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Sonys Internet-TV-Box mit Google-TV

© Sony

Sony preist seine Internet-TV-Box NSZ-GS7 mit Google-TV als „Revolution im Home Entertainment“ an. Ob das Gerät dieses vollmundige Versprechen hält, klärt der Test.

Plusminus

+ Moderater Preis

+ Durchdachte QWERTZ-Fernbedienung

– Nur Internet-TV

– Nur sehr wenige Apps kompatibel

– DLNA erst mit Zusatzsoftware nutzbar

Neben Tablets und Smartphones steigt noch eine Gerätekategorie kontinuierlich in der Gunst der Käufer: So genannte Nettop-Boxen. Sie erlauben es, den heimischen Fernseher für vergleichsweise wenig Geld zu einem multimedialen Alleskönner inklusive Spielekonsole aufzurüsten. Ein Dreh- und Angelpunkt ist hierbei allerdings die Usability: Gerät die Bedienung zu umständlich, geht der Spaß daran verloren.

Sony möchte dieses Kriterium mit einer multifunktionalen Fernbedienung abfangen, die Bestandteil der Internet-TV-Box NSZ-GS7 ist. Der Hersteller empfiehlt dafür einen Verkaufspreis von 199 Euro, der Straßenpreis liegt derzeit ungefähr bei 159 Euro (Stand Februar 2013).

Ingredienzen

Zu den Innereien der Box gibt sich Sony ungewöhnlich geschlossen: Die Produktseite [1] liefert keinerlei Informationen über die technischen Spezifikationen sondern lediglich über Features wie Kindersicherung oder die Wiedergabemodi von Filmen. Erst die App Android System Info [2] bringt halbwegs Licht ins Dunkel. So sorgt eine ARMv7-basierte Marvell-1500-CPU mit einer Taktrate von 1,2 GHz und zwei Kernen für die Rechenpower. Ihr zur Seite stehen angeblich 1 GByte Arbeitsspeicher, System Info identifizierte jedoch nur 628 MByte, wovon etwa 450 schon belegt sind. An Massenspeicher stehen 4 GByte bereit.

Auf der Rückseite bietet die Box Anschluss für zwei USB-Geräte; ein LAN-Slot erlaubt den Anschluss ans Netzwerk via Ethernet. Die meisten Anwender ziehen aber vermutlich das integrierte g/b/n-WLAN vor. Da dem Gerät ein eigener TV-Reciever fehlt, benötigt es einen externen. Die Box leitet das Signal dann via HDMI an den Fernseher weiter. Hier entpuppt sich die erste ernsthafte Schwäche des Geräts: Da viele Anwender das TV-Signal über den im TV eingebauten Receiver empfangen, geht für diese ein wichtiger Teil der angepriesenen Funktionalität des Sony-Winzlings verloren, etwa das Aufnehmen von Sendungen oder das Einblenden eines Browserfensters Bild-im-Bild.

Abbildung 1: Neben einem HDMI-Ein -und Ausgang bietet die Surfstation zwei USB-Ports und einen digitalen Audio-Ausgang.
Abbildung 1: Neben einem HDMI-Ein -und Ausgang bietet die Surfstation zwei USB-Ports und einen digitalen Audio-Ausgang.

Software

Als erster Hersteller lieferte Sony die im Juli 2012 veröffentlichte Surfstation mit Google-TV, basierend auf Android 3.2, aus. Der Desktop besteht lediglich aus einer Menü-Leiste, welche Links zu den wichtigsten Apps enthält. In der App-Verwaltung finden sich einige vorinstallierte Tools, etwa der Youtube-Player, das Sony Entertainment Center oder der Media Player.

Vollmundig preis Sony die Möglichkeit an, die Surfstation auch als Spielekonsole zu nutzen. Im Test war davon jedoch nichts zu sehen. Keine der im Play Store vorhandenen Spiele-Apps war zu dem Gerät kompatibel. Nicht viel besser sieht es mit den meisten Standard-Anwendungen aus. Weder Google Earth oder Maps noch der beliebte VLC-Player lassen sich installieren. Immerhin: Eine handvoll funktionierender Apps zeigt die Rubrik Sony select im Play Store.

