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So installieren Sie das Android-Entwicklerkit

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Software Development Kit hört sich nach viel Technik an. Doch auch für Einsteiger lohnt sich die Installation des Android-SDK, da sich damit tolle Screenshots machen lassen und es Einblick in kommende Android-Versionen erlaubt.

Nichts ist einfacher, als ein mit einem Smartphone gemachtes Foto auf den Rechner zu laden. Einfach USB-Kabel anschließen, Ordner öffnen anklicken, die Bilder im jeweiligen Ordner suchen und auf den Desktop oder in andere Ordner ziehen. Wenn es aber um Screenshots geht, gestaltet sich die Sache deutlich schwieriger. Hat man sein Smartphone nicht gerootet, hilft bei den meisten Geräten nur der Weg über das Android Software Development Kit (SDK). Wir zeigen Ihnen, wie Sie das SDK installieren, damit Screenshots erstellen und einen Blick auf Android 4.0 werfen.

Die nötige Software

Um die hier beschriebene Anleitung zu befolgen, benötigen Sie zwei Programme aus dem Netz: das Java SDK und das Android SDK. Erst einmal ist also der Gang auf die Oracle-Homepage angesagt [1]. Dort laden Sie sich die für ihr Betriebssystem passende SDK-Version herunter, in unserem Fall war dies Windows x64, ganz unten auf der Liste. Beachten Sie, dass Sie das komplette SDK benötigen, die Java Runtime Environment (JRE), die auf den meisten Windows-Systemen bereits installiert ist, reicht nicht aus. Benutzer von Linux oder Mac OS X wählen ebenfalls die passende Java-SDK-Version aus.

Das eigentliche Android-SDK finden Sie auf der Android-Developer-Homepage [2]. Unter den Reitern auf der Startseite findet sich einer mit der Beschriftung SDK (Software Development Kit). Hier sollten Sie sich die neueste Version herunterladen – in unserem Fall, unter Windows 7, war das android-sdk_r14-windows.zip. Auch hier müssen Sie unter Linux und Mac OS X die passende Version wählen. Legen Sie beide Dateien in ein Verzeichnis, unter dem Sie sie wiederfinden und entpacken Sie sie schon einmal. Anschließend starten Sie zunächst das Setup des Java-SDK, anschließend des Android-SDK.

Abbildung 1: Auf der Developer-Homepage wählt man die aktuelle SDK-Version.
Abbildung 1: Auf der Developer-Homepage wählt man die aktuelle SDK-Version.

Android herunterladen

Nach der Installation finden Sie im Verzeichnis android-sdk-Betriebssystem/tools/ ein Programm mit dem Namen android. Nach dem Start per Doppelklick öffnet sich der Android SDK Manager, der eine Liste von verfügbaren und installierten Komponenten auflistet. Um Android 4.0 halbwegs brauchbar ausprobieren zu können, benötigen Sie einen Rechner mit Dual-Core-CPU und mindestens 1 GByte Arbeitsspeicher (RAM). Erfüllt Ihr Rechner diese Voraussetzungen nicht, dann können Sie zwar das hier geschilderte nachvollziehen, der Android-Emulator wird Ihnen aber nicht viel Freude bereiten.

Markieren Sie aus der Liste der verfügbaren Pakete den Eintrag Android 4.0 (API 14) und klicken Sie danach unten rechts auf Install 5 packages. Möchten Sie auch andere Android-Versionen testen (um zum Beispiel einen Blick auf Android 1.5 zu werfen, dann scrollen Sie nach unten und markieren die gewünschten Einträge. Beachten Sie, dass die einzelnen Versionen zum Teil recht umfangreich ausfallen. Haben Sie Platzprobleme auf dem Rechner, dann verzichten Sie jeweils auf die Doku- und Samples-Einträge. Sie benötigen in jedem Fall die beiden Einträge Android SDK Tools und Android SDK Platform-Tools ganz zu oberst in der Liste, unabhängig davon, welche Android-Version Sie testen möchten. Während nun die Installation läuft, zeigen wir Ihnen, wie Sie Screenshots von Ihrem Handy erstellen.

Abbildung 2: Im Android SDK Manager legen Sie fest, welche Android-Versionen Sie testen möchten. Der Screenshot zeigt die Linux-Version des Tools.
Abbildung 2: Im Android SDK Manager legen Sie fest, welche Android-Versionen Sie testen möchten. Der Screenshot zeigt die Linux-Version des Tools.

