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Root und Custom-ROMs für das Samsung Galaxy SIII

Der Kernel ist das Zentrum eines jedes Android-Systems, er kontrolliert das Gerät. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie Ihr Samsung Galaxy SIII mit einem alternativen Kernel aus- und aufrüsten.

Er bildet die Schnittstelle zwischen Hard- und Software, doch sein komplettes Potential bleibt oft von den Smartphone-Herstellern ungenutzt: Der Kernel, auch Systemkern genannt. Erfahren Sie, wie Sie mit Hilfe eines Custom-Kernels – also einem von der Android-Community erweiterten benutzerspezifischen Kernel – Features in Ihrem Smartphone freischalten, mehr Power für CPU-lastige Apps erhalten oder ihm die eine oder andere Stunde zusätzliche Akkulaufzeit entlocken.

Abbildung 1: Neben der Android-Version finden Sie in den Einstellungen weitere wichtige Informationen.
Abbildung 1: Neben der Android-Version finden Sie in den Einstellungen weitere wichtige Informationen.

Eine Installationsanleitung für das Samsung Galaxy SIII bzw. für ähnliche Geräte von Samsung finden Sie am Ende des Artikels. Zunächst möchten wir aber auf die Vorteile von benutzerspezifischen Systemkernen eingehen, bevor wir uns an die – für Anfänger oft schwierige – Erstinstallation wagen. Haben Sie bereits unseren Artikel zu Custom-Kerneln für das Galaxy S2 in Android User 10/2012 gelesen, dann können Sie auch gleich zum Abschnitt "Die Installation" springen.

WARNUNG!

Auch wenn die meisten Custom Kernels für das Galaxy S III auf den Software-Quellen von Samsung basieren, verlieren Sie mit der Installation eines alternativen Kernels die Garantie von Samsung. Wagen Sie sich deshalb nur dann an die Installation, wenn Sie genau wissen, was Sie tun. An dieser Stelle sollten wir auch noch erwähnen, dass man mit dem Flashen eines Custom-Kernels automatisch Root-Zugriff auf das Gerät erhält. Dies ist bei den meisten Custom-Kerneln implementiert und in der Szene selbstverständlich. Die Kernel-App braucht Root Zugriff, um im Verzeichnis /sys Dateien so zu ändern, dass diese Ihren gewünschten Einstellungen entsprechen.

Benachrichtigungen auch ohne LED

Der erste große Vorteil gegenüber einem Kernel vom Hersteller bergen so genannte Backlight-Notification-Mods (kurz BLN). Manche Smartphones, wie zum Beispiel das immer noch beliebte Samsung Galaxy S II, besitzen keine eingebaute Benachrichtigungs-LED. Der von der Community entwickelte BLN-Mod ersetzt diese LED im Rahmen der Möglichkeiten: Wenn Sie eine neue SMS oder Nachricht erhalten, beginnt – auch wenn das Display des Geräts ausgeschaltet bleibt – die Hintergrundbeleuchtungen der Softkeys zu leuchten.

Abbildung 2: Mit BLN Control nutzen Sie die Tasten-Beleuchtung als Ersatz für eine Benachrichtigungs-LED.
Abbildung 2: Mit BLN Control nutzen Sie die Tasten-Beleuchtung als Ersatz für eine Benachrichtigungs-LED.

Zwar kann hier nicht die Farbe der Beleuchtung geändert werden, dennoch erkennen Sie mit einem Blick, ob eine neue Nachricht vorhanden ist, ohne das Handy in die Hand oder das Display anschalten zu müssen. Ist ein Custom-Kernel auf Ihrem Smartphone installiert, können Sie zudem mit der im Google-Play-Store erhältlichen App BLN Control [1] weitere Einstellungen am BLN-Mod vornehmen und beispielsweise den Timeout der Beleuchtung verringern, um Energie zu sparen.

Mehr Macht dank Root-Rechten

So gut wie alle Custom-Kernel bringen einen Root-Zugriff mit, also Administratoren-Rechte für Ihr Android-Smartphone oder -Tablet. Alle nachfolgend vorgestellten Apps benötigen Root-Zugriff, um tief im System Parameter oder Einstellungen zu ändern. Und auch triviale Apps wie etwa Screenshot UX [2], nutzen Sie nun ohne Funktionseinschränkung.

