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Vom iPhone zu Android ? Das müssen Sie beim Umstieg wissen

Android ist auf der Überholspur: 250 Millionen aktivierte Geräte bei 700.000 Aktivierungen pro Tag zeigen ganz klar den Erfolg von Android. Gehören Sie zu den Nutzern, die zum ersten Mal Android-Luft schnuppern, dann finden Sie in diesem Artikel wertvolle Hinweise.

Die Begeisterung "iPhone" ebbt langsam ab. Technisch hat die Konkurrenz das iPhone aufgeholt und in einigen Bereichen bereits klar überholt. Das iPhone 4S hat zudem gegenüber dem 4-er Modell keine wirklichen Vorteile zu bieten. Was liegt da näher, als beim anstehenden Smartphone (Neu-)Kauf auf Android zu setzen.

Gründe für einen Wechsel gibt es viele: Die Android Smartphones sind in der Regel deutlich günstiger, lassen mehr Freiheiten beim Tarifanbieter zu und erlauben dem Nutzer, deutlich mehr mit seinem Telefon anzustellen. Android Smartphones sind dadurch individueller, allein schon deshalb weil man als Käufer nicht auf eine bestimmte Hardware festgelegt ist.

Doch den Wechsel von iOS zu Android nur als Ausbruch aus dem Smartphone-Gefängnis zu beschreiben, wäre doch etwas arg übertrieben. Schließlich weisen beide Systeme positive und negative Eigenheiten auf. Auch bei Android ist nicht alles eitel Sonnenschein, und wer als jahrelanger iPhone-Besitzer zu einem Android-Smartphone wechselt, muss sich an einige Unbequemlichkeiten gewöhnen. Wir die nennen Vor- und Nachteile des Umstiegs.

Vorbereitung

Bevor es ans Eingemachte geht, müssen Sie als iPhone-Nutzer dafür sorgen, dass einige wichtige Daten, die auf dem iPhone schlummern, ihren Weg auf das neue Android Smartphone finden. Sichern Sie zunächst all Ihre Kontakte in Ihr Google Konto. Falls Sie noch kein Google-Konto besitzen, sollten Sie jetzt eines erstellen – Sie benötigen es ohnehin, wenn Sie zu Android wechseln. (Sie können ein Android-Phone auch ohne Google-Account nutzen, aber als ehemaliger iPhone-Nutzer werden Sie das nicht wirklich wollen.)

Schließen Sie das iPhone per USB-Kabel an den PC/Mac an, öffnen Sie iTunes und klicken Sie dann beim iPhone auf den Reiter Info. Hier haben Sie die Option, Ihre Kontakte mit einem Konto zu synchronisieren. Wählen Sie im Dropdown Menü die Option Google Contacts aus und geben Ihre Google-Kontodaten ein. Die Kontaktdaten des iPhones sind nun im Google Konto gespeichert und werden bei der Einrichtung von Android automatisch heruntergeladen.

Abbildung 1: Wenn Sie Google Kontakte auswählen und ihre Kontakte zuvor mit iCloud synchronisiert haben, dann erhalten Sie eine Warnung, dass Ihre Kontakte bereits synchronisiert sind. Ignorieren Sie diesen Hinweis!
Abbildung 1: Wenn Sie Google Kontakte auswählen und ihre Kontakte zuvor mit iCloud synchronisiert haben, dann erhalten Sie eine Warnung, dass Ihre Kontakte bereits synchronisiert sind. Ignorieren Sie diesen Hinweis!

Was die Mediendateien betrifft: Ihre Musik- und Videodateien befinden sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht primär auf dem iPhone, sondern auch auf einem PC oder Mac in der iTunes Bibliothek. Falls nicht, sollten Sie unbedingt das iPhone mit iTunes synchronisieren. Von iTunes ist es mit Anwendungen wie Tunesync leicht, die Dateien auf das Android Telefon zu bekommen. Was Fotos betrifft, so haben Sie auf diese per USB-Verbindung Zugriff und können diese also auf dem PC oder Mac zwischenspeichern und dann einfach per Drag’n Drop in ein Verzeichnis des Android Smartphones ziehen. Noch einfacher funktioniert der Umstieg, wenn Sie zu Picasa als Foto-Onlinedienst wechseln. Installieren Sie dazu auf dem iPhone PicasaUp oder PicasaSync und laden Sie Ihre Bilder zum Google-Dienst hoch. So finden Sie diese via Google+-App später auf Ihrem Android-Gerät wieder, ohne dass die Fotos auf dem Smartphone unnötig viel Platz verbrauchen.

