Ericsson Xperia Play.
Abbildung 3: Der Lockscreen von ICS Neo2Play auf dem Sony Ericsson Xperia Play.

Abbildung 4: Seit Android 4.0 lassen sich Apps in Schubladen zusammenfassen.
Abbildung 4: Seit Android 4.0 lassen sich Apps in Schubladen zusammenfassen.

Abbildung 5: Das Design des App-Drawers erinnert stark an das aktuelle Sony Xperia Z.
Abbildung 5: Das Design des App-Drawers erinnert stark an das aktuelle Sony Xperia Z.

Abbildung 6: Auch der Dialer wurde bei ICS Neo2Play deutlich aufgepeppt.
Abbildung 6: Auch der Dialer wurde bei ICS Neo2Play deutlich aufgepeppt.

Im Betrieb erweist sich ICS Neo2Play als stabiles und alltagstaugliches ROM. Abstürze oder andere Komplikationen konnten wir nicht feststellen, auch das wichtigste Feature des Xperia Play – das Gamepad – arbeitet ganz so, wie es soll. Die Performance des Custom-ROMs liegt deutlich über der des Original-ROMs, besonders bei einer übertakteten CPU hängt Neo2Play das unveränderte Xperia Play deutlich ab. Ein entsprechendes Tool bringt das ROM von Haus aus mit.

Android 4.1 mit Xperia Z Jelly Bean

Alternativ lässt sich zu Neo2Play auch ein Android 4.1 installieren. Das System profitiert in diesem Fall von Googles "Project Butter", das die Android-Oberfläche schmiert. Dies hat deutlich verbesserte Benchmark-Ergebnisse im HTML5-Test von Vellamo zur Folge: Schon beim Standardtakt von einem GHz läuft ein Jelly-Bean-Xperia-Play schneller, als es das auf 1,6 GHz übertaktete Xperia Play je tat.

Xperia Play Benchmarks

Taktrate Vellamo (HTML 5) Vellamo (Metal) Antutu
Original-Firmware 4.0.2.A.0.79
1,0 GHz* 838 260 4625
Original-Firmware mit LuPuS-Kernel
1,0 GHz 830 261 4589
1,4 GHz 970 326 5126
1,6 GHz 1017 344 5588
ICS Neo2Play V2.6 vom 16.06.2013
1,0 GHz 959 289 5095
1,4 GHz 1073 345 5749
1,6 GHz 1130 392 6111
Xperia Z Jelly Bean GSM v3 vom 16.06.2013
1,0 GHz 1247 278 5106
1,4 GHz 1342 339 6051
1,6 GHz 1398 349 6368
* Entspricht dem unveränderten Xperia Play

Eventuell negativ wirkt sich aus, dass es nie eine offizielle Firmware auf Basis von Android 4.1 für das Xperia Play gab. Bei den ICS-Firmwares konnten ROM-Köche noch auf die geleakte Original-Firmware aufsetzen, bei den Jelly-Bean-Firmwares müssen die Entwickler jedoch fremde ROMs auf das Xperia Play portieren. Das kann gut gehen, kann aber auch Probleme verursachen.

Da beim Xperia Play der Kernel des Systems nicht im ROM steckt, müssen Sie im Vorfeld den passenden Kernel zum ROM flashen. Empfehlenswert ist hier der auf CyanogenMod 10 aufbauende LuPuS-JellyBean-v13-Kernel [4]. Diesen flashen Sie, wie schon beim Android-4.0-Kernel beschrieben, über den Fastboot-Mode. Den Kernel gibt es als LuPuSv8-720p-jB-Kernel.img mit Unterstützung für Videoaufnahmen mit bis zu 720p und konventioneller als LuPuSv8-480p-jB-Kernel.img mit nur 480p-Recording.

$ fastboot flash boot LuPuS-PLAY-jbv8-720.img

Nach dem Flash des Kernels laden Sie wie gewohnt das Custom-Recovery (siehe Kasten "Xperia-Play-Recovery"). Dieses bietet mit einem Multiboot-Modus jedoch eine Besonderheit: Das Recovery kann bis zu vier verschiedene ROMs in sogenannten Slots verwalten und getrennt booten. ROMs, die Sie in die Slots zwei bis vier packen wollen, müssen dies jedoch unterstützen. Im XDA-Forum sind diese meist als "Multiboot" gekennzeichnet.

Abbildung 7: Mit dem Turbo-Boot-Menü des LuPuSv8-Kernels können Sie verschiedene ROMs booten.
Abbildung 7: Mit dem Turbo-Boot-Menü des LuPuSv8-Kernels können Sie verschiedene ROMs booten.