Abbildung 3: Eine App bekommt erst dann volle Kontrolle über Ihr Smartphone, wenn Sie den Root-Zugriff gestatten.
Abbildung 3: Eine App bekommt erst dann volle Kontrolle über Ihr Smartphone, wenn Sie den Root-Zugriff gestatten.

Wenn Sie eine App starten, die Root-Rechte benötigt, erscheint zunächst ein Fenster. In diesem gewähren oder verweigern Sie der Anwendung die angeforderten Rechte, so ist für zusätzliche Sicherheit gesorgt. Maliziöse Apps sind so nicht in der Lage im Hintergrund unbemerkt massive Änderungen am System vorzunehmen.

Den Govenor anpassen

Sie haben sich schon immer eine längere Akkulaufzeit gewünscht? Ein Custom-Kernel ist zwar kein zweiter Akku, gegenüber eines Kernel des Herstellers sollte sich die Akkulaufzeit Ihres Handys aber deutlich verbessern lassen. Dies liegt unter anderem daran, dass die von der Community entwickelten Custom-Kernel deutlich aktueller sind und so Probleme, die zu einem erhöhten Batterieverbrauch führen, beheben.

Abbildung 4: Mit der Wahl des Governors beeinflussen Sie die Ansteuerung der unterschiedlichen Taktraten der CPU.
Abbildung 4: Mit der Wahl des Governors beeinflussen Sie die Ansteuerung der unterschiedlichen Taktraten der CPU.

Ein weiterer Vorteil von Custom-Kernels ist zudem, dass Sie selbst mit meist einfach gestalteten Apps Ihr System genau auf sich anpassen können. Mit Hilfe von Voltage Control [3] aus dem Play Store lässt sich zum Beispiel der Governor der CPU ändern. Diese Einstellung regelt die Taktraten einer CPU, sie sorgt dafür dass die CPU bei geringer Auslastung bei niedrigen Frequenzen läuft – und somit Strom spart und bei rechenintensiven Aufgaben hochtaktet.

PowerSave oder OnDemand?

Ob der PowerSave-Governor wirklich Strom spart ist umstritten [4]. Moderne CPUs kennen nicht nur Taktraten sondern auch Schlafmodi, die deutlich größeren Einfluss auf den Stromverbrauch haben. Je schneller die CPU wieder in Tiefschlaf fallen kann, desto mehr Energie wird sie sparen. Indem man sie nun zwingt immer mit niedrigster CPU-Rate zu laufen, verhindert man, dass sie möglichst schnell wieder Einschlafen kann. Mit Powersave spart man daher nur dann Energie, wenn die CPU sowieso bei jeder Taktrate voll ausgelastet wäre (also bspw. bei 3D-Spielen oder Berechnungen). Im normalen Betrieb sollte man OnDemand oder Interactive als Governor nutzen.

Nutzen Sie Ihr Handy meist nur für einfache Aufgaben, dann können Sie auf den Governor PowerSave wechseln. Ihr Handy taktet nun weniger schnell auf der höchsten Stufe hoch. Diverse User berichten von keinen spürbaren Leistungsunterschieden, loben aber die verbesserte Akkulaufzeit. Wenn Sie oft sehr aufwändige Spiele spielen, sollten Sie auf den Governor auf Performance schalten. Diese Einstellung verhindert, dass der Prozessor umgehend wieder seine Taktrate reduziert. Bei Spielen steht so immer die komplette Power bereit.

Die CPU übertakten

Sollte auch diese zusätzliche Leistung nicht reichen, lässt sich ein Handy mit einem Custom-Kernel zusätzlich übertakten. Was auf Computern schon lange mit einfachsten Mitteln möglich ist, können Sie nun auch auf Ihrem Smartphone tun. Die Maximalfrequenz lässt sich mit der App Voltage Control ganz einfach einstellen.

Aber Achtung: Das Übertakten Ihres Handys birgt die selben Gefahren wie das Übertakten eines Computers. Sie sollten es also nicht übertreiben! Für den absoluten Leistungs-Kick bieten manche Kernel zusätzlich die Möglichkeit die GPU, also die Grafikeinheit Ihres Androiden zu übertakten. Falls dies bei Ihrem Smartphone möglich ist, erscheint der Reiter GPU in der App Voltage Control automatisch.

