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Videos mit dem Smartphone schneiden

Langweilige Reisevideos waren gestern. Der aktuelle Urlaub lässt sich mit dem Android-Handy nicht nur filmen, sondern auch direkt nachbearbeiten und über das Netz an Freunde verschicken. Doch welche Apps eignen sich hierfür am besten?

Erst wenige Jahre ist es her, dass Familienväter mittels eines eigens angeschafften Camcorders die ersten Schritte ihres Nachwuchses auf Magnetband bannten. Jahre später lieh sich der Sohn dann dieses sperrige Gerät aus, um den ersten eigenen Urlaub zu filmen. Der Freundeskreis bekam die aufgezeichneten Erlebnisse erst mit ein paar Wochen Verzögerung zu Gesicht. Heute bieten viele Handymodelle die Möglichkeit, Bewegtbilder in einer für Privataufnahmen ausreichenden Qualität einzufangen. So kann der Android-Nutzer einen Videoclip unmittelbar nach der Aufzeichnung mit dem letzten Schliff versehen. Das Ergebnis erhalten die lieben Bekannten dank Internet schon dann, wenn der Akteur sich noch auf der Heimfahrt befindet. Doch nicht jede App empfiehlt sich für diese Anwendungszwecke gleichermaßen.

Google Movie Studio


Weit verbreitet ist die Anwendung "Google Movie Studio", welche in der deutschen Lokalisierung auch unter dem Titel "Video Studio" bekannt ist. Eine Zeit lang wurde diese auf Geräten mitgeliefert, welche im Auslieferungszustand die Android-Version "Ice-Cream-Sandwich" besaßen. Inzwischen scheint Google andere Präferenzen zu haben: Das neue "Nexus 7"-Tablet verfügt beispielsweise nicht mehr über die App. Movie Studio bringt ein paar nette Funktionen mit, um kleine Videos zu erstellen: Mehrere Clips lassen sich mit diesem in einer selbstgewählten Reihenfolge zu einem größeren zusammensetzen. Außerdem kann der Benutzer am Anfang seines Werks ein Titel einblenden oder zwischen den Clips anstatt harter Schnitte mit Blendeffekten arbeiten. Falls sie auf Ihrem Gerät also noch die App vorfinden sollten (über den Play Store ist sie nicht erhältlich), dann prüfen Sie auch, ob diese ihrem Geschmack entspricht, oder ob eher die Funktionalität einer der folgenden Programme für Ihre Aufnahmen notwendig ist. Einen ausführlichen Artikel zum Movie Studio aus Android User 01/2011 finden Sie auf der Android-User-Homepage [1].

Abbildung 1: Das Google Movie Studio bietet auch Spezialeffekte an.
Abbildung 1: Das Google Movie Studio bietet auch Spezialeffekte an.

VidTrim


Bei VidTrim [2] ist der Name Programm: "Trimmen" bedeutet im Videoschnitt-Jargon, vom Anfang und Ende eines Videoclips Teile wegzuschneiden – hierdrin besteht auch der Hauptzweck der Anwendung. Nach dem Start wählt der Nutzer eine Videodatei aus. Anschließend werden zu dieser Vorschaubilder angezeigt. Darunter sind weitere Informationen wie die Framerate (also die Anzahl der Bilder pro Sekunde), die Gesamtspiellänge des Clips oder der verwendete Codec einzusehen (Abbildung 2). Letztere Information gibt Ihnen Auskunft darüber, in welchem Kompressionsformat die Daten abgelegt wurden. Dies ist dann interessant, wenn der Nutzer das Video weitergeben, aber auch sicherstellen will, dass es beim Empfänger in einem bestimmten Format ankommt. Die kostenlose Variante von VidTrim bietet dem Anwender an dieser Stelle an, das Video zu löschen, an Freunde weiterzuverteilen (beispielsweise über Dropbox, Facebook oder Youtube) oder vom Anfang und Ende des Clips Teile zu entfernen (Abbildung 3). Der neue Startzeitpunkt und das neue Ende wählt der Benutzer dabei mit seinem Finger auf einer Zeitleiste. Abschließend lässt sich das Ergebnis exportieren.

Die Pro-Version der App enthält zum Preis von 2,19 Euro zwei Zusatzfunktionen: Zum einen kann diese das Video über die "Transcode"-Funktion in ein anderes Format umwandeln. Darüber hinaus exportiert es auf Wunsch einzelne Frames als Bilddateien. Insgesamt erledigt VidTrim die angebotenen Optionen alle zuverlässig und lässt sich problemlos bedienen. Trotzdem ist es eher funktionsarm. Um von der schnell eingefangenen Aufnahme vorne und hinten überflüssige Sekunden zu entfernen und das Ergebnis an Youtube zu senden mag es reichen, doch es gibt keinerlei Möglichkeiten, fortgeschrittene Videoschnitt-Funktionen anzuwenden: So kann beispielsweise weder die Mitte des Clips geschnitten werden, noch ist das Einblenden von Titeln oder Ähnlichem möglich. Die App beschränkt sich auf das "Trimmen" und Weiterverbreiten von Videos.

