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Speicherkarten mit Wi-Fi und Android-App im Test

© (C) Android User, Christoph Langner

Sie Fotografieren mit Verve und Ambition? Dann ist es mit Sicherheit einer Ihrer Wünsche Ihre Aufnahmen umgehend auf einem größeren Bildschirm zu kontrollieren. Speicherkarten mit WLAN-Funktion und Android-App machen dies möglich. Android User hat die Alternativen im Test.

In der guten alten Zeit der analogen Fotografie dienten Polaroid-Sofortbildfotokameras oft dazu, die Ausleuchtung der Szene beurteilen zu können. Der Fotograf konnte ja nicht ohne weiteres schnell ins Labor laufen und seine Aufnahme entwickeln und ausbelichten. In Zeiten der digitalen Fotografie fällt die umgehende Kontrolle der Aufnahmen leichter, doch solange die Kamera keine WLAN-Funktion hat, muss die Speicherkarte aus der Kamera genommen und per Kartenleser am PC ausgelesen werden. Damit auch noch dieser Schritt entfällt, gibt es SD-Speicherkarten mit WLAN-Funktion. Dank passender Android-Apps koppeln Sie so Ihr Android-Handy oder -Tablet mit Ihrer Digitalkamera.

Eye-Fi Mobile X2


Plusminus

+ Arbeitet auch als WLAN-Client

+ Pro-Version beherrscht auch RAW

+ Bilder erscheinen umgehend in App

+ Geotagging via WiFi-Ortung bei Pro-Version

– Class 10 nur im teuersten Modell

– PC zur Konfiguration nötig

– Teuerste Karte im Test

– Funktioniert nicht in allen Kartenlesern

Eye-Fi gehört zu den Pionieren unter den Speicherkarten mit integriertem WLAN. Das Produkt hat sich praktisch zum Standard entwickelt, so dass diverse Kamera-Hersteller bereits Konfigurations-Tools direkt in die Menüs ihrer Kameras integrieren. So können Sie etwa in einigen aktuellen aktuellen Kameras von Canon, Pentax, Nikon oder Casio die WLAN-Funktion der Karte über das Menü ab- und anschalten. Das spart Strom, wenn Sie unterwegs auf Foto-Tour sind und die WLAN-Funktion gar nicht benötigen.

Abbildung 1: Zur Konfiguration der Eye-Fi-Karte benötigen Sie einen Windows-PC oder Mac.
Abbildung 1: Zur Konfiguration der Eye-Fi-Karte benötigen Sie einen Windows-PC oder Mac.

Um die Karte einzurichten benötigen Sie einen PC mit Windows oder MacOS X, die von Eye-Fi auf der Karte mitgelieferte oder aus dem Internet herunterladbare Software "Eye-Fi Center" [1], sowie einen speziellen USB-Adapter. Er erlaubt es der Software auf die erweiterten WLAN-Funktionen zuzugreifen, über einen normalen Kartenleser kommen Sie nur an die auf der Karte gespeicherten Bilder – In unserem Test zeigte sich jedoch auch, dass die Karte nicht jeden Kartenleser unterstützt.

Das Einrichten der Karte geht mit der Software leicht von der Hand. So geben Sie die Zugangsdaten zu Ihrem WLAN-Netzwerk über das Programm ein oder aktivieren auch den Direct Mode, in dem die Karte selber als WLAN-Access-Point fungiert, so dass Sie auch unterwegs Karte und Androide miteinander koppeln können. In diesem Modus hat Ihr Handy/Tablet allerdings keine Verbindung mehr zum Internet. Über ein Eye-Fi-Konto werden die Einstellungen über Ihre Geräte hinweg abgeglichen. Ist die Konfiguration abgeschlossen, legen Sie die Eye-Fi-Karte in Ihre Kamera ein und schalten Sie ein.

Abbildung 2: Das Eye-Fi-Center empfängt Ihre Aufnahmen drahtlos auf dem Desktop-Computer.
Abbildung 2: Das Eye-Fi-Center empfängt Ihre Aufnahmen drahtlos auf dem Desktop-Computer.

Das Eye-Fi-Center dient auf dem PC auch als Empfänger für die auf der Eye-Fi gespeicherten Karte. Ist die Karte entsprechend eingerichtet, landen Bilder nach der Aufnahme umgehend über WLAN auf Ihrem PC. Die Modelle "Mobile X2" und "Connect X2" übertragen lediglich das JPEG-Format, die etwas teureren Karten aus der Pro X2-Reihe können zudem auch RAW-Bilder übertragen.