Unter Spannung

Selbst hier endet aber die Liste der möglichen Eingriffe nicht. Sie möchten weiter Akku sparen und schrecken nicht vor Eingriffen in wichtige Systen-Parameter zurück? Dann sollten Sie sich die Stellschrauben in Voltage Control zum Ändern der CPU-Spannung ansehen. Falls es Ihr Kernel erlaubt, lässt sich hier regeln wie viel Spannung der CPU bei bestimmten Taktraten zur Verfügung gestellt wird. Bei diesem sogenannten Undervolting (kurz UV), lassen sich meist die Regler um einige Millivolt nach unten schieben, ohne dass Sie einen Unterschied in der Performance oder Stabilität Ihres Smartphones bemerken.

Abbildung 5: Je niedriger die Spannung, desto niedriger der Stromverbrauch. Zu geringe Werte führen jedoch zu Abstürzen.
Abbildung 5: Je niedriger die Spannung, desto niedriger der Stromverbrauch. Zu geringe Werte führen jedoch zu Abstürzen.

Sollten Sie meist nur Apps wie Kalender, Kontakte und das Telefon nutzen, die dem Handy nur wenig Leistung abverlangen, dann könnte es zudem sinnvoll sein den zweiten CPU-Kern bei Dual-Core-Prozessoren komplett ausschalten. Mit der im Play Store verfügbaren App Core2 Management [5] lässt sich diese Bremse leicht de-/aktivieren. Ein Kern ist bei der heutigen CPU-Qualität für den Alltag vollkommen ausreichend und sollten Sie doch einmal mehr Leistung benötigen, schalten Sie den stillgelegten zweiten Kern jederzeit wieder über die App ein.

Abbildung 6: Wer nur Kontakte oder Telefonie-Funktion seines Androiden benötigt, kann ohne Probleme einen CPU-Kern abschalten.
Abbildung 6: Wer nur Kontakte oder Telefonie-Funktion seines Androiden benötigt, kann ohne Probleme einen CPU-Kern abschalten.

Im Herunterregeln von CPU-Spannung und Abschalten eines Prozessor-Kerns liegt viel Potential die Akkulaufzeit des Handys um mehrere Stunden zu verlängern. Vor allem aber beim Einstellen der Spannungen für die CPU ist Fingerspitzengefühl gefragt, da sonst die Stabilität Ihres Systems leidet. Sollten Sich Abstürze häufen, dann lassen sich die getroffenen Einstellungen allerdings auch schnell wieder zurücksetzen.

Die Installation

Sie haben sich zu einer Installation entschieden? Zunächst müssen Sie sich für einen der vielen Custom-Kernels entscheiden. Dabei müssen Sie beachten, dass diese gerätespezifisch sind, das heißt Sie funktionieren nur auf einem bestimmten Gerät. Sie dürfen also nur Kernel installieren, die auch wirklich für Ihr Gerät entwickelt wurden.

Eine Anlaufstelle, um einen passenden Systemkern zu finden, ist das Forum der XDA-Developers [6]. In den zahlreichen Unterforen zu unterschiedlichen Geräten finden Sie diverse Kernel zum Download. Sollten Sie sich an einer Stelle nicht komplett sicher sein, ob der gewählte Kernel auch wirklich zu Ihrem Androiden passt oder Ihnen das Vorgehen nicht klar sein sollte, dann bietet die deutschsprachige Community Android-Hilfe.de [7] kompetenten Rat.

Sowohl für das Samsung Galaxy SII [8], wie auch das Galaxy S III [9] ist der Abyss-Kernel empfehlenswert. Er basiert auf den Original-Quellen von Samsung, beherrscht aber das Über- und Untertakten, kann weitere CPU-Frequenzen nutzen und auch die GPU-Taktrate beeinflussen. Die folgende Installationsanleitung ist nur für das Samsung Galaxy SIII I9300 gedacht, Installationsvorgänge für andere Geräte von Samsung sind zwar ähnlich, jedoch unterscheiden sich die verwendeten Dateien! Geräte anderer Hersteller sind ein ganz anderes Thema, die hier erwähnten Tools und Kernel sind in diesem Fall nutzlos.

Das Galaxy SIII rooten

Laden Sie zunächst die aktuelle Version des Kernels herunter und schieben die .zip Datei aus dem Download-Verzeichnis Ihres PCs auf die interne oder externe SD-Speicherkarte. Damit ist es allerdings noch nicht getan, ein Kernel lässt sich nicht per Copy&Paste in die Firmware Ihres Androiden integrieren. Sie müssen in einem ersten Schritt das ClockWorkMod Recovery (kurz CWM) als Ersatz des Recovery-Modus des Herstellers einspielen.

