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So nutzen Sie Android mit iTunes zusammen

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Bei Apple ist alles klar: Sie nutzen einen iMac oder ein Macbook, ein iPhone und ? natürlich ? iTunes. Ein Android-Smartphone wirkt in diesem Ökosystem fast wie ein Fremdkörper. Doch mit den richtigen Apps wird alles gut.

Von Haus aus sind Android und iTunes keine Freunde, das wird spätestens dann klar, wenn Sie ein Android-Smartphone mit Android 4.0 an einen Mac anschließen. Es tut sich rein gar nichts. Unter Windows sieht die Ausgangslage nicht do düster aus. Der Explorer erkennt Android-Geräte automatisch, egal ob diese zur Verbindung mit dem PC den USB-Massenspeichermodus (bis 2.3.x), PTP oder MTP nutzen (ab Android 3.0). Doch auch hier lässt sich iTunes nicht dazu überreden, Songs oder Bilder auf das Smartphone zu übertragen und Daten vom Smartphone zu akzeptieren. Für Abhilfe sorgen die passenden Apps aus dem Android Market: DoubleTwist Musik, AirSync, TunesRemote+ und AirBubble.

Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie unter Windows Dateien aus iTunes mit Ihrem Smartphone synchronisieren, das Android-Smartphone zum Fernsteuern von iTunes benutzen und von iTunes aus direkt auf das Smartphone streamen. Er richtet sich dabei in erster Linie an Windows-Nutzer von iTunes, das Setup ist in den meisten Bereichen aber auch mit Mac OS X möglich.

DoubleTwist


Es gibt im Android Market mehrere Apps zur Synchronisation von iTunes mit einem Android-Gerät. AirSync [1] gehört zu den alten Füchsen und die vier Euro sind gut investiert. Sie benötigen AirSync nur, wenn Sie den Abgleich zwischen iTunes und Ihrem Smartphone via WLAN vornehmen möchten. Sind Sie sich noch gewöhnt, das iPhone per USB-Kabel an den Rechner anzuschließen, dann genügt bereits die Gratislösung vom DoubleTwist [2] für den Abgleich mit Android.

Die iTunes-Lösung von DoubleTwist besteht aus drei Komponenten:

  • Die Desktop-Software (Mac OS X/Windows)
  • Die Player-App (DoubleTwist Musik)
  • Die App für drahtlose Synchronisation (AirSync)

Beim Player handelt es sich auf den ersten Blick um einen ganz gewöhnlichen Musikplayer. Er stellt jedoch das Kernstück der Lösung dar. Die Desktop-Version von DoubleTwist finden Sie unter [3] zum Download. Die Installation erfolgt per setup.exe bzw. als .dmg-Abbild unter Mac OS X problemlos. DoubleTwist sieht iTunes ziemlich ähnlich und soll Ihnen den Umstieg von iTunes auf die Software so einfach wie möglich machen. Dieser Umstieg ist auch nötig, wenn Sie die Software regelmäßig benutzen möchten, da das Programm zwar praktisch alle Daten aus iTunes herausbringt, aber keine neuen Daten in iTunes schreibt. Anstelle von iTunes + iPhone müssen Sie sich folglich an DoubleTwist + Android-Smartphone gewöhnen.

Nach der Installation der Desktop-Anwendung laden Sie sich die freie App DoubleTwist Musik aus dem Market herunter. Starten Sie nun die Desktop-Software, schließen Sie Ihr Smartphone an per USB-Kabel an den Windows-Rechner an und starten Sie anschließen die App DoubleTwist Musik auf dem Smartphone. Hat alles geklappt, erscheint Ihr Android-Gerät in der Desktop-Software unter dem Eintrag Devices. Eventuell müssen Sie in den Einstellungen der App die Option Auto USB drive auf On schalten (Abbildung 2).

Abbildung 1: Sind die Desktop-Anwendung und die Android-App installiert, erscheint das Android-Gerät automatisch unter Devices.
Abbildung 1: Sind die Desktop-Anwendung und die Android-App installiert, erscheint das Android-Gerät automatisch unter Devices.

Abbildung 2: Erkennt die Desktop-Software das Smartphone nicht auf Anhieb, dann schalten Sie die Option Auto USB drive ein.
Abbildung 2: Erkennt die Desktop-Software das Smartphone nicht auf Anhieb, dann schalten Sie die Option Auto USB drive ein.