Praxistest

Das Einbinden der Sony-Box ins heimische Media-Center beschränkt sich darauf , die Box per HDMI mit dem Fernseher und – sofern vorhanden – mit dem TV-Receiver zu verbinden. Ein Setup-Wizard fragt danach alle relevanten Parameter ab.

Die mitgelieferte Fernbedienung hält auf der einen Seite ein Touchpad samt der von Android bekannten Buttons bereit. Auf der Rückseite finden Sie eine vollständige QWERTZ-Tastatur, deren Tasten groß genug sind, um sie sicher zu treffen. Die [Suchen]-Taste arbeitet allerdings nicht kontext-sensitiv. Benutzen Sie diese beispielsweise im Play Store, öffnet sich der Chrome-Browser und zeigt dort die Ergebnisse an. Unbefriedigend fanden wir auch die horizontale und vertikale Scroll-Funktion, die Sie durch Streichen am rechten und unteren Touchpad-Rand aktivieren. Im Test kam es mehrfach zu nervigen Haklern. Deutlich unkomplizierter und zielstrebiger navigieren Sie mit den Cursor-Tasten durch die jeweilige App.

Abbildung 2: Die praktische Fernbedienung von vorne und von hinten.
Abbildung 2: Die praktische Fernbedienung von vorne und von hinten.

Zur Wiedergabe von Filmen und Musik stellt die Box einen Media Player bereit, der nach Sonys Angaben auch die Remote-Übertragung via DLNA unterstützt. Obwohl die Firmware auf dem neuesten Stand war, fand der Media-Player keinen Server. Erst die Installation der App MediaHouse UPnP / DLNA Browser [3] sorgte für Abhilfe und gewährte den Zugriff auf die Netzressourcen. Allerdings schlug gleich im Anschluss das Abspielen von Filmen mangels passender Software fehl. Auch hier müssen Sie zunächst eine App installieren. Bei unserem Test half der aVia Media Player [4].

Ebenfalls eher unerfreulich ist die Unterstützung für externe USB-Speicher. Die im Test verwendete 2,5-Zoll-Festplatte, quittierte den Anschluss an die Box lediglich mit einem deutlich vernehmbaren Klicken, ohne aber ihren Inhalt bereitzustellen. Sehr wahrscheinlich ist eine unzureichende Stromversorgung der Grund dafür, da die Platte an anderen Geräten einwandfrei funktioniert. Erfolgreicher verlief der Test mit einem USB-Stick. Hier zeigte der Media-Player sämtlich Audio, -Video und Bilddateien anstandslos an. Für letztere stellt Sony noch die App "Fotos" bereit, die nicht nur lokale Bilder anzeigt, sondern nach Anmeldung auch solche der Webdienste Picasa und Flickr.

Ohne Fehl und Tadel arbeitet hingegen der vorinstallierte Youtube-Player. Er gibt auch Full-HD-Videos mit schnell wechselnden Szenenbildern ohne spürbare Ruckler wieder. Der integrierte Chrome-Browser zeigt zwar alle Seiten an, läßt sich dabei aber reichlich Zeit. So vergingen im Test beim Öffnen skriptlastiger Seiten nicht selten zehn und mehr Sekunden, bevor sie fertig aufgebaut waren. Da sind einige Smartphones und Tablets deutlich schneller.

Fazit

Obwohl sie mit 159 Euro nicht das große Loch ins Portemonnaie reißt: in der Summe ihrer Eigenschaften ist die Surfstation ihr Geld nicht wert. Durch zu wenig Apps und die doch recht behäbige CPU-/GPU-Kombination reduziert sich ihr Nutzwert aufs Surfen und Ansehen von Youtube-Videos. Selbst die vorgeblich integrierte DLNA-Unterstützung klappte bei uns nur mit zusätzlicher Software. Google TV wird mit solchen Geräten und dem schwachen Software-Angebot auch 2013 einen schweren Stand haben.

Sony NSZ-GS7

Hersteller Sony Corporation
Formfaktor Surf-Station
Prozessor 1,2 GHz Dual-Core
Android Version 3.2, Google-TV
Preis (ca) 159 Euro

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