Start Magazin Schnelleres mobiles Internet mit Fritzbox und eigenem VPN-Dienst im Praxistest

Schnelleres mobiles Internet mit Fritzbox und eigenem VPN-Dienst im Praxistest

FRITZ!Box 6810 LTE von AVM
FRITZ!Box 6810 LTE von AVM

Jeder Ingresser kennt das Problem: Man steht mit schwachem Netz an einem Portal und möchte deployen und .. es geht nicht, da es eine gefühlte Ewigkeit dauert und am Ende manchmal sogar komplett scheitert. Dieses Problem kennen aber nicht nur Ingress-Spieler: Auch andere Nutzer von o2/E-Plus in ländlichen Gebieten leiden unter einer instabilen Verbindung, und auch beim Vodafone-Netz und der Telekom gibt es manchmal Probleme. Diese lassen sich teilweise durch ein eigenes Virtuelles Privates Netzwerk (VPN) lösen. Dieser Artikel zeigt dir, wie du über eine Fritz!Box ein solches VPN einrichtest und mit Android zusammen nutzt. Als Nebeneffekt bekommst du in jedem Fall eine abhörsichere Leitung bis zu dir nach Hause.

Irgendwo im Netz las ich die These, dass man möglicherweise über VPN eine bessere Anbindung an die Ingress-Server hat. Kling zunächst mal unlogisch, wenn weshalb sollte eine in einen VPN verpackte Verbindung schneller sein, also ohne den Tunnel? Doch Probieren geht über Studieren, habe ich mir gesagt und es einfach mal ausprobiert.

Mit einem VPN nutzt du das Internet quasi von zu Hause aus. Alle Anfragen, die du vom Handy aus stellst, werden nicht direkt vom Smartphone zu Google, Facebook, etc geschickt, sondern von der heimischen IP-Adresse aus. Das heimische DSL wird also per VPN vom Smartphone genutzt, um „flüssiger“ Ingress zu spielen. Dazu baut dein Android-Smartphone eine VPN-Verbindung mit deiner Fritz!Box auf. Dazu muss natürlich erst mal ein stabiles Signal vorhanden sein, so ein VPN ist aber auch bei Fehlern und kurzen Aussetzern recht tolerant.

Auf den ersten Blick erscheint es unlogisch, dadurch einen Geschwindigkeitsvorteil zu erhalten, da ja die Verbindung per VPN nach Hause ebenso schlecht ist, wie die Verbindung des mobilen Netzes vor Ort. Und zudem wandern in der Summe nicht nur gleich viele Daten über die Leitung, sondern durch den VPN-Tunnel eigentlich sogar noch mehr. Doch eine VPN-Verbindung lässt sich nicht nur verschlüsseln (was der eigentliche Zweck eines VPN ist), sondern die Daten lassen sich auch noch komprimieren. Sind dein Handy und die Fritz!box beim Verpacken und Entpacken der Daten also genügend flink, dann kann durchaus ein Vorteil entstehen.

Was braucht man nun, um das umzusetzen?

Ein Smartphone, auf dem man einen VPN-Zugang einrichtet, das heimische DSL, dessen Router Zugang per VPN erlaubt und eine feste IP-Adresse für den Router oder eine DynDNS-Konfiguration. Für diesen Artikel benutzte ich meine Fritz!Box, die das alles von Haus aus kann. Andere Router bieten eventuell die gleiche Funktionalität.

In meinem Fall kam ein Samsung Galaxy S4 mit Stock Android 4.2.2, eine Fritz!Box 7390 und eine 50k schnelle DSL-Leitung von 1&1 zum Einsatz. Zusätzlich habe ich noch eine Domain bei Strato gemietet, eventuell ist aber in deinem DSL-Vertrag bereits ein Domainname mit dabei.

In der Fritz!Box muß man zunächst eine Freigabe für den Fernzugriff einrichten. Dazu kann man sich einfach des hauseigenen MyFritz!-Dienstes bedienen. Schnell merkt man, daß man dazu eine DynDNS-Adresse braucht, um stets unter der gleichen Internetadresse erreichbar zu sein, da sich die IP-Adresse der Box ja spätestens alle 24 Stunden bei der Zwangstrennung ändert. Wer eine Kabel-TV-Verbindung benutzt, bekommt die IP-Adresse aber oft auch über mehrere Monate fest zugeteilt. Viele 1&1-Kunden haben über ihren DSL-Vertrag eine kostenlose Domain inklusive, ich selbst nutze eine meiner bei Strato gehosteten Domains.

