19. Oktober 2021
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The HolyPhone Confessional Crisis: Wenn das Smartphone zum Beichtstuhl wird

Der Vatikan hat eine neue Geldpresse erfunden. Anstatt Priester in die Beichtstühle zu setzen, bringt man diese in ein Call-Center und stattet die Kirchen mit modernen Beichtterminals aus. Wer seine Sünden nicht mit 15 Ave Maria begleichen will, muss von nun an einfach seine Kreditkarte zücken. Das Geld fließt denn auch schnell in Strömen. Doch nicht nur dorthin, wo es eigentlich hin sollte.

Der neueste Roman des unabhängigen Schriftstellers Charles Brett hat sich ein besonders prickelndes, aber eigentlich auch naheliegendes Thema für sein neuestes Buch mit dem Titel „The HolyPhone Confessional Crisis“ ausgesucht: Das Santofonino genannte Handy als Beichtmedium. Grund genug für Android User, sich das über 300 Seiten starke E-Book durchzulesen.

Die Story beginnt relativ unspektakulär mit einem Abendessen in einem typischen italienischen Lokal in Rom. Pater Jose Antonio und Kardinal da Ferraz alias Nelson unterhalten sich hier über das neue Santofonino. Während sie von der Wirtin Giovanna mit allen möglichen Köstlichkeiten versorgt werden, auf die der Autor recht detailliert eingeht, besprechen die beien Geistlichen die aktuelle Entwicklung des Santofonino, um den Leser mit den nötigen Informationen zu versorgen. Da Ferraz äußert den Verdacht, dass sich bei den Spenden, die über das Heilige Smartphone einfließen, jemand in unlauterer Weise bedient. Genauere Infos stehen ihm keine zur Verfügung, es ist denn auch mehr eine bloße Vermutung als ein konkreter Verdacht, den Nelson zu Beginn der Story äußert. Parallel dazu will man den eigentlichen Erfinder des Heiligen Smartphones, einen gewissen Davide ausfindig machen, da der Vatikan die Idee eigentlich von ihm gestohlen und ohne sein Wissen verwirklicht hat.

Davide trifft sich ein paar Tage später in Rom mit Nelson und Jose Antonio und die beiden klären ihn über die Funktionsweise des Santofoninos auf. Sie weihen ihn auch in ihr Geheimnis ein und bitten ihn, an den Ermittlungen zu den vermuteten Unregelmäßigkeiten um die Bußgelder teilzunehmen. Gleichzeitig wird innerhalb des Vatikans ein gewisser Michele Severino damit beauftragt, entsprechende Untersuchungen diskret anzustoßen. Bei Pater Severino handelt es sich um einen ehemaligen Banker, der nach einer gescheiterten Beziehung zum Priester wurde und bei der Entwicklung der Santofonino-Software entscheidend beteiligt war. Er und Davide werden im weiteren Verlauf des Romans zu den zentralen Protagonisten, wobei sich die Handlung von nun an in zwei Strängen abspielt: Davide bekommt Unterstützung von Interpol durch den Iren Conor und die Australierin Caterina als Computerexpertin erster Sahne. Michele Severino trifft in Israel seine ehemalige Liebe wieder und wird gleich in mehrfacher Hinsicht auf Probe gestellt. Und natürlich darf auch eine prickelnde Love-Story nicht fehlen, auch wenn diese anders verläuft, als der Leser zunächst vermutet.

Der Autor geht detailliert auf die täglichen Probleme bei der Smartphone-Nutzung ein.
Der Autor geht detailliert auf die täglichen Probleme bei der Smartphone-Nutzung ein.

Kritik

The HolyPhone Confessional Crisis ist absolut up-to-date. Das Buch nimmt nicht nur auf diverse top-aktuelle Themen bezug, sondern gibt sich auch hinsichtlich der technischen Details rund um das Santofonino und das dahinterstehende Customer-Center des Vatikans keine Blöße. Das ist auch kein Wunder, schließlich ist Charles Brett ein Technikfanatiker. Leider kommt aber auch eine andere Vorliebe bon Brett recht oft zum Zuge: seine Zuwendung für gutes Essen und detaillierte Beschreibungen. So berichtet HolyPhone Confessional Crisis zu Beginn recht ausführlich über die einzelnen Mahlzeiten und Getränke, die die Protagonisten verkosten und geht für einen technischen Thriller etwas zu detailliert auf diese Dinge ein. Klar benötigt jeder Akteur eine entsprechende Beschreibung, aber der Charakter kann sich ja auch während der Handlung entwickeln und muss nicht gleich bei der ersten Erwähnung ins kleinste Detail beschrieben werden. Dazu kommt noch, dass einige der so detailliert skizzierten Personen dann im letzten Drittel des Buchs sich komplett verändern: Wenn aus einer hässlichen Nonne auf einmal eine sexy Parnerin mit Vorliebe für außergewöhnliche Dessous wird, dann trägt das nicht unbedingt zur Glaubhaftigkeit der Protagonistin bei.

Das Buch wird leider erst im letzten Drittel so richtig spannend.
Das Buch wird leider erst im letzten Drittel so richtig spannend.

Die zweite Kritik am Roman betrifft die Story an sich. Sie ist zwar in sich stringent, aber im Nachhinein doch etwas flach: Aus einem reinen Bauchgefühl bläst das Buch einen riesigen Apparat und Verzweigungen nach Israel, in die USA und nach Spanien auf, um dann am Schluss festzustellen, dass die Gelder ja eigentlich die Katholische Kirche gar nicht verlassen haben. Zumindest fast, denn ein paar Pointen hat die ansonsten gut geschriebene Story dann doch noch auf Lager. Wirklich interessant wird HolyPhone Confessional Crisis aber erst ab dem zweiten Drittel. Den Handlungsstrang in Israel hätte sich der Autor unserer Meinung nach komplett sparen können. Das Buch eignet sich denn auch mehr für Leserinnen und Leser, die ihre Freude an ausführlichen Beschreibungen bis ins letzte Detail haben und auch die nötigen Englischkenntnisse mitbringen, um den feinen Humor von Brett zu verstehen, der die Story auf den ersten 200 Seiten immer wieder mal vor dem einschlafen bewahrt. Wer sich mehr für Action interessiert, liest die ersten 250 Seiten am besten Diagonal, denn wirklich spannend wird es erst ab Kapitel 13, prickelnde Erotik inklusive.

The HolyPhone Confessional Crisis von Charles Brett gibt es bei Google Play Books für 1,74 Euro. Play Books bietet auch eine gratis Leseprobe zum Buch.

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