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Vom Umgang mit Lithiumakkus

Die schnellen CPUs und großen Bildschirme moderner Smartphones zehren kräftig am Akku des Telefons. Selbst im Neuzustand ist die Batterie durch die hohen Anforderungen oft viel zu schnell leer. Damit der Akku möglichst lange lebt, gilt es ein paar simple Regeln zu beachten.

In der letzten Ausgabe der Android User hatten wir die Thematik behandelt, wie Sie die Akkulaufzeit Ihres Androiden [1] optimieren. Die Frage wie lange Sie Ihr Smartphone am Tag nutzen können, entscheidet sich jedoch nicht nur an den Apps und Einstellungen Ihres Androiden, sondern auch im Umgang mit dem Akku.

Basierend auf den Erkenntnissen von Isidor Buchmann und der Battery University [2] möchten wir Ihnen Tipps&Tricks zum richtigen Umgang mit dem Akku Ihres Handys geben. Da Lithium-Ionen-Akkus auch in Tablets, Notebooks oder gar Elektro-Autos verbaut werden, lassen sich die Hinweis auch auf eine Vielzahl von Geräten übertragen.

Nicht tiefentladen

Der Mythos des Memory-Effekts gilt für moderne Lithium-Ionen Akkus nicht mehr. Vielmehr ist es eine absoluten Todsünde einen Lithium-Ionen Akkus regelmäßig zu vollständig zu Entladen. Sie landen zwar nicht gleich in der Hölle, der Akku wird es Ihnen jedoch mit einer kurzen Lebensdauer danken.

Die Anzahl der möglichen Ladezyklen nimmt linear mit der durchschnittlichen Tiefe der Entladung ab. Je weniger Sie Ihren Akku daher entladen, je früher Sie ihr Handy wieder ans Ladegerät oder das USB-Kabel am Rechner hängen, desto weniger Spannung wird der Akku über seine Lebensdauer verlieren.

Auswirkungen der Tiefentladung

Entladetiefe Ladezyklen bis Kapazität < 70%
100% 500
50% 1500
25% 2500
10% 4700

Sollte Ihnen während eines Arbeitstags öfters mal der Saft ausgehen, dann könnte sich die Investition in einen Akku mit mehr Kapazität langfristig lohnen. Dadurch, dass diese Batterie im Alltag nicht mehr so tief entladen wird, sollte er seine volle Kapazität auch über einen längeren Zeitraum behalten. Die höheren Kosten beim Kauf eines großen Akkus, könnten sich daher im Laufe der zeit wieder amortisieren.

Nicht ewig unter Saft

Ähnliches gilt auch für das Laden des Akkus: Permanent wiederholtes Laden auf 100% ist langfristig für den Akku nicht ideal. Der Akku fühlt sich bei einem Ladezustand von 40 bis 80 Prozent am wohlsten, laden Sie daher ihren Akku einfach öfters mal bei Gelegenheit zwischen, anstatt ihn über Nacht stundenlang am Ladegerät zu lassen.

Abbildung 1: Dieses Handy hing regelmäßig am USB-Kabel. Der Ladezustand blieb dadurch relativ konstant zwischen 40 und 80 Prozent. Beim Laden steigt die Akku-Temperatur spürbar an.
Abbildung 1: Dieses Handy hing regelmäßig am USB-Kabel. Der Ladezustand blieb dadurch relativ konstant zwischen 40 und 80 Prozent. Beim Laden steigt die Akku-Temperatur spürbar an.

Hersteller, die ihren Akku eine größtmögliche Lebensdauer bescheren wollen, ändern daher auch ihre Ladeelektronik. Anstatt den Akku bis zur maximale Ladeschlusspannung von 4,2 Volt aufzupumpen, schalten etwa die Hersteller von Elektrofahrzeugen schon früher ab. Das mindert zwar die Kapazität, erhöht aber letztendlich die Lebensdauer.

Ab und an komplett entladen

Es mag den oben getroffenen Aussagen widersprechen, aber entladen Sie ihren Akku in längeren Abständen ab und auch auch komplett. Moderne Lithium-Ionen verfügen mittlerweile über ein gewisses Quäntchen Intelligenz. Die Batterie weiß wie lange sie bei welchen Strom geladen wurde, sie weiß wie viel Strom sie gerade abgibt. Daher kann sie auch vorhersagen, wie viel Zeit noch bis zur vollständigen Entladung bleibt.

Dieses Gedächtnis muss der Akku jedoch antrainieren, und da sich die Kapazität über die Lebensdauer ändert, möchte das Gedächtnis auch aufgefrischt werden. Die dafür notwendige Kallibration findet regelmäßig statt, entladen Sie daher den Akku etwa einmal im Monat komplett, um der Erinnerung der Ladeelektronik ein bisschen auf die Sprünge zu helfen.

Kühlen Kopf bewahren

Zu viel Wärme oder gar Hitze ist nicht nur schlecht für die im Gerät verbauten Chips, sondern auch für die Batterie des Handys. Die maximale Kapazität einer Lithium-Ionen Batterie nimmt umso schneller ab, je heißer Sie betrieben wird. In einem Test wurden Akkus mit einem Ladezustand von 40% bzw. 100% bei unterschiedlichen Temperaturen eingelagert. Bei null Grad verlor der Akku praktisch keine Kapatität, bei 60 Grad verlor der Akku jedoch schon innerhalb von drei Monaten 40 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität.

Auswirkungen der Akkutemperatur

Batterietemperatur Kapazitätsverlust bei Lagerung bei 40% Kapazitätsverlust bei Lagerung bei 100%
0°C 2% in einem Jahr 6% in einem Jahr
25°C 4% in einem Jahr 20% in einem Jahr
30°C 15% in einem Jahr 35% in einem Jahr
60°C 25% in einem Jahr 40% in drei Monaten

Achten Sie daher bei der Nutzung ihres Handys auf die Akkutemperatur. Apps, die im Betrieb den Prozessor stark belasten, sollten Sie nicht laufen lassen, während das Handy in ihrer Hosentasche steckt. Die dadurch produzierte Hitze ist nicht nur unkomfortabel, sondern schadet auch massiv dem Akku des Telefons.

Vermeiden Sie es auch das Handy selber erhöten Temperaturen auszusetzen. Achten Sie auch darauf, dass es dem Gerät auch selber nicht zu warum wird. Das Handy im Sommer auf dem Armaturenbrett oder der Hutablage eines Autos liegen zu lassen, ist genauso eine schlechte Idee wie ein eingeschaltetes Notebook in eine Schutzhülle aus Neopren zu stecken.

Fazit

Mit etwas regelmässiger Pflege und ein bisschen Aufmerksamkeit werden Sie so lange auf den Akku Ihres Handys bauen können. Auch wenn der Akku brav im Inneren Ihres Smartphones seine Arbeit verrichten und man ihn so selten direkt wahrnimmt: Der Akku ist eines der wichtigsten Bauteiles Ihres Telefons, geben Sie auf ihn acht.

Infos

  1. Langläufer: Sven Rohweder, "Optimieren Sie die Akkulaufzeit Ihres Androiden", Android User 03/2012, S. 86, http://www.android-user.de/Magazin/Archiv/2012/03/Optimieren-Sie-die-Akkulaufzeit-ihres-Androiden/
  2. Battery University: http://batteryuniversity.com/learn/article/how_to_prolong_lithium_based_batteries

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