Abbildung 2: Zunächst präsentiert VidTrim die Eigenschaften eines Videos.
Abbildung 2: Zunächst präsentiert VidTrim die Eigenschaften eines Videos.

Abbildung 3: Der gewünschte Videoausschnitt wird bei VidTrim mit zwei Schiebereglern markiert.
Abbildung 3: Der gewünschte Videoausschnitt wird bei VidTrim mit zwei Schiebereglern markiert.

Movie Editor


Einen zwispältigen Eindruck hinterlässt Movie Editor [3]. So lassen sich mit dieser App zwar auf intuitive Weise mehrere Clips zu einem größeren Video zusammenfügen und auf Wunsch das Gesamtergebnis mit einer Musikdatei unterlegen. Auf der anderen Seite sind damit auch bereits alle Möglichkeiten der App erschöpft. Es existiert keine einzige weitere Option. Noch nicht einmal das Schneiden einzelner Clips ist möglich. Lediglich noch das Exportieren – und auf Wunsch auch Weiterverbreiten – des Endergebnisses bietet das Programm an; jedoch auch dies nur maximal mit einer mageren Auflösung von 640×480 Pixeln. Auch wenn die App fehlerfrei funktioniert, ist trotzdem fraglich, ob sie den Play-Store-Preis von 2,05 Euro wert ist.

Abbildung 4: Übersichtlich, aber leider auch funktionsarm präsentiert sich Movie Editor.
Abbildung 4: Übersichtlich, aber leider auch funktionsarm präsentiert sich Movie Editor.

AndroVid Pro


AndroVidPro [4] fällt durch ein durchdachtes Bedienkonzept auf. Nachdem der zu bearbeitende Videoclip in einem übersichtlichen Menü (Abbildung 5) ausgewählt wurde, erscheint er in der Editor-Ansicht (Abbildung 6). Die Symbole der möglichen Aktionen werden dabei transparent in der Leiste oberhalb des Videos eingeblendet. Genauso wie in allen anderen getesteten Tools ist es möglich, Anfang und Ende des Videos wegzuschneiden ("Trim"), darüber hinaus verfügt es zusätzlich über die folgenden Funktionen: Aufteilen des Videos in zwei Hälften, Speichern einzelner Frames als Bilddateien, Exportieren der Tonspur als Sounddatei, sowie die Anwendung vier verschiedener Effekte: bei diesen kann zum Beispiel das Videobild negiert werden, so dass es in anderen Farben dargestellt wird; oder der Bildinhalt kann auf Veranlassung des App-Benutzers gespiegelt werden.

Die Vollversion bietet zum Preis von 1,87 Euro drei weitere Effekte an: Der Videclip lässt sich in einen Schwarz/Weiß-Film umwandeln, in Slow- oder Fastmotion abgespielen (also in Zeitlupe oder Zeitraffer), und es ist möglich das Video zu "faden": Am Anfang wird in einen durch und durch schwarzen Bildschirm langsam das Videobild eingeblendet, während es am Schluss nach einer Verdunklung wieder schwarz wird. Darüber hinaus kann der Nutzer der Pro-Version sein Ergebnis in andere Videoformate konvertieren oder das Videobild in eine bestimmte Richtung drehen. Ihre Aufgaben verrichtet die App zuverlässig. Wer einen der beschriebenen Effekte beziehungsweise eine der genannten Funktionen benötigt, ist hier sicherlich gut beraten. Jedoch ist auch diese App nicht perfekt: Weder können mehrere Videoclips zusammengeschnitten werden, noch ist es beispielsweise möglich, Überblendungen oder Manipulationen der Tonspur vorzunehmen.

Abbildung 5: AndroVid zeigt zur Auswahl der Videoclips Vorschaubilder an.
Abbildung 5: AndroVid zeigt zur Auswahl der Videoclips Vorschaubilder an.

Abbildung 6: Die wichtigsten Funktionen von AndroVid auf einen Blick.
Abbildung 6: Die wichtigsten Funktionen von AndroVid auf einen Blick.