SDK verstehen

Das Android Software Development Kit besteht aus mehreren kleinen Werkzeugen. Die meisten davon sind keine grafischen Werkzeuge, sondern müssen über die Power Shell bzw. die entsprechende Shell unter Linux und Mac OS X gestartet werden. Diese Werkzeuge finden Sie in den Verzeichnissen tools und plattform-tools. Hier sind nun zwei Dateien für uns interessant. Zum einen ist das der Dalvik Debug System Monitor ddms und zum anderen die Android Debug Brigde adb. Beide finden sich im SDK, adb unter platform-tools und ddms unter tools. Die Android Debug Brigde stellt den Kontakt zu Ihrem Smartphone bzw. zu einem virtuellen Android-Gerät her. Über diesen Befehl können Sie zum Beispiel auch Apps installieren oder sich auf dem Gerät einloggen und viele weitere interessante Dinge tun.

Der Dalvik Debug System Monitor verfolgt, was auf einem per adb angeschlossenen Gerät so vor sich geht. Dieses Tool benötigen wir auch, um die Screenshots zu erstellen.

Handy vorbereiten

Für diesen Artikel benutzten wir ein Motorola Defy mit Android 2.2.2 als Testgerät. Die Vorgehensweise ist aber bei allen Android-Smartphones identisch. Um ihr Gerät für die Screenshot-Übertragung vorzubereiten, sind zunächst folgende Schritte auf dem Smartphone notwendig: Gehen Sie in das Menü Einstellungen und dort auf den Unterpunkt Anwendungen. In Anwendungen klicken sie auf Entwicklung. Aktivieren Sie den Button USB-Debugging und, falls Sie nicht ständig Ihren Bildschirm reaktivieren wollen, zusätzlich den Button Aktiv Bleiben. So bleibt das Gerät im Dauerbetrieb. Schließen Sie nun das Telefon mit dem mitgelieferten Lade- bzw. USB-Kabel an Ihren PC an. Haben Sie alles richtig gemacht, erscheint in der Benachrichtigungsleiste ein kleines Android-Käfer-Symbol.

Abbildung 3: Bevor es los geht, gilt es die Einstellungen auf dem Smartphone zu verändern.
Abbildung 3: Bevor es los geht, gilt es die Einstellungen auf dem Smartphone zu verändern.

Haben Sie das Handy zum ersten Mal mit dem PC verbunden, dann startet Windows eine Treiberinstallation. Diese ist notwendig, um das Gerät über die ADB ansprechen zu können. Details lesen Sie im Kasten "Treiber-Chaos unter Windows". Unter Linux und Mac OS ist kein besonderer Treiber notwendig, je nach Linux-Version aber eine besondere Udev-Regel, damit Sie auch als gewöhnlicher Nutzer Zugriff auf den USB-Bus bekommen.. Bei Problemen hilft Ihnen die Redaktion gerne per Mail.

Starten Sie nun die Android Debug Bridge per Doppelklick auf die Datei adb bzw. führen Sie unter Linux und Mac OS X den Befehl ./adb usb aus, damit der PC mit dem Smartphone kommuniziert. Anschließend wechseln Sie ins Verzeichnis tools und starten hier die Datei ddms.

Treiber-Chaos unter Windows

Damit das Android-SDK (genauer gesagt die Android Debug Bridge) Kontakt mit Ihrem Smartphone aufbauen kann, benötigen Sie unter Windows einen passenden USB-Treiber. Für alle blutigen Neueinsteiger: Ein Treiber ist ein Computerprogramm, das die Interaktion des PC oder Laptop mit angeschlossener, eingebauter oder virtueller Hardware steuert. Ohne Treiber läuft also in der Regel nichts.

Zahlreiche Hersteller liefern den passenden USB-Treiber mit der zum Smartphone gehörenden Windows-Software mit. In den meisten Fällen hilft also bereits die Installation der passenden Software. Anschließend werfen Sie einen Blick in den Geräte-Manager von Windows, klicken mit der rechten Maustaste auf den Eintrag Android Phone und wählen Treibersoftware aktualisieren. Windows sollte nun den passenden Treiber automatisch finden.

Sollte das nicht funktionieren, hilft ein Blick auf die Android Developer Homepage. Hier finden Sie im Reiter SDK unter Downloadable SDK Components den Eintag Google USB Driver, r4. Eine freundliche Geste seitens Android, aber dieser Treiber funktioniert nur für die Google-Phones Nexus One und Nexus S. Zählen Sie nicht zur glücklichen Gruppe der Nexus-Besitzer, werden Sie auf eine Liste von OEM USB Drivers verwiesen, unter der viele USB-Treiber anderer Hersteller aufgeführt sind.

