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Samsung Galaxy S II mit eigenem Kernel

Der Kernel ist das Herzstück jedes Android-Systems und bietet die maximale Kontrolle über das Gerät. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie ihr Samsung Galaxy S II mit einem alternativen Kernel aus- und aufrüsten.

Eine schnelle und einfache Variante, noch etwas mehr aus seinem Galaxy S2 heraus zu holen besteht darin, das Handy mit einem eigenen Kernel zu flashen. Hierbei wird ein neuer Linux-Kernel auf das Gerät geschrieben. Dieser "Custom Kernel" basiert auf dem offiziellen Source Code von Samsung, bietet aber im Vergleich zum Samsung-Kernel deutlich mehr Einstellungsmöglichkeiten. Der Artikel beschreibt im Folgenden, wie Sie den Thoravukk-Kernel installieren. Es gibt aber auch zahlreiche weitere alternative Kernel für das SGS2. Bevor wir zum eigentlichen How-To kommen, hier zunächst eine Übersicht über die zentralen Vor- und Nachteile eines Custom Kernels.

WARNUNG!

Auch wenn die meisten Custom Kernels für das Galaxy S II auf den Software-Quellen von Samsung basieren, verlieren Sie mit der Installation eines alternativen Kernels die Garantie von Samsung. Wagen Sie sich deshalb nur dann an die Installation, wenn Sie genau wissen, was Sie tun. An dieser Stelle sollten wir auch noch erwähnen, dass man mit dem Flashen eines Custom Kernels automatisch Root-Zugriff auf das Gerät erhält. Dies ist bei den meisten Custom Kerneln implementiert und in der Szene selbstverständlich. Die Kernel-App braucht Root Zugriff, um im Verzeichnis /sys Dateien so zu ändern, dass diese Ihren gewünschten Einstellungen entsprechen.

An der CPU drehen

Fangen wir mit dem Über- und Untertakten an. Als Übertakten wird das Betreiben von Prozessoren oder anderer Hardware-Komponenten mit einer Taktfrequenz oberhalb der normalen Hersteller-Spezifikation bezeichnet. Das Ziel besteht dabei darin, eine höhere Rechenleistung zu erzielen. Das Gegenteil hierzu ist das Untertakten: es dient als Energiesparmaßnahme oder dazu, eine längere CPU-Lebensdauer zu erzielen. Die modifizierten Kernel des Samsung Galaxy S II lassen sich bis maximal 1600 MHz takten. (Die Standard-Taktrate des Samsung Galaxy S II beträgt 1,2 GHz.)

Je nach Kernel stehen mehr oder weniger Frequenzen zur Auswahl. Es gibt auch die Option, eine der beiden CPUs dauerhaft zu deaktivieren. Damit lässt sich auch etwas Strom sparen. Natürlich kann man auch die GPU (den Grafikprozessor) über- bzw. untertakten. Auch hierfür bieten die meisten Kernel-Apps die richtige Einstellung, für jeden User ganz individuell.

Abbildung 1: Mit einem Custom Kernel bestimmen Sie selbst, wann die CPU wie schnell arbeiten darf.
Abbildung 1: Mit einem Custom Kernel bestimmen Sie selbst, wann die CPU wie schnell arbeiten darf.

Auch die Option den I/O-Scheduler zu wechseln gibt es. Der I/O-Scheduler verwaltet die Input / Output Zugriffe der Anwendungen und dient zur Organisation der Reihenfolge von Zugriffen. Je nach Scheduler versucht das System einen höheren Datendurchsatz oder niedrigere Zugriffszeiten zu erreichen bzw. sorgt für ein ausgewogenes Verhältnis App-Zugriffen auf den Flash-Speicher. Fortgeschrittene Nutzer können zudem an der Ladespannung drehen, um den Akku durch eine höhere Spannung zum Beispiel im Auto schneller zu Laden.

Abbildung 2: Das richtige Übertakten und Untertakten ist eine Kunst für sich.
Abbildung 2: Das richtige Übertakten und Untertakten ist eine Kunst für sich.

