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Tipp Raspberry Pi 4 und openHab2 / openHABian

Im vorigen Artikel hast du erfahren, wie du den Raspberry Pi 4 einrichtest, einen 7 Zoll Bildschirm in Betrieb nimmst und den Pi für den Remote-Zugriff per SSH und VNC bereit machst. In diesem Teil widmen wir uns der Installation und Konfiguration von openHAB2 bzw. openHABian.

Was ist openHAB ?

openHAB steht für open Home Automation Bus. openHAB versucht hierbei Smart Home Lösungen und Geräte verschiedenster Hersteller in einer gemeinsamen grafischen Oberfläche abzubilden und zu steuern. Über Addons kannst du verschiedenste Funktionen nachinstallieren; das Einbinden erfolgt hierbei über die Gerätesuche mit sogenannten Bindings. Außerdem hast du die Möglichkeit mit Hilfe einer Rule Engine Regeln festzulegen. Auch bietet dir openHAB Apps für iOS und Android an.

2 Wege führen nach Rom

Es gibt 2 Varianten, mit denen du openHab auf deinem Raspberry Pi installieren kannst:

Einmal über das Image openHABian, oder über die manuelle Installation von openHAB. Die Installation über das openHABian-Image ist sinnvoll, wenn du bei null starten möchtest. Hast du allerdings deinen Pi schon länger in Betrieb, solltest du abwägen, ob eine manuelle Installation sinnvoller erscheint. Der Vorteil von openHABian ist, dass hier bereits alles voreingestellt bzw. vorinstalliert ist. Bei der manuellen Installation musst du alles selbst einrichten. Auch die automatischen Updates sind beim openHABian gewährleistet. Wir zeigen dir hier in diesem Artikel beiden Varianten.

Wehrmutstropfen

Einziger Wehrmutstropfen ist, dass openHABian zum Zeitpunkt, als wir diesen Artikel geschrieben hatten, noch kein Wifi beim Raspberry Pi 4 unterstützt. Hier solltest du evtl nochmal nachlesen wie es darum steht, oder falls du vorhast den Pi an einem Netzwerkkabel zu betreiben, kannst du das auch erst einmal ignorieren. Weiterhin bietet dir die Installation von openHABian auf dem Pi von vornherein keine grafische Oberfläche an. Allerdings braucht man diese auch nicht wirklich, da die Konfiguration größtenteils über den Browser geschieht und dir auch immer noch das Terminal zur Verfügung steht.

openHABian – Installation über das Image

Auf der offiziellen Webseite von openHABian erfährst du, welche Features das Image beinhaltet und wie du bei der Installation vorgehst. Zunächst lädst du dir das Image des aktuellen Releases von openHABian von GitHub herunter. Dieses Image musst du nun auf deine SD-Karte flashen. Dies machst du über das Tool Etcher. Wir haben uns hier die Version für den Mac heruntergeladen und installiert.

Die Verwendung von Etcher ist hierbei selbsterklärend. Du wählst das Image aus, dann die SD-Karte als Ziel und klickst auf „Flash“. Die eingelegte SD-Karte wird bei dem Flash-Vorgang formatiert.

Nachdem du den Flash-Vorgang gestartet hast, wird das Image auf die SD-Karte kopiert und anschließend noch einmal validiert. Nach ein paar Minuten ist der Vorgang beendet und du kannst die SD-Karte in deinen Raspberry Pi einsetzen.

Nun schließe noch ein Netzwerkkabel an den Raspberry Pi an sowie Maus und Tastatur und verbinde ihn per HDMI an deinen Fernseher oder Bildschirm. Nachdem du das Netzteil eingesteckt hast startet der Raspberry Pi und beginnt selbstständig mit der Installation.