USB-Treiber

Damit die Kommunikation zwischen der Desktop-Software und der Android-App von DoubleTwist einwandfrei funktioniert, müssen unter Windows die passenden Treiber installiert sein. In unseren Tests mit Windows 7 passierte dies nach dem Anschließen des Android-Geräts bei einer aktiven Internetverbindung automatisch, der Vorgang dauerte aber mehrer Minuten und wir mussten das Smartphone auch einige Male an- und ausstecken.

Im Desktop-Programm wechseln Sie auf den gewünschten Reiter (General, Music, Videos, Photos, Subscriptions) markieren die passende Checkbox und starten über den Button unten rechts den Abgleich. In der Grundeinstellung kopiert die Anwendung dabei nur Dateien von DoubleTwist auf das Smartphone. Möchten Sie auch die Dateien vom Smartphone auf den Desktop synchronisieren, müssen Sie dazu auf dem Reiter Music die zugehörige Checkbox markieren. Auf dem Smartphone erscheint während der Synchronisation ein entsprechender Hinweis im Fenster der App DoubleTwist Musik.

Over the Air


Geräte via USB an den Rechner anzuschließen, ist altmodisch. Unter Android ist die Synchronisation per WLAN der Normalfall. Möchten Sie diese nutzen, dann benötigen Sie als dritte Komponente neben DoubleTwist und der App DoubleTwist Musik noch AirSync. Nach der Installation und dem Start der rund 4 Euro teuren App landen Sie in den Einstellungen von DoubleTwist Musik (lassen Sie sich dadurch nicht verwirren). Hier wählen Sie den Eintrag AirSync aus und anschließend AirSync einrichten. Die App erstellt nun einen PIN-Code, den Sie anschließend in der Desktop-Anwendung von DoubleTwist eingeben, um das Smartphone mit dem PC zu koppeln (Abbildungen 3 und 4).

Abbildung 3: Die DoubleTwist App auf dem Smartphone erzeugt einen Code, den Sie anschließend in der Desktop-Software eingeben müssen (Abbildung 4).
Abbildung 3: Die DoubleTwist App auf dem Smartphone erzeugt einen Code, den Sie anschließend in der Desktop-Software eingeben müssen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Für das Setup der drahtlosen Synchronisation müssen Sie einen fünfstelligen Code eingeben.
Abbildung 4: Für das Setup der drahtlosen Synchronisation müssen Sie einen fünfstelligen Code eingeben.

Nach dieser kurzen Vorbereitung läuft die Synchronisation wie gehabt. Sie sehen nun anstelle des DoubleTwist-Dialogs den optisch schöneren AirSync-Dialog und in der Desktop-Sofware erscheint ebenfalls anstelle des DoubleTwist-Symbols das AirSync-Symbol – die Vorgehensweise bleibt identisch.

Sollte es beim automatischen Setup mit dem fünfstelligen Code zu Problemen kommen, können Sie Smartphone und PC auch manuell miteinander bekannt machen. In den Tests klappte das Pairing aber stets problemlos.

Auch über AirSync findet kein direkter Abgleich von iTunes und der Musiksammlung auf dem Smartphone statt, sondern lediglich zwischen dem Smartphone und der DoubleTwist-Anwendung. Dem DoubleTwist-Player fehlen zudem ein paar zentrale Features, die sich die Entwickler recht teuer bezahlen lassen möchten. Dazu gehört der Podcast-Support und Unterstützung für automatische Alben-Cover, die jeweils 5 Euro kosten. Eingebettete Cover zeigt der Player aber problemlos an, auch Liedtexte.

Abbildung 5: Album Art und Podcasts wollen separat bezahlt werden.
Abbildung 5: Album Art und Podcasts wollen separat bezahlt werden.

Alternative Lösung


Sie möchten Ihre Musiksammlung weiterhin in iTunes pflegen und nur ab und zu mal etwas Musik über das Smartphone hören? Dann gibt es mit AirBubble [4] eine deutlich einfachere Lösung. Die App meldet sich bei iTunes als Lautsprecher an – somit klingt alles, was Sie über iTunes abspielen auf Ihrem Smartphone. Mit der Gratisversion können Sie bis zu 30 Minuten Musik hören, ein Lizenzschlüssel, der diese Beschränkung aufhebt, kostet 1,49 Euro.

Die Nutzung der App ist denkbar einfach (immer vorausgesetzt, der Rechner mit iTunes und das Smartphone befinden sich im gleichen (WLAN-) Netz). Starten Sie AirBubble auf dem Smartphone und klicken Sie anschließend in iTunes unten rechts auf das Symbol für das Lautsprecher-Setup. Hier wählen Sie nun den AirBubble-Eintrag aus.