Display einstellen

Sie haben eine Schutzfolie auf dem Display und finden, dass der Touchscreen schlecht reagiert, der Browser stockend scrollt? Auch hierfür halten die meisten Custom Kernel eine Lösung bereit. Stellen Sie einfach mit der zugehörigen Kernel-App die Sensitivität des Touchscreens ein. Auch Änderungen der Blau/Rot-Sättigung sowie der Helligkeit inklusive Gammakorrektur sind möglich. Die Fehlkonfiguration der Farben und der Gamma-Werte ist in den meisten Custom Kerneln so angepasst, dass die Farben intensiver wirken und der bei praktisch allen Geräten vorhandene leichte Gelbstich wegfällt.

Abbildung 3: Auch die Einstellungen des OLED-Displays lassen sich bequem per Android-App ändern.
Abbildung 3: Auch die Einstellungen des OLED-Displays lassen sich bequem per Android-App ändern.

Weitere Vorteile

Wenn Sie gerne Filme in hoher Auflösung auf dem SGS2 schauen, kennen Sie das Problem eventuell: Die Datei lässt sich nicht komplett auf den Speicher laden, da dieser bereits zu voll ist. Auch hier schafft ein eigener Kernel Abhilfe. Der Thoravukk-Kernel unterstützt zum Beispiel das Mounten NTFS formatierter SD-Karten. Auch USB-Sticks und externe USB-Festplatten lassen sich via OTG-Kabel mit dem SGS2 nutzen. Auch der Einsatz einer USB-Maus oder -Tastatur über ein OTG-Kabel ist möglich. Verbindungen zu einem VPN-Netz oder via CIFS zum Windows-Netzwerk bieten die meisten Custom Kernel über die vorkompilierten Kernel-Module tun.ko und cifs.ko. Ein VPN (Virtual Private Network) verbindet zwei Netzwerke, einen Computer mit einem Netzwerk oder zwei Computer über öffentliche Verbindungen wie zum Beispiel das Internet. Eine gute Alternative, um Daten verschlüsselt auszutauschen. Das Common Internet File System (kurz CIFS) ist ein Netzwerk-Dateisystem von Microsoft (ehemals SMB). CIFS baut dabei auf NetBIOS over TCP/IP und SMB auf, und bietet neben der Datei- und Druckerfreigabe weitere Dienste wie zum Beispiel den Windows RPC und den NT-Domänendienst. Die App CIFS-Manager ermöglicht den Zugriff auf CIFS-Ressourcen. Ein Custom Kernel bietet dem Nutzer also sehr viel Potential, um die Hardware des Samsung Galaxy S2 perfekt zu nutzen.

Der Thoravukk-Kernel

Thoravukk [1] basiert auf dem neuesten Samsung-Kernel inklusive Patches von kernel.org für die aktuelle Version 3.0.x. Der Thoravukk-Kernel enthält zusätzliche Governors. Der Governor bestimmt, wann, wie und wie lange die CPUs regieren. Da die CPU am meisten Akku verbraucht, sind die an die Geräte angepassten Governors ein klarer Pluspunkt für den Custom Kernel. Je nachdem, ob Ihnen der Akkuverbrauch wichtig ist oder nicht. Ein weiterer schöner Pluspunkt des Thoravukk-Kernels sind die Backlight Notifications, kurz "BLN". Dieses Feature erlaubt Benachrichtigungen über einkommenden Meldungen (SMS, E-Mail) oder verpasste Anrufe über die Softkey-Beleuchtung. Das Samsung Galaxy S II besitzt keine integrierte LED, deshalb kommt BLN bei vielen Usern sehr gut an.

Flashen für Windows

Windows-Nutzer spielen den Thoravukk-Kernel [2] über die Software Odin [3] ein. Zum Flashen mit Odin sind einige Vorbereitungen zu treffen. Sie benötigen die entsprechenden Treiber, damit Ihr Samsung Galaxy S2 vom PC korrekt erkannt wird. Desweiteren das Programm Odin 3, wobei wir hier die Version 1.85 empfehlen, um möglichen Problemen bei neueren Versionen aus dem Weg zu gehen. Und zu guter Letzt benötigen Sie die *.tar-Datei des gewünschten Kernels.