Worauf Sie sich freuen können

Freiheit: Wenn man es positiv sieht, dann ist iOS, das Betriebssystem des iPhone, so einfach aufgebaut, damit die Benutzererfahrung ungetrübt bleibt. Doch viele ehemalige iPhone Nutzer sehen diesen Punkt negativ: Sie fühlen sich durch die geringen Möglichkeiten der Personalisierung eingeschränkt. Jeder iPhone Nutzer wird sich bei Android vorkommen wie ein Kind in Disney World: Sämtliche Elemente des Interfaces können verändert werden: Icons, Hintergründe, Live-Hintergründe, Widgets, Einstellungsmenüs und vieles mehr. Diese Freiheit ist eines der Hauptgründe, warum iPhone Nutzer zu Android wechseln. Unser Tipp: Besorgen Sie sich die alternativen Launcher GO Launcher EX und LauncherPRO aus Google Play (ehemals Android Market) und spielen ein bisschen mit deren Möglichkeiten herum. Sie werden erstaunt sein, wie unterschiedlich Android aussehen kann.

Abbildung 2: Diese drei unterschiedlichen Oberflächen verdeutlichen, wie wandlungsfähig Android ist. In der Mitte sehen Sie das Samsung Galaxy S2, rechts wurde es mit GO Launcher EX optisch stark verändert, und links sehen Sie das Galaxy Nexus mit Android 4.0.
Abbildung 2: Diese drei unterschiedlichen Oberflächen verdeutlichen, wie wandlungsfähig Android ist. In der Mitte sehen Sie das Samsung Galaxy S2, rechts wurde es mit GO Launcher EX optisch stark verändert, und links sehen Sie das Galaxy Nexus mit Android 4.0.

Größeres Display: Seit 4,5 Jahren, also seit dem ersten iPhone überhaupt, besitzt das Display des iPhone eine Größe von 3,5 Zoll. Was damals im Vergleich zu herkömmlichen Smartphones überragend wirkte, ist heute eher eine kleine Größe. Die meisten Android Modelle haben ein Display von 4 Zoll und mehr, das Galaxy Note, das gerade noch so als Smartphone durchgeht, hat eine Bildschirmdiagonale von 5,3 Zoll. Zwar hat die Größe des iPhones auch Vorteile, aber viele iPhone Besitzer blicken neidisch auf die großen Display der Android Konkurrenz, auf denen sich eBooks und vor allem Fotos und Videos deutlich besser genießen lassen.

Widgets: Android kommt mit einigen Widgets daher, ebenso viele Apps aus Google Play. Widgets sind interaktive Elemente auf den Startbildschirmen, die entweder Informationen anzeigen oder Funktionen erledigen. iPhone-Besitzer kennen das nicht, denn auf dem iPhone sind alle Elemente auf den Startbildschirmen entweder Anwendungen oder Ordner. Dazu muss man verstehen, dass Android einen Unterschied zwischen Anwendungen und Startbildschirmen macht: Letztere sind getrennt von den Bildschirmen, auf denen sich alle Anwendungen – meist als App Drawer bezeichnet – befinden. Unter Android zieht man diese Anwendungen und Widgets auf einen der Startbildschirme und kann dort herumspielen wie in einem Baukasten, viele Widgets lassen sich sogar vergrößern oder verkleinern oder kommen gar in mehreren Varianten daher (wenn Sie die Kalender App Calengoo installieren, stehen Ihnen ganze 23 Widgets zur Verfügung!). Bei der Installation von Apps wird nicht immer ganz deutlich, ob die App mit Widgets daherkommt oder nicht. Schauen Sie deshalb immer mal wieder im App Drawer (Android 4.0) oder beim Hinzufügen von Elementen auf dem Desktop (Menü-Taste>Hinzufügen) nach, ob die entsprechende App ein Widget besitzt oder nicht.