Abbildung 6: Wählen Sie als Lautsprecher einfach das Android-Smartphone mit AirBubble aus.
Abbildung 6: Wählen Sie als Lautsprecher einfach das Android-Smartphone mit AirBubble aus.

In den Tests hat AirBubble sehr gut gearbeitet, wobei es auf den Macs kaum zu Verzögerungen zwischen dem Desktop-Rechner und dem Smartphone kam. Unter Windows war doch eine deutlich Verzögerung zu hören, sodass Sie hier nicht beide Lautsprecher gleichzeitig einschalten sollten.

Nun brauchen Sie nur noch eine App, um iTunes auf dem Mac oder dem Windows-Rechner fernzusteuern, um zum nächsten Song zu wechseln oder die Lautstärke zu verändern. Davon gibt es recht viele im Android Market, wir stellen hier TunesRemote+ vor, da es sich explizit auf das Fernsteuern von iTunes konzentriert und dabei auch als Musikplayer eine gute Figur macht.

TunesRemote+


Als iTunes-Nutzer werden Sie unter Android mit Sicherheit eine Funktion vermissen: Die Bewertung von Liedern mit Sternen. Diese bieten zwar zahlreiche alternative Player an, die Musik-App von Android hingegen nicht. Mit TunesRemote+ [5] bekommen Sie einen Player, der übers Netzwerk auf iTunes zugreift und Songs via iTunes abspielt. Dazu zeigt die App auch sämtliche Albencover an und erlaubt auch das Bewerten von Songs. Da sämtliche Vorgänge sich auf dem Mac/Windows-Rechner abspielen, passiert das quasi alles in Echtzeit, es muss nichts synchronisiert werden.

TunesRemote+ ist eine relativ junge App, da Apple das DACP-Protokoll von iTunes (ehemals DAAP) ständig anpasst und mit immer neuen Sicherheitsmaßnahmen absichert. Das Grundwerk zur App legte der Programmierer Jeffrey Sharkey, der DACP mit Reverse Engineering entschlüsselt hat und so erst die Möglichkeiten für einen freien DACP-Client geschaffen hat [6]. Mit MonkeyTunes gibt es zudem auch eine Server-App für Android. Damit betreiben Sie auf einem Android-Gerät einen iTunes-Server betreiben, auf den Sie dann mit dem iPhone, iTunes oder einem iPod Touch zugreifen.

Nach dem ersten Start sucht TunesRemote+ nach iTunes-Servern im lokalen Netz. Je nach OS (Windows/Mac OS X) und iTunes-Version findet die App den Server automatisch. In den Tests mussten wir der App aber jeweils manuell auf die Srünge helfen. Dazu wählen Sie aus dem Menü die Schaltfläche Manual ad und geben anschließend die IP-Adresse des Rechners ein, auf dem iTunes läuft.

Nach einem Klick auf Connect zeigt Ihnen die App einen vierstelligen Code an. Diesen müssen Sie nun in iTunes eingeben, um die beiden Geräte zu koppeln – fertig. Von nun an können Sie iTunes über das Android-Smartphone nach belieben steuern und einzelne Songs bewerten.

Abbildung 7: Haben Sie einen Rechner mit iTunes erfolgreich hinzugefügt, erscheint dieser Dialog.
Abbildung 7: Haben Sie einen Rechner mit iTunes erfolgreich hinzugefügt, erscheint dieser Dialog.

Abbildung 8: Den Code von TunesRemote+ geben Sie nun einfach bei iTunes ein, um die Geräte zu koppeln.
Abbildung 8: Den Code von TunesRemote+ geben Sie nun einfach bei iTunes ein, um die Geräte zu koppeln.

Abbildung 9: TunesRemote+ verfügt als Musikplayer über praktisch sämtliche Features wie iTunes.
Abbildung 9: TunesRemote+ verfügt als Musikplayer über praktisch sämtliche Features wie iTunes.

Fazit

Ein Umstieg vom iPhone auf Android bedeutet keineswegs, dass Sie auch auf das geliebte iTunes verzichten müssen. Im Gegenteil: mit den passenden Apps ergänzen sich iTunes und Android ideal, und so lange Google Music in Deutschland nicht offiziell an den Start geht, finden Sie bei Android kaum eine bessere Lösung.

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