Haben Sie alle entsprechenden Werkzeuge parat, schließen Sie zunächst alle Prozesse von Samsung Kies über den Task-Manager und starten das Programm Odin. Im ersten Schritt (Abbildung 4, Punkt 1) markieren Sie die Checkboxen bei Auto Reboot und F. Reset Timer. Als Nächstes setzten Sie den Haken bei PDA (Abbildung 4, Punkt 2) und wählen mit einem Klick auf den entsprechenden Button die auf dem PC gespeicherte *.tar-Datei mit dem Thoravukk-Kernel aus. Odin ist nun für den Flashvorgang vorbereitet.

Abbildung 4: Für das Einspielen eines Custom Kernels benutzen Sie unter Windows die Software Odin.
Abbildung 4: Für das Einspielen eines Custom Kernels benutzen Sie unter Windows die Software Odin.

Nun ist es Zeit das Smartphone auszuschalten. Als Vorsichtsmaßnahme entnehmen Sie bitte nun die SIM- und Speicherkarte und starten das Telefon im Downloadmodus. Dies funktioniert beim Samsung Galaxy S2 (i9100) indem Sie folgende Tasten für eine gewisse Zeit gleichzeitig gedrückt halten: [Lautstärke runter]+[Home-Button]+[Power-Button]. Die Sicherheitsabfrage im Downloadmodus bestätigen Sie mit [Lautstärke hoch] und schließen das Galaxy S2 mit Hilfe des USB-Kabels an den Rechner an. Das Feld ID:Com sollte nun, nachdem die Treiber geladen wurden, sich gelb gefärbt haben und den Port anzeigen. Die Portnummer kann vom Bild abweichen.

Nun betätigen Sie den Start-Button (Abbildung 4, Punkt 3) und warten bis der Flashvorgang vollständig vollzogen wurde. Sie sollten bei erfolgreichem Flashen oben links den Eintrag PASS! grün hinterlegt sehen (Abbildung 5). Glückwunsch! Sie haben nun einen neuen Kernel auf Ihrem Galaxy S2.

Abbildung 5: Hat beim Einspielen des Kernels alles geklappt, sehen Sie den Hinweis PASS!.
Abbildung 5: Hat beim Einspielen des Kernels alles geklappt, sehen Sie den Hinweis PASS!.

Anleitung für Linux-Nutzer

Unter Linux nehmen Sie den Flashvorgang mit Hilfe des Programms Heimdall vor. Die meisten Linux-Distributionen bieten dafür Pakete an. Zum Flashen eines Custom Kernels legen Sie bitte die Kernel-Datei (vorzugsweise das zImage) in den Ordner in dem Sie sich gerade in der Shell befinden. Nun müssen Sie das Galaxy S2 in den Downloadmodus versetzen. Entweder nutzen Sie die Tastenkombination [Lautstärke runter]+[Home-Button]+[Power-Button] oder den Befehl

adb reboot download

Der ADB-Befehl funktioniert allerdings nur, wenn das Android SDK auf dem Rechner installiert ist und die Rechte und Pfade richtig gesetzt sind. Falls Sie die Tastenkombination verwendet haben, schließen Sie Ihr Telefon über das USB-Kabel an den Rechner an. Wenn Sie es über den ADB-Befehl in den Downloadmodus versetzt haben, dann lassen Sie das SGS2 einfach noch angeschlossen. Die Sicherheitsabfrage im Downloadmodus bestätigen Sie mit [Lautstärke hoch].

Geben Sie nun zum Flashen des Kernels den Befehl

sudo heimdall flash --kernel zImage

ein und bestätigen Sie die Eingabe mit [Enter]. Heimdall flasht nun den von Ihnen gewählten Custom Kernel und startet das Gerät neu.

Thoravukk Control

Was Sie mit dem neuen Kernel so alles anstellen können, erfahren Sie über die App Thoravukk Control aus Google Play [4]. Die in diesem Artikel abgebildeten Screenshots decken nur ein paar Möglichkeiten der App ab. Holen Sie alles aus Ihrem SGS2 heraus!

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