Der in unserem Beispiel benötigte Treiber stammt von Motorola. Folgen wir dem auf der Android Developer-Seite angeführten Link [3], landen wir auf der Developer-Page von Motorola und gelangen dort wieder zu einer Liste unterschiedlicher Treiber. Nun muss man unterscheiden, ob man Windows in der 64- oder 32 Bit-Version auf dem Rechner hat. Wie finden Sie das heraus? Unter Windows 7 drücken Sie auf den Start-Button, dann auf Systemsteuerung und dort auf System und Sicherheit. Wenn Sie hier den System-Button betätigen, erscheinen alle technischen Daten Ihrer Windows-Version. Unter Systemtyp findet sich dann beispielsweise 64-Bit-Betriebssystem. Folgt man im Falle von Motorola dem 64-Bit-Link, werden erst die Zugangsdaten zur Motodev-Homepage abgefragt. Ist man nicht bereit, sich ein Konto anzulegen, kann man sich den Treiber auch über den User-Zugang auf der Mororola-Homepage herunterladen [4]. Bei anderen Herstellern ist das Prozedere im Detail unter Umständen natürlich etwas anders. Bei einem anderen unserer Testtelefone, dem Huawei Ideos X3, schlägt uns die Android Developer Homepage einen anderen Link vor, der aber auf der etwas unübersichtlichen Homepage von Huawei schließlich ins Nichts führte. Da blieb uns nur noch googeln übrig, was schließlich über [5] zum Erfolg führte.

Abbildung 4: In der Systemsteuerung finden Sie heraus, ob Sie die 32- oder 64-Bit-Version von Windows einsetzen.
Abbildung 4: In der Systemsteuerung finden Sie heraus, ob Sie die 32- oder 64-Bit-Version von Windows einsetzen.

Fotoshooting

Wenn Sie die ddms-Datei, die im SDK-Ordner unter Tools abgelegt ist, anklicken, öffnet sich zunächst das Windows-Shell-Fenster (cmd.exe), aus dem heraus sich wiederum ein Java-Programm mit der Bezeichnung Dalvik Debug Monitor öffnet.

Hier sollte sich nun, haben Sie den korrekten Treiber heruntergeladen, im linken Screen unter Name Ihr Smartphone wiederfinden. Wollen Sie nun den ersehnten Screenshot ausführen, klicken Sie auf den Reiter Device und dann auf Screen Capture und schon haben Sie das ersehnte Stück auf dem Bildschirm. Über Save lässt es sich nun an einem beliebigen Ort abspeichern. Sollte das ganze noch nicht geklappt haben, überprüfen Sie am besten noch einmal die Aktualität des Treibers oder ob Sie auch tatsächlich wie oben beschrieben, USB-Debugging aktiviert haben.

Abbildung 5: Jetzt läuft die Maschine und das Display des Defy ist auf dem Windows-Rechner zu sehen.
Abbildung 5: Jetzt läuft die Maschine und das Display des Defy ist auf dem Windows-Rechner zu sehen.

Virtuelles Android

Alternativ zum eigenen Gerät können Sie auch ein sogenanntes virtuelles Android-Gerät erstellen und starten. Das dauert je nach Rechner ziemlich lange. Starten Sie dazu wieder den Android SDK Manager (unter Linux und Mac OS X: android und wählen Sie hier den Eintrag Tools | Manage AVDs. Per Klick auf News erstellen Sie ein neues Android Virtual Device, dem Sie zunächst einen beliebigen Namen erteilen. Unter Target wählen Sie die Android-Version aus. Haben Sie wie zu Beginn dieses Artikels geschildert nur Android r14 installiert, dann steht hier nur Android 4.0 zur Auswahl. Sie können die anderen Versionen aber jederzeit nachinstallieren. Die Größe der virtuellen SD-Karte können Sie beliebig wählen, starten Sie zunächst mit 100 MByte. Möchten Sie diese virtuelle Maschine ändern und später wieder einmal starten, markieren Sie die Checkbox Enabled hinter dem Eintrag Snapshot.

Abbildung 6: Über das SDK können Sie beliebige Android-Versionen als virtuelle Maschine starten.
Abbildung 6: Über das SDK können Sie beliebige Android-Versionen als virtuelle Maschine starten.

Der wichtigste Eintrag befindet sich hinter Skin. Hier legen Sie über die Auflösung fest, ob der Emulator im Hoch- oder Querformat startet (bzw. ein Telefon oder ein Tablet imitiert). Der Start der virtuellen Maschine dauert mindestens zwei Minuten. Danach sehen Sie Android mit einer Handvoll Apps.

Fazit

Auch wenn das Screenshot-Erstellen oder der Start eine virtuellen Android-Maschine nicht unbedingt zu den Themen gehören, mit denen sich Smartphone-Nutzer täglich konfrontiert sehen, gehört die Installation des Android SDK zu den Grundlagen für alle, die sich mit dem System etwas intensiver auseinandersetzen möchten.