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Vom Android-Smartphone aus Dokumente drucken

Wer ein Office-Dokument oder den letzten Kamera-Schnappschuss in Papierform benötigt, muss sich dafür nicht an einen PC setzen. Mit Google Cloud Print erledigen Sie den Druck bequem von Ihrem Androiden aus.

Nehmen wir an, es ist Montag Abend, 17:15. Sie sitzen in der Straßenbahn und freuen sich auf den wohlverdienten Feierabend. In 30 Minuten erreicht Ihr Gefährt sein Ziel, so dass Sie die Zeit nutzen, um einen wichtigen Brief auf Ihrem Tablet zu tippen. Das Schreiben muss heute noch seine Reise zum Empfänger antreten, doch die Post leert den Briefkasten in der Nähe Ihrer Wohnung schon um 18 Uhr. Normalerweise wäre ein Zeitfenster von 15 Minuten zu knapp, um das fertig getippte Schreiben vom Handy auf den PC zu kopieren und es zu drucken. Doch mit Google Cloud Print starten Sie bereits aus der Straßenbahn heraus den Druckauftrag, so dass dieser bereits abgeschlossen ist, wenn Sie Ihre Wohnungstür aufschließen.

Selbst wenn es nicht eilt, birgt dieses Vorgehen Vorteile: Nicht nur, dass man etwa schnell und mit wenigen Touch-Bewegungen seine Handy-Fotos ausdrucken kann; wie bei einer Art modernem Fax können Sie diese bei Bedarf auch an den Drucker eines Bekannten schicken. Dies ist selbstverständlich nur möglich, wenn letzterer Sie zuvor für den Zugriff freigeschaltet hat. Im Folgenden beschreiben wir nun, wie Sie Google-Cloud-Print einrichten, und mit welchen Apps dieses am komfortabelsten benutzt werden kann.

Der Drucker

Im Idealfall ist Ihr Drucker bereits von Haus aus cloud-fähig. Google listet unter [1] auf, bei welchen Modellen dies der Fall ist, und was in diesem Fall – je nach Hersteller – zur Aktivierung der Cloud-Funktion zu unternehmen ist. Dabei handelt es sich um wenige Schritte wie zum Beispiel das Einstellen des heimischen WLAN-Passworts am Drucker und der Angabe von Mail-Adresse und Passworts des eigenen Google-Accounts. Da diese Geräte über eingebaute Wifi- oder Etherneteinheiten verfügen, können sie sich eigenständig via Router mit dem Internet verbinden, ohne dass ein PC überhaupt vorhanden sein muss.

Doch auch wenn Ihr Modell nicht dementsprechend ausgestattet ist, können Sie Google-Cloud-Print nutzen. In diesem Fall schließt man den Drucker an einen PC an. Sollten Sie einmal einen Druckauftrag von Ihrem Android-Handy aus senden, während der PC ausgeschaltet ist, geht dieser trotzdem nicht verloren. Sobald Sie den Computer einschalten und dieser sich mit dem Internet verbindet, lädt dieser die ausstehenden Druckaufträge herunter und holt sie nach. Dabei ist es von Vorteil, dass Google die Dokumenten-Warteschlange über seine Cloud-Server abwickelt. So können Sie unterwegs einsehen, welche Ausdrucke bereits abgeschlossen sind oder sich noch in der Warteschlange befinden, und diese bei Bedarf auch aus der Ferne abbrechen. Praktischerweise kontrolliert man dabei über ein- und dieselbe Oberfläche alle Drucker gleichzeitig, auf die man Zugriff hat.

Setup im Google-Account

Die folgenden manuellen Schritte sind nur notwendig, wenn Ihr Gerät nicht von Haus aus cloudfähig ist. Auf dem am Drucker angeschlossenen PC muss der Chrome-Browser [2] installiert sein. Andere Internet-Browser wie etwa Firefox unterstützt der Dienst leider nicht. Starten Sie Chrome und loggen sich anschließend auf [3] mit Ihrem Google-Account ein. Wählen Sie nun auf der linken Seite den Punkt Klassischen Drucker hinzufügen aus.

Abbildung 1: Die Einstellungen von Chrome beherbergen auch die Freigabe des Cloud-Printings.
Abbildung 1: Die Einstellungen von Chrome beherbergen auch die Freigabe des Cloud-Printings.