V-Cut Express


Die kostenlose Trial-Version von "V-Cut Express" [5] erschreckt zunächst mit einer gewichtigen Einschränkung: Es können nur Videos mit einer Maximallänge von 5 Sekunden als Quellmaterial genutzt werden. Eigentlich wäre die App damit unbenutzbar. Eine Vollversion ist für 0,72 Euro erhältlich. Die Programmierer bieten jedoch an, die Beschränkung der kostenlosen App-Variante für den Ablauf einer Sitzung aufzuheben, wenn der Nutzer auf eine Werbefläche klickt (Abbildung 7). Solch ein erzwungener Werbeklick hinterlässt zwar einen schalen Beigeschmack, ist jedoch unumgänglich, um einen sinnvollen Test der App duchzuführen. Anschließend wird das Quellvideo umständlich über einen externen Dateimanager ausgewählt – auf diese Weise sind weder Vorschaubilder sichtbar, noch werden Dateien anderen Typs (wie zum Beispiel Dokumente) ausgeblendet. Sobald der Nutzer ein Video ausgewählt hat, zeigt sich die App von ihrer (leider einzigen) positiven Seite: die optische Gestaltung weiss durchaus zu gefallen (Abbildung 8).

Die Zeitleiste wird als Filmstreifen dargestellt, Start- und End-Punkt des Videos wählen Sie über verschiebbare Scherensymbole aus. Danach trimmen Sie den Film per Button-Klick (also der Anfang und das Ende weggeschnitten). Der Export des Videos erfolgt im selben Format wie das Quellmaterial. Insgesamt gesehen muss man von der App dennoch abraten. Sie beherrscht einzig und allein das simple "Trimmen" von Videos – und dies ohne jede noch so kleine Zusatzfunktion. Erschwerend kommt hinzu, dass dieser einzig mögliche Anwendungszweck selbst in der Vollversion weniger intuitiv von Statten geht als etwa bei der kostenlosen Variante von Vidtrim. Außerdem sollte ein äußerst lästiger Programmierfehler nicht unerwähnt bleiben: Wenn die App während der Bearbeitung vom Nutzer in den Hintergrund geschickt wird, um ein anderes Programm aufzurufen, dann erlebt der Nutzer nach seiner Rückkehr zu V-Cut Express eine Überraschung: Er findet sich nicht mehr auf dem Bearbeitungsscreen wieder, sondern im Hauptmenü – ohne dass irgendein Zwischenstand gesichert wurde.

Abbildung 7: Die Trial-Version von V-Cut Express lässt sich erst nach einem Werbebanner-Klick halbwegs brauchbar benutzen.
Abbildung 7: Die Trial-Version von V-Cut Express lässt sich erst nach einem Werbebanner-Klick halbwegs brauchbar benutzen.

Abbildung 8: Zumindest über die optische Gestaltung von V-Cut Express lässt sich nicht meckern. Über den Rest leider schon.
Abbildung 8: Zumindest über die optische Gestaltung von V-Cut Express lässt sich nicht meckern. Über den Rest leider schon.

Warnung: AndroMedia Video Editor

An manchen Stellen im Netz finden sich Empfehlungen für die App "AndroMedia Video Editor". Diese wirkt auf den ersten Blick auch sehr verlockend: Ohne auch nur einen Cent zu kosten, kann der Nutzer Clips zusammenfügen oder kürzen. Effekte und Blenden sollen genauso möglich sein wie Titeleinblendungen? Doch Vorsicht! Diese Anwendung setzt nicht nur sehr aufdringliche Werbeanzeigen in die Statusleiste des Smartphones, sondern ändert auch die Startseite und legt ungefragt Werbe-Lesezeichen an. Darüber hinaus bleibt unklar, warum dieses Videoschnitt-Programm laut Berechtigungsübersicht die Telefon- und Seriennummer des Telefons auslesen muss. Wir raten deshalb von einer Installation ab.

Fazit

Keine der vorgestellten Apps bietet auch nur annähernd dieselbe Funktionsvielfalt wie professionelle Schnittprogramme auf einem Desktop-Rechner. Doch dazu eignet sich ein Smartphone-Bildschirm auch nicht wirklich. Ziel ist vielmehr der am Anfang dieses Artikels besprochene Anwendungsfall: Kurzen Mitschnitte eines privaten Erlebnisses noch unterwegs einen letzten Schliff verpassen und per Netz an die eigenen Bekannten weiterreichen. Hier leisten das Google Movie Studio und AndroVid Pro hilfreiche Dienste. Je nach gewünschtem Funktionsmix muss ein Video gegebenenfalls mit beiden Programmen nacheinander bearbeitet werden – die perfekte Video-App, die alles kann gibt es derzeit noch nicht. VidTrim erledigt nur das Trimmen, aber diese eine Aufgabe macht die App wirklich gut. Von Movie Editor und V-Cut Express ist eher abzuraten – bei diesen Apps stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht.

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