Abbildung 8: Insgesamt lassen sich über das Multiboot-Feature bis zu vier ROMs verwalten.
Abbildung 8: Insgesamt lassen sich über das Multiboot-Feature bis zu vier ROMs verwalten.

Als Jelly-Bean-ROM hat sich bei uns im Test Xperia Z Jelly Bean [5] bewährt. Dieses flashen Sie in Form der Xperia_Z_Jellybean_LITE_GSM_V3.zip und den dazugehörigen Google-Apps gapps-jb-xtramini.zip am besten direkt in den ersten Slot. Tippen Sie dazu im Recovery auf First/Internal slot und laden das TWRP Recovery. Über Install schieben Sie zuletzt das ROM in den Speicher des Handys.

Abbildung 9: Der zu Xperia Z Jelly Bean passende Kernel setzt vornehmlich auf das TWRP-Recovery.
Abbildung 9: Der zu Xperia Z Jelly Bean passende Kernel setzt vornehmlich auf das TWRP-Recovery.

Wollen Sie später einen anderen Slot nutzen, tippen Sie diesen einfach an. Sie haben dann die Wahl, neue Partitionen zu verwenden oder die Daten aus dem internen Speicherbereich, also dem ersten Slot, zu übernehmen. So können Sie eine Kopie Ihres aktuell laufenden Systems machen und an diesem experimentieren, ohne Ihre Hauptinstallation zu ruinieren.

Abbildung 10: Den Lockscreen hat Xperia Z Jelly Bean direkt von Android 4.1 übernommen.
Abbildung 10: Den Lockscreen hat Xperia Z Jelly Bean direkt von Android 4.1 übernommen.

Abbildung 11: Die Größe der Widgets lässt sich seit Jelly Bean auf dem Homescreen verändern.
Abbildung 11: Die Größe der Widgets lässt sich seit Jelly Bean auf dem Homescreen verändern.

Abbildung 12: Beim App-Drawer macht Xperia Z Jelly Bean keine Experimente - er ist typisch Sony.
Abbildung 12: Beim App-Drawer macht Xperia Z Jelly Bean keine Experimente – er ist typisch Sony.

Abbildung 13: Die Telefon-App sucht sich passende Kontakte, sobald Sie mit dem Tippen beginnen.
Abbildung 13: Die Telefon-App sucht sich passende Kontakte, sobald Sie mit dem Tippen beginnen.

Zum Übertakten Ihres Xperia Play können Sie auf im ROM eingebaute Funktionen zurückgreifen. Die dafür notwendigen Konfigurationen nehmen Sie unter Einstellungen | Leistung | Prozessor vor. Dort lassen sich die CPU-Frequenzen und auch der CPU-Governor ändern. Aktivieren Sie die Option Beim Booten einstellen nur dann, wenn sich die erhöhten Taktraten bei Ihnen bewährt haben.

Im Einsatz läuft Xperia Z Jelly Bean sehr flüssig auf unserem Testgerät. Die Benchmark-Werte überflügeln deutlich die von ICS Neo2Play und erst recht die der Original-Firmware. Selbst ohne das Handy zu übertakten, liegt die Leistung des Jelly-Bean-Xperia-Plays auf einem sehr hohen Niveau. Abstürze konnten wir im Lauf des Tests keine beobachten.

Auch sonst macht das ROM eine gute Figur: Ihnen stehen mit dem Jelly-Bean-ROM endlich Features wie interaktive und ausklappbare Benachrichtigungen, skalierbare Widgets oder Google Now – sobald Sie die Google-Suche [6] über den Play Store installieren – zur Verfügung. Now starten Sie über einen kurzen Tipp auf die Suchentaste. Bleibt der Finger länger auf der Taste, startet die Sprachsuche.

Fazit

Die Benchmark-Ergebnisse zeigen, wie stark Google über die Jahre an der Performance von Android gearbeitet hat. Von der Original-Firmware ausgehend, nimmt die Leistung im HTML-5-Benchmark von Vellamo kontinuierlich zu, während der Metal-Test – also der Benchmark, der sich auf die reine Rechen- und Grafikpower konzentriert – mehr oder minder konstante Ergebnisse liefert.

Für das Xperia Play bedeutet die Installation eines Custom-ROMs: flüssigere Bedienung, größerer freier interner Speicher und mehr Features. Beim Spielen werden Sie jedoch keinen Leistungszuwachs bemerken. Hier kann auch eine neuere Android-Version nicht zaubern. Einzig das Übertakten macht dabei einen Unterschied, doch das wäre auch mit der gerooteten Original-Firmware möglich.


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