Abbildung 2: Sie können beliebig viele lokale Drucker an die Ihre Googlee-Cloud andocken.
Abbildung 2: Sie können beliebig viele lokale Drucker an die Ihre Googlee-Cloud andocken.

Danach müssen Sie zunächst Chrome den Cloud-Drucker-Zugriff erlauben. Klicken Sie hierzu auf den durch drei waagrechte Linien gekennzeichneten Menübutton und wählen dann den Punkt Einstellungen. In der angezeigten Optionen-Übersicht scrollen Sie nun ganz nach unten und wählen schließlich den kleinen Schriftzug Erweiterte Einstellungen anzeigen? aus. Auf der neuen Seite befindet sich weiter unten die Zwischenüberschrift "Google Cloud Print". Klicken Sie dort auf den Button Drucker hinzufügen?. Nach einem erneuten Login in den eigenen Google-Account müssen Sie nun das Andocken des Druckers noch einmal explizit bestätigen.

Diese Schritte müssen Sie für Ihre Geräte nur einmalig durchführen. Von nun an erscheint, wenn Sie sich bei Google-Cloud-Print einloggen, immer direkt die Übersicht der verfügbaren Drucker. Bei Bedarf können Sie dort übrigens auch Android-Geräte oder Google-Drive als fiktive Drucker einstellen. In diesem Fall erhält man als Ausdruck kein Papierdokument, sondern Google legt eine Datei mit den entsprechenden Inhalten auf dem Zielgerät ab.

Abbildung 3: Ohne Ihre ausdrückliche Genehmigung bleiben Ihre Drucker weiter offline.
Abbildung 3: Ohne Ihre ausdrückliche Genehmigung bleiben Ihre Drucker weiter offline.

Abbildung 4: Google Cloud Print listet alle zur Verfügung stehenden Drucker übersichtlich auf.
Abbildung 4: Google Cloud Print listet alle zur Verfügung stehenden Drucker übersichtlich auf.

Freigeben für Dritte

Wie bereits in der Einleitung dieses Artikels angedeutet, kann man bei Bedarf den mit dem eigenen Google-Account verbundenen Drucker auch unkompliziert für Bekannte (oder Kollegen) freigeben. Rufen Sie hierfür [4] auf. Nach einem Klick auf Drucker wählen Sie das Zielgerät aus. Nun erscheint ein Freigeben-Button. Nach der Auswahl von diesem geben Sie die E-Mail-Adresse derjenigen an, die den Drucker mitbenutzen dürfen sollen. Mit einem Klick kann der Druckereigentümer die Freigabe bei Bedarf auch kurzfristig wieder zurücknehmen (falls beispielsweise ein Besucher nur kurzzeitig Zugriff benötigt, um etwas von seinem Android-Smartphone auszudrucken).

Abbildung 5: Mit wenigen Klicks geben Sie Drucker für vertrauenswürdige Dritte frei.
Abbildung 5: Mit wenigen Klicks geben Sie Drucker für vertrauenswürdige Dritte frei.

Alternativ haben Sie in diesem Dialog auch die Möglichkeit den Drucker von "Privat" auf "Öffentlich" umzustellen. Daraufhin erscheint eine URL. Jeder, der diese kennt, kann nun das Gerät mitbenutzen. Für Privatanwender sollte dieser Anwendungsfall jedoch eher selten auftreten, zumal die Gefahr besteht, dass jemand, der Kenntnis von dieser Adresse hat, diese unkontrolliert an Dritte weitergibt.

Welche Apps?

Richtig interessant wird Google Cloud Print erst, wenn man mit den richtigen Apps komfortabel und um praktische Funktionen erweitert auf seine Drucker zugreift. Im Folgenden beschränken wir uns auf zwei Programme, die sich mit ihrem Schwerpunkt dem Cloud-Printing widmen. Darüber hinaus existieren jedoch auch etliche weitere, welche im Kern zwar eine andere Aufgabe erledigen, jedoch einen zusätzlichen Menüpunkt für den Zugriff auf Cloud-Drucker anbieten.

Cloud Print


Mit der App Cloud Print [5] senden Sie Daten aus den unterschiedlichsten Quellen auf Ihre Drucker. So haben Sie nicht nur die Möglichkeit PDF-Dateien auf Papier zu bannen, sondern auch Fotografien, die Inhalte des Telefonbuchs oder SMS-Gesprächsverläufe. Nach einer entsprechenden Auswahl lädt die App die Daten in die Online-Druckerwarteschlange hoch. Diese kann man bei Bedarf direkt einsehen, wobei der Anwender diese Darstellung auch nach zu berücksichtigenden Drucker filtern kann. Das Pausieren und Abbrechen von Aufträgen ist dort ebenfalls möglich.