Einfachere Synchronisierung: Unter Android fällt iTunes als Schaltzentrale für alle Mediendateien weg. Was sich zunächst wie ein Nachteil anhört, entpuppt sich schnell als ungewohnte Freiheit, zumal iTunes unter Windows ohnehin seit Jahren ein überladenes Programm mit miserabler Performance ist. Bei Android ist die Sache nämlich ganz einfach: Sie ziehen per Explorer einfach irgendwelche Medieninhalte auf das Android Phone, und nach einem Medienscan erkennt Android automatisch alle Dateien. Diese stehen dann in der Musik App oder der Galerie (Foto und Video) zur Verfügung. Voraussetzung ist allerdings, dass Android die Formate der Dateien erkennt, was aber bei den gängigsten Formaten kein Problem darstellt.

Dateimanager: Beim iPhone haben Sie per USB nur Zugriff auf die von der Kamera geschossenen Fotos – das war’s. Das Android Smartphone hingegen zeigt das ganze Verzeichnis auf und gibt Ihnen so Zugriff auf alle Mediendateien, ja sogar auf heruntergeladene Dateien und Download-Pfade. Auch auf dem Android Phone selbst haben Sie per Dateimanager Zugriff auf alle Ordner. So können Sie Musiktitel verschieben, heruntergeladene PDF-Dateien gezielt abspeichern oder einfach nur Daten vom internen Speicher auf die SD-Karte schaufeln.

Abbildung 3: Im Explorer können Sie das gesamte Verzeichnis von Android sehen, wenn das Smartphone per USB-Kabel angeschlossen ist..
Abbildung 3: Im Explorer können Sie das gesamte Verzeichnis von Android sehen, wenn das Smartphone per USB-Kabel angeschlossen ist..

Was Sie (eventuell) vermissen

Retina-Display: Auch wenn die meisten Android-Smartphones ein deutlich größeres Display als das iPhone besitzen – kein Gerät kommt an die sehr hohe Pixeldichte des iPhone 4 mit 326 Pixeln pro Zoll heran. Apple behauptet zudem, dass man ab 300 Pixel pro Zoll höhere Auflösungen mit bloßem Auge nicht mehr erkennen könne. Wie bei Angaben zur Klangqualität hängt diese Angabe in der Luft und von Ihren individuellen Fähigkeiten ab. Doch unbestreitbar ist die sichtbare Schärfe des Displays besser als bei der Konkurrenz. Dafür finden Sie bei Android Smartphones und Tablets mit einem AMOLED-Display, diese verfügen über deutlich kräftigere Farben als das iPhone-Display.

© apple.comAbbildung 4: Das Retina-Display des iPhones soll so scharf sein, dass man mit bloßem Auge keine Pixel mehr erkennen kann - sagt Apple.
© apple.comAbbildung 4: Das Retina-Display des iPhones soll so scharf sein, dass man mit bloßem Auge keine Pixel mehr erkennen kann – sagt Apple.

Das Apple-Ökosystem: Wer mehrere Apple-Geräte besitzt, weiß, wie leicht sich alles miteinander verbinden lässt. iTunes ist die Schaltzentrale für alle Mediendateien und synchronisiert Musik, Filme, Apps, Fotos und Bücher mit den Geräten. Über iCloud werden Kalenderdaten, Mails, Erinnerungen (Tasks) und Fotos automatisch auf allen Geräten synchron gehalten, und bei allen Geräten ist die Bedienung einheitlich, logisch und idiotensicher. Das ist bei Android anders. Zwar vereint das Google Konto ebenfalls praktisch sämtliche Dienste unter einem Dach und mit Google+ landen auf Wunsch auch Ihre Fotos und Videos automatisch in der Cloud. Aber die Verwaltung der ganzen Mediendaten gestaltet sich je nach Hersteller anders, eventuell müssen Sie Musik und Fotos sogar selbst über den Dateimanager auf das Gerät kopieren. Das ist für viele iPhone Besitzer eine Umstellung.

Abbildung 5: Von der iCloud müssen Sie sich unter Android verabschieden. Die Google-Dienste bieten jedoch eine gleichwertige Alternative.
Abbildung 5: Von der iCloud müssen Sie sich unter Android verabschieden. Die Google-Dienste bieten jedoch eine gleichwertige Alternative.