ClockWorkMod Recovery?

Der Recovery-Modus dient, wie der Name schon vermuten lässt, zum Wiederherstellung des Systems im Falle eines softwareseitigen Defekts. Das Recovery ist dabei in einer eigenen kleinen Partition auf dem internen Speicher des Handys untergebracht, es stellt eine Oberfläche zur Installation der Recovery-Images da. ClockWorkMod Recovery [10] ist das am meist verbreitetste Custom-Recovery, es erlaubt die Installation von Roms und anderen Firmware-Tweaks.

Dazu benötigen Sie das passende ClockWorkMod-Recovery inklusive Root [11] und eine speziell von Samsung entwickelte Software namens Odin [12], die für das Übertragen der Firmware auf das Handy verantwortlich ist. Windows-User müssen zudem noch den Samsung-USB-Treiber [13] installieren, falls sie auf dem System Samsungs Verwaltungs-Tool Kies 2.0 [14] noch nicht genutzt haben. Laden Sie nun das Recovery-Image CF-Root-SGS3-v6.4.zip (Stand September 2012) sowie Odin herunter und entpacken das Archiv. Die ausführbare exe-Datei aus dem 7z-Archiv starten Sie über einen Dateimanager.

Abbildung 7: Mit Odin kopieren Sie das ClockWorkMod-Recovery wie auch die Root-App auf diverse Samsung-Androiden.
Abbildung 7: Mit Odin kopieren Sie das ClockWorkMod-Recovery wie auch die Root-App auf diverse Samsung-Androiden.

Schalten Sie nun Ihr Samsung-Smartphone aus und halten Sie anschließend die folgenden Tasten gleichzeitig gedrückt: Leiser + Home + Power. Ihr Smartphone startet daraufhin in den Download-Modus, in dem ein kleines Android-Männchen auf dem Display erscheint. Schließen Sie jetzt Ihr Handy mit dem USB-Kabel an den Computer an und warten Sie, bis in dem kleinen Textfeld von Odin unten links die Nachricht Added erscheint.

Klicken Sie anschließend auf den Button Pda und wählen Sie die entpackte Datei CF-Root-SGS3_xxx.tar aus. Wenn Sie sichergestellt haben, dass die ausgewählte Datei eine .tar und keine .zip Endung besitzt, klicken Sie auf Start um den Root-Vorgang einzuleiten. Der CWM wird nun installiert und das Handy anschließend neu gestartet. Falls das Handy nicht durchstarten sollte oder nicht vollständig bootet, entfernen Sie kurz die Batterie um einen Reset des Handys zu erwirken.

Custom-Kernel installieren

Ihr SIII sollte nun bei Autorisierungsanfragen von Root-Apps ein kleines Fenster zeigen, in dem Sie diesen erlauben können. Mit dem Root-Zugang ist nun jedoch noch kein neuer Kernel auf Ihrem Handy installiert worden. Schalten Sie daher Ihr Handy ein weiteres mal aus und starten es diesmal mit der Tastenkombination Lauter + Home + Power. Ihr Smartphone startet daraufhin in den ClockWorkMod. Um nun Ihren Custom-Kernel zu installieren, navigieren Sie mit Hilfe der Lautstärke-Tasten zum Menüpunkt Install zip from sd card und wählen Sie Ihn mit der Power-Taste an.

Gehen Sie nun in das Verzeichnis, in das Sie zu Beginn des Artikels Ihren Custom-Kernel als zip-Archiv gespeichert haben. Selektieren Sie die Datei wieder mit den Leiser-/Lauter-Tasten und wählen sie abschließend mit der Power-Taste zur Installation aus. Beantworten Sie abschließend die Sicherheitsfrage mit Yes. Das CWM spielt nun den Kernel auf das System, nach der Fertigstellung gehen Sie zurück ins Hauptmenü starten mit Reboot system now letztendlich das Smartphone neu.

Ihr Custom Kernel ist nun installiert und Sie können nun alle genannten Features nutzen. Optional bietet der ClockWorkMod auch noch verschiedene weitere Möglichkeiten, wie ein Backup des kompletten Systems, was vor allem vor späteren weiteren Installationsversuchen angelegt werden sollte.

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