So lege ich also beim Hoster eine Subdomain an, um meine normale Internetseite wie gewohnt nutzen zu können und verbinde diese Subdomain dann mit DynDNS.org. Dies geht alles sehr komfortabel bei Strato selbst, eine detaillierte Anleitung findet man dort auch und bei anderen Anbietern läuft das ähnlich.

Nun gehe ich also in der Fritz!Box auf den Menüpunkt Internet/Freigaben und wähle dort den Reiter DynDNS. Mit wenigen Klicks ist dann meine Subdomain mit der Fritz!Box verbunden, im Beispiel sei dies die Adresse dynDNSname.meine-domain.de, und mein Router ist somit stets unter dieser Adresse erreichbar.

Was macht DynDNS? Die externe IP-Adresse deines DSL-Anschlusses ändert sich normalerweise alle 24 Stunden. Bist du also heute zum Beispiel unter der Adresse 81.10.144.174 erreichbar, verweist diese Adresse morgen auf einen anderen DSL-Anschluss. Neben der IP-Adresse gibt es aber die Domainnamen, die bekannten URL wie zum Beispiel google.com. Welche IP-Adresse zu welchem Domainnamen gehört, merkt sich der DNS-Dienst, aber nur für feste Adressen. Deshalb brauchst du für eine täglich ändernde Adresse einen Dynamischen-DNS-Dienst, zum Beispiel DynDNS.org. Damit landest du bei der Eingabe von mein-dsl-router.com (Beispiel) immer bei deinem DSL-Anschluss. Damit das mit mein-dsl-router.com klappt, brauchst du eine eigene Domain (deshalb Strato hier im Beitrag). Ohne eigene Domain geht es aber auch, dann bekommst du von DynDNS einfache eine zugeteilt.

Als nächstes wähle ich im Menü der Fritz!Box Internet/MyFritz und lege ein Konto an, auch hier ist das mit wenigen Klicks selbst für Laien schnell erledigt. Als E-Mail-Adresse kannst du eine beliebige Mail-Adresse benutzen. Nun ist meine Box also über die Adresse myfritz.net ebenfalls von außen jederzeit erreichbar.

Zunächst musst du über MyFritz! den generellen Zugriff von Außen freischalten.
Zunächst musst du über MyFritz! den generellen Zugriff von Außen freischalten.

Nun geht es ins Menü Internet/Freigaben zum Punkt Fritz!Box Dienste. Hier markierst du die Checkbox bei Internetzugriff auf die Box. Damit ist nun die Erreichbarkeit von Außen gewährleistet. In der Liste stehen nun die verschiedenen Möglichkeiten, unter welchen Adressen die Box fortan erreicht werden kann.

Eine Internetadresse für den Zugriff von Außen genügt, du musst also nicht alle Felder ausfüllen.
Eine Internetadresse für den Zugriff von Außen genügt, du musst also nicht alle Felder ausfüllen.

Last not least fehlt nun noch der VPN-Zugang selbst, weshalb es naheliegt, mal den Reiter „VPN“ auf der Freigaben-Seite anzuwählen. Auch hier kann man sich bequem von der Fritz!Box-Oberfläche leiten lassen, wird dann in dem Zuge einen Benutzer anlegen (ich nenne meinen „ingress“) und den VPN-Zugang dadurch einrichten. Die Wahl nach der Verschlüsselungsmethode sollte man danach treffen, was das eigene Smartphone bietet. In meinem Fall „Ipsec Xauth PSK“. Fertig am Heimnetz. Als eMail-Adresse des Nutzers kann man übrigens die gleiche wählen, die man beim MyFritz!-Konto auch schon nahm (ingress@meine-domain.de) oder eine andere nehmen.

Wichtig ist, daß man sich die Werte für den Verschlüsselungs-Typ, den Identifier und den Pre-Shared-Key notiert, da man die im nächsten Schritt benötigt. Eine detaillierte Anleitung zu Verbindung von Android und Fritz!Box findest du auch auf den Support-Seiten von AVM.