Abbildung 6: Die Android-App Cloud Print ermöglicht das Drucken über Ihre Smartphone.
Abbildung 6: Die Android-App Cloud Print ermöglicht das Drucken über Ihre Smartphone.

Abbildung 7: Druckaufträge in der Warteschlange können Sie jederzeit wieder abbrechen.
Abbildung 7: Druckaufträge in der Warteschlange können Sie jederzeit wieder abbrechen.

Wer gerne Daten aus einer Internet-Quelle (wie zum Beispiel Dropbox oder den eigenen Facebook-Account) direkt seinen Google-Cloud-Printer senden möchte, wird in dem Untermenü "Web" fündig. Alles in allem erweist sich die App auf Grund der großen Anzahl an Datenquellen und der unkomplizierten Einsicht in die Drucker-Warteschlange als äußerst praktische Hilfe.

PrinterShare Mobile Print


Auf den ersten Blick wirkt PrinterShare [6] abschreckend: Der PlayStore bietet eine Pro-Version für den astronomischen Preis von 9,95 Euro an. Doch letztere ist nur notwendig, wenn man die Server-Lösung des Programmierers zum Ausdrucken verwenden möchte. Nutzt man stattdessen Google-Cloud-Print, reicht die kostenlose Version aus. Die App ist in Ihrer Bedienungsführung sehr intuitiv. Auch hier stehen verschiedene Quellen für Ausdrucke bereit. Besonders positiv fiel die Druckvorschau auf, welche sowohl für Fotos, als auch bei mehrseitigen Dokumenten eine große Hilfe darstellt. Bei Bedarf können Sie etwa ein Foto auf die richtige Größe skalieren. Die Warteschlange der eigenen Google-Cloud-Drucker kann der Nutzer im Gegensatz zu der weiter oben vorgestellten App jedoch nicht im Detail kontrollieren.

Abbildung 8: PrinterShare Mobile Print verfügt über eine sehr übersichtliche Benutzerführung.
Abbildung 8: PrinterShare Mobile Print verfügt über eine sehr übersichtliche Benutzerführung.

Abbildung 9: Die Druckvorschau ist selbst auf dem kleinen Handy-Display sehr hilfreich.
Abbildung 9: Die Druckvorschau ist selbst auf dem kleinen Handy-Display sehr hilfreich.

Gut mit Abzügen

Google Cloud Print erweist sich im Praxiseinsatz als überaus komfortabel und praktisch. Ob man unterwegs ist, oder den Drucker mit Anderen teilt: Alle Tests verliefen erstaunlich unkompliziert und zuverlässig.

Offizielle App

Kurz vor Redaktionsschluss hat Google auch endlich seine offizielle Android-App zu Cloud Print [LINK 9] in den Play Store gestellt. Sie ähnelt vom Funktionsumfang her sehr der hier vorgestellten – aber von Drittanbietern entwickelten – Cloud-Print-App. Googles Print-App klinkt sich ebenfalls in das Teilen-Menü ein, sodass Sie aus jeder Android-Anwendung he raus Druckaufträge an Ihre On- lineprinter schicken können. Eine vollwertige Druckvorschau wie bei PrinterShare finden Sie bei Googles App aber nicht. Aus führlich stellen wir Ihnen die App auf android-user.de [10] vor.

Doch überall wo Licht ist, fällt auch Schatten: Wer den Dienst via Browser nutzen möchte, ist gezwungen Chrome zu installieren. Außerdem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass jedes zu druckende Dokument auf Googles Servern landet. Diese unterliegen amerikanischen Gesetzen, welche in Sachen Datenschutz weitaus weniger streng ausfallen als vielen deutschen Anwendern bewusst sein dürfte.

Google versichert zwar, dass sie alle Dokumente vertraulich behandeln [7], jedoch sind in jüngster Zeit Gerüchte aufgetaucht, nach denen amerikanische Behörden automatisiert und ohne richterlichen Beschluss auf Googles Datenbestand zugreifen dürfen [8]. Letztlich sagt einem der gesunde Menschenverstand, welche Dokumente und Fotos man unproblematisch über die bequeme Cloud-Lösung ausdrucken kann, und bei welchen man dies besser lokal erledigt.


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