Die Installation dauert ungefähr so lange, wie du für eine Chipstüte Doritos brauchst ;-)

Ist die Installation abgeschlossen meldest du dich mit dem Benutzernamen openhabian und dem Passwort openhabian an. Anschließend startest du die Konfiguration mit:

sudo openhabian-config

Wähle nun 01 Update aus und anschließend 02 Update System. Weiter geht es nun zu dem Punkt 30 System Settings. Hier kannst du den Hostnamen ändern (Standard ist openhabianpi), die Zeitzone einstellen, die Passwörter für das Linux System, die openHAB Console, Samba und Amanda backup ändern, usw. Auch gibt es hier die Option Wifi Setup, welche aber für den Raspberry Pi 4 zum Zeitpunkt unseres Artikels noch nicht zur Verfügung stand. Also ist erstmal nur die Verwendung über ein Netzwerkkabel möglich.

Unter dem Menüpunkt 20 Components hast du die Möglichkeit verschiedene Komponenten zu installieren, wie z.B. frontail als Logger, NodeRED, uvm.

Eine feste IP-Adresse zuweisen

Als nächstes solltest du dem Raspberry Pi in deinem Router noch eine feste IP-Adresse zuweisen. Dies machst du z.B. bei der FritzBox unter Heimnetz => Netzwerk, suchst dir hier den entsprechenden Eintrag heraus und klickst auf bearbeiten.

openHabFestIp128 | android-user.de

Zugriff per SSH

Auch per SSH kannst du nun bereits auf deinen Pi zugreifen. Dazu gibst du entweder den oben gewählten Hostnamen ein, oder du verbindest dich über die festgelegte IP-Adresse:

ssh openhabianpi@openhab
 ssh openhabianpi@192.168.178.128

Den Raspberry Pi absichern

Du solltest deinen Raspberry Pi jetzt unbedingt noch absichern. Denn es ist nie eine gute Idee, wenn jemand deinen Benutzernamen kennt (was bei einer Image-Installation immer der Fall ist). Erstelle dir nun also einen neuen Benutzer und vergib diesem ein neues Passwort. Den Standard-Benutzer openhabianpi löschst du anschließend. Wie du dabei genau vorgehst, haben wir an dieser Stelle im ersten Artikel beschrieben.

Damit ist die Grundinstallation auch schon abgeschlossen. Du kannst nun damit beginnen openHAB über deinen Browser zu konfigurieren. Wie du die Erst-Konfiguration startest, erfährst du weiter unten in diesem Artikel.

openHAB – Manuelle Installation

In diesem Abschnitt behandeln wir die manuelle Installation von openHAB.

Voraussetzungen

Voraussetzung, um openHAB2 auf deinem Raspberry Pi betreiben zu können, ist eine installierte JVM (Java Virtual Machine). Hier existieren mehrere Varianten wie Oracle Java, oder OpenJDK. Vom openHAB Team wird allerdings Zulu als Java Plattform empfohlen, da es komplett OpenSource ist sowie es sich hierbei um einen vollständig zertifizierten Java SE-kompatiblen Build von OpenJDK handelt. Für Oracle Java hingegen könnten Restriktionen existieren und OpenJDK beinhaltet laut openHAB Performance-Probleme.

Wichtig ist noch, dass laut der offiziellen Anleitung von openHAB empfohlen wird, dass du Java in der Version 8 installierst, da openHAB bekanntlich nicht mit Java 9 oder Java 10 läuft. Weiterhin solltest du die 32-Bit Version verwenden (auch auf einem 64 Bit System), denn serielle Verbindungen funktionieren auf einer 64 Bit JVM nicht, sodass du keine Produkte nutzen kannst, die z.B. das Z-Wave Protokoll verwenden (dazu später mehr).