Für Android bietet Eye-Fi eine eigene App im Play Store [2] an. Sie dient ebenso wie die PC-Anwendung als Empfänger und Betrachter für Ihre Aufnahmen, sie beinhaltet jedoch nur wenig Konfigurationsmöglichkeiten. Sie benötigen weiterhin einen PC und die "Eye-Fi Center"-Software um die Karte einzurichten. Innerhalb der App bestimmen Sie unter Einstellungen | Eye-Fi-Einstellungen, auf welches der gekoppelten Geräte Bilder und Videos geleitet werden, wählen Sie hier Ihr Android-Tablet aus.

Abbildung 3: Mit der Eye-Fi-App kontrollieren Sie Ihre Bilder direkt auf dem Display eines Androiden.
Abbildung 3: Mit der Eye-Fi-App kontrollieren Sie Ihre Bilder direkt auf dem Display eines Androiden.

Abbildung 4: Aufnahmen erscheinen sofort auf dem Display Ihres Handys oder Android-Tablets.
Abbildung 4: Aufnahmen erscheinen sofort auf dem Display Ihres Handys oder Android-Tablets.

Haben Sie die Karte so konfiguriert, dass Aufnahmen auf Ihren Androiden gelenkte werden springt nach einer dem Drücken des Auslösers umgehend die Übertragung an. Bei guter Verbindung zwischen Kamera und Tablet ist selbst eine Aufnahme mit 12 MPixel in wenigen Sekunden auf das Tablet geladen, die Übertragungsgeschwindigkeit entspricht in der Praxis etwa einem MByte/s. Die Eye-Fi-App zeigt Ihnen die Übertragung an, per Wischgeste gelangen Sie anschließend – wie von der Android-Galerie gewohnt – von einer Aufnahme zur Nächsten.

Transcend Wi-Fi SD Card


Plusminus

+ Arbeitet auch als WLAN-Client

+ Benötigt für Konfiguration keinen PC

+ Bilder erscheinen umgehend in App

+ Schneller Class-10-Standard

+ Bestes Preis-/Leistungsverhältnis

– Unsichere Standardeinstellungen

Transcend bietet seine Wi-Fi-Karte mit 16 oder 32 GByte Kapazität ausschließlich mit der Class-10-Spezifikation an. Damit garantiert Transcend eine Schreibgeschwindigkeit von mindestens 10 MByte/s. Nur Eye-Fi bietet mit der X2 Pro 16 GByte ebenfalls eine Class-10-Karte mit WLAN-Funktion an, diese kostet jedoch um die 100 US-Dollar und ist in Europa noch nicht zu haben.

Im Gegensatz zur Eye-Fi-Karte benötigen Sie zum Einrichten der Transcend-Karte keine PC-Software. Um Ihren Androiden zu verbinden, starten Sie Ihre Kamera mit eingelegter Transcend-Karte, installieren auf Ihrem Handy oder Tablet die "Wi-Fi SD"-App [3] für Android und suchen nun in den Einstellungen | WLAN nach einem WLAN mit den Namen WIFISD. Der WLAN-Schlüssel zu diesem Netz lautet in der Anfangskonfiguration "12345678".

In der Grundkonfiguration arbeitet die Karte lediglich als WLAN-Accesspoint, mit der Karte verbundene Androiden verlieren daher die Möglichkeit mit dem Internet zu kommunizieren. Sie können jedoch über den Menüpunkt Einstellungen – die Zugangsdaten lauten hier admin/admin – innerhalb der "Wi-Fi SD"-App den Verbindungsmodus von Direct Share auf Internet Modus umstellen. Unter Einstellungen Internet Modus speichern Sie dann bis zu drei bestehenden WLANs ab. Ändern Sie an dieser Stelle am besten auch gleich in den Sicherheitseinstellungen die Zugangsdaten zu den Einstellungen.

Abbildung 5: Mit der Transcend-App "Wi-Fi SD" greifen Sie drahtlos auf den Speicher der Karte zu.
Abbildung 5: Mit der Transcend-App "Wi-Fi SD" greifen Sie drahtlos auf den Speicher der Karte zu.

Abbildung 6: Gerade geschossene Aufnahmen sehen Sie wie bei Eye-Fi umgehend auf dem Display.
Abbildung 6: Gerade geschossene Aufnahmen sehen Sie wie bei Eye-Fi umgehend auf dem Display.