Einrichten des Smartphones

Unter Android gehört VPN seit ein paar Versionen zur Grundausstattung. Zu finden ist der Dienst meistens unter dem Einstellungsmenü für mobile Netze und dort unter Weitere Einstellungen oder Mehr….

Über das Plus-Zeichen oben legst du eine neue VPN-Verbindung an. Hier musst du nun die eben in der Fritz!Box generierten Daten eingeben. Als Name kannst du schreiben, was du möchtest, zum Beispiel „heimnetz“. Wähle aus der Liste den passenden Verschlüsselungstyp aus und richte anschließend unter Server-Adresse den DynDNS-Namen ein, also im Beispiel „dynDNSname.meine-domain.de“. Zum Abschluss brauchst du die passenden Werte für den Identifier und den Key.

Android beherrscht VPN-Verbindungen seit einiger Zeit von Haus aus.
Android beherrscht VPN-Verbindungen seit einiger Zeit von Haus aus.
Die Wahl der richtigen Verschlüsselung (also der gleichen, wie auf der Fritz!Box), ist absolut zentral.
Die Wahl der richtigen Verschlüsselung (also der gleichen, wie auf der Fritz!Box), ist absolut zentral.

Live-Test im mobilen Netz

Hat alles geklappt, probierst du die Verbindung am besten zuerst von Zuhause aus aus. Also WLAN-Ausschalten und auf die neue VPN-Verbindung tippen. Hier wirst du nach einem Nutzernamen und dem Kennwort gefragt. Gib dazu deine „MyFritz“-Kennung ein (Nutzername und Passwort). Funktioniert es, dann bist du per VPN an den Router gebunden; alle Verbindungen über das mobile Netz kommen direkt zum DSL-Modem und gehen erst von dort ins Internet. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass als dein Standort die IP-Adresse des DSL-Modems gilt, nicht die IP-Adresse deines Smartphones. Ist also auch bei einem Besuch im Ausland praktisch.

Nun der Ingress-Test unterwegs im „Krisengebiet“. Das Blättern durch die paar hundert Keys im Ingress-Inventar läuft butterweich, ich sehe sofort den Reso-Status der Portale und das Spiel läuft in jedem Fall gefühlt schneller. Mein mobiles Netz an dem Ort pendelt gewöhnlich zwischen EDGE und UMTS, es hakt und ruckelt somit meist und ich sehe, daß es tatsächlich zu funktionieren scheint, denn es ruckelt nichts. Gar nichts. Kann sein, dass o2 heute einfach gut drauf ist oder gestern einen neuen Funkmasten aufgestellt hat, aber für mich ist es klar die VPN-Verbindung, die für mehr Speed sorgt.

Einschränkungen und Ernüchterung

Es ist logisch, daß man keine Verbindung per VPN zum Heimnetz hat, wenn man so ganz und gar kein mobiles Netz hat. Ein Test mit dem Nexus 4 eines Freundes, der o2 nutzt, war diesbezüglich auch ernüchternd, da er sich an dem Ort nicht einmal über den VPN verbinden konnte. Für ihn war es also keine brauchbare Alternative, denn wo kein Netz ist, ist kein Netz und man benötigt wenigstens eine EDGE-Verbindung, um in den Genuss des leicht schnelleren Ingressens zu kommen.

Auch mit meiner D1-Karte kann ich an Orten, an denen ich gänzlich gar keine mobilen Daten empfange, ebenfalls keine VPN-Verbindung aufbauen. Das sollte dich nicht verwundern. In schwach-ausgebauten Netzregionen kann ich aber klar ein leichtes Plus an Geschwindigkeit beim Ingress-Spielen feststellen.

Fazit

Du solltest von einem VPN (egal welches Anbieters) keine Wunder in puncto Geschwindigkeit erwarten. Mancherorts ist das Netz aber tatsächlich gefühlt schneller. Einen Versuch sollten durchaus all jene Android-Anwender wagen, die bei schwachem Signal mit einer schlechten Verbindung zu kämpfen haben, denn mehr als Scheitern kann man ja dabei nicht. Falls du erfolgeich über dein Fritz!Box einen VPN eingerichtet und beim Ingress-Spielen oder sonst wie damit den gewünschten Erfolg erzielt hast (oder auch nicht), dann lass es mich in den Kommentaren wissen!

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