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Vergleichstest: Poweramp gegen PlayerPro

Zwei Musik-Player stechen aus dem Google Play Store hervor: Poweramp und PlayerPro glänzen mit einem beeindruckenden Funktionsumfang und wollen Googles Standard-App weit in den Schatten stellen. Wer hat aktuell die Nase vorn?

Video killed the radio star, und das Smartphone den MP3-Player. Wer ein Android-Phone oder -Tablet sein Eigen nennt, schleppt nicht selten seine gesamte Musikbibliothek in der Hosen- oder Aktentasche mit sich herum und hält sich zudem durch die Verbindung zum Internet die Tür zu quasi allen Songs dieser Welt offen. Google trägt dieser Tatsache mit der hauseigenen und schlicht "Musik" getauften App Rechnung. Sie genügt zwar den Basiswünschen an einen Audio-Player, im Vergleich zu anderen Apps hat Google Play Music jedoch klar das Nachsehen. Kein Wunder also, dass es im Google Play Store vor Alternativen nur so wimmelt [1], wobei Poweramp und PlayerPro die audiophile Liste anführen.

Poweramp


Poweramp [2] wurde mit dem Anspruch programmiert, den besten Audioplayer für Android zu schaffen. Dieser Anspruch hängt auch von der Formatauswahl ab, und in diesem Punkt zeigt sich Poweramp erfreulich vielfältig: Neben MP3 und den recht weit verbreiteten Formaten MP4 und m4a unterstützt die App unter anderem auch die freie Alternative Ogg Vorbis sowie die verlustfreien Formate FLAC, ALAC, AIFF und das Urgestein WAV.

Poweramp gibt es bei Google Play in einer 15 Tage lauffähigen Testversion sowie als Kaufversion für 3,99 Euro, wobei letztere die Testversion nur noch freischaltet. Sie müssen also auch dann die Testversion installieren, wenn Sie Poweramp gleich kaufen möchten. Während der Probezeit bleibt der Nutzer von Werbeeinblendungen und anderen Gängeleien verschont, kurz vor Ablauf der Probezeit erscheint ein Hinweis zur Upgrade-Möglichkeit.

Der Erstkontakt nach der Installation wirkt etwas verwirrend: Poweramp empfängt seinen Benutzer mit eingeschalteter Hilfefunktion, die über eine jungfräulich schwarze Oberfläche mit weißen Bedienelementen erklärende Texte legt. Das Ergebnis ist ein etwas unübersichtliches Tohuwabohu zum Empfang, das aber durchaus ein paar gute Tipps bereithält. Die Online-Hilfe lässt sich aber recht schnell überspringen.

Abbildung 1: Das Hauptfenster von Poweramp mit den Icons für Equalizer und Toneinstellungen über dem Albumcover.
Abbildung 1: Das Hauptfenster von Poweramp mit den Icons für Equalizer und Toneinstellungen über dem Albumcover.

Abbildung 2: Poweramp-Nutzer haben die Auswahl zwischen einer Ordner- und Bibliothekdarstellung.
Abbildung 2: Poweramp-Nutzer haben die Auswahl zwischen einer Ordner- und Bibliothekdarstellung.

Ein Besuch der Einstellungen ist gerade dem Erstanwender ans Herz zu legen, denn Poweramp zeigt sich recht großzügig in der Auswahl der einzulesenden Musiksammlung und bedient sich einfach aller aufgefundenen Ordner, was selbst diverse Systemklänge in der Bibliothek auftauchen lässt. Eine Beschränkung auf Androids Standard-Musikordner und einen eventuellen Cloud-Speicher sowie ein nachfolgendes gewissenhaftes Verwalten derselben ist hier weitaus ratsamer und trägt zur Übersichtlichkeit bei. Apropos Einstellungen: Diese verbergen sich in der zweiten Ebene des doppelt aufklappbaren Optionsmenüs.

Abbildung 3: Prunkstück von Poweramp ist der grafische Equalizer inklusive Höhen- und Basskontrolle.
Abbildung 3: Prunkstück von Poweramp ist der grafische Equalizer inklusive Höhen- und Basskontrolle.

Abbildung 4: Doppeldecker: Das Optionsmenü von Poweramp wirkt reichlich überladen.
Abbildung 4: Doppeldecker: Das Optionsmenü von Poweramp wirkt reichlich überladen.