Einmal eingerichtet dient Ihnen die Transcend-App als digitales Polaroid. Ihre Aufnahmen erscheinen bei aktiver App im Shoot & View-Modus direkt auf dem Schirm Ihres Androiden, alternativ stöbern Sie mit Durchsuchen durch die im Speicher der Kamera liegenden Bilder und laden diese auf Ihr Handy herunter. Die Übersichten werden jedoch nicht automatisch aktualisiert wenn neue Bilder hinzukommen. Sollten Sie einmal keinen Androiden zur Hand haben, können Sie sich per Webbrowser unter der IP der Karte – diese finden Sie in den Einstellungen der App – Ihre Bilder ansehen.

Abbildung 7: Alternativ bietet die Karte ein Web-Frontend für den Desktop-PC oder das Notebook an.
Abbildung 7: Alternativ bietet die Karte ein Web-Frontend für den Desktop-PC oder das Notebook an.

Toshiba FlashAir


Plusminus

+ Benötigt für Konfiguration keinen PC

– Kein Live-Modus verfügbar

– Arbeitet lediglich als Access-Point

– Unsichere Standardeinstellungen

– Geringe Schreib-/Lese-Leistung

Wie auch schon bei der Transcend Wi-Fi Karte benötigen Sie für die Konfiguration der FlashAir-Karte keine Software. Wieder legen Sie die Karte in Ihre Kamera ein, installieren die FlashAir-App [4] auf Ihrem Android-Handy oder -Tablet und buchen sich in den AccessPoint der Karte ein. Sie müssen sich dazu nicht durch die Android-Einstellungen graben, die FlashAir-App übernimmt die Suche nach dem entsprechenden Netzwerk. Auch in diesem Fall lautet das Standard-Passwort wieder "12345678", ändern Sie diese am besten umgehend in den Einstellungen der App.

Abbildung 8: Die FlashAir-App Toshibas ist eher ein Download-Tool, eine Live-Vorschau gibt es nicht.
Abbildung 8: Die FlashAir-App Toshibas ist eher ein Download-Tool, eine Live-Vorschau gibt es nicht.

Abbildung 9: Im "View Mode" der App stöbern Sie nur durch bereits ausgelesene Aufnahmen.
Abbildung 9: Im "View Mode" der App stöbern Sie nur durch bereits ausgelesene Aufnahmen.

Die App verbindet sich daraufhin zur Karte und zeigt Ihnen die bereits geschossenen Bilder an. Ein längerer Klick auf eines der Vorschaubilder lädt die Aufnahme in voller Auflösung, über den Download-Button speichern Sie das Bild auf Ihrem Android-Gerät. Es lassen sich auch gleich mehrere Aufnahmen auswählen und per Batch-Download herunterladen.

Abbildung 10: Auch die FlashAir-Karte bietet einen integrierten Webserver zum Download ohne App an.
Abbildung 10: Auch die FlashAir-Karte bietet einen integrierten Webserver zum Download ohne App an.

Damit hat sich die Funktionalität der App jedoch auch schon erschlagen. Ein Live-Modus, der Ihnen das gerade geschossene Bild sofort anzeigt? Fehlanzeige! Ein Internet-Modus wie bei Eye-Fi oder Transcend, so dass sich die Karte nahtlos in Ihr WLAN einfügt und Sie nicht immer eine extra Verbindung zur Karte aufnehmen müssen? Auch nicht vorhanden! Einzig ein Web-Frontend wie bei der Transcend-Karte bietet unter der IP 192.168.0.1 verbundenen Geräten die Option abseits der App auf die Daten der Karte per WLAN zuzugreifen.

Fazit: Eye-Fi und Transcend top!

Den besten Eindruck hinterließen die Karten von Eye-Fi und Transcend, wobei Transcend für einen deutlich geringeren Preis eine ähnlich gute Leistung, in manchen Bereichen sogar eine noch bessere, bringt. Eye-Fi hat nur die Nase vorn, wenn Sie die Karte auch mit dem PC koppeln möchten, oder gar die Online-Funktionen nutzen wollen. Ähnliches haben Transcend und auch Toshiba nicht in Peto. Auch gibt es eine rege Community um die Eye-Fi-Karten, die alternative Android-Apps oder auch Linux-Tools entwickelt. Wenn es aber hauptsächlich darum geht Aufnahmen unmittelbar auf einem Androiden anzusehen, dann liegen Sie bei Transcend richtig, daher geht an diese Karte auch die Empfehlung der Redaktion.


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