java | android-user.de

Zulu installieren

Zunächst solltest du prüfen, ob bereits eine Java-Version auf deinem Raspberry Pi installiert ist und diese deinstallieren. Dies machst du über das Terminal mit dem Befehl (ohne #):

java -version


Bei unserem Pi war openJDK installiert. Dieses deinstallierst du mit dem Kommando:

sudo apt-get purge openJDK*


Nachdem du die Pakete deinstalliert hast, sollte der Befehl „java -version“ nicht mehr gefunden werden. Nun musst du „dirmngr“ installieren, sofern es noch nicht vorhanden ist:

sudo apt-get install dirmngr


Weiter geht es den Repository-Key von azulsystems unseren „bekannten“ apt Keys hinzuzufügen bzw. die Datenquellen zu ergänzen. Führe dazu folgende Kommandos aus:

sudo apt-key adv --keyserver hkp://keyserver.ubuntu.com:80 --recv-keys 0x219BD9C9

 echo 'deb http://repos.azulsystems.com/debian stable main' | sudo tee /etc/apt/sources.list.d/zulu.list


Nun musst du noch das Repository upgraden und das Paket installieren:

sudo apt update

 sudo apt install zulu-embedded-8


Ob Zulu-Java erfolgreich installiert wurde siehst du, indem du wieder „java -version“ ausführst. Du solltest folgendes Ergebnis angezeigt bekommen:

Zulu Java Version | android-user.de


Falls hier nicht die openJDK von Zulu angezeigt wird, musst du noch Zulu als aktive Java-Version setzen. Sofern Zulu angezeigt wird, ist alles in Ordnung und du kannst diesen Befehl überspringen:

sudo update-alternatives --config java

openHAB 2 installieren

Um openHAB zu installieren, musst du den Repository-Schlüssel zunächst dem Katalog bekannt machen.

wget -qO - 'https://bintray.com/user/downloadSubjectPublicKey?username=openhab' | sudo apt-key add -


Da du das Verzeichnis allerdings nur mittels verschlüsselter Verbindung erreichen kannst, musst du das https-Protokoll noch für apt aktivieren.

sudo apt install apt-transport-https


Ist das erledigt, fügst du das Stable-Repository dem Katalog hinzu.

echo 'deb https://dl.bintray.com/openhab/apt-repo2 stable main' | sudo tee /etc/apt/sources.list.d/openhab2.list


Anschließend aktualisierst du den Katalog der verfügbaren Pakete

sudo apt update


und installierst openHAB 2.

sudo apt install openhab2


Nun lädst du noch die verfügbaren Addons herunter.

sudo apt-get install openhab2-addons

Jetzt musst du openHAB2 noch als Dienst starten und gewährleisten, dass openHAB 2 auch nach einem Neustart des Systems verfügbar ist. Dies machst du wie folgt.

sudo systemctl start openhab2.service
 sudo systemctl status openhab2.service

 sudo systemctl daemon-reload
 sudo systemctl enable openhab2.service

Du solltest nun folgende Ausgabe erhalten:

OpenHab2 Dienst | android-user.de

openHAB 2 Erst-Konfiguration

Nun sind wir soweit fertig und können die Erst-Einrichtung starten. Dazu rufst du einfach über einen Webbrowser (du musst dich mit deinem PC in deinem lokalen Netzwerk befinden) die IP-Adresse über Port 8080 auf, also z.B.:

http://192.168.178.128:8080

Du landest nun auf der Konfigurationsseite für die Ersteinrichtung.

openHAB Ersteinrichtung | android-user.de


Hier wählst du nun eines angebotenen Pakete aus. Diese unterscheiden sich in:

SimpleMinimalste Einstellungen und Oberflächen
StandardPaperUI sowie BasicUI
ExperteInstallation von allen Oberflächen
DemoBeispiel des Funktionsumfangs


Anschließend wird openHAB konfiguriert und du landest auf der Startseite.

openHAB Startseite | android-user.de

Fazit

Du hast nun openHAB auf deinem Raspberry Pi 4 in Betrieb genommen. Die Erst-Konfiguration ist abgeschlossen und nun können wir damit loslegen die ersten Komponenten einzubinden. Wie du dabei vorgehen musst erfährst du im nächsten Artikel.

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