Flüssigeres Interface: Die Performance von Android hat mit Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) einen ordentlichen Sprung nach vorn gemacht. Dennoch: Im direkten Vergleich fühlt sich beim iPhone alles flüssiger an als bei Android. Besonders beim neuen iPhone 4S, das nun auch einen Zweikern-Prozessor besitzt, gibt es überhaupt kein Ruckeln und keine Verzögerung. Auch der Touchscreen scheint bei Apple immer noch einen Tick genauer, noch etwas präziser zu funktionieren. Einiges davon ist sicherlich auch subjektives Empfinden, aber die Umsteiger vom iPhone zu Android sind sich einig: Das iPhone lässt sich einfach flüssiger bedienen. Das ist ja eigentlich auch kein Wunder: Apple erschafft Hard- und Software, die aufeinander abgestimmt ist, während Android auf einem Linux Betriebssystem basiert, das auf unterschiedlicher Hardware laufen muss. Dabei spielt es nicht wirklich eine Rolle ob Ihr Android-Smartphone einen Single-Core-, Dual-Core oder sogar Quad-Core-Prozessor besitzt: die Unterschiede liegen tief im System drin. Wirklich störend zeigt sich dies jedoch nur bei sehr günstigen Android-Smartphones mit 600 MHz-Prozessor oder langsamer.

Appstore: Zunächst müssen Sie betrübt feststellen, dass Sie alle mit dem iPhone gekauften Apps nicht mit Ihrem Android Smartphone verwenden können – selbst wenn es die gleichen Apps sind. Mit anderen Worten: Wenn Sie Angry Birds auch unter Android spielen wollen, kommen Sie theoretisch um einen Neukauf des Spiels nicht herum. Theoretisch deshalb, weil es die meisten Spiele (darunter auch Angry Birds) unter Android für lau gibt. So können Sie sich entscheiden, ob Sie die Gratisversion mit Werbung spielen oder die paar Cent für die Version ohne Reklame ausgeben möchten.

Abbildung 6: Der Android Market (Google Play) bietet ein sehr umfangreiches Repertoire an Apps.
Abbildung 6: Der Android Market (Google Play) bietet ein sehr umfangreiches Repertoire an Apps.

Google Play ist Ihre neue Anlaufstelle für Apps, und er ist nicht schön anzusehen: Sind Sie sich gewohnt in einem Delikatessengeschäft einzukaufen, das nur hochwertige Waren im Angebot hat, dafür aber auch etwas mehr kostet, dann gestaltet sich der Einkauf im Supermarkt beim ersten Mal recht kompliziert. Im Android Market finden Sie also nicht nur qualitativ hochwertige Apps sondern auch sehr viel Müll, den Apple nie durchwinken würde. Sie müssen also mehr Aufwand betreiben, um die guten von den schlechten Anwendungen zu trennen. Aber Sie werden auch viele kostenlose Apps finden, die voll überzeugen und insgesamt fällt das App-Angebot mindestens so umfangreich aus, wie im Apple-System. Die meisten kostenlosen Apps finanzieren sich zudem über Werbung. Auch daran werden Sie sich recht schnell gewöhnen.

Nur mit Kreditkarte: Eine Kreditkarte war ursprünglich auch für iPhone-Besitzer ein Muss, heute gibt es jedoch an jedem Kiosk Guthabenkarten für iTunes. Diese praktische Lösung finden Sie bei Android nicht. Es gibt zwar Alternativen zum Android Market, bei denen Sie auch mit Paypal oder über andere Methoden zahlen können. Um eine Kreditkarte kommen Sie aber aktuell nicht herum, wenn Sie im offiziellen Android Market Apps kaufen möchten.

Fazit

Der Umstieg vom iPhone auf Android gestaltet sich dann am einfachsten, wenn Sie flexibel sind und bereit sind, sich ein paar Minuten mit dem neuen (Öko-)System auseinanderzusetzen. Bleiben Sie bei Apple und beim iPhone, dann haben Sie sich für den ummauerten Ziergarten entschieden. Möchten Sie hingegen die ganze Smartphone-Welt kennenlernen, dann führt aktuell kein Weg an Android vorbei.

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