Der Player selbst präsentiert sich zurückhaltender: Im Mittelpunkt steht das Albumcover des aktuellen Musiktitels, wobei sich der Hintergrund an das Farbspektrum des Titelbilds anpasst. Darunter und darüber sind die wichtigsten Bedienelemente angebracht, die durch ihre großzügige Gestaltung auch auf kleinen Bildschirmen gut erreichbar sind. Anders als die Standard-App oder PlayerPro verzichtet Poweramp auf eine zusätzliche Bedienungsleiste für die Bibliothek, Wiedergabelisten sowie Künstler- und Genreangaben. Diese werden vielmehr mittels eines Piktogramms neben den Titelinformationen angesteuert: Standardmäßig landet der Benutzer hier im gerade benutzten Musikordner, die Auswahl des Menüpunkts Bibliothek lässt ihn zu den oben genannten Daten verzweigen – was je nach Gewohnheiten nicht sehr intuitiv ist.

Alternativ halten Sie einen Finger auf dem gerade gespielten Titel gedrückt, um ein Menü zu erhalten. Über diese Geste tun sich weitere Möglichkeiten auf: Berührt man zum Beispiel das Albumcover etwas länger, lässt sich dieses durch im Internet gefundene Varianten ersetzen. In der Ordner-, Alben-, Künstler- und Genreansicht lassen sich per Kontexmenü gezielt Titel in eine Wiedergabeliste übernehmen oder in eine temporäre Warteschlange einreihen. Mit so vielen versteckten Funktionen setzt Poweramp durchaus etwas Erkundungswillen voraus, Google Musik und PlayerPro sind besonders für Neueinsteiger etwas einfacher zu erfassen.

Keine Lücken

Besonders Klassikhörer kennen das Problem: Beim Abspielen von Musiktiteln, die nahtlos ineinander übergehen sollen, also beispielsweise aufeinander folgenden Sätzen einer Sinfonie, entstehen bei digitalen Formaten oft zwar kurze, aber das Vergnügen schmälernde Unterbrechungen. Diese werden durch das sogenannte Gapless- beziehungsweise Seamless-Playback vermieden, das den Anfang von Folgetiteln in einen Pufferspeicher lädt und somit weiche Übergänge ermöglicht. Neuere Audioformate wie Ogg Vorbis und WMA unterstützen diese unterbrechungsfreie Wiedergabe von Haus aus, verlustfreie Kompressionsverfahren wie FLAC sind konzeptbedingt unterbrechungsfrei. Sowohl PlayerPro als auch Poweramp haben Gapless-Playback mit an Bord und verschönern so den Musikgenuss.

Equalizer und Wischgesten

Das eigentliche Highlight von Poweramp sind jedoch die Equalizer- und Toneinstellungen, die mit eigenen Piktogrammen direkt vom Player aus erreichbar sind. Poweramp glänzt mit einem 10-Band-Equalizer inklusive Kontrolle der Vorverstärkung. Besitzer eines Smartphones oder Tablets mit ARM-Architektur können sich zudem über die Unterstützung der NEON-Medien-Engine freuen. Standardmäßig werden 16 Voreinstellungen für die wichtigsten Musikrichtungen mitgeliefert, eigene Justierungen können abhängig von der Klangausgabe (Lautsprecher, Kabel- oder Bluetooth-Headset) gespeichert und sogar auf einzelne Songs, Alben und Playlisten angewendet werden. Höhen, Bässe, Balance sowie eine Stereospreizung werden auf einer eigenen Seite komfortabel mittels virtueller Drehpotis eingestellt – allein das Herumprobieren bei laufenden Musiktiteln macht einen Riesenspaß.

Abbildung 5: Konkurrenzlos umfangreich sind die Headset- beziehungsweise Kopfhörer-Einstellungen von Poweramp.
Abbildung 5: Konkurrenzlos umfangreich sind die Headset- beziehungsweise Kopfhörer-Einstellungen von Poweramp.

Abbildung 6: Nachschub gesichert: Zusätzliche Skin-Designs für Poweramp finden sich im Google Play Store.
Abbildung 6: Nachschub gesichert: Zusätzliche Skin-Designs für Poweramp finden sich im Google Play Store.

Intuitiv erfolgt auch das Wechseln der Titel per Wischgeste. Poweramp bietet zusätzlich aber auch eine vertikale Wischgeste an, um gleich zum nächsten Album zu springen und untermalt diese Auswahl noch mit einer eleganten Animation. Wie die Benutzeroberfläche aussieht, bestimmt die in den Voreinstellungen ausgewählte Skin-Datei. Standardmäßig liegen bereits vier Designs bei, zahlreiche weitere finden sich bei Google Play. Sehr erfreulich ist die Unterstützung für das Scrobbeln von Titeln zum Internetdienst Last.fm.

Konkurrenzlos gut gelöst ist die Unterstützung für Kopfhörer: Wie erwähnt lässt sich Poweramp auf verschiedene Klangausgaben optimieren und erkennt die Verbindung beziehungsweise Trennung von Kopfhörern und Bluetooth-Geräten. In der Grundeinstellung startet der Player automatisch, wenn Sie ein Headset anschließen und stoppt das Playback, wenn Sie die Hardware vom Smartphone trennen. Benutzer von Headsets und Kopfhörern mit integrierten Tasten können Poweramp zur optimierten Kooperation überreden. Last but not least lässt sich der Player auch per Widget vom Android-Desktop aus bedienen, und Poweramp integriert sich auf Wunsch auch im Entsperrbildschirm oder ersetzt diesen gleich komplett. Drei Jahre ist Poweramp mittlerweile alt – und damit eine der bewährtesten Android-Apps überhaupt. Wir können den Audioplayer uneingeschränkt empfehlen.

3,99 Euro

deutsch|Version 2.0.7|4 MByte

PlayerPro Music Player


Mit PlayerPro [3] betritt das zweite Schwergewicht unter den Android-Musik-Playern unseren Vergleich, das ähnlich wie sein Konkurrent Poweramp in einer kostenlosen Testversion zum eigenen Ausprobieren im Play Store auf seine Benutzer wartet – die Evaluierungsphase dauert im Falle von PlayerPro allerdings nur maximal sieben Tage. Vor allem Besitzer eines Smartphones oder Tablets mit einer Android-Version älter als 2.3 sollten gleich das kostenfreie PlayerPro DSP Pack [4] mit installieren, das sein Hauptprogramm erst mit einem Equalizer, weichen Überblendungen sowie unterbrechungsfreier Wiedergabe (Gapless Playback) versorgt und es so mit Poweramp gleichziehen lässt.

Besonders bisherigen Google-Musik-Nutzern dürfte der Erstkontakt mit PlayerPro leichter fallen als das Herantasten an Poweramp, schließlich hält das Programm Alben-, Genre- und Künstlerinformationen ähnlich wie die Standard-App am oberen Bildschirmrand zur schnellen Auswahl bereit. Auch der unkomplizierte Zugriff auf Playlisten, Musik- und Videoordner (!) sowie Songbibliothek ist so möglich. Ähnlich wie bei Poweramp ist die Oberflächengestaltung von der in den Voreinstellungen festgelegten Skin-Datei abhängig, wobei auch hier der Nachschub durch den Google Play Store gesichert ist. Zwar ist die Auswahl nicht ganz so groß wie beim Konkurrenten, dafür sind alle Oberflächendateien kostenlos.

Abbildung 7: PlayerPro zeigt sich aufgeräumt und durchdacht.
Abbildung 7: PlayerPro zeigt sich aufgeräumt und durchdacht.

Abbildung 8: Die wichtigsten Informationen zur Hand: PlayerPro lässt durch eine Navigationsleiste den schnellen Zugriff auf Interpreten-, Genre-, Titel- und Playlisten-Verzeichnisse zu.
Abbildung 8: Die wichtigsten Informationen zur Hand: PlayerPro lässt durch eine Navigationsleiste den schnellen Zugriff auf Interpreten-, Genre-, Titel- und Playlisten-Verzeichnisse zu.

Der eigentliche Player ist ähnlich gestaltet wie sein Äquivalent von Google Musik und Poweramp und hält zusätzliche Funktionen in einem Aufspringmenü bereit, wenn der Finger zum Beispiel länger auf ein Albumcover gehalten wird. Songtitel werden mit einem Links- und Rechtswisch gewechselt, ebenso intuitiv wird ein Titel aus der Musikbibliothek in eine Playliste oder Wiedergabekette eingetragen. Spaß macht auch die Bewegungssteuerung: Ein kurzes Rütteln des Smartphones oder Tablets reicht, um zum nächsten Titel zu springen.

Allgemein scheint sich PlayerPro enger an das gewohnte Android-Design zu halten und in seiner gesamten Gestaltung besser durchdacht zu sein als Poweramp. So wirkt das Optionsmenü weitaus übersichtlicher und weniger überladen und kommt ohne eine zweite Ebene aus. Als Preis dafür sind nicht alle Optionen von jedem Programmteil aus erreichbar: Um zum Beispiel die Einstellungen zu erreichen, muss vom Player in die Musikbibliothek zurückgekehrt werden.

Abbildung 9: Augenschmaus: Der grafische 10-Band-Equalizer steht PlayerPro-Anwendern nach Installation des kostenfreien DSP-Zusatzpakets zur Verfügung.
Abbildung 9: Augenschmaus: Der grafische 10-Band-Equalizer steht PlayerPro-Anwendern nach Installation des kostenfreien DSP-Zusatzpakets zur Verfügung.

Abbildung 10: Klar und übersichtlich: Die reichhaltigen Voreinstellungen von PlayerPro.
Abbildung 10: Klar und übersichtlich: Die reichhaltigen Voreinstellungen von PlayerPro.

PlayerPro bringt wie Google Musik und Poweramp ein lokales Song-Bewertungssystem mit, das sich aber erfreulich offen zeigt und Wertungen zum Beispiel aus dem Windows Media Player und Winamp im- und exportiert. Ist iSyncr [5] installiert, klappt sogar die automatische Synchronisation mit iTunes auf Mac und PC. Fast schon selbstverständlich für einen Player dieser Güte ist das Scrobbeln von Titeln an Last.fm, etwas ärgerlich hingegen, dass PlayerPro in unserem Test Neuankömmlinge im Musikordner oftmals erst nach einem manuell gestarteten Medien-Scanning erkannt hat. Das Programm ist mit einem Headset steuerbar, allerdings sind die Konfigurationsmöglichkeiten nicht ganz so opulent wie die von Poweramp.

Äußerst übersichtlich sind die Equalizer-Einstellungen gelungen. PlayerPro bringt mit erwähntem DSP-Paket zehn Bänder aufs Parkett und ebenso viele Voreinstellungen gleich mit. Als Drehpoti ist ein Bassverstärker realisiert, auf detaillierte Einstellungen für Höhen, Balance und die Stereospreizung muss allerdings verzichtet werden. Auf neueren Smartphones und Tablets mit einem Android-Betriebssystem ab Version 2.3 sorgen außerdem sechs verschiedene Hallarten für zusätzliche Atmosphäre.

Abbildung 11: PlayerPro spielt mit Künstler- und Albenfotos für die verschiedenen Übersichten.
Abbildung 11: PlayerPro spielt mit Künstler- und Albenfotos für die verschiedenen Übersichten.

Abbildung 12: PlayerPro bietet fünf Widget-Größen zur Bedienung vom Android-Desktop aus an.
Abbildung 12: PlayerPro bietet fünf Widget-Größen zur Bedienung vom Android-Desktop aus an.

PlayerPro ist auch per Widget und als Lockscreen bedienbar, ein kostenloses zusätzliches Widget-Paket erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten nochmals.

3,95 Euro

deutsch|Version 2.44|4 MByte

Fazit

Poweramp überwältigt mit seinen immensen Möglichkeiten zur Optimierung der Musikausgabe und Konfiguration des Programmverhaltens – und das im positiven wie negativen Sinn: Musikpuristen mit viel Liebe zum Klangdetail, aber auch Nutzer von Headsets mit und ohne Bluetooth finden in Poweramp ihr Mekka. Trotzdem wirkt die Oberfläche und Bedienung oftmals schlicht überladen und nicht ganz zu Ende gedacht. Hier weiß PlayerPro umso mehr zu glänzen, der einen ähnlich beeindruckenden Funktionsumfang in eine wesentlich elegantere Benutzerführung zu verpacken weiß und besonders Google-Musik-Umsteiger mit offeneren